Aus der Sicht des Schornsteinfegers

Ausdehnung von Kunststoff-Abgasleitungen

Kunststoff-Abgasleitungen haben sich als zuverlässiges Abgassystem durchgesetzt. Die umfangreichen Installationsvarianten erlauben eine Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten. Schornsteinfegermeister Ronny Gedamke thematisiert in seinem vorliegenden Beitrag, was bei Abgasleitungsinstallationen beachtet werden muss.  

Ob im Neubau oder bei der Sanierung, die Kunststoff-Abgasleitungen sind bei der Installation von Brennwertanlagen zum Standard geworden. Da die Vielfältigkeit der Installation sehr umfangreich ist, sind auch die Montageanleitungen der Hersteller und die Einbauvorschriften besonders zu beachten.

Längenausdehnung beachten

Ein wesentlicher und sehr oft unterschätzter Schwerpunkt bei der Installation von Kunststoff-Abgasleitungen ist die Längenausdehnung. Je höher das Temperaturdelta ist, umso höher ist auch die Längenausdehnung (siehe Abbildung). Die Abgasleitungen dürfen bei der Verlegung keinen Festpunkt haben. Das bedeutet, dass die einwandige Abgasleitung nicht so fest verankert bzw. befestigt sein darf. Die Kraft der Ausdehnung würde die Abgasleitung zwar durch die kraftschlüssige Halterung/Muffe bewegen, aber nicht mehr zusammenziehen lassen. Die Abgasleitung drückt sich regelrecht selbst auseinander. Undichtigkeiten mit Abgas- und Kondensataustritt sind dann die Folge.

Fachgerechte Installation

Der Längenausdehnungskoeffizient von 0,16 mm/m*K liegt den Kunststoff-Abgasleitungen zugrunde. Bei einem Temperaturdelta von 70 K dehnt sich eine Abgasleitung auf einem Meter um ca. 11 mm aus. So kann sich beispielweise bei einer Länge von 10 m die Abgasleitung schon mal an der Mündung um 11 cm ausdehnen. Wenn dann die Schachtabdeckung nicht fachgerecht installiert ist und die Längenausdehnung nicht berücksichtigt wurde, ist ein Mangel vorprogrammiert. Auch bei Schornsteinanschlüssen oder Wanddurchführungen, wie sie bei raumluftabhängigen Brennwertfeuerstätten vorhanden sind, ist darauf zu achten, dass die einwandige Abgasleitung sich frei bewegen bzw. ausdehnen kann. Diese darf sich durch das „Scheuern“ aufgrund der Ausdehnung selbst keinen Schaden zuführen können.

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