Berufskleidung

Mieten oder kaufen?

Das vernünftige Erscheinungsbild der Belegschaft hat ihren Preis. Pro Jahr gehen im Job zwei bis drei Hosen und wenigstens eine Jacke drauf. Das kostet! Wer die Investition scheut, hat eine Alternative: Das einheitliche Erscheinungsbild der Mitarbeiter kann gemietet werden. Doch obwohl die Dienstleistung viele Vorteile bietet, ist sie nicht für jedes Unternehmen die richtige Lösung.

Im Bauhandwerk geht es robust zu. Es staubt, es ist schmutzig, Späne fallen und immer wieder besteht das Risiko, mit scharfkantigen Baustoffen zu kollidieren. Zum Schutz gegen die unterschiedlichen Einflussfaktoren hat sich in den verschiedenen Gewerken daher eine auf den jeweiligen Beruf abgestimmte Kleidung durchgesetzt. Diese hat, je nach Ausstattung und Funktionalität, ihren Preis. Dann müssen Betriebe, die ihre Mitarbeiter auf eigene Kosten mit einem einheitlichen Team-Outfit ausstatten wollen, mitunter tief in die Tasche greifen. Dabei ist die Investition in das Erscheinungsbild der Mannschaft keineswegs eine einmalige Angelegenheit: Defekte Kleidung muss in regelmäßigen Abständen ausgetauscht und neue Mitarbeiter zusätzlich eingekleidet werden. Dazu kommt, dass beim Weggang von Personal deren Klamotten zurückbleiben und es keineswegs sicher ist, dass sie den Nachfolgern passen. Darüber hinaus kann die Waschkompetenz jedes Einzelnen zum Ärgernis werden: Sollte die Kleidung in der häuslichen Waschmaschine partout nicht sauber werden wollen oder dank Zuhilfenahme von Chlor und ähnlich aggressiven Substanzen ihre Farbe von Anthrazit nach Mausgrau wechseln, bleibt von einem einheitlichen, gepflegten Erscheinungsbild nicht mehr viel übrig.

Es muss aber nicht immer teuer sein. Dank des breiten Angebots der Workwear-Anbieter finden auch Betriebe mit geringerem Kleidungsbudget eine passende Lösung. Wer allerdings beim Kauf auf Schnäppchenjagd geht, sollte auch auf Qualität achten: Es wird teuer, wenn sich die Kleidung nach der ersten Belastungsprobe in Wohlgefallen auflöst und nachgekauft werden muss.

Tipps für den Kleiderkauf

Die eigene Kleidung hat aber auch gute Seiten, zu der vor allem die freie Wahl des Outfits zählt. Man ist nicht an eine Marke oder ein bestimmtes Portfolio gebunden, sondern kann nach Gutdünken mixen. Dabei empfiehlt sich jedoch, die Pflegeeigenschaften der ausgewählten Teile zu berücksichtigen. Wenn sie nicht auf die typischen Arbeitsverschmutzungen abgestimmt sind, kann eine „Erste-Hilfe“-Kochwäsche die Hosen- und Ärmellänge mächtig schrumpfen lassen. Beim Kauf sollte außerdem die lange Verfügbarkeit der ausgewählten Kollektionen berücksichtigt werden. So können alle Beschäftigten auch nach vielen Jahren einheitlich und im Corporate Design des Betriebs eingekleidet werden. Wichtig ist auch das Größenangebot der Anbieter: Nicht jeder Mitarbeiter passt in Hosen und Shirts in amerikanischem S bis XL. Damit die Kleidung gut sitzt und sich bei der Arbeit nicht als kneifender Störfaktor entpuppt oder das Maurerdekolleté freilegt, sollte die Kleidergröße zur Statur der Mitarbeiter passen. Je nach Struktur der Belegschaft sollte die ausgewählte Kollektion auch für Frauen verfügbar sein.

Alternative: Mieten

Betriebe, die sich lieber ihrer Kernkompetenz widmen, anstatt sich mit dem Outfit ihres Teams zu beschäftigen, haben Alternativen. Das Mieten von Berufs- und Schutzkleidung ist eine Dienstleistung, unter der „eine vertragliche, zeitlich beschränkte Gewährung des Gebrauchs einer Sache gegen Entgelt“ verstanden wird. Die Kleidung wird einem Betrieb also für eine gewisse Zeit zur Nutzung bereitgestellt, wofür der Vermieter ein Mietentgelt erhält. „Ein Vertrag über Mietberufskleidung läuft typischerweise mindestens drei Jahre, oft sogar über fünf Jahre. Diese Mindestlaufzeiten sind notwendig, weil die Kleidung speziell für den jeweiligen Kunden beschafft wird. Über die Mieteinnahmen werden einerseits die Wäsche und Reparatur sowie die wöchentliche Lieferung der Kleidung bezahlt. Andererseits werden auch die Anschaffungs- und Indienststellungskosten refinanziert. Der Vorteil für den Kunden ist, dass er nur relativ geringe wöchentliche Mietkosten hat und keine größeren Investitionssummen für Kleidung bei ihm anfallen“, fasst Bardusch in Ettlingen das System zusammen.

Wahl der passenden Kleidung

Der Abschluss eines Mietvertrags ist in der Regel mit einer persönlichen Beratung verbunden, bei der Aspekte wie Wünsche an das Corporate Design, die Gefährdungsbeurteilung oder relevante Normen erörtert werden. Darauf aufbauend wird die geeignete Kollektion ausgewählt. Das Angebot variiert je nach Mietservice-Anbieter. Für Betriebe, denen Nachhaltigkeit wichtig ist und die diese auch in ihrer Workwear zeigen wollen, bietet CWS (Dreieich) gleich mehrere Alternativen: Die „Pro Line“ aus Fairtrade-Baumwolle und Recyclingpolyester, die „Cotton Line“ aus 100 % fair gehandelter Baumwolle sowie eine Mischung mit 35 % Polyester. Ergänzt wird das Angebot um Softshelljacken, Fleecejacken, Winterjacken- und Westen, die sich mit allen Linien kombinieren lassen.

Ist die Wahl gefallen, erfolgt die Anpassung der Kleidung an die einzelnen Mitarbeiter. Hierbei werden notwendige Veränderungen wie Hosenbeinkürzungen berücksichtigt. Jedes Bekleidungsteil wird anschließend auf Wunsch mit dem Firmenlogo versehen und mit einem Barcode oder Chip gekennzeichnet. Dadurch wird sichergestellt, dass jeder Beschäftigte immer wieder „seine“ Kleidung zurückbekommt. Dann nimmt die Dienstleistung ihren Lauf. Der Servicefahrer kommt einmal wöchentlich zu einem vereinbarten Termin im Betrieb vorbei, liefert die saubere Kleidung aus und holt die gebrauchte Wäsche ab. Da Hygiene im Zusammenhang mit der Arbeitskleidung ein wesentlicher Faktor ist, empfiehlt sich eine räumliche Trennung von getragener und frisch gepflegter Berufskleidung: „Eine separate Sammlung der Schmutzwäsche realisieren wir durch Abwurfsammler, die wir einem Betrieb entsprechend seiner individuellen Anforderungen zur Verfügung stellen. Eine gute Lösung sind auch Schranksysteme, in denen das Abwerfen der gebrauchten Kleidung und die Ausgabe der frisch gewaschenen Ware erfolgen kann. Jeder Mitarbeiter hat ein eigenes Fach, in das wir die saubere Kleidung einsortieren. Die gebrauchte Wäsche wird hingegen einfach in einem anderen Schrankteil eingeworfen und von uns mitgenommen“, erklärt Thomas Krause von der DBL.

Die schmutzige Kleidung wird anschließend gewaschen, kontrolliert und bei Bedarf repariert oder bei intensivem Verschleiß ausgetauscht. Hygiene spielt auch hierbei eine große Rolle und wird durch zertifizierte Waschverfahren gewährleistet.

Anpassungsfähige Dienstleistung

Sollte es im Betrieb zu Personalveränderungen kommen, reagieren Mietservice-Anbieter in der Regel flexibel. „Verlässt ein Mitarbeiter oder ein Azubi das Unternehmen, weil er die Ausbildung abgeschlossen oder abgebrochen hat, nehmen wir die Bekleidung vertragsgemäß zurück. Auch bei Größenänderungen können die Kleidungsstücke im Rahmen der vertraglichen Konditionen ausgetauscht werden. Diese Flexibilität reduziert den Aufwand und spart Kosten. Besucht ein Azubi Blockunterricht in der Berufsschule, kann mit uns auch eine temporäre Unterbrechung der Versorgung mit Kleidung für ihn vereinbart werden“, erläutert Horst Hübler, Verbandsmanagement MEWA Textil-Service (Wiesbaden).

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