Heizen mit Holz & Kohle

Auch Kaminöfen können‘s effizient

Bei der Wahl einer Wärmeversorgung bei Sanierung oder Neubau können Festbrennstoffe eine effiziente Rolle spielen. Ihr Ruf ist zwar wegen Feinstaub und Treibhausgasen, etwa bei Kohlebriketts, nicht der beste. Doch moderne Feuerstätten können dies abmildern. Bei einer Einkopplung als hybride Wärmequelle spielen sie ihren Vorteil voll aus – nämlich günstige Preise für hohen Heizwert.

Insbesondere die Heizsysteme für holzbasierte Brennstoffe wie Kaminöfen für Stückholz haben in den letzten Jahren einen Auftrieb erfahren. Nicht nur zahlenmäßig legten die Öfen auf rund aktuell 15 Millionen Feuerstätten in Deutschland zu. Die technische Entwicklung ging ebenfalls weiter, so dass der gute alte Holzofen, aber auch der mit Braunkohlenbrikett betriebene, durchaus mit einer modernen Heizung mithalten kann, was die technische Ausrüstung anbetrifft.

Denn auch für Holz gibt es Brennwerttechnik, egal ob für Pellets oder Kaminholz. Diese eignet sich auch zur Einbindung in vorhandene Heizsysteme. Insbesondere in der Übergangszeit, wenn eine „normale“ Heizung nicht voll laufen muss, reicht bei richtiger Dimensionierung der Anlage nur eine Befeuerung mit dem Kaminofen. Im Schnitt können dabei 70 % der Wärmeenergie in den Heizkreislauf abgegeben werden, 30 % kommen als Strahlungswärme im Aufstellraum an. Gas oder Öl kann man getrost sparen. Und das hat einen eindeutigen wirtschaftlichen Vorteil (s. Tabelle Heizkostenentwicklung).

Vielseitiger Brennstoff

Holz als Brennstoff hat viele Facetten. Die gebräuchlichste ist das Stückholz, auch Kaminholz genannt. Das wird im Fachhandel und im Einzelhandel, insbesondere in Baumärkten, säckeweise angeboten. Pellets werden mit einem Tankwagen geliefert. Für Pelletkaminöfen gibt es aber ebenso Sackware, da diese Öfen einen eingebauten Tank haben. Daneben gibt es noch ein vielfältiges Sortiment an Holzbriketts, die sich durch einen sehr hohen Brennwert auszeichnen und sich wachsender Beliebtheit erfreuen.

Diese Holzbrennstoffe haben ihren Einsatz vorwiegend bei kleineren Wohngebäudetypen, etwa Einfamilienhäusern. Hackschnitzel, wie Pellets und Holzbriketts ein Abfallprodukt der holzverarbeitenden Industrie, werden vor allem in größeren Gebäudetypen eingesetzt. Sie befeuern schon heute ganze Krankenhäuser oder unterstützten Nahwärmenetze in Wohnquartieren.

Braunkohlebriketts weiterhin gefragt

In den Kaminöfen kommt heute auch noch ein Festbrennstoff zum Einsatz, den es nach dem Willen Vieler gar nicht mehr geben sollte – Braunkohle in ihrer brikettierten Form. Zwar sind deren Emissionen nicht die besten. Jedoch ist ihr Brennwert sehr hoch. Sie sollten insbesondere dann als Brennstoff vorgesehen werden, wenn es um die Einbindung eines Kaminofens zur Heizungsunterstützung geht. Das allerdings erfordert speziell dafür zugelassene Kaminöfen, die grundsätzlich mit einem Gitterrost und Aschefach ausgestattet sein müssen.

Allerdings – Briketts brauchen eine Weile, bis sie brennen und Wärme spenden. Für die schnelle, wohlige Wärme, wie sie insbesondere in der Übergangszeit, aber auch an langen Winterabenden gefragt ist, eignet sich Holz besser. Die Braunkohlebriketts halten hingegen länger vor. Sie brauchen jedoch für die Lagerung trockene und dunkle Räume. Auch das sollte bei der Wahl eines Kaminofens und beim Rat des Planers oder Handwerkers für den Hausbesitzer beachtet werden.

Kleinere Leistungen gefragt

EnEV,  1. BImschV und Gebäudedämmung machen auch vor den Kaminöfen nicht halt. Die am Markt verfügbaren Geräte fallen hinsichtlich ihrer Leistung deutlich kleiner aus als in früheren Jahren. Am Markt sind derzeit drei Trends auszumachen: sehr kleine Geräte, solche mit Wasserführung zur Einbindung in den Heizkreislauf oder Grundöfen, um ein besonderes Ambiente zu schaffen. Gerade die 1. BImschV hat die Technik stark verändert. Raumluftabhängige Feuerungsstätten, also jene, die Luft aus dem Raum, in dem sie aufgestellt sind, verbrauchen, sind in Deutschland nur mit speziellen Sicherheitseinrichtungen zugelassen. Ihr Betrieb ist aber generell nicht zu empfehlen. Für die raumluftunabhängige Variante des Holz- oder Kohlefeuers bedarf es selbst schließender und sich selbst verriegelnder Türen und einer Luftzufuhr unabhängig vom Raum. Der Kaminofen darf die Verbrennungsluft nicht aus dem Aufstellraum beziehen. Die Verbrennungsluft muss extern über eine Leitung direkt aus dem Freien oder über einen Luftschacht zugeführt werden. Dabei ist beim Planen und Installieren darauf zu achten, dass die Verbrennungsluftleitung kurz und mit nur wenigen Richtungsänderungen ausgeführt wird. 

Zur Effizienzsteigerung finden sich immer mehr Speichermedien in den Öfen selbst. Das reicht vom Grauguss über Magnesit bis hin zu Flüssigkeiten, die man aus der Solarthermie kennt. Speckstein als Zusatz-Speicher und Außenhülle wird immer mehr abgelöst durch Sandstein oder andere Steine in künstlich veränderter Anmutung. Zudem lassen sich einige Kaminöfen elektronisch steuern.

Für Planer interessant ist, dass für die Einbindung von Kaminöfen in den vorhandenen oder bei Neubauten auch neu zu installierenden Heizungskreislauf auch digitale Planungshilfen genutzt werden können. Die bietet unter anderem Oranier (www.oranier-heiztechnik.de). Damit spare man dem Unternehmen nach einen Planungsumfang im Wert von 500 bis 1.000 €.

Ohne Schornstein geht nichts

Jeder Festbrennstoffofen braucht einen ebenfalls Kamin genannten Rauchabzug. Auch Sanierer schrecken vor dem nachträglichen Einbau nicht zurück. Am Markt gibt es hierfür viele Lösungen. Der Edelstahlkamin ist in Deutschland Standard. Er ist eine der technologischen Lösungen, die bei einer Nachrüstung eines Bestandsbaues, aber auch im Neubaubereich in Frage kommen. Dabei besitzt er unter seiner glitzernden Fassade ein reiches Innenleben. Ein doppelwandiger Edelstahlschornstein besteht aus dem abgasführenden Innenrohr aus dem Werkstoff 1.4404 oder 1.4571 (V4A), einer hochwertigen, zugelassenen Dämmung und einem Außenmantel (vorwiegend aus dem Werkstoff 1.4301 (V2A).

Neben Edelstahl kommen für Festbrennstoffe wie Braunkohlebriketts oder Brennholz auch Lösungen aus Keramik in Frage. Für die Erstellung eines Keramikschornsteins gibt es zwei Methoden. Zum einen wird das Granulat für die Abgaseinrichtung trocken gepresst und so in feste Formen gebracht. Diese Teile sind dann analog einem Edelstahlkamin einfach verbaubar. In der zweiten Variante wird die noch feuchte Keramikmasse geformt. Das hat den kleinen Nachteil, dass später beim Trocknen die Gesamtmasse an Volumen verliert und das Material noch arbeitet. Beide Varianten sind jedoch sicher. Kunststoff hingegen ist für Festbrennstoffe nicht geeignet.

Zubehör für störungsfreien Betrieb

Rund um den Schornstein gibt es noch einiges an Zubehör. Am auffälligsten dürften die Schornsteinaufsätze sein. Diese sorgen für Witterungsschutz und ermöglichen den raumluftunabhängigen Betrieb. Die Aufsätze sorgen für ein Ansaugen kalter Luft am Schonsteinkopf und deren Zuführung in den Verbrennungsraum.

Bei durch Gebläse unterstützten Wärmeerzeugern besteht das Risiko, dass „Abgasgeräusche“ über die Abgasanlage ins Freie oder in angrenzende Räume übertragen werden. Diese Geräusche sind mit dem Einbau geeigneter Abgasschalldämpfer zu vermeiden. Bevor nachgerüstet wird, sollte man jedoch Schallmesspartner eine zertifizierte Schallmessung mit einem Schallpegelmeßgerät der Klasse 1 durchführen lassen. Mit dem Ergebnis kann dann eine auf die speziellen örtlichen Gegebenheiten ausgelegte Lösung umgesetzt werden.

Leichtbau im Inneren

Leichtbauschornsteine, etwa aus Promat oder Vermekulite, sind für den Außenbereich nicht geeignet. Findige Anwender haben dies für Kamine konzipiert, die mitten im Raum stehen und hier die Wärme in alle Richtungen abgeben. Wenn das Dach nicht gleich Decke ist, wird eine Verkleidung sogar dringend vorgeschrieben. Der Einsatz von Leichtbau-Schächten im Inneren erfordert einen etwas höheren Aufwand, etwa wegen des nötigen Deckendurchbruchs. Dafür lässt er sich hervorragend für die raumluftunabhängige Verbrennung nutzen. Er bietet dabei für Planer und Architekten jede Menge freie gestalterische Möglichkeiten und ist ideal für die Sanierung. Sowohl für die einwandigen als auch doppelwandigen Abgasanlagen sowie für Leichtbauschornsteine gibt es Baukastensysteme, aus denen die Komponenten für jede Einbausituation gewählt werden können.

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