Hygiene am Steuer

So wird das Infektionsrisiko im Nutzfahrzeug minimiert

Mundschutz, 1,50 m Sicherheitsabstand zu anderen Personen, Händewaschen: Das alles ist heute dank Corona Alltag für jeden Handwerker. Doch man sollte auch die Hygiene im Transporter, mit dem man zum Kunden fährt und Baumaterial transportiert, nicht vergessen. Dr. Jenny Dodman, Chief Medical Officer von Ford in Großbritannien, erklärt, warum es heute wichtiger denn je ist, auch und gerade das Fahrzeug sauber zu halten, wenn man es benutzt: „Es existieren ständig Mikro-Organismen um uns herum und das ist völlig normal - nur ein sehr kleiner Teil davon kann für uns schädlich sein. Dies ist aktuell beim Corona-Virus der Fall. Umso wichtiger ist daher das Thema Hygiene“.

Gerade Handwerker-Fahrzeuge werden oft von verschiedenen Fahrern genutzt. Und nicht immer ist es möglich, dass nur ein Mitarbeiter im Transporter sitzt. In so einer Situation sollten „alle Fahrzeuginsassen einen Mundschutz tragen und das Wageninnere häufiger lüften“, wie Jürgen Lachner, Vorstandsmitglied für Verkehr, Umwelt und Technik im ADAC Hessen-Thüringen e.V. empfiehlt.

Risiken im Fahrzeug

Dennoch besteht das Risiko, dass das Virus auch an Oberflächen am und im Fahrzeug anhaftet. Wenn jemand dann diese kontaminierten Oberflächen und Gegenstände mit den Händen berührt und sich anschließend ins Gesicht fasst, kann das Virus auf Augen, Mund oder Nase übertragen und vom Körper aufgenommen werden. Zwar liegen laut Robert-Koch-Institut bisher noch keine Nachweise vor, dass das Virus tatsächlich durch Oberflächen im öffentlichen Bereich übertragen wurde. Doch Studien mit anderen Viren desselben Virenstamms legen nahe, dass das Infektionsrisiko durchaus mehrere Tage bestehen kann. Daher sollten Handwerker ihre Fahrzeuge gut reinigen oder sogar desinfizieren. Damit kann das Risiko der weiteren Verbreitung des Virus reduziert werden und man schützt nicht nur sich selbst, sondern auch sein unmittelbares Umfeld.

Normale Seife oder Spülmittel reichen

Zur Reinigung des Autoinnenraums genügen nach Auskunft des Bundesamtes für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) normale Flüssigseifen oder Geschirrspülmittel, da diese – wie auch beim Händewaschen – bereits einen Großteil der Viren zerstören können. Mit etwas Lauge und einem sauberen Tuch sind alle Flächen zu benetzen, die entweder angefasst werden oder die womöglich beim Husten oder Niesen etwas abbekommen haben könnten. Das sind vor allem das Lenkrad sowie Tasten und Bedienelemente am Lenkrad, der Schaltknauf, das Armaturenbrett, Sonnenblenden, berührungsempfindliche Displays und Flächen, die Türgriffe und -Öffner sowie Bedientaster von Radio, Klimaanlage und übrige Schalter wie für die Fensterheber oder Blinker.

Auch die Sicherheitsgurte sollten auf der Sauberkeits-Checkliste jedes Fahrers ganz oben stehen, denn Sicherheitsgurte liegen direkt am Körper an und könnten möglicherweise sogar die Hauptlast der von Husten und Niesen ausgehenden Tröpfchen tragen. Auch sollten die Entriegelungen für den Tank und die Motorhaube sowie außen am Fahrzeug Tankklappe und -deckel und Tür- sowie Kofferraumgriffe nicht vergessen werden.

Vorsicht bei Desinfektionsmitteln

Wichtig ist laut einer Pressemeldung vom Autohersteller Seat, die Lauge eine gewisse Zeit einwirken zu lassen und erst dann abzuwischen. Reinigungsmittel sollten allerdings nicht zu scharf sein und auch nicht dauerhaft aufgetragen werden, weil es sonst zu Materialschäden kommen kann. So sind die meisten Desinfektionsmittel nach den Erfahrungen des Autopflegespezialisten Sonax für die Reinigung von Oberflächen im Auto nicht zu empfehlen. Sie können die empfindlichen Materialien beschädigen, Vermattungen, Flecken oder Versprödungen verursachen.

Will man dennoch nicht auf Desinfektionsmittel verzichten, so sollten für den Fahrzeuginnenraum keine Produkte verwendet werden, die Bleichmittel oder Wasserstoff-Peroxid enthalten. Außerdem sollte man Produkte auf Ammoniak-Basis meiden, die sie einige Spezialbeschichtungen in den Fahrzeug-Innenräumen angreifen könnten. Die Desinfektion sollte dabei laut dem Robert-Koch-Institut als Wischdesinfektion durchgeführt werden. Eine Sprühdesinfektion, das heißt die Benetzung der Oberfläche ohne mechanische Einwirkung, ist weniger effektiv und auch aus Arbeitsschutzgründen bedenklich, da Desinfektionsmittel eingeatmet werden können.

Viele Reinigungsmittel speziell für die Fahrzeugpflege enthalten Zusätze zum Abtöten von Viren und Bakterien. Allerdings sind auch diese Produkte meist nicht für alle Oberflächen im Fahrzeug geeignet. Darum sollten sie nur streng nach den Angaben auf der Packung angewendet werden. Auch hier ist die Einwirkzeit für das Abtöten von Erregern von größter Bedeutung. Dr. Christian Seeger, Mitglied der Geschäftsleitung bei Sonax und Leiter Forschung und Entwicklung der Unternehmensgruppe Hoffmann, betont: „Es wäre aus unserer Sicht aber unverantwortlich, Autobesitzern das Gefühl zu vermitteln, dass man diese gefährlichen Erreger mit Autopflegeprodukten unschädlich machen kann. Unsere Produkte sind so konzipiert, dass sie eine schonende Reinigung des Autoinnenraums und Sauberkeit bewirken – jedoch keine Desinfektion.“

Achtung auch an der Tankstelle

Auch beim Tanken kann man durch eine einfache Maßnahme die Hygiene wesentlich erhöhen: Egal ob man Diesel oder Benzin tankt – an quasi jeder Tankstelle sind an der Zapfsäule Dieselhandschuhe zu finden, mit denen die Haut nicht nur vor dem giftigen Kraftstoff geschützt werden kann, sondern auch beim Schutz vor dem Corona-Virus helfen. Einfach anziehen, bevor man den Zapfhahn anfasst und nach dem Tanken direkt entsorgen.

Wichtigste Maßnahme: Händewaschen

Das Robert-Koch-Institut weist immer wieder darauf hin, dass die konsequente Umsetzung der Händehygiene die wirksamste Maßnahme gegen die Übertragung von Krankheitserregern auf oder durch Oberflächen darstellt. Über die Hände werden mehr als 80 % aller ansteckenden Krankheiten wie Erkältungen, Grippe oder Magen-Darm-Infekte übertragen. „Händehygiene ist nicht schwer – man muss sie nur konsequent und richtig betreiben“, sagt Arbeitsmedizinerin Dr. Wiete Schramm, die als Expertin von TÜV Rheinland zahlreiche Unternehmen berät. Das bedeutet, mehrmals im Laufe des Tages 20 bis 30 Sekunden mit Wasser und Seife die Handflächen und Fingerzwischenräume waschen und, sofern möglich, mit einem Einmalhandtuch abtrocknen. Solche Papierhandtücher reduzieren die Keimzahl beispielsweise im Vergleich zu Textilrollen oder Handtüchern am stärksten.

Transporter mit Waschgelegenheit ausstatten

Gibt es unterwegs keine Gelegenheit zum Säubern der Hände kann man sich auch schützen, indem man Feuchttücher im Auto mitführt, die Wasch-Tenside enthalten. Spezielle Hand-Desinfektionsmittel sind für gesunde Menschen nicht erforderlich. Noch professioneller – und bei Nutzfahrzeugen eine relativ einfach umzusetzende Maßnahme – ist der Einbau einer Möglichkeit zum Händewaschen. Verschiedene Hersteller bieten dazu Lösungen: So hat Synchro System zum Beispiel einen 10-l-Kanister mit Hahn im Angebot, der über eine Metallhalterung an der Fahrzeugtür oder an der Seitenwand im Fahrzeuginnern befestigt wird. Zusammen mit einer Handwaschpaste im 3-l-Kanister mit Dosierspender und Halterahmen sowie einem Papierrollenhalter kann man sehr leicht eine Waschstation in seinem Transporter realisieren. Auch die Firma Swoboda führt eine mobile Handhygienestation, die Wasser, Seife, Papier und Desinfektionsmittel in einer Einheit bündelt. Die Station kann bei Bedarf einfach mit einem integrierten Halter in das Fahrzeug montiert werden, der Wasserbehälter reicht für bis zu 20 Handwäschen.

Kunden honorieren Hygiene

Sichtbar platzierte Handwaschvorrichtungen und Hygieneartikel erhöhen nicht nur den Infektionsschutz – sie signalisieren den Kunden auch, dass der Handwerker verantwortungsvoll mit den Risiken der Corona-Krise umgeht. Ein wichtiger Aspekt, da es immer wieder Kunden gibt, die Handwerker-Aufträge stornieren, da sie Angst haben, sich dadurch den Virus ins Haus zu holen. Sichtbare Hygiene-Maßnahmen schaffen also auch Vertrauen und stellen einen Wettbewerbsvorteil dar.

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