Surf & Work zu jeder Jahreszeit
Behagliches Klima im Düsseldorfer „RheinRiff“
Surfen, Relaxen und Arbeiten unter einem Dach vereint die Düsseldorfer Event-Location „RheinRiff“. In der alten Schmiedehalle auf dem Düsseldorfer Böhler-Gelände trifft über 100 Jahre alte Industrie-Architektur auf Event, Sport und New Work. In diesem modernen und mutigen Konzept sorgen zwei leistungsstarke RLT-Geräte für gutes Klima und einen „endless summer“ unterm Hallendach.
Die anspruchsvolle Planung und Bauleitung der Klimatisierung hat das Düsseldorfer Ingenieurbüro TGA Romberg übernommen. Die Umsetzung lag in den Händen der Preuß Klimatechnik aus Mettmann.
Bild: Wolf
Die Vision der drei surfbegeisterten Unternehmensgründer Hendrik Blecher, Patrick Schneider und Tiberius Jeck war klar definiert: ein multifunktionaler Beachclub, der ganzjährig Sport- und Arbeitswelt – quasi Surfbrett und Laptop – miteinander verbindet und gleichzeitig Urlaubsflair in die Rheinmetropole holt. Bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie fiel die Wahl auf die ehemalige Schmiedehalle auf dem Düsseldorfer Areal Böhler mit ihrer rustikal-charmanten Industriekulisse. Mit „RheinRiff“ war der mehr als passende Name für die neue Surf & Work-Location gefunden und nach vier Jahren Vorbereitungs- und Planungszeit wurde das ambitionierte Projekt gestartet.
365 Tage Sommer
Bis 2022 wurde in der langgestreckten Halle mit elegant geschwungener Dachkonstruktion noch Stahl verarbeitet. Nach Abbau aller Maschinen und Kräne konnten die Investoren Anfang 2023 grünes Licht für den Umbau der zukünftigen Event-, Sport- und Arbeitsstätte geben. Ein gutes arbeitsreiches Jahr später hat das „RheinRiff“ seine ersten Gäste begrüßt.
Die moderne Event-Location soll das ganze Jahr hindurch ein bunt gemischtes Publikum ansprechen. Tropisches Grün, feiner Sand und die stehende Surfwelle als Hauptattraktion sind in ein stimmiges Innenarchitektur- und Beleuchtungskonzept vor in schwarz gehaltener Industriekulisse eingebettet und bilden ein kontrastreiches und gleichzeitig einladendes Ensemble. Bei voller Auslastung können sich in der Location rund 3.000 Besucher vergnügen – oder in einem außergewöhnlichen Ambiente arbeiten. Das Angebot ist vielfältig: Surfen, Beach-Volleyball, Yoga, Gastronomie mit wechselnden Foodtrucks, Bars, Lounge-Ecken, Event- und Party-Veranstaltungen und nicht zuletzt als Co-Working-Space nutzbare Konferenzräume. Dabei steht den Besuchern nicht nur die Halle zur Verfügung, sondern bei entsprechender Witterung auch ein rund 2.000 m² großer, als Strand gestalteter Außenbereich. „RheinRiff“ rechnet mit 300.000 Besuchern pro Jahr.
Das RLT-Gerät „KG Top“ für die Klimatisierung des Surfbeckenbereichs steht auf einem neu in die Halle eingefügten flachen Baukörper. Die Luftleistung beträgt maximal 14.000 m³/h.
Bild: Wolf
Planung des Lüftungskonzepts
Die Be- und Entlüftung einer Halle, die in sich mehrere Nutzungskonzepte vereint, erforderte eine gute und detaillierte Planung: Die jeweils angrenzenden Bereiche dürfen weder durch die Lüftung (Zugluft), noch durch Nichtlüften (Schwüle) beeinträchtigt werden. Für die Event-, Sport- und Arbeitsstätte
gelten darüber hinaus zonenweise unterschiedliche Normen und Richtlinien. Während für die Meetingräume des Co-Working Space am Ostende der Halle die Arbeitsstättenrichtline (ASR 3.6) Anwendung findet, ist im Bereich des Surfbeckens wiederum Schwimmbadklimatisierung gemäß VDI 2089 gefragt, um die Luft zu entfeuchten und die umgebenden Hallenbereiche abzuschirmen. Die Lüftung genügt aber auch den Anforderungen einer Eventhalle gemäß DIN EN 16798.
Der Event-Bereich im Westen des Baukörpers wird entgegen der ursprünglichen Planung heute manuell über große Flügeltüren entlüftet. Auch dies war eine Herausforderung, die bei der Planung der RLT-Anlage für den Surfbereich berücksichtigt werden musste. Schließlich birgt ein Öffnen der Türen die Gefahr von unerwünschten Querströmungen.
Die Planung und Bauleitung hatte das Düsseldorfer Ingenieurbüro TGA Romberg GmbH übernommen. „Die anspruchsvolle Planung der Surfhalle mit unterschiedlichen Nutzungsbereichen erforderte eine präzise Koordination aller technischen und funktionalen Aspekte. Jede Entscheidung wurde sorgfältig mit den Bauherren und unserem Team abgewogen, um den hohen Anforderungen an Komfort und Funktionalität gerecht zu werden“, blickt Laurens Höveler, Projektleiter bei TGA Romberg, zurück.
Weitwurfdüsen über beiden Beckenrändern drücken die witterungsabhängig temperierte Frischluft in Richtung
Wasserbecken und erzeugen damit jeweils einen Frischluftschleier.
Bild: Wolf
Herausforderungen in historischer Bausubstanz
Alexander Preuß, Projektleiter bei der die Klimatechnik ausführenden Preuß Klimatechnik GmbH aus Mettmann, erinnert sich an seinen ersten Besuch in der komplett leeren Halle im Winter: „Für uns stellte sich als Erstes spontan die Frage, wie man eine 6.000 m² große und bis zu 18 m hohe Halle auf eine Wohlfühltemperatur bringen kann.“
Weitere – auf den ersten Blick nicht sichtbare – Herausforderungen befanden sich direkt unter dem Hallenboden: Im Bereich des Surfbeckens und des Maschinenraums für die Pumpen der Welle waren tiefe, massiv armierte Betonfundamente eingebaut. Deren Eisenträger mussten jeweils auseinandergeschweißt werden, um den Beton zerkleinert auskoffern zu können. Außerdem wurde dort ein Bunker entdeckt, der als Schrottplatz der Halle gedient hatte und entrümpelt werden musste. Damit hat allein der Aushub der rund 4.500 m³ großen Grube zwei Monate in Anspruch genommen, was im ursprünglichen Ablaufplan so nicht vorgesehen war.
Das RLT-Gerät „KG Top“ mit geschwungenen Zu- und Fortluftführenden Kanälen steht im Außenbereich auf dem Boden neben der Halle. Es hätte auf dem geschwungenen Hallendach nicht platziert
werden können.
Bild: Wolf
Installation in luftiger Höhe
Die Grube für das Becken, das Wasserreservoir und den angrenzenden Maschinenraum für die Pumpen wurde 4 m tief ausgehoben und der darunter liegende, entrümpelte Bunker mit Beton ausgegossen. Zug um Zug wurden zeitgleich für die Frisch- und Abwasser führenden Grundleitungen für die Bars, die Spülküche sowie den Sanitärbereich Gräben in den Hallenboden und teilweise auch durch bestehende Fundamente geschnitten bzw. gestemmt.
Diese Vorarbeiten im Bodenbereich hatten wiederum zur Folge, dass der Hallenboden jeden Tag ein „neues Gesicht“ bekam. Dadurch konnten keine festen Gerüste aufgestellt werden, um diese Vorarbeiten nicht zu behindern. Gerüste wären aber hilfreich gewesen, um im Rahmen des eng getakteten Zeitplans insbesondere die Zu- und Abluftverrohrung unter der Decke installieren zu können. Die Verrohrung war auf unterschiedlichen Höhenniveaus von bis zu 10 m oberhalb des heutigen Hallenbodenniveaus umzusetzen.
Rund 700 m luftführende Verrohrung
„Wir konnten insbesondere mit unseren Arbeiten an der Verrohrung oberhalb des Surfbeckens nicht so lange warten, bis die Fundamente für das Becken und den Maschinenraum gegossen waren“, erläutert Alexander Preuß. „Da der Untergrund jeden Tag anders aussah und der Baufortschritt meistens nicht vorhersehbar war, wurde jeden Tag in enger Abstimmung mit den anderen Gewerken flexibel neu geplant, von welcher Stelle aus wir unsere Installationsarbeiten auf mobilen Scherenbühnen fortsetzen konnten.“
Neben Flexibilität war für die Mitarbeiter der Preuß Klimatechnik vor allem Schwindelfreiheit eine Voraussetzung, um Stück für Stück die zeitintensive Installation in luftiger Höhe präzise zu erledigen und anschließend die einzelnen Rohrabschnitte zu einem großen Ganzen miteinander verbinden zu können.
Für die beiden RLT-Geräte von Wolf hat Preuß Klimatechnik insgesamt rund 700 m luftführende Kanäle verlegt. Die Verrohrung verläuft akkurat und ist auch in ihren Achsen symmetrisch angeordnet, so dass sich die in Sichtmontage ausgeführten, luftführenden Kanäle formschön in das Industriedesign der Halle einfügen.
Schwimmbadklimatisierung
Das RLT-Gerät „KG Top“ für die Klimatisierung des Surfbeckenbereichs steht auf einem neu in die Halle eingefügten, flachen Baukörper. In diesem sind zum einen der Maschinenraum für die Wasseraufbereitung und zum anderen die Umkleide- und Sanitärräume für die Gäste untergebracht.
Weitwurfdüsen über beiden Beckenrändern drücken die witterungsabhängig temperierte Frischluft in Richtung Wasserbecken und erzeugen damit einen Frischluftschleier. Dieser sorgt nicht nur für gute Luft auf der Welle, sondern schirmt zusätzlich die umliegenden Hallenbereiche von der passiv aufsteigenden feuchten und warmen Luft ab. Die Luftleistung beträgt maximal 14.000 m³/h.
Die aufsteigende Luft wird rund um das Becken und auch direkt über der Wasseroberfläche auf vier Höhenniveaus abgeführt.
Die Hallenluft wird bei geringer Belegung sowie außerhalb der Öffnungszeiten im Umluftbetrieb gefahren und dabei über ein Kühlregister entfeuchtet. Feuchtesensoren in der Fortluft bestimmen den Grad der Entfeuchtung und über CO2-Sensoren wird der Anteil der Umluft im Zuluftstrom gesteuert.
Ein hocheffizienter Plattenwärmeübertrager ermöglicht eine Rückwärmezahl von 92 %. Damit erfüllt das Lüftungsgerät die Energieeffizienzklasse A+.
Projektleiter Laurens Höveler fasst die Anforderungen des Bauherrn an das RLT-Gerät zusammen: „Gesucht war ein qualitativ hochwertiges RLT-Gerät zu guten preislichen Konditionen, das speziell für den Einsatz in Schwimmstätten geeignet ist. Darüber hinaus musste es individuell anpassbar sein, um nahtlos in den Bestand integriert werden zu können.
Die Hallenluft wird bei geringer Belegung sowie außerhalb der Öffnungszeiten vom RLT-Gerät im Umluftbetrieb gefahren und dabei über ein Kühlregister entfeuchtet.
Bild: Wolf
Klimatisierung der Besprechungsräume
Im Ostteil der Halle befinden sich die modular in bis zu neun Einzelräume teilbaren Besprechungsräume in Holzständerbauweise. Die klimatisierten Konferenzräume bieten Platz für 6 bis 80 Personen. Sie sind angenehm beleuchtetet und mit digitalen Whiteboards und 4K Screens ausgestattet, um insbesondere kreative Besprechungen möglich zu machen. Große Fensterfronten geben den Blick in die Halle frei.
Den Gründern war wichtig, auch die Infrastruktur für die Klimatisierung dieser Räume formschön zu gestalten und jeden Raum individuell be- und entlüften zu können. Innerhalb der Besprechungsräume sind daher von der Lüftungstechnik nur Wand- bzw. Deckenauslässe zu sehen. Große luftführende
Kanäle verlaufen vom Lüftungsgerät in Sichtmontage in die Besprechungsräume bzw. an diesen entlang.
Stehende Welle
Die 9 m breite Welle im „RheinRiff“ entsteht, indem zehn Pumpen mit einer Anschlussleistung von zusammen 550 kW das Wasser aus einem Wasserreservoir über eine Rampe pumpen. Im Becken trifft das mit hoher Geschwindigkeit einströmende auf das stehende Wasser, wodurch sich die Welle bildet. Die konstant brechende Welle ist immer auf dem Peak, den Surfer im Meer suchen. Zur Regulierung der Wellenform gibt es ein Floater-System: Fünf verstellbare Platten regulieren Größe und Steilheit der stehenden Welle. Es sind Wellenhöhen zwischen 1,20 und 1,60 m möglich. Das Wasser wird kontinuierlich aufbereitet und muss daher nicht ausgetauscht werden. Pro Jahr werden lediglich 3 - 5 % Wasser nachgefüllt. Künftig soll zudem Photovoltaik den Strom für die Pumpen bereitstellen.
