Heizung/Energie | Unternehmen & Markt | 26.04.2017

ISH Energy

„Digitalisierung“ effizienter Heizungstechnik

Schwerpunkt der ISH Energy waren die Bereiche der Gebäude- und Energietechnik sowie der Erneuerbaren Energien – zusätzlich gehört der Bereich Klima-, Kälte- und Lüftungstechnik dazu, der aber in dieser Ausgabe des SHK Profi im Themenkanal Klima- & Lüftungstechnik ab Seite 54 separat betrachtet wird.

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  • Messeimpressionen Quelle: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Jochen Günther

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  • Messeimpressionen Quelle: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Jochen Günther

  • „Ofenflamme 2017“ - die Jury hat fünf Gewinner prämiert (v.l.): ZVSHK-Referent Tim Froitzheim überreicht die Ofenflamme an die Gewinner Rainer Niermann, Christian Manser, Stefan Ernst und Andreas Neuer. Nicht im Bild: Preisträger Günther Seyrlehner. Quelle: ZVSHK

Energieeffizienz und Komfort im Gebäude standen bei der ISH Energy im Fokus. Die entscheidenden Trends liegen im Bereich der effizienten Zukunftstechnologien und der intelligenten Gebäudetechnik. Im Wesentlichen ging es darum, dem Zusammenwachsen von Wärme und erneuerbarem Strom Rechnung zu tragen. Aber auch die digitale Heizung und die damit einhergehende zunehmende Integration von IT in innovative Heizungstechnologien wurden thematisiert.

Ambitionierte Ziele

Bis 2050 sollen CO2-Emissionen in den Bereichen Mobilität, Industrie und Gebäude massiv reduziert werden. Für den Gebäudebestand gilt eine Maßgabe von minus 85 %. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie e. V. (BDH) setzt auf eine Doppelstrategie aus Effizienz und erneuerbaren Energien. Hinzu kommt die Notwendigkeit eines breiten Mix aus Energieträgern und Technologien, um die ambitionierten Ziele zu erreichen.

Auf der ISH zeigte die deutsche Heizungsindustrie Lösungen für diese Herausforderungen, die sich aus dem Klima- und Ressourcenschutz ergeben. Die innovationsgetriebene Heizungsindustrie investiert dabei für Forschung und Entwicklung jährlich knapp eine halbe Milliarde Euro und entwickelt technisch kommerzielle Lösungen, die eine Kombination aus hoher Effizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien erlauben. Kein Wunder also, dass zahlreiche Neuvorstellungen im Bereich der ISH Energy präsentiert wurden.

Power-to-Heat

Dabei war auch Power-to-Heat Thema – also mit Erneuerbaren-Energien-Strom verstärkt im Wärmemarkt einzusetzen. Dies kann entweder als Einzeloption über die Wärmepumpe oder mittels hybrider Systeme, bestehend aus einer Wärmepumpe und einem Spitzenlast-Wärmeerzeuger geschehen. Power-to-Heat erfordert darüber hinaus die Digitalisierung der Heiztechnik und die digitale Anbindung des Heizsystems an das Stromnetz zur Nutzung flexibler Stromtarife.

Die ISH wartete mit Systemen auf, die eine PV-Anlage auf dem Dach zur Eigenstromnutzung mit einer Wärmepumpe, einem Batteriespeicher sowie einem thermischen Speicher kombiniert. Ein Energiemanager sorgt für die digitale Verknüpfung der Komponenten. Solche Systeme können im Übrigen auch die elektrische Grundlast im Haus teils abdecken und ein E-Mobil vor der Tür laden.

Strom im Wärmemarkt

Neben Power-to-Heat kann Erneuerbare-Energien-Strom bei Angebotsspitzen über die Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt werden. Über die Methanisierung des Wasserstoffs eröffnet sich die Möglichkeit der Einspeisung in das bestehende Gasnetz. Das Gasnetz selbst dient als Transportweg hin zum Gebäudebereich und als Speicher. Erdgas wird damit grüner und dient als speicherbare Spitzenlast-Energie für Nachfragespitzen im Wärmemarkt an Tagen der sogenannten kalten, dunklen Flaute (Minusgrade, keine Sonne, kein Wind). Eine weitere Option bietet Power-to-Liquid und biogene Anteile, ebenfalls nutzbar als speicherbare Spitzenlastenergie für den Wärmemarkt der Zukunft. Nach wie vor und in Zukunft noch stärker wird der Energieträger Holz als nachwachsender und CO2-neutraler Rohstoff eine wichtige Rolle im Wärmemarkt spielen und ebenfalls Nachfragespitzen ausgleichen.

Holzheizsysteme

Die Faszination des Heizens mit Holz ist ungebrochen. Aber z.B. moderne Einzelfeuerstätten leisten auch einen positiven Beitrag zum Klimaschutz. Denn Holz verbrennt generell CO2-neutral, das heißt, es wird nur so viel Kohlendioxid freigesetzt wie vorher beim Pflanzenwachstum gebunden wurde. Zusätzlich schont die Holzfeuerung den Vorrat an fossilen Energieträgern. Durch die Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärmebereitstellung konnten laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2013 in Deutschland Treib­hausgasemissionen in Höhe von etwa 38 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vermieden werden. Das CO2-neutrale Heizen mit Holz trägt somit maßgeblich zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung bei. Zudem ist der nachwachsende Brennstoff Holz regional verfügbar.

Emissionen verringern

Moderne Einzelraumfeuerstätten sind emissionsarm, auch wenn eine absolut emissionsfreie Verbrennung von Scheitholz oder Holzpellets rein technisch unmöglich ist. Dieser Problematik ist sich die Branche bewusst und hat deshalb die Einführung von Anforderungen an Feuerstätten für feste Brennstoffe im Rahmen der Novellierung der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BImSchV) ausdrücklich unterstützt. Die zweite Stufe mit verschärften Grenzwerten trat zum 1. Januar 2015 in Kraft. Dies bedeutet zum Beispiel, dass bei den Raumheizern mit Flachfeuerung (typische Kaminöfen) die Emissionsgrenzwerte für CO von 2,00 auf 1,25 g/m³ und für Staub von 0.075 auf 0,04 g/m³ abgesenkt wurden. Außerdem muss ein Mindestwirkungsgrad von 73 % erreicht werden. Noch schadstoffärmer arbeiten neue Pelletöfen: Bei den Modellen ohne Wassertaschen betragen die aktuellen Grenzwerte 0,25 g/m³ (CO) und 0,03 g/m³ (Staub) bei einem Wirkungsgrad von mindestens 85 %. Diese Werte sind bei einer Typprüfung einzuhalten.

Eine drastische Verringerung der aktuellen Emissionen bis zu 69 % hält der HKI Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik für möglich, wenn alle Geräte, die älter als 20 Jahre sind, ausgetauscht würden. Denn gegenüber einer vergleichbaren Holzfeuerstätte aus dem Jahr 1980 emittiere eine moderne Holzfeuerstätte nur etwa ein Siebtel der CO- und Staubemissionen. Der HKI schätzt, dass es unter den 10 bis 11 Mio. Einzelraumfeuerstätten in Deutschland etwa 4 bis 5 Mio. veraltete Feuerstätten gibt (alle vor der 1. Stufe der 1. BImSchV) und entsprechend den Vorschriften der 1. BImSchV stillgelegt, nachgerüstet oder ausgetauscht werden müssen. Außerdem würden weitere 4 bis 4,5 Mio. Anlagen nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entsprechen, weil sie nur die 1. Stufe der 1. BImSchV erfüllen.

Wohlfühlwärme

Moderne, schadstoffarme und effizient arbeitende Einzelraumfeuerstätten sind sehr vielseitig und flexibel. Sie passen sich sowohl optisch als auch wärmetechnisch in jede Wohnumgebung ein – egal ob klassisch, puristisch, zeitlos oder modern, egal ob Niedrigenergiehaus oder Altbau. Realisieren lässt sich die individuelle Wohlfühl-Atmosphäre mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Größen, Formen, Designs und Oberflächenmaterialien sowie mit einer passenden Feuerungstechnik. Noch umweltfreundlicher, effizienter und kostensparender wird das Heizen in Verbindung mit wasserführenden Kachelöfen, Heizkaminen, Kamin- und Pelletöfen. Ein meist in der Feuerstätte integrierter Wärmeüberträger ermöglicht über einen Pufferspeicher die Verbindung mit dem Zentralheizsystem. An kalten Tagen kann die Einzelfeuerstätte dann zum Beispiel eine Elektro-Heizwärmepumpe oder ein Gas-Brennwertgerät wirksam unterstützen und deren Energieverbrauch reduzieren. Gleichzeitig verringert sich die Wärmeabgabe im Aufstellraum, so dass dieser selbst in sehr gut wärmegedämmten Häusern nicht überhitzt wird. Pelletöfen mit Vorratsbehälter ermöglichen zudem einen automatischen, bedarfsorientierten und unterbrechungsfreien Heizbetrieb.

Rahmenprogramm

Der BDH und die Messe Frankfurt präsentierten auf der Galleria 1 zwischen den Hallen 8 und 9 das Technologie- und Energie-Forum. Unter der Überschrift „We have the solutions“ drehte sich hier alles um moderne und hocheffiziente Heizungstechnik „Made in Germany“. Gemeinsam mit elf Partnerverbänden aus Energiewirtschaft und Industrie deckte das Forum alle aktuellen Themen des Wärmemarktes ab. Neben sämtlichen am Markt verfügbaren modernen Heizsystemen, ging das Forum auch auf die Energieträger im Wärmemarkt und die aktuellen politischen Rahmenbedingungen ein. Zudem warf das Forum einen Blick in die Zukunft. Welche Rolle wird die Digitalisierung der Heizungstechnik spielen? Mit welchen Technologien kann die von der Politik gewollte Sektorkopplung, also die Verzahnung des Strommarktes mit dem Wärmemarkt, umgesetzt werden? Welche Energieträger werden künftig den Wärmemarkt dominieren? Und welche Rolle werden neue Technologien wie die Brennstoffzellenheizung spielen? Auf diese und viele weitere Fragen lieferte das Technologie- und Energie-Forum Antworten.

Das Gebäude-Forum in der Halle 10.3 zeigte innovative Lösungen für die professionelle Ausführung und den energieeffizienten Betrieb von Gebäuden und Liegenschaften. Analyse-Tools zur Entwicklung von Regelstrategien für gebäudetechnische Anlagen standen im Mittelpunkt der Präsentationen der Gebäudeautomationsindustrie. Ausführende Unternehmen zeigten intelligente gebäudetechnische Gesamtkonzepte. Gemeinsame Veranstalter waren der Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung e.V. (BTGA), der VDMA Fachverband Automation + Management für Haus + Gebäude, der Zentrale Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA) und die Messe Frankfurt.

Bereits zum dritten Mal fand das vom BTGA und der Messe Frankfurt getragene BTGA-Immobilienforum statt, das den Dialog zwischen der Immobilienwirtschaft und der Technischen Gebäudeausrüstung fördern will. Unternehmen des technischen Anlagenbaus präsentieren Gesamtlösungen zur Sicherstellung einer hohen Energieeffizienz und einer bestmöglichen inneren Umwelt im Gebäude. Highlight des Immobilienforums war eine Präsentation zu Building Information Modeling (BIM), in deren Mittelpunkt die Plattform ‚BIM zum Anfassen‘ stand. Begleitet wurde das gesamte Forum von einem Vortragsprogramm zu aktuellen Themen der Technischen Gebäudeausrüstung. Unter dem Motto „Wir für Euch“ präsentierte der ZVSHK sein exklusives Leistungsportfolio für die Innungsbetriebe des deutschen SHK-Handwerks. Der Stand des ZVSHK in Halle 8.0 war zugleich Anlaufstelle für alle Fachbesucher, die sich insbesondere mit den Themen energieeffiziente Heizungen und altersgerechte Bäder (Energie & Demografie) beschäftigen wollten.

Das Ofenforum in der Halle 9.2 sprach aktuelle Themen der Branche an wie beispielsweise die Energiepolitik, Potentiale der Holzfeuerung sowie technische Entwicklungen und Trends. Veranstalter des Ofenforums waren die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Kachelofenwirtschaft (AdK), der Industrieverband Haus-Heiz- und Küchentechnik (HKI), der ZVSHK und die Messe Frankfurt.

„Ofenflamme 2017“

Die Verleihung der „Ofenflamme 2017“ erfolgte im Rahmen der Sonderschau Ofenforum.  

Die Jury hat fünf Gewinner prämiert (v.l.): ZVSHK-Referent Tim Froitzheim überreichte die Ofenflamme an die Gewinner Rainer Niermann, Christian Manser, Stefan Ernst, Andreas Neuer und Günther Seyrlehner. Fast 170 Ofenbauer aus sieben europäischen Ländern hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt. „Mit unserem Design-Preis wollen wir zeigen, welche herausragenden handwerklichen Leistungen im Gewerk der Ofen- und Kaminbauer erbracht werden“, sagte ZVSHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Müller anlässlich der Preisverleihung. Jeder Gewinner erhielt neben dem aus Ofenkeramik erstellten symbolischen Preis der „Ofenflamme“ ein Preisgeld von 800 €. Die Auslobung erfolgte zum zweiten Mal und ist ein Gemeinschaftsprojekt des ZVSHK mit der Zeitschrift „Kamine & Kachelöfen“.

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  • Heft Ausgabe 9/2017

    Nichts ist schöner, als die kalte Jahreszeit vor einem prasselnden Ofenfeuer zu verbringen. Aber müssen es züngelnde Flammen am Scheitholz sein? Vielleicht sorgt auch die Strahlungswärme eines Pelletsofens für Wohlbefinden. In unserem Sonderteil „Heizen mit Stil“ stellen wir Ihnen Lösungen zu Festbrennstoffen vor.

    Ein weiteres Thema werden die Möglichkeiten der Digitalisierung im Handwerk sein. Hierbei geben Experten Tipps für Handwerksbetriebe und zeigen auf, was man tun bzw. was man besser lassen sollte. Unsicherheiten gibt es aber nicht nur bei der Digitalisierung, auch nasse Oberflächen im Bad können den Stand beeinträchtigen. Bei einer Montage-Story zeigen wir auf, wie Sie fast unsichtbar mehr Grip ins Bad bekommen.
    In der nächsten Ausgabe finden Sie zudem einen Beitrag zu Stagnations- und Verkeimungsschutz bei elektronischen Armaturen und Hinweise für Arbeitssicherheit auf Hubarbeitsbühnen.

    Freuen Sie sich als auf die Ausgabe 9/2017, die am 11. Dezember erscheint!

    Bildquelle: Wosilat Fotografie

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