Heizung/Energie | Wärmeerzeuger | 06.12.2012

Aus der Sicht des Schornsteinfegers

Betriebsbereitschaft

& Anlagenfülldruck

Zu einer effizienten und betriebsfähigen Feuerungsanlage gehört der korrekte Anlagenfülldruck. Doch in vielen Fällen stimmt er nicht – manchmal sogar schon bei neu installierten Systemen. In seiner Kolumne berichtet Schornsteinfegermeister Ronny Gedamke diesmal von Funktionsstörungen bzw. Schäden, die durch fehlenden Anlagenfülldruck hervorgerufen werden können.

  • Wasserschaden vorausEin Eimer in einer Heizzentrale auf dem Dachboden kurz vorm Überlaufen, weil das Brauchwasser-MAG defekt ist

  • Undichter AnschlussStändiger Druckverlust durch undichten Anschluss am Ausdehnungsgefäß der neuen Brennwertzentrale

  • DruckverlustStändiger Druckverlust durch Undichtigkeit am 4-Wege-Mischer

  • Entlüftungsventil defektStändiger Druckverlust durch defektes automatisches Entlüftungsventil

  • MAG ohne VordruckMit Wasser gefüllte Eimer unter beiden Sicherheitsgruppen, da beide MAG ohne Vordruck

  • 0 bar und 70 °CAnlagenfülldruckanzeige einer Kombi-Heizwerttherme zeigt0 bar bei 70 °C

Die Überprüfung einer Feuerungsanlage ist in Arbeitsblättern sowohl vom ZIV (Zentralinnungsverband) als auch vom ZDS (Zentralverband deutscher Schornsteinfeger e.V.) in Arbeitsvorgänge aufgegliedert. Jeder dieser Arbeitsvorgänge ist detailliert beschrieben und im Einzelnen erläutert.

Bevor man mit dem Messen beginnt, muss man als erstes, wie auch unter Punkt 1 nach Arbeitsblatt beschrieben, die Betriebsbereitschaft überprüfen. Dazu zählen im Wesentlichen das Vorhandensein von Strom, Gas, Öl und ausreichendem Anlagenfülldruck. Es gibt mittlerweile Hersteller, die in ihren Feuerstätten einen entsprechenden Druckwächter einbauen. Bei Unterschreitung eines bestimmten Fülldrucks schaltet die Anlage auf Störung.

Die meisten Anlagen besitzen jedoch solch eine Sicherheitseinrichtung nicht. Werden diese Heizungsanlagen mit zu geringem Wasserdruck in Betrieb genommen, kann die Feuerstätte durch die thermische Überlastung beschädigt werden. Die Ursache für fehlenden Anlagenfülldruck ist neben Undichtigkeiten im System oft auch ein defektes MAG oder auch ADG genannt (Membranausdehnungsgefäß). Die fehlerfreie Funktion und dessen Wichtigkeit werden oft unterschätzt. Speziell bei Anlagen, die im Spitzboden, im Hauswirtschaftsraum oder allgemein in bewohnten Räumen errichtet werden, kann es durch die Überlastung der Sicherheitsgruppe, verur­sacht durch das defekte MAG, zu verheerenden Wasserschäden kommen. Defekt heißt ja nicht gleich, dass dieses ausgewechselt werden muss, häufig ist nur zu geringer oder gar fehlender Vordruck die Ursache.
Wenn ich bei der Kontrolle der Betriebsbereitschaft schon sehe, dass die Anlagenfülldruckanzeige der Heizungsanlage 0 oder fast 3 bar anzeigt, wenn unter dem Sicherheitsventil eine Pfütze oder sich ein mit Wasser gefüllter Eimer befindet, dann ist es für mich selbst verständlich, dass ich das dazugehörige MAG prüfe. Das kann auch schon mal das Ausdehnungsgefäß des Brauchwasserspeichers sein.

Der Hinweis, dass eine Funktionsstörung vorliegt und ob das MAG ausgewechselt oder nur aufgepumpt werden muss, ist doch für den Kunden und auch für das beauftragte Installationsunternehmen hilfreich. Mit dieser Beanstandung will man ja niemanden ärgern, sondern nur dafür sorgen, dass die Feuerungsanlage wirtschaftlich und vor allem sicher funktioniert. Auch wenn dem Kunden unter Umständen dadurch zusätzliche Kosten entstehen, ist er dennoch dankbar für jeden Hinweis, der ihn vor weiteren Schäden schützt.

„Geärgert“ fühlt sich hingegen nur manchmal der Installateur, an dessen gerade kurz zuvor gewarteter Anlage ich diesen Mangel feststelle. Dies ist leider und erstaunlicher Weise nicht selten!

Info

Das Membranausdehnungsgefäß gehört zur sicherheitstechnischen Ausrüstung von Heizungsanlagen mit Wasser als Wärmeträger und muss gemäß DIN EN 12 828 jährlich gewartet werden.

Autor: Autor: Ronny Gedamke, Schornsteinfegermeister, Berlin

Thematisch passende Beiträge

  • Ausdehnungsgefäß

    Der Druck muss stimmen

    Die Überprüfung der Ausdehnungsgefäße gehört zwar nicht zu den Aufgaben des Schornsteinfegers, den Kunden beraten und auf anderweitige Mängel bzw. Schäden, die entstehen können, hinzuweisen, gehört bei Ronny Gedamke jedoch mit zum Service. Was er dabei zu sehen bekommt, schildert der Schornsteinfegermeister in seiner Kolumne. Das ADG (Ausdehnungsgefäße) gehört zur sicherheitstechnischen...

  • Richtiger Druck im System

    Zu niedrige Drücke im Ausdehnungsgefäß können Betriebsstörungen der Gesamtanlage mit Luftproblemen, ständigem Nachspeisen und erhöhtem Anlagenverschleiß verursachen. Richtig dimensioniert und eingestellt verhindert ein Membrandruck-Ausdehnungsgefäß (MAG) Dampfbildung, Kavitation, Ansaugen von Außenluft und Wasserverlust durch Ansprechen des Sicherheitsventils. Die neuen Prüf- und...

  • Rundumblick ...

    ... deckt Mängel auf

    Ist der Ofen erst einmal aus, ist das Gejammer groß! In seiner Kolumne berichtet Schornsteinfegermeister Ronny Gedamke diesmal von mangelhafter Pflege der Heizungsanlage, die – meist zu ungünstigen Zeitpunkten – Störungen, Defekte und Ausfälle verursacht.

  • Grafische Abgasanalyse

    Unabhängig von der Technik muss jede Feuerungsanlage optimal arbeiten. Um vorhandenes Optimierungspotential bestmöglich ausschöpfen zu können, ist eine regelmäßige Überprüfung und Einstellung der Heizungsanlage erforderlich. Der Messtechnik-Spezialist Testo AG hat nun eine neue Serie des Abgasanalysegeräts „testo 330 LL“ auf den Markt gebracht. Sie bietet durch die grafische Aufbereitung der...

  • Junkers spendet Heizgeräte

    Unterstützung für Hochwasseropfer

    Junkers unterstützt die Hochwasseropfer in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Die Bosch Thermotechnik-Marke stellt insgesamt zehn Heizgeräte mit moderner Gas-Brennwerttechnik zur Verfügung. „Mit unserer Soforthilfe wollen wir den Menschen in den Katastrophengebieten schnell und unbürokratisch helfen – und sie so dabei unterstützen, möglichst schnell wieder zurück zur Normalität zu...

alle News

News der TGA- und Kältebranche

Top 5 - Meistgelesen

Nächste Ausgabe in der Vorschau

  • Heft Ausgabe 6 2014

    In der nächsten Ausgabe des SHK Profi – 06/2014 – finden Sie eine Reihe von interessanten Themen: So geht es im Sonderteil um Klimatisierungen zum Wohlfühlen. Zudem bietet die sechste Ausgabe einen lesenswerten Fachbeitrag zu einer rechtlichen Auseinandersetzung im Bereich Rückstauverschluss und Regenspeicherüberlauf.
    Wie die Energieverbräuche von Mietern in einer Liegenschaft erfasst werden, stellen wir Ihnen in einem weiteren Artikel vor. Bei diesem Projekt wurde bereits in der Planungsphase des Gebäudekomplexes ein ausgeklügeltes Konzept erstellt.
    Die Heizungsanlagen werden immer effizienter und komplexer. Leider reagieren sie dadurch auch empfindlicher auf Verschmutzungen und Ablagerungen im Heizungswasser. In einem Beitrag zum Thema Wasseraufbereitung für die Heizungsanlage berichtet der SHK Profi darüber, wie Korrosionsprobleme vermieden werden können.

Einkaufsführer Bau

A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N 
O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | 0-9 | 

Suchbegriff


Content Management by InterRed