Denkmalpflege trifft moderne SHK-Technik
Effiziente Gebäudetechnik für die St. Gertrudkirche in Altenwerder
Die St. Gertrudkirche in Hamburg-Altenwerder ist das letzte bauliche Relikt eines Dorfes, das längst dem Hafen gewichen ist. Nach über 30 Jahren Betrieb wurde die alte Ölheizungsanlage vollständig ersetzt. Die Hamburg Port Authority (HPA) beauftragte die Ingenieurbüro Heimsch GmbH (ibh) mit der Planung der gesamten technischen Gebäudeausrüstung. Die Ausführung übernahm der SHK-Fachbetrieb Natelberg GmbH aus Rhauderfehn. Ziel war eine zukunftsfähige, CO2-neutrale Wärmeversorgung mit Integration in ein denkmalgeschütztes Gebäude.
Kern der neuen Anlage ist eine Luft/Wasser-Wärmepumpe von Viessmann mit einer Nennwärmeleistung von 64,4 kW. Sie wurde
auf einer angrenzenden Obstwiese installiert – ein Kompromiss, der den denkmalpflegerischen Auflagen Rechnung trägt.
Die Verbindung zur Kirche erfolgt über eine unterirdische Fernleitung aus „Ecoflex Thermo Twinrohr“ (Uponor 50 × 4,6 mm PE 80)
mit einer Überdeckung von mindestens 80 cm. Zwei Pufferspeicher à 750 l (Viessmann „Vitocell 140-E“) gewährleisten einen gleichmäßigen Anlagenbetrieb, auch bei stark schwankendem Heizbedarf während Gottesdiensten oder Veranstaltungen.
Hydraulik, Speicher und Regelungstechnik
Die Heizkreise werden über eine Wilo-Pumpengruppe aus „Stratos MAXO 40/0,5–10“ versorgt, ausgestattet mit einem Siemens-Ventil „VXF 63.40-25“ und elektrischem Stellantrieb „SKB 32.50“. Ein Membran-Druckausdehnungsgefäß (35 l) sorgt für stabile Systemdrücke.
Zentral ist die moderne Mikroprozessor-Regelung mit Feuchte- und Temperatursensorik. Sie
dokumentiert sämtliche Raum- und Anlagenparameter, sodass Einflüsse auf die historische
Innenausstattung oder die Orgel laufend nachvollzogen werden können. Über eine Schnittstelle besteht ein direkter Zugriff der Gebäudeleittechnik der HPA auf das Regelungssystem – ein echtes Plus in Sachen Betriebssicherheit und Fernüberwachung.
Heizflächen und Integration im Innenraum
Im Innenraum kamen ausschließlich „X2 PLAN-Vplus“-Hygiene-Planheizkörper (Typ 10/20/30) von Kermi zum Einsatz. Sie ersetzen die alten Konvektoren und wurden unauffällig an den Außenwänden installiert – abgestimmt mit den Architekten Johannsen und Partner sowie dem Denkmalamt.
Auch die Emporen, Sakristei und Nebenräume erhielten die gleichen Heizkörpertypen, sodass ein harmonisches Gesamtbild entstand.
Für körpernahe Wärme im Gestühl wurden zusätzlich elektrische Bankheizstrahler installiert – eine Lösung, die besonders in historischen Kirchen für gleichmäßige Wärmeverteilung bei
geringem Energieeinsatz sorgt.
Elektrische Anlage und Beleuchtung
Die Elektro- und Blitzschutzinstallation wurde vollständig erneuert. Zum Einsatz kamen halogenfreie Installationskabel (NYM/NHXMH, N2XCH), neue Unterverteilungen mit Überspannungsschutz, LED-Beleuchtung und eine Sicherheitsbeleuchtungsanlage. Damit erfüllt die Kirche heute sämtliche aktuellen Sicherheits- und Energieeffizienzanforderungen. Die Elektroverteilung ist über eine Außenzählersäule nach dem Standard der Stromnetz Hamburg (TAB NS Nord 2019) realisiert.
Feingefühl gefragt: Umsetzung im Baudenkmal
„In einer denkmalgeschützten Kirche arbeitet man nicht nach Schema F“, betont Stefan Janssen, Geschäftsführer der Natelberg GmbH. „Es gibt keine Standardmontagepunkte, keine verdeckten Installationsräume. Jede Leitung, jeder Anschluss muss so geplant werden, dass Substanz und Ästhetik erhalten bleiben. Gleichzeitig darf man bei der Effizienz keine Kompromisse eingehen.“
Tradition und Zukunft im Einklang
„Gerade in denkmalgeschützten Gebäuden ist es entscheidend, moderne Technik so zu integrieren, dass historische Strukturen respektiert und gleichzeitig nachhaltige Lösungen geschaffen werden“, sagt Jens Schloßhauer, Geschäftsführer von ibh. Mit der neuen Anlagentechnik ist die St. Gertrudkirche heute nicht nur energetisch auf dem neuesten Stand, sondern auch für kommende Generationen gesichert.
Fazit
Das Projekt zeigt beispielhaft, wie durchdachte TGA-Planung, präzises Handwerk und digitale
Regelungstechnik zusammenwirken können – selbst in sensibelsten Baudenkmälern. Die Kirche St. Gertrud zu Altenwerder bleibt damit ein Ort der Begegnung – technisch zukunftssicher und gleichzeitig Zeugnis hanseatischer Baukultur.
