Sanitär & Wasser | Installationssysteme & -materialien | 07.12.2017

Totraumfreie Magnetventile

Stagnations- und Verkeimungsschutz

Elektronische Armaturen stehen vielfach im Ruf, Stagnation und Keimbildung zu begünstigen. Nicht ganz zu Unrecht: durch den komplexen Aufbau herkömmlicher Magnetventile sowie die Verwendung von Gummimembranen kommt es zu einem unvollständigen Wasseraustausch. Membranlose Lösungen mit totraumfreiem Magnetventil bieten hier eine hygienische Alternative und garantieren vollständigen Wasseraustausch.

  • Totraumfreies Magnetventil Quelle: KUHFUSS DELABIE

  • Elektronische Armaturen mit totraumfreiem Magnetventil sind auch in sensiblen Bereichen einsetzbar. Quelle: KUHFUSS DELABIE

  • Elektronische Armatur mit membranlosem Magnetventil Quelle: KUHFUSS DELABIE

Je komplexer der innere Aufbau einer Armatur ist und je mehr „versteckte“ Räume vorhanden sind, die nicht regelmäßig durchspült werden, desto größer ist auch das Kontaminationsrisiko. Denn hier kann sich Biofilm ungehindert festsetzen und ausbreiten.

Ein Beispiel für so einen „versteckten“ Raum ist der Totraum hinter der Gummimembran, die in den meisten elektronischen Armaturen zum Einsatz kommt. Wird die Membran erst einmal porös, kann Wasser dahinter gelangen, das niemals erneuert wird. Hier ist die Gefahr der Ausbildung von Bakterien und Keimen besonders hoch und auch eine automatische Hygienespülung hilft dann nicht mehr.

Neben dem inneren Konstruktionsaufbau kann auch das verwendete Material eventuelle Besiedlungen durch Mikroorganismen begünstigen: raue Armatureninnenflächen bieten mehr Oberfläche und Rückzugsräume für Bakterien und „verkalkungsfreundliche“ Materialien fördern ihr Wachstum, da Kalk und Schmutz den Bakterien als Nährboden dienen.

 

Bestimmungsgemäßer Betrieb

Zu den zentralen hygienischen Herausforderungen an Trinkwasser-Installationen zählt die Sicherstellung des bestimmungsgemäßen Betriebs. Die VDI 6023 „Hygiene in Trinkwasser-Installationen“ vom April 2013 enthält konkrete Anforderungen für den Erhalt einer hygienisch einwandfreien Trinkwasser-Installation. So definiert sie, unter anderem, den bei der Planung zugrundeliegenden bestimmungsgemäßen Betrieb.

Der bestimmungsgemäße Betrieb stellt sicher, dass an jeder Stelle der Trinkwasser-Installation innerhalb von 72 Stunden ein Wasseraustausch durch Entnahme stattfindet. In Installationen mit fehlendem Wasseraustausch über mehr als 72 Stunden gilt der Betrieb als unterbrochen. In diesem Fall muss bei Wiederinbetriebnahme durch Öffnen der Entnahmearmaturen der vollständige Trinkwasseraustausch der Anlage oder Anlagenteile sichergestellt werden. Bei Trinkwasser-Installationen, deren bestimmungsgemäßer Betrieb mehr als 4 Wochen unterbrochen wird, müssen die Leitungen vor der Unterbrechung abgesperrt und bei Wiederinbetriebnahme regelkonform gespült werden. Und bei Trinkwasser-Installationen mit Betriebsunterbrechungen von mehr als 6 Monaten Dauer sind die vorher genannten Maßnahmen und zusätzlich mikrobiologische Kontrolluntersuchungen gemäß TrinkwV und auf Legionellen durchzuführen.

Auch die Entnahmestellen sind laut Definition Teil der Trinkwasser-Installation. Eine Trinkwasser-Installation umfasst die Gesamtheit der Rohrleitungen, Armaturen und Apparate, die sich zwischen dem Punkt des Übergangs von Trinkwasser aus einer Wasserversorgungsanlage an den Nutzer und dem Punkt der Entnahme von Trinkwasser befinden, so die Richtlinie VDI-DVGW 6023. Das heißt, auch Entnahmestellen sind im Abstand von 72 Stunden zu spülen.

Grundsätzlich sind zwei Varianten zur Sicherstellung des bestimmungsgemäßen Betriebs in nicht durchgängig genutzten Objekten denkbar: simulierte Entnahmen durch manuelles Spülen gemäß Protokoll sowie simulierte Entnahmen durch automatische Spülungen.

Die meisten Planer ziehen automatische gegenüber manuellen Spüllösungen vor. Als Begründung werden häufig Risiken in der Umsetzung und der zur manuellen Spülung erforderliche personelle Aufwand angeführt.

Zur Sicherstellung automatischer regelmäßiger Spülungen an der Entnahmestelle bieten viele namhafte Hersteller bereits seit vielen Jahren elektronische Waschtischarmaturen an. Diese verfügen in der Regel über eine „intelligente“ Steuerung, die ausbleibende Nutzungen erkennt und nach einer bestimmten Zeit, in der Regel 12 oder 24 Stunden nach der letzten Nutzung, eine kurze Spülung auslöst. Durch diese Spülung, sie dauert in der Regel maximal eine Minute, kann das in der Armatur und in der Stichleitung befindliche Wasser ausgetauscht werden.

Vollständige Entleerung

Seit einigen Jahren werden im Bereich der elektronischen Armaturen auch totraumfreie Lösungen angeboten. Fakt ist, dass elektronische Armaturen von vielen Betreibern, insbesondere aus dem Gesundheitsbereich, kritisch gesehen werden. Hintergrund sind verschiedene Studien, die eine Verkeimung in den wasserführenden Teilen dieser Armaturen nachgewiesen haben. Alle Studien, die einen Zusammenhang zwischen elektronischen Armaturen und Verkeimungen aufgezeigt haben, wurden jedoch mit Armaturen durchgeführt, die aufgrund ihrer Bauweise Stagnationsbereiche in der Wasserführung aufweisen. In diesen Bereichen wird das Wasser nie oder nicht komplett ausgetauscht, daher finden alle Arten von Keimen hier ideale Wachstumsbedingungen. Um die vollständige Entleerung gemäß VDI 6023 sicherzustellen, wurden elektronische Armaturen mit membranfreiem Magnetventil entwickelt. Der Vorteil: der innere Aufbau ist einfach und Toträume gibt es nicht. Bei diesem Magnetventil mit Kolben entleert und erneuert sich das Wasser bei jeder Benutzung. Bakterien bleibt kein Rückzugsraum und damit keine Entwicklungsmöglichkeit. Kuhfuss Delabie (www.kuhfuss-delabie.de) stattet eine Vielzahl der elektronischen Armaturen mit solch einem totraumfreien Magnetventil aus. Durch die patentierte Bauweise sowie die automatische Hygienespülung nach 24h Nichtbenutzung sind es die einzigen Armaturen auf dem Markt, die einen vollständigen Wasseraustausch in sämtlichen wasserführenden Teilen inklusive Magnetventil sicherstellen. So erfüllen sie zu 100 % die Forderung der VDI/DVGW Richtlinie 6023 nach Wasseraustausch durch Entnahme in der Gesamtheit der Trinkwasser-Installation einschließlich Armaturen sowie die Anforderungen der europäischen Norm DIN-EN 806-5. Darüber hinaus begrenzt die selbstreinigende Funktionsweise mit kalibrierter Nut die Ablagerung von Schmutzpartikeln, welche sonst die Lebensdauer einiger Bauteile beinträchtigen kann und Mikroorgansimen Nahrung bietet. Angenehmer Nebeneffekt: durch das sanfte, langsame Schließen des Magnetventils werden Druckschläge in der Trinkwasser-Installation verhindert. Zudem ist der Energieverbrauch sehr gering, da es sich um ein bistabiles Magnetventil handelt: Dabei werden nur zwei Impulse gesendet, einer zum Öffnen und ein weiterer zum Schließen des Wasserflusses (bei monostabilen Magnetventilen wird während der gesamten Nutzung Energie verbraucht).

Autor: Lydia Jung
Kuhfuss Delabie
Dortmund

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