Komfort bedeutet Barrierefreiheit

Interview: Professionell bei Kundenansprache und Realisierung

Der Profi in Sachen Bäder ist das Handwerk. Seine Kunden erwarten zukunftssichere Lösungen und fachliche Kompetenz. HEWI bietet als Systemanbieter übergreifende Lösungen für die Bereiche Baubeschlag und Sanitär. Dabei besitzt das Unternehmen auch in Sachen Barrierefreiheit einen großen Erfahrungsschatz.
Im Gespräch mit SHK Profi-Redakteur Sascha Brakmüller gab Dirk Dietz, Referent HEWI Schulungszentrum, anlässlich der Markteinführung einer neuen Systemlösung Tipps, wie HEWI das Handwerk in Sachen Barrierefreiheit unterstützt und was im Endkundenkontakt helfen kann.

SHK Profi: Altersgerechte Wohnungen werden schon seit einigen Jahren in der Publikumspresse gefordert. Denken Sie das Thema Barrierefreie bzw. -arme Bäder ist schon bei den Endkunden angekommen?

D. Dietz: Der Grundgedanke ist noch nicht wirklich präsent. Keiner sagt, ich möchte ein barrierefreies Bad. Aber viele Kunden haben den unterschwelligen Wunsch. Sie verpacken es dann in anderen Worten. Sie sprechen von Komfort oder von einem Bad, das sie lange nutzen können.

Barrierefreiheit wird oft direkt mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen gleichgesetzt. Diese Stigmatisierung macht es für alle Seiten schwierig ohne Vorbehalte darüber zu sprechen. Wir müssen daher weg von diesem „Krankenhaus“-Denken. Barrierefreiheit muss im Ganzen gesehen werden. Design, Funktionalität und Anpassbarkeit - dafür steht Barrierefreiheit und daran arbeiten wir bei HEWI.

SHK Profi: Das Verständnis für Barrierefreiheit muss sich also wandeln. Der ganzheitliche Ansatz der barrierefreien Gestaltung kommt auch beim „Universal Design“ zum Tragen. Wie wirkt sich dieses Konzept auf die Gestaltung des Bades aus?

D. Dietz: Universal Design hat den Ansatz, ein Bad für alle Generationen nutzbar zu machen. Es bedeutet, Produkte zu gestalten, die von allen Menschen gleichermaßen nutzbar sind - generationenübergreifend und unabhängig von physischen oder psychischen Voraussetzungen. Dass der Ansatz erfolgreich sein kann, zeigt auch das Beispiel bodenebener Duschen. Duschwannen waren früher Standard. Heute hingegen sind „barrierefreie“, bodenebene Duschen für alle selbstverständlich und stehen für Komfort statt für Barrierefreiheit. Auch die höhenverstellbaren Waschtisch-Module „S 50“ von HEWI folgen diesem Konzept. Kinder müssen somit nicht auf einen Hocker klettern, um den Waschtisch zu erreichen. Und auch ältere Generationen können nun entscheiden, ob sie den Waschplatz lieber im Stehen oder im Sitzen nutzen möchten.

SHK Profi: Sie sprachen bislang eher von Privat-Kunden, im öffentlichen Sektor muss das Bad normgerecht sein. Hier hat HEWI kürzlich eine neue Lösung präsentiert. Was macht das „System 900“ aus?

D. Dietz: „System 900“ zielt auf den Bereich Professional Care und eignet sich nicht nur für den deutschen Markt, sondern entspricht auch internationalen Anforderungen. Sie können mir glauben, es war gar nicht so einfach allen Ansprüchen dabei gerecht zu werden. Aber hier zeigt sich auch das fundierte Fachwissen, das sich HEWI über Jahrzehnte erworben hat.

Mit „System 900“ können barrierefreie Sanitärräume mit einem ganzheitlichen Programm ausgestattet werden. Dabei kann es im Patientenbad eines Krankenhauses eingesetzt werden, genauso wie in einem Sanitärraum einer exklusiven Seniorenresidenz oder in einem komfortbetonten Hotel. Außerdem lässt es sich mit anderen Systemen aus dem HEWI Produktsortiment kombinieren.

SHK Profi: Welche Vorteile bietet das „System 900“ denn explizit dem Fachhandwerker?

D. Dietz: „System 900“ verfolgt konsequent den HEWI Systemgedanken und umfasst Lösungen für alle Bereiche des Sanitärraums – ob Haltemöglichkeiten an Waschtisch und WC oder Sitzmöglichkeiten für die Dusche. Hier kann der Handwerker abgestimmte Produkte verbauen, die bei Qualität und Optik dieselbe Sprache sprechen. Außerdem stand auch die Montagefreundlichkeit bei der Entwicklung des Systems im Vordergrund. Eine neuartige Eckverbindung ermöglicht, dass die Relingsysteme und Duschhandläufe statt mit den üblichen vier Befestigungspunkten dank einer innovativen Steck-Rast-Verbindung nur noch mit drei Rosetten montiert werden müssen. Das spart natürlich wertvolle Zeit. Bei den Stützklappgriffen setzt HEWI z.B. auf eine Bremse, die praktisch wartungsfrei ist. Somit erwartet den Handwerker auch nach der Installation weniger Aufwand. Und es unterstreicht den Qualitätsanspruch, den HEWI bei der Produktentwicklung hatte.

SHK Profi: Um die Planung und Installation optimal umsetzen zu können, müssen die Planer und Fachhandwerker auf dem aktuellen Wissensstand bleiben. Mit welchen Seminarangeboten unterstützt HEWI und welche Themen werden behandelt?

D. Dietz: Generell bietet HEWI Seminare für Fachhandwerk, Handel, Architekten und Planer. Themenschwerpunkt ist die demografische Entwicklung mit den Aspekten Barrierefreiheit und Universal Design zielgerichtet auf die einzelnen Teilnehmergruppen abgestimmt. Dabei ist uns wichtig, dass es um die Umsetzung von Normen in der Praxis geht. Es werden daher nicht einfach Normen heruntergebetet, sondern gezeigt, welche Zielrichtung die einzelnen Vorgaben haben. Daraus leiten wir dann praktikable Lösung ab, die den Fachhandwerker oder Planer in der Praxis und im Beratungsgespräch mit seinen Kunden unterstützen. Grundsätzlich geht es uns darum, die Teilnehmer in die Lage zu versetzten, durch eine vorausschauende Denkweise die sinnvollste Lösung zu finden.

SHK Profi: Welche grundlegende Botschaft versuchen Sie Handwerkern mit auf den Weg zu geben, wenn Sie bei Ihnen ein Seminar absolvieren?

Wichtig ist ihnen die Angst vor der Barrie­refreiheit zu nehmen. Im Kundenkontakt sollte man dann über Komfort und Luxus argumentieren – denn wohlfühlen möchte sich schließlich jeder. Wichtig ist auch das Gespräch offen ehrlich zu führen. Barrierefreiheit lebt von einer offenen Kommunikation. Dann muss man auch den Mut haben zu fragen, welche Unterstützung der Kunde beim Transfer zum WC benötigt, wenn er zum Beispiel einen Rollator nutzt. Dabei sollte man eine gewisse Feinfühligkeit zeigen, auf Augenhöhe sprechen und grundsätzlich Professionalität an den Tag legen – denn das Handwerk ist der Profi.

SHK Profi: Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Dietz.

Tipp der Redaktion

Wer bei der Planung von barrierefreien Sanitärbereichen Unterstützung benötigt, kann sich an den Planungsservice Barrierefreiheit von HEWI wenden:

E-Mail:  

Kurzprofil Dirk Dietz

Dirk Dietz ist Fachkaufmann für Marketingwesen (IHK) und Bad-Manager (VDS). Seit 2013 arbeitet er im HEWI Schulungszentrum und schult Architekten, Planer und Verarbeiter national und international rund um das Thema barrierefreies Planen und Bauen. Weitere Informationen zum HEWI Seminarprogramm finden Sie im Service-Bereich unter www.hewi.de.

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