Heizung/Energie | Unternehmen & Markt | 07.12.2017

8. Öl-Symposium

Energiewende soll technologieoffen sein

Rund 130 Experten aus der Energiebranche, dem SHK-Handwerk und der Wissenschaft diskutierten am 9. November 2017 beim 8. Öl-Symposium über die Entwicklung des Wärmemarkts. Die Veranstaltung, die gemeinsam vom Institut für Wärme und Oeltechnik e.V. (IWO) und dem Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) ausgerichtet wurde, widmete sich dabei besonders den momentanen Herausforderungen und Unsicherheiten, sei es in Bezug auf Politik, Gesellschaft und Technik. Türen und Windräder gebaut mit Lego-Bausteinen nahmen dabei einen besonderen Platz ein.

  • Die Zukunft des Energiemarktes visualisiert als Lego-Konstruktion. „Offene Türen“ und Technologieoffenheit standen im Fokus der Kreationen. Quelle: srb

  • Die Diskussionsrunde zeigte die Herausforderungen des Energiemarktes auf und bot konstruktive Lösungsansätze für die Klimaschutzziele. Quelle: srb

  • Dr. Michael Fuchs zeigte in seinem Vortrag To-dos für eine erfolgreiche Energiewende auf. Quelle: srb

Unsere Branche befindet sich im Wandel – vielleicht noch nie so stark wie im Moment, beginnt das gemeinsame Startwort von Adrian Willig, Geschäftsführer IWO (www.zukunftsheizen.de), und Andreas Müller, Hauptgeschäftsführer ZVSHK (www.zvshk.de), im Programmflyer zum diesjährigen Öl-Symposium. Sektorkopplung, neue flüssige Energieträger bzw. Erneuerbare Energien, Digitalisierung und die Legislaturperiode einer neuen Bundesregierung sind die Herausforderungen der Branche. Die Referate des Programms behandelten dabei die vielfältigen Ansatzpunkte.

Veranstaltungsprogramm

Zum Auftakt der Veranstaltung sprach der Präsident des ZVSHK, Friederich Budde, die Begrüßungsworte.Darin forderte er gleich zu Beginn alle Beteiligten eindringlich auf, an einer Neuausrichtung des Wärmemarktes mitzuarbeiten. Gesucht seien zukunftweisende Lösungen. „Ich brauche eine Antwort für meine Kunden“, so Budde, wenn die Frage nach einer zukunftssicheren Lösung aufkommt. Dabei gab er zu bedenken, dass man nicht nur fachliche und wirtschaftliche Aspekte als Branchenprofi betrachten dürfe, sondern man sei auch Privatperson, so dass natürlich auch ökologische Gesichtspunkte zum eigenen Wohle und zum Wohle der nächsten Generationen – sprich den eigenen Kindern – eine große Rolle spielen müssen.

Dr. Michael Fuchs, langjähriger stellv. Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Bereich Wirtschaft und Energie, versuchte aus politscher Sicht eine Antwort zu geben. Dabei zeigte er auf, dass zielgerichtete Veränderungen im Wärmemarkt häufig an zu vielen unterschiedlichen Interessen verschiedener Gruppen haperten. Auf eine Elektrifizierung des Wärmemarktes zu setzen, sei zudem abwegig. Es müsse vielmehr ein technologieoffener Wettbewerb möglich sein. Anschließend folgten drei Vorträge über flüssige Energieträger, die aufzeigten, wie die Wärmewende perspektivisch gelingen könnte. So wurde über Biomass-to-Liquid berichtet und welche Rolle erneuerbare Energien bei der Herstellung synthetischer Kraftstoffe spielen können.

Diskussionen und Ideen

Über Lösungsmodelle für die Zukunft wurde dann am Nachmittag diskutiert. Zuerst waren die Teilnehmer bei einer Ideenschmiede selbst im Fokus. Mit Hilfe von Lego-Bausteinen galt es unterschiedliche Problemstellungen und Lösungsansätze zu visualisieren. So sollten zum Beispiel Wünsche an die kommende Bundesregierung dargestellt werden oder wie die Energiewende gelingen kann. Offene Türen, Windräder und Kraftstofftanks fanden sich dabei besonders häufig bei den Ergebnissen. Die „Konstrukteure“ begründeten jeweils die symbolische Darstellung mit dem Wunsch nach Kommunikationsbereitschaft und Technologieoffenheit. In der anschließenden Diskussion kamen Corinna Kodim, Haus & Grund Deutschland, Andreas Lücke, Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie e.V., Andreas Müller, ZVSHK, Udo Sieverding, Verbraucherzentrale NRW e.V. und Adrian Willig, IWO, ebenfalls auf den gemeinsamen Nenner, dass ein Technologiezwang der falsche Weg sei. Vielmehr müsse es individuelle Lösungen geben können, die energetisch und wirtschaftlich Sinn ergeben und den Gebäudebesitzer nicht entmündigen. Die Förderpolitik müsse zudem über Jahre verlässlich sein. Es bestehe ebenfalls viel Aufklärungsbedarf, um die Unsicherheit bei den Endkunden aufzulösen und die Vorteile einer modernen Anlagentechnik aufzuzeigen. Heizungsmodernisierungen mit Brennwerttechnik sei dabei für viele Hauseigentümer nach wie vor ein guter Einstieg in den Klimaschutz. „Hier besteht ein großes Potential für schnelle und nachhaltige Effizienzgewinne. Um dieses weiter heben zu können, benötigen wir attraktive Anreize. Die Austauschförderung für hocheffiziente Brennwerttechnik muss daher unbedingt beibehalten und weiter ausgebaut werden. Eine attraktive Steuerförderung für energetische Sanierungsmaßnahmen wäre hier ein großer Fortschritt“, so Adrian Willig, IWO.

Zur Zukunft der rund 5,6 Millionen Bestands-Ölheizungen in Deutschland, erläuterte Andreas Müller vom ZVSHK, dass hier künftig in drei Schritten ein zunehmend klimaneutraler Gebäudebestand erreicht werden könne: „Das lässt sich durch Effizienzsteigerung, die verstärkte Kombination mit erneuerbaren Energien und die Entwicklung neuer treibhausgasreduzierter Brennstoffe ermöglichen.“

Fazit

Selten waren sich bei einem Fachsymposium unterschiedliche Interessensvertreter – sei es aus Politik, Verbraucherschutz, Industrie oder Handwerk – so einig: Technologieoffenheit und verlässliche Förderpolitik wird sich von der neuen Bundesregierung gewünscht. Auch mit Lösungsansätzen geizt die Branche nicht. Synthetische Kraftstoffe könnten schon heute auch im Wärmemarkt schrittweise – z.B. per Beimischung – eingeführt werden. Bei den Heizgeräten seien keine grundlegenden Anpassungen dafür notwendig und man könne auf die bestehende Infrastruktur bei Verteilung und Lagerung bauen. Verträgliche, schrittweise Veränderungen des Wärmemarktes seien so möglich und die Klimaschutzziele wohlmöglich erreichbar.  

Autor: Sascha Brakmüller
SHK Profi-Redaktion
Gütersloh

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