Sanitär & Wasser | Wasseraufbereitung & -behandlung | 26.02.2013

Trinkwasserhygiene

Rohr- und Systemtrenner

Aufklärung tut not

  • So darf es im Keller nicht aussehen Eine unzulässige Schlauchverbindung zwischen Trinkwassersystem und Heizungsanlage Fotos: Honeywell GmbH, Haustechnik

  • Die Flüssigkeitskategorien Wasser wird laut DIN EN 1717 in fünf Kategorien aufgeteil.

  • Die drei Druckzonen eines Systemtrenners Schnittmuster durch den Systemtrenner „BA298“ von Honeywell

  • Bauarten Systemtrenner BA und …                          

  • … Systemtrenner an Standrohr

  • Zugelassen bis Kategorie 4 Rohrtrenner  der Bauart GB

  • So nicht! Ein solcher Schlauchanschluss zwischen Trinkwassersystem und Heizungsanlage - z.B. zum Nachfüllen – ist nicht zulässig

  • So ist es gut! Ein Systemtrenner in z.B. einer Nachfüllkombination sorgt für eine sichere Trennung von Trink- und Heizungswasser

  • Keine Limonade! In dieser Flüssigkeit sind die aus einem Gartenschlauch herausgelösten Rückstände eines Biofilms: Der Schlauch wurde einen Sommer lang benutzt, dann entleert und im Keller deponiert, der getrocknete Biofilm wurde lediglich mit einem Viertelliter klarem Wasser ausgespült

Die Praxis zeigt, dass nur wenige Endverbraucher sich der Risiken mangelhafter Trinkwasserhygiene bewusst sind. Insbesondere beim Anschluss neuer oder mobiler Apparate sowie bei der Instandhaltung führen Nachlässigkeiten zu einer signifikanten Gefährdung der Benutzer. Die Nachlässigkeiten im häuslichen Bereich lassen sich beispielhaft an der Absicherung der nach DIN EN 1717 klassifizierten Kategorien drei und vier aufzeigen.

Das Fachhandwerk ist der erste Ansprechpartner für die Endkunden, wenn es um Fragen zu den hygienischen Risiken einer Trinkwasserinstallation geht. Es ist dabei unerlässlich, dass die Kommunikation vom Fachhandwerk angestoßen wird. Jedoch gilt es Fingerspitzengefühl zu zeigen und, ohne Konfusion zu erzeugen, deutlich zu machen, welche Bedeutung die Trinkwasserhygiene auch beim Endverbraucher haben sollte.

 

Über den Sinn der Regelwerke aufklären

Unkommentierte Verweise auf Regelwerke, Vorschriften und Gesetze reichen nicht aus. Dem mündigen Menschen widerstrebt seit jeher das Diktat von oben, vor allem dann, wenn sich ihm der Sinn nicht erschließt. Daher muss dem Verbraucher auch erklärt werden, dass in punkto Trinkwasserhygiene die Regelwerke einzig den Schutz des Menschen zum Ziel haben. Es geht um die Gesundheit des Nutzers und um die seiner Familie sowie seiner Nachbarn.

 

Jeder Anschlussnehmer ist in der Pflicht

Trotzdem lässt es sich nicht umgehen, kurz einen rechtlichen Aspekt der Trinkwasser­hygiene anzusprechen. Kaum ein Hausbesitzer ist sich der Pflichten bewusst, die er durch den Anschluss seines Gebäudes an die Wasserversorgung einhalten muss. Die örtlichen Wasserversorger legen hier in aller Regel die AVBWasserV zugrunde. Auch wenn die Formulierungen der ortsgebundenen Wassersatzungen variieren, entsprechen sie weitestgehend der AVBWasserV. Sinngemäß enthalten die Satzungen im Allgemeinen Hinweise darauf, dass der Anschlussnehmer auch gegenüber Dritten haftbar gemacht werden kann, wenn seine Trinkwasseranlage nicht den anerkannten Regeln der Technik entspricht oder wenn durch Unterlassung der Instandhaltung ein Schadenfall entsteht. Das heißt, dass ausnahmslos jeder Anschlussnehmer in der Pflicht steht. Auch kann sich niemand darauf berufen, dass ihn die Problematik im selbst genutzten Objekt nicht beträfe.

 

Exkurs ins Regelwerk

Wie die Trinkwasseranlagen vor einer Gefährdung durch Rücksaugen- oder Rückdrücken zu schützen sind, regeln die DIN 1988 respektive EU-Normen. Bis zur vollständigen Fassung der DIN EN 806 in allen ihren Teilen ist neben der nationalen Norm die DIN EN 1717 zu beachten. Deren Anforderungen sind nebst dem entsprechenden nationalen Anhang diesem Beitrag zugrunde gelegt. Maßgeblich für die Einschätzung des Gefährdungspotentials ist die Klassifizierung des Wassers in fünf Abstufungen (siehe Tabelle).

Kategorie eins ist Wasser für den menschlichen Gebrauch, von dem keinerlei Gefährdung ausgeht. Kategorie zwei ist verändertes Wasser, das jedoch keine Gefährdung darstellt (zum Beispiel erwärmtes Trinkwasser). Ab Kategorie drei beginnt die Gesundheitsgefährdung. Hier sind einer oder mehrere giftige Stoffe im Wasser enthalten. Diese Kategorie gilt häuslichen Bereich zum Beispiel für:

Badewanneneinläufe unter dem

Wannenrand,

Beregnungsanlagen (Überflur),

Heizungsfülleinrichtungen

(ohne Zusätze).

In Kategorie vier sind diese Stoffe wesentlich konzentrierter, daher besteht hier eine noch größere Gefährdung. Hierzu gehören:

Badelifter mit Funktionsteilen über dem Wannenrand,

Enthärtungs- und Entsäuerungsanlagen,

Heizungsfülleinrichtungen (mit Zusätzen),

Hochdruckreiniger mit Chemikalienzugabe.

Kategorie fünf sind Wässer, die mikrobiologische oder viruelle Erreger übertragbarer Krankheiten enthalten. Hierzu gehören WC-Becken und Urinale, oder auch die Regenwassernutzung.

 

Technische Lösungen

Wässer der Flüssigkeitskategorien drei und vier sind in jedem Wohnobjekt zu finden. Ihrem Risiko entsprechend benötigen sie eine hochwertige Absicherung, ein Rückflussverhinderer ist hier nicht mehr ausreichend. Geeignete Sicherungsarmaturen sind Rohr- oder Systemtrenner. Diese arbeiten in aller Regel mechanisch und setzen zur Sicherstellung der dauerhaften Funktion eine entsprechend Instandhaltung voraus. Wie diese zu erfolgen hat, beschreiben die DIN 1988 in Teil 8 beziehungsweise die DIN EN 806-5. Die hierin festgelegten Standards definieren das Minimum dessen, was für den Funktionserhalt einer Trinkwasseranlage nötig ist. Unentbehrlich ist hierbei die Einhaltung der Inspektions- und Wartungsintervalle. Ohne Einschränkung darf die Flüssigkeitskategorie drei mit Rohrtrennern der Bauart BA, CA sowie GA und GB abgesichert werden. Die Form CA ist ein Systemtrenner mit drei Druckzonen.

Die Trennung erfolgt durch Entleeren der Mitteldruckzone. Getrennt wird ab einer Druckdifferenz von 10 % zwischen dem Zulaufdruck und der Mitteldruckzone. Die Armatur eignet sich beispielsweise zur Absicherung von Heizungsnachspeiseeinrichtungen, bei Heizungswasser ohne Zugabe von Inhibitoren (Korrosionsschutz). Bei der Form BA handelt es sich um einen Systemtrenner mit kontrollierbarer Mitteldruckzone und ebenfalls drei Druckzonen. Sinkt der Druck in der mittleren Kammer auf 0,14 bar ab, erfolgt die Trennung mittels hydromechanischer Absperrungen, wobei sich die Mitteldruckkammer entleert. Systemtrenner des Typs BA eignen sich bis zur Flüssigkeitskategorie vier. Dazu gehört im häuslichen Umfeld die Heizungsnachspeisung für Wasser mit Inhibitoren. Darüber hinaus ist der Systemtrenner BA eine wirksame Alternative zur Absicherung von Außenzapfstellen und lässt sich problemlos nachträglich anbringen. Diese Absicherung eignet sich auch für Notversorgungen, Bauanschlüsse und bei Veranstaltungen. Letzteres birgt durch die Vielzahl der angeschlossenen Apparate und die stark variierende Anlagenkonfiguration ein hohes Gefährdungspotential.

Rohrtrenner arbeiten mit zwei Druckzonen. Die Trennstellung erfolgt mithilfe einer vorgespannten Feder. Bei der Bauart GA beginnt der Durchfluss, wenn der Einstelldruck ≥ 0,5 bar beträgt. Die Ausführung GB geht bei einer Druckdifferenz zwischen Eingang- und Ausgang von ≥ 0,15 bar in Durchflussstellung. Die Bauart GA ist bis zur Flüssigkeitskategorie drei, die Bauart GB bis Kategorie vier zugelassen.

 

Häufige Mängel im häuslichen Bereich

Die Regenwassernutzung wird vom Verbraucher gerne als Baumarktvariante verwendet und ohne jede Fachkenntnis installiert. Vor allem ist er sich nicht bewusst, welche Stoffe im Regenwasser enthalten sein können. Neben chemischen Rückständen aus der Luft ist das Regenwasser vor allem durch Vogelkot belastet. Die erhebliche mikrobiologische Konzentration ist in hohem Maß gesundheitsgefährdend. Hier muss eine strikte Trennung der Leitungssysteme erfolgen. Die Absicherung des Trinkwassers ist nur durch einen freien Auslauf gegeben.

In Trinkwasseranlagen sind Entnahmearmaturen mit Schlauchverschraubung, zum Beispiel die Zapfstelle im Außenbereich, im Grunde genommen ebenfalls der Flüssigkeitskategorie fünf zugeordnet. Sie stellen jedoch einen der wenigen Sonderfälle der DIN EN 1717 dar, bei denen die Absicherung unter bestimmten Voraussetzungen nach einer niedrigeren Kategorie erfolgen darf. Die Absicherung einer Entnahmearmatur mit Schlauchverschraubung darf dann nach Kategorie drei vorgenommen werden, wenn die Armatur über dem maximalen Betriebswasserspiegel montiert ist und die Zapfstelle ausschließlich zum Waschen, Reinigen oder für die Gartenbewässerung dient. Die Absicherung erfolgt durch eine Sicherungskombination aus Rückflussverhinderer und Rohrbelüfter.

Diese Regelung ist auf den Anwendungsfall kritisch zu hinterfragen. Sie setzt voraus, dass die Absicherung nicht ständigem Rückdrücken ausgesetzt ist und die Sicherungskombination mindestens 250 mm über dem höchstmöglichen Betriebswasserspiegel montiert ist. In einem Drucksystem ist der Betriebswasserspiegel die maximal mögliche Druckhöhe. Vor allem die im häuslichen Bereich zunehmend eingesetzten Hochdruckreiniger dürfen demnach nicht an diese Zapfstellen angeschlossen werden. Hier empfiehlt es sich, nach der Kategorie vier abzusichern. Werden Hochdruckreiniger angeschlossen, bei denen die Zugabe chemischer Mittel möglich ist (Mittel gegen Algen, Reinigungszusätze), muss die Absicherung zwingend nach Kategorie vier erfolgen.

 

Nicht mehr erlaubt!

Der früher übliche kurzzeitige Anschluss ist in der DIN EN 1717 nicht mehr zu finden und entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Früher wurde diese Anschlussart hauptsächlich für die Heizungsnachfüllung und die Außenzapfstellen geduldet. Wie sich in der Praxis zeigte, entwickelte sich diese Anschlussvariante zum dauerhaften Anschluss.

Das Gefährdungspotential, vor allem bei Heizungswasser mit Inhibitoren (Flüssigkeitsklasse vier) ist erheblich. Außerdem ist ein ständig angeschlossener Gartenschlauch in aller Regel mikrobiologisch hoch belastet. An den Innenwänden der Kunststoff- und Gummimischungen bilden sich Biofilme. Begünstigt durch die Sonneneinstrahlung, ist der Schlauch eine optimale Brutstätte für Bakterien. Was selbst Fachleute kaum wissen: Bakterien können beim Öffnen der Zapfarmatur gegen das fließende Wasser wandern und gelangen problemlos in die Trinkwasseranlage.

Autor: Peter Schott,

Honeywell GmbH/Haustechnik

Mosbach

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