Sanitär & Wasser | Installationssysteme & -materialien | 12.03.2018

Leitungen räumlich und thermisch trennen

Wärmeübergang in Trinkwasser-Installationen

Wandarmaturen, wie sie in vielen großen Liegenschaften wie Hotels oder Krankenhäusern zum Alltag dazugehören, können Probleme machen. Treffen nämlich die an die Armatur angeschlossenen Warm- und Kaltwasserleitungen aufeinander, greifen die 55 bis 60 °C der Warmwasserleitung auf das kalte Wasser über – und das ist hygienisch heikel. So kann es zur Verkeimung des Trinkwassers kommen. Bei welchen Armaturen und Installationsarten dieses Problem entsteht und wie man es in den Griff bekommt, das untersuchen Prof. Dr. Carsten Bäcker und Projektingenieur Stefan Brodale von der FH Münster.

  • Prof. Dr. Carsten Bäcker (l.) und Stefan Brodale schließen eine Armatur an ihr aufgebautes Trinkwasser-Installationsmodell mit Warm- und Kaltwasserleitung an. Quelle: FH Münster/Pressestelle

  • Für den Forschungsauftrag hat das Team im Labor für Haus- und Energietechnik der FH Münster eine Testwand inklusive Vorwand und Schacht aufgebaut. Quelle: FH Münster/Energie – Gebäude – Umwelt

Die Fachhochschule Münster bearbeitet im Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt zurzeit einen Forschungsauftrag für das Gebäudetechnikunternehmen Gebr. Kemper (www.kemper-olpe.de) aus Olpe. Im Zuge dessen untersuchten Prof. Dr. Carsten Bäcker und Projektingenieur Stefan Brodale von der FH Münster wie Leitungssysteme in der technischen Gebäudeausrüstung sich thermisch beeinflussen: „Wir haben herausgefunden, dass das Verkeimungsproblem vor allem auftritt, wenn die Warm- und Kaltwasserleitung sowie die Zirkulationsleitung im Hohlraum der Vorwand zu eng beieinanderliegen“, berichtet Prof. Bäcker.
„Durch das Luftvolumen und den zu geringen Abstand greift die Hitze der Warmwasserleitung nämlich auf die Kaltwasserleitung über.“

Installationsspezifische Unterschiede

Zusätzlich komme es auf die Art der Armatur und die der Installation an – bei Wandarmaturen trete das Problem beispielsweise häufiger auf als bei Stand­armaturen.

Die Empfehlung der beiden Gebäudetechnikexperten lautet deshalb wie folgt: Die Leitungen sollten mit genug räumlichem Abstand verlegt werden, mindestens einem Meter. „Wir verlegen die Leitungen nicht parallel, sondern die Warmwasserleitung oberhalb der Armatur und die Kaltwasserleitung unter ihr – so steigt die sich erwärmende Luft rund um die Warmwasserleitung nach oben und hat keinen Einfluss auf die Kaltwasserleitung“, fasst Brodale zusammen. Dieses Prinzip hat das Forschungsteam in seinen messtechnischen Untersuchungen auch für die gängigen Installationsarten wie die T-Stück-Installation, das Durchschleifen und die Ringinstallation bestätigen können.

Versuchsparameter

Herausgefunden haben Bäcker und Brodale dies mithilfe einer selbstgebauten Vorwand inklusive Schacht, in der sie verschiedene Armaturen installiert und mindestens 15 Stunden betrieben haben. Mit einer Thermografiekamera haben sie Momentaufnahmen machen können, die sie dann miteinander verglichen. „Wir empfehlen außerdem, den Schacht mit seinen Leitungen thermisch von der Vorwand abzutrennen“, sagt Bäcker. „Bei genug räumlichem Abstand der Leitungen plus Thermotrennung konnten wir die besten Temperaturergebnisse für die Kaltwasserleitung erzielen. Das ist auf unseren Aufnahmen eindeutig erkennbar.“

Weitere Informationen

https://www.fh-muenster.de/egu

Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt

https://www.fh-muenster.de/fb4/personen/baecker/baecker-carsten.php

Prof. Dr. Carsten Bäcker

Thematisch passende Beiträge

  • Wärmetransport verhindern

    Die Hygienebox von Tece verhindert bei Warmwasserinstallationen einen Wärmetransport über die Armatur zur Kaltwasserseite, der in der Praxis immer wieder zu Problemen und kostspieligen Reklamationen führt. Die anschlussfertige Hygienebox führt die Warmwasserleitung oberhalb der Warmwasserwandscheibe. In dem kurzen senkrechten Leitungsstück zwischen Wandscheibe und Warmwasserleitung stellt sich...

  • Armatur mit Flächentaster

    „Soul Kitchen“ ist eine Armatur mit Flächentaster. Dieser wird vor der Spüle auf Hüfthöhe installiert. Er erlaubt eine fast berührungslose Steuerung des Wasserhahns. So kann das Wasser selbst mit vollen oder verschmutzen Händen an- und ausgedreht werden. Unter dem Waschbecken angebracht, genügt ein leichter Stups auf die 6 x 25 cm kleine Platte – locker aus der Hüfte –, um das Wasser fließen zu...

  • Sicherheit und Komfort

    „Lidar“ ist eine praxisgerechte und leicht bedienbare, elektronische Armatur. Die automatische Armatur setzt den Wasserfluss berührungslos in Gang – genau so lange und genau so warm oder kalt, wie es individuell eingestellt wurde. Sie empfiehlt sich dort, wo Handicaps ein normales Hantieren mit Armaturen erschweren. Die Armatur gibt es mit und ohne Temperatureinstellung sowie mit Batterie oder...

  • Formschöne Armaturenserie

    Die Grohe-Armaturenlinie „Concetto“ zeigt sich in reduzierter, klarer und ergonomischer Form mit flexiblen Kombinationsmöglichkeiten. Zu der großen Auswahl gehören Einhandmischer, Drei-Loch-Armaturen mit hohem Auslauf, Zwei-Loch-Wandarmaturen und Vier-Loch-Wannenkombinationen. Ungewöhnlich und ein echter Blickfang sind die asymmetrisch­en Aufputz-Wannen- und -Dusch-Armaturen. Dazu gibt es die...

  • Schwenkbare Armatur

    Mit einer weiteren „Plan-blue“-Armatur hat Keuco eine Waschtischarmatur mit schwenkbarem Auslauf im Sortiment, die viel Platz beim Händewaschen und mehr Komfort beim Haare waschen bietet. Durch ihr zeitloses Design sind die Armaturen universell einsetzbar und harmonieren mit verschiedenen Einrichtungsstilen. Gleichzeitig lässt sich mit den Armaturen Wasser sparen, denn die Durchflussmenge beträgt...

alle News

News der TGA- und Kältebranche

Top 5 - Meistgelesen

Finden Sie mehr als 4000 Anbieter im EINKAUFSFÜHRER BAU - der Suchmaschine für Bauprofis!

Content Management by InterRed