Begeistern Sie die Jugend!

Fachkräfte und Kunden von morgen

Der Fachkräftemangel ist ein beherrschendes Thema in unserer Branche. Handwerksbetrieben fällt es zunehmend schwer, ihre Ausbildungsplätze mit geeigneten Kandidaten zu besetzen. Im Bereich der Fachingenieure sieht es nicht viel besser aus. Doch wie müssen sich Unternehmen wandeln, um für junge Menschen auch in Zukunft als Arbeitgeber attraktiv zu sein, und wie die Industrie, damit ihre Produkte von dieser Zielgruppe weiterhin gekauft werden?

Wenn in unserer Branche über den Fachkräftemangel debattiert wird, wird in vielen Fällen nur über die jungen Leute und nicht mit ihnen diskutiert. Ich habe es mir daher zur Aufgabe gemacht, dass ich bei jeder Gelegenheit mit Schülerinnen und Schülern bzw. Studierenden über ihre Berufsvorstellungen spreche. Auch wenn deren Aussagen nicht immer deckungsgleich sind mit meiner persönlichen Arbeitseinstellung, so sind sie doch sehr aufschlussreich. Und in Zeiten, in denen bei einem Bewerbungsgespräch eher der Arbeitgeber als Bewerber zu bezeichnen ist, sollten wir die Wünsche der Jugendlichen sehr ernst nehmen. Sonst gibt es in Ihrer Firma nämlich bald niemanden mehr, der die Arbeit erledigen kann.

In den von mir geführten Gesprächen wird deutlich, dass sich Unternehmen wandeln müssen, um für die Generation Z als potentielle Arbeitgeber attraktiv zu sein. Eine Herkulesaufgabe ist es dabei zunächst, den Bekanntheitsgrad der SHK-Branche zu steigern. Selbst wer sich für Technik interessiert und einen Job sucht, denkt halt üblicherweise nicht an Firmen und Marken aus dem SHK-Bereich – diese sind der jungen Generation meistens völlig unbekannt. Bringen Sie sich also ins Gespräch!

So hat z. B. der glaubwürdige Umgang Ihres Unternehmens mit dem Thema Umweltschutz mit Sicherheit Auswirkungen darauf, ob die Jugendlichen, die heute bei der „Fridays for future“-Demo auftreten, morgen auch Ihre Produkte kaufen oder bei Ihnen arbeiten wollen.

Wir sollten daher Themen wie Energieeinsparung nicht nur aus Sicht des Umweltschutzes und der Kosteneinsparung betrachten, sondern auch als Argumente, die begehrten qualifizierten jungen Fachkräfte für das eigene Unternehmen zu begeistern. Junge Leute wollen in einem Unternehmen arbeiten, das „gut“ für die Welt ist. Firmen, die energieeffiziente Produkte herstellen oder einbauen, mit denen der Klimawandel bekämpft werden kann, können bei der Generation Z punkten. Gleiches gilt für die Digitalisierung: Junge Menschen leben heute in einer digitalisierten Welt und sie wollen dies auch. Daher müssen Produkte und Unternehmen ebenfalls digital bestens aufgestellt sein, um für die Generation Z „sexy“ zu sein. Die junge Generation „tickt“ halt anders und legt z.T. auf andere Aspekte Wert als ältere Arbeitnehmer und Verbraucher. So ist für sie der Besitz eines Gegenstands nicht mehr so bedeutend; sie möchte nur den Vorteil nutzen und ist eher bereit zu teilen. Paradebeispiel hierfür ist das Carsharing: Man will kein Auto besitzen, sondern nur mobil sein. Die Serviceleistung steht im Vordergrund, nicht das Produkt. Eine Heizung oder Klimaanlage lässt sich natürlich nicht so leicht teilen wie ein Auto. Aber Contracting- und Quartiers-Lösungen, Vollwartungsverträge oder Public-Private-Partnership-Modelle fallen bei der Generation Z auf deutlich fruchtbareren Boden. Gleiches gilt für das Thema Smart Grid: Die junge Generation ist viel eher bereit, die Kontrolle über ein Gerät abzugeben oder diese zu teilen, wenn sie selbst und/oder die Umwelt hiervon profitiert.

Transparenz ist ein weiteres gefordertes Feature für die Generation Z. Sie will viele Infos über ein Produkt haben, die mit der eigentlichen Funktion nicht oder kaum zusammenhängen: Wurde es lokal hergestellt? Unter welchen Arbeitsbedingungen? Mit welchem ökologischen Fußabdruck? Lässt es sich recyceln? Welchen Energieverbrauch hat es (und zwar im permanenten Monitoring durch eine App)? Nahezu irrelevant ist hingegen die tatsächliche Funktionsweise – es soll einfach nur zuverlässig, komfortabel und kostengünstig laufen. Mit den genannten Aspekten einher gehen flexible und auf den Kunden maßgeschneiderte Servicelösungen und die Schaffung von Rating-Systemen. Bei allem Hype um die Generation Z sollte jedoch nicht vergessen werden, dass der Großteil der Konsumenten und Arbeitnehmer aus älteren Semestern besteht. Produkte und Arbeitswelten, die der Generation Z gefallen, können für diese ein Flop sein.  

Und wenn Sie das nächste Mal über die Einstellung der Jugend von heute die Nase rümpfen, denken Sie bitte ganz beruhigt an folgendes Zitat von Socrates von vor fast 2500 Jahren: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Christoph Brauneis

SHK Profi-Chefredakteur

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