Aus der Sicht des Schornsteinfegers

Do it yourself?

Gefährliche Heimwerker

Sparfüchse und Hobby-Installateure sind gern gesehene Kunden in Baumärkten. Hier findet sich alles, was ihr Herz begehrt. Was Schornsteinfegermeister Ronny Gedamke aber gar nicht gerne sieht, sind Installationen von solchen Heimwerkern an sicherheitsrelevanten Anlagen. Schlecht informiert und mit Material aus dem Heimwerkermarkt machen sogar manche nicht vor Gaszählern halt. Diesmal berichtet Ronny Gedamke, welche Auswirkungen solche laienhaften Installationen haben können.

Handwerker, die ihr Fach verstehen, sind gern gesehene Leute. Jedoch haben Sie einen großen Nachteil – sie kosten Geld! Manche Leute denken, dass man daran sparen kann, indem man versucht, alles „selbst zu machen“. Dass man sich dabei aber auch stellenweise auf „dünnes Eis“ begibt, ist manch einem Hausbesitzer oder Mieter nicht bewusst.
Dank der Baumärkte und ihrer Vielzahl von Produkten wird es aber einem auch oft leicht gemacht. Es ist sogar verführerisch, die ein oder andere Reparatur, Neuerrichtung, Auswechselung oder Zusatz­installation selbst durchzuführen. Manches erscheint auch ganz einfach zu sein. Leider wird der “Laie“ beim Kauf nicht auf alle Bestimmungen, Verordnungen, Normen oder gar Gesetze hingewiesen, die beim Einbau einzuhalten sind. So kommt es nicht selten vor, dass Kamine inkl. Schornstein schnell gekauft sind, aber sich der Käufer nicht vorher darüber informiert hat, was alles bei der Errichtung zu beachten ist. Die Bundesimmissionsschutzverordnung ist dabei nur eine von vielen Vorschriften. Wenn es dann nicht so funktioniert, wie es eigentlich sollte, kommt bei dem einen oder anderen die ernüchternde Erkenntnis, dass ein Fachmann wohl besser gewesen wäre. Schreibt der Schornsteinfeger erst einen Mängelschein, kommen zusätzliche Kosten auf den „Heimwerker“ zu. Kommt es gar zum Schadensfall, kann sich die Versicherung bei einer nicht regelkonformen Installation sogar weigern zu zahlen! Möglich ist auch, dass die Anlage komplett zurückgebaut werden muss. Nicht nur der Ärger, sondern auch die erhöhten Kosten sind dabei vorprogrammiert. Anstatt die Ausdehnungsgefäße zu erneuern oder zusätzlich zu installieren, werden ständig die Eimer unter der Sicherheitsgruppe entleert oder gar das Überdruckventil zugeschraubt. Nicht selten gibt es aber auch selbst durchgeführte Arbeiten von Laien, die nicht ungefährlich sind und somit Leib und Leben gefährden! So erstickte z.B. ein junges Paar in ihrer Mietwohnung, weil der Vermieter den mit einer Gas-Etagenheizung benutzten Schornstein unsachgemäß über Dach abdeckte. Auch vor Gasleitungen macht mancher Hobby-Installateur nicht halt. Mit genügend krimineller Energie geht es dann auch schon mal an die rechtswidrige Demontage bzw. Überbrückung von Gaszählern. Dies ist jedoch nicht nur Diebstahl, sondern auch eine grob fahrlässige Handlung, die nicht nur den „Möchte-gern-Installateur“ gefährdet, sondern auch die Leben Unschuldiger.

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