Abgasschall-Interview

Antworten zum Abgasschall

Lärm – und wie man ihn bekämpft

 „Ruhe bitte“ – wünschen sich wohl die meisten Deutschen in ihrem Eigenheim und in ihrer Umgebung. Laut einer Befragung des Umweltbundesamtes fühlen sich ca. 70 % der deutschen Bevölkerung durch Lärm jeglicher Art gestört, der gesundheitliche Risiken mit sich bringt. Deshalb gilt es, nicht nur im sprichwörtlichen Sinn Ruhe zu bewahren. Auch Heizungen sowie deren Abgasanlagen können Störquellen sein, die jedoch durch den Einsatz der richtigen Zusatzkomponenten auszuschalten sind. Doch was hat es mit dem nervtötenden Lärm auf sich? Wie kann man diese Schallauswirkungen bekämpfen? Darüber sprechen wir mit Günter Fischer, dem Leiter Vertrieb der Raab-Gruppe.


SHK Profi: Herr Fischer, wie entstehen die Geräusche von Feuerstätten und Abgasanlagen überhaupt?

G. Fischer: Die Geräuschentwicklung in Feuerstätten, vor allem mit mechanischer Verbrennung (Brennergebläse, Motoren etc.) ist ein Mix aus einer Reihe von Grundgeräuschen. Sie entstehen durch gebläseunterstützte Brennstoffaufbereitung (Brennstoff-/Luft-Vermischung), die Verbrennung selbst und viele Reflexionen aus der inneren Kesselkonstruktion und dem Abgasweg. Am Ende, also am Übergang Feuerstätte/Abgassystem, finden wir dann einen Geräuschpegel in den verschiedensten Frequenzzusammensetzungen vor. Dieses Geräusch setzt sich dann im Abgasweg in ebenfalls unterschiedlicher Ausprägung – abhängig vom Abgassystem und seiner Geometrie – durch das Gebäude in Richtung Mündung über Dach fort.

Das Abgassystem an sich erzeugt selbst keine Geräusche, überträgt diese aber innerhalb der Rohrsäule mit nur geringer Reduktion.

SHK Profi: Besonders problematisch wird es dann, wenn die gesetzlichen Richtlinien nicht eingehalten werden.

G. Fischer: Genau. Legt man beispielsweise die TA Lärm zugrunde, so darf der Geräuschpegel tagsüber 55 und nachts sogar 40 dB(A) nicht überschreiten. Diese Werte gelten für allgemeine Wohn- sowie Kleinsiedlungsgebiete. In reinen Wohngebieten ist der Wert mit 35 dB(A) noch strenger. Gemessen wird dies übrigens mit einem Abstand von ½ m vor dem geöffneten Fenster von schutzbedürftigen Räumen. Zu denen zählt unter anderem das Schlafzimmer.

Damit sind aber noch nicht die Probleme durch Geräusche aus benachbarten Wohnungen gelöst, die durch haustechnische Einrichtungen und Installationen entstehen. Für einen Bauherrn ist es daher auf jeden Fall empfehlenswert, den sogenannten „erhöhten Schallschutz gemäß Beiblatt 2“ der DIN 4109 zu vereinbaren – dies entspricht in etwa der Schallschutzstufe II der VDI 4100. Im Gegensatz zur DIN 4109 fordert die VDI 4100 die Installationsgeräuschpegel mit Betätigungsgeräuschen und setzt damit strengere Kriterien voraus. Darauf ist bei der werksvertraglichen Vereinbarung zu achten. Darüber hinaus gilt es, die VDI-Richtlinie 2715 (Lärmminderung an Warm- sowie Heißwasser-Heizungsanlagen) zu beachten.

SHK Profi: Welche Faktoren sind schuld an einer derartigen Geräuschbelästigung?

G. Fischer: Alle mechanischen Heizungsanlagen erzeugen naturgemäß Geräusche. Heute sind die Wärmeerzeuger sehr gut gegen Abstrahlgeräusche aus dem Inneren geschützt. Nicht so leicht jedoch kann man den natürlichen Verbrennungsgeräuschen Herr werden, die sich über den offenen Abgasweg nach oben verbreiten. Neben den „Sorgenkindern“, die häufig für ihren hohen Geräuschpegel bekannt sind, gibt es zahlreiche Einflussfaktoren. Das können beispielsweise die Bauart von Heizkessel oder Brenner sein, Durchmesser und Höhe der Abgasanlage oder aber die Anzahl der vorhandenen Umlenkungen.

SHK Profi: Und welche Anlagen sind häufig die „Störenfriede“ in Sachen Abgasschall?

G. Fischer: Wärmeerzeuger sind nicht von vorneherein störende Geräte im Haus. Es kommt immer auf die jeweilige Platzierung im Gebäude sowie die entsprechende Vorbereitung des Aufstellraumes an oder einer entsprechenden schalldämpfenden Maßnahme. Vor allem dann, wenn von vorneherein bekannt ist, dass das Gerät besonders geräuschemittierend ist. (Die Hersteller geben die Abstrahlwerte und Abgasschallwerte meist exakt an.)

Geschieht das nicht, kann es tatsächlich vorkommen, dass z.B. Blockheizkraftwerke und große Heizkesselanlagen im schlimmsten Fall unangenehme Geräusche wie Brumm- oder Pfeiftöne in das Umfeld emittieren. Die Frequenzen eines BHKW oder manch anderer, auch kleinerer moderner Heizgeräte liegen wesentlich tiefer als bei herkömmlichen Öl- oder Gasgebläsekesseln, nämlich in den entscheidenden Peaks durchaus im Bereich von 40 bis 100 Hz. Und eben diese tieffrequenten Töne können nur schwer gedämpft werden; die üblichen Vorkehrungen reichen hier oft nicht aus.

SHK Profi: Welche Maßnahmen kann der Betreiber denn bereits im Vorhinein treffen, um eine leise Betriebsweise seiner Heizungsanlage zu gewährleisten?

G. Fischer: Wenn der Betreiber der Feuerstätte vorausschauend handelt, dann kann er schon einigen Ärgernissen vorbeugen. Mögliche Störungen sollten von Beginn an ausgeschlossen oder zumindest minimiert werden. So kann die gesamte Montage der Heizungsanlage durch schallreduzierende Elemente ergänzt werden. Schon Schallschutzhauben für Brenner sowie schwingend gelagerte Kesselpodeste schaffen Abhilfe. Darüber hinaus müssen die einzelnen Komponenten exakt dimensioniert sein – von der Aufstellung bis hin zum lichten Querschnitt des Abgassystems. Bestimmte Kompensatoren oder Körperschallabsorber können verbaut werden. Zusätzlich sollte man natürlich immer genügend Platz lassen, um später einen Schalldämpfer nachrüsten zu können. Empfehlenswert sind idealerweise 1 bis 2 m (je nach Größe der Feuerstätte) zwischen Kessel und senkrechter Abgasführung. Dann lässt sich später ein richtig dimensionierter Schalldämpfer problemlos installieren.

SHK Profi: Doch wie wird dieser perfekt abgestimmte Schalldämpfer ermittelt?

G. Fischer: Durch eine exakte Schallmessung. Damit kann festgestellt werden, in welchem Frequenzbereich eine Dämpfung nötig ist. Seit 2002 führen auch wir solche qualifizierten Messungen in Zusammenarbeit mit unseren zertifizierten Partnern im gesamten deutschsprachigen Raum durch. Dafür arbeiten wir eng mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) und dem Schallpegel-Messgerätehersteller Brüel & Kjaer zusammen. Eine Frequenzanalyse der Abgasgeräusche oder eine Schallpegelmessung im Terzspektrum bildet die Grundlage für unsere Berechnungen, nach denen der optimale Schalldämpfer hergestellt wird.

SHK Profi: Was ist bei der Installation eines Schalldämpfers zu beachten?

G. Fischer: Die Montage aller Schalldämpfer – ob an der Mündung des Abgassystems über Dach, irgendwo im Abgasweg oder an der Verbindung zum Wärmeerzeuger – sollte möglichst schwingungsgedämpft erfolgen. Wenn möglich, nah an der Geräuschquelle platzieren. Ist eine Nebenluftvorrichtung vorhanden, wird der Schalldämpfer davor eingesetzt. Die Rauchgasrichtung sowie die Platzierung des Kondensatablaufs – natürlich an der niedrigsten Stelle – ist ebenfalls zu beachten. Ein kleiner Tipp: Der Einsatz von Abgasschalldämpfern sollte immer eine Option sein, um den normativen Geräuschpegel an der Schornsteinmündung oder im Gebäude nicht zu überschreiten. In jedem Fall ist aber immer die Möglichkeit einer Schallübertragung zum Zeitpunkt der Planung der Feuerstätte im Auge zu behalten.

SHK Profi: Welche Produkte bietet speziell Kutzner + Weber an, um die Schallproblematik in den Griff zu bekommen?

G. Fischer: Um Schallprobleme jeglicher Art lösen zu können – egal ob breitbandig oder lediglich einzelne Pegelspitzen –, haben wir verschiedene Schalldämpfertypen entwickelt. Sie lassen sich dank der Modulbauweise jeweils auch untereinander kombinieren. Die Vorteile sind: bessere Dämpfung sowie hohe Flexibilität. Jede der fünf Schalldämpferversionen ist auf einen speziellen Frequenzbereich ausgerichtet. Drei Typen als Beispiel: Zum einen gibt es den Aktiv+-Schalldämpfer, der bereits ab 125 Hz gute Dämpfeigenschaften besitzt und durch einen Passiv-Schalldämpferanteil eine große Bandbreite an Frequenzen abdeckt. Passiv-Schalldämpfer entfalten ihre besten Leistungen im Bereich zwischen 1000 bis 2000 Hz – mit stetigem Anstieg der Leistung hin zu hohen Frequenzen. Ganz im Gegensatz zum Tiefton-Schalldämpfer: Der ist speziell auf die störenden Frequenzen von BHKW und anderen modernen Feuerstätten ausgelegt. Seine optimale Schalldämpfung kommt bereits ab 50 Hz zum Tragen, dämpft aber auch einzelne Frequenzen bis zu 30 dB. Wird der Tiefton-Schalldämpfer mit einem Passiv-Schalldämpfer kombiniert, wird eine besonders breitbandige Schalldämpfung erzielt.

SHK Profi: Welche Vorteile bieten Ihre Produkte?

G. Fischer: Wer sich für ein Produkt aus unserer Schalldämpferpalette entscheidet, erhält in jedem Fall ein auf seine Bedürfnisse abgestimmtes Konzept. Das wird durch die qualifizierte Schallpegelmessung gewährleistet. Ein weiterer Vorteil: Alle Leistungen von der Messung bis zum Einbau erfolgen aus einer Hand. Deshalb ist es auch möglich, mit unseren Schalldämpfern insbesondere den relativ schwer zu dämpfenden tieffrequenten Lärm zu minimieren. Durch die große Produktpalette erhält der Betreiber eine hohe Flexibilität, eine Nachrüstung ist möglich – auch durch Kombination mehrerer unserer Produkte. Auch die angepassten Schalldämpfer „von der Stange“ aus unserem Serienprogramm bieten für fast jede Anforderung eine Lösung.

SHK Profi: Wie groß ist der Nutzen eines solchen Schalldämpfers tatsächlich?

G. Fischer: Je nachdem, welcher Schalldämpfer eingesetzt wird, kann eine Reduzierung des Summenpegels um bis zu 25 dB(A) erreicht werden. Hierbei ist zu bedenken, dass der Mensch eine Verminderung des Abgasschalls um 10 dB(A) etwa als eine Halbierung des Geräusches wahrnimmt. Da wird deutlich, welche Relevanz die Abgasschallminimierung durch Schalldämpfer besitzt. Abgasschallprobleme lassen sich mit unseren Produkten also lösen – auch noch im nachträglichen Einbau.

SHK Profi: Herr Fischer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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