Corona: Warum Klimaanlagen das Virus nicht verbreiten

Der Fall Tönnies und die Klimaanlage – wegen der niedrigen Temperatur, einer geringen Frischluftzufuhr und einer konstanten Luftumwälzung in der Halle soll die Lüftungs- und Kühlungsanlage zur enormen Verbreitung des Coronavirus im Schlachtbetrieb beigetragen haben. Stellt sich die Frage, ob RLT-Anlagen generell Virenschleudern sind. „Nein, denn dank der modernen Filtertechnik lässt sich mittlerweile eine Luftqualität in geschlossenen Räumen herstellen, die frei von Bakterien und Viren ist. Der richtige Betrieb der Klimaanlage ist dabei natürlich vorauszusetzen“, sagt Prof. Dr. Bernd Boiting von der FH Münster , Experte für Raumluft- und Kältetechnik am Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt. Egal, welche Bauart zum Einsatz kommt, ob Klimaanlagen mit Frischluftzufuhr oder sogenannte Split-Geräte, die ausschließlich die Raumluft kühlen und umwälzen, es geht um die richtigen Filter und die richtige Luftfeuchtigkeit. „Wir setzen beim Sprechen, Lachen oder Singen immer feine Tröpfchen frei, durch die Coronaviren übertragen werden können. Ist die Luft feucht, sinken diese Tröpfchen schnell ab und stellen bei ausreichendem Abstand kaum eine Gefahr dar. Ist die Luft sehr trocken, entzieht sie den Tröpfchen die Feuchtigkeit. Sie werden kleiner und leichter und fliegen dementsprechend weiter“, erklärt Prof. Boiting. Gerade im Winter, wenn Raumluft häufig trocken und warm sei, stelle das in Bezug auf Bakterien und Viren ein erhöhtes Infektionsrisiko dar. Deshalb soll die relative Luftfeuchtigkeit in einem Raum zwischen 30 und 65 % liegen – das regelt die Deutsche Industrie Norm DIN EN 15251.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die richtigen Filter. Schwebstofffilter, sogenannte HEPA-Filter, sind ausreichend fein, um Partikel sowie Aerosole und die daran haftenden Coronaviren aus der Luft zu filtern. „Meines Erachtens reichen Feinstaubfilter der etwas niedrigeren Kategorie ISO ePM2,5 mit einer Minimal-Effizienz von 50 % ebenfalls aus. Das bedeutet, dass mindestens 50 % aller Feinstaubpartikel, die 2,5 Mikrometer oder größer sind, vom Filter abgeschieden werden müssen. Auf der absolut sicheren Seite ist man natürlich mit HEPA-Filtern“, sagt Prof. Boiting. Allerdings stellen diese Filter einen hohen Kostenfaktor dar.

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