Risiko Rückstau: Wenn der Keller baden geht

Kellerüberschwemmung: Ursachen, Rechtslage und Schutz

Es muss nicht immer ein Jahrhundert-Hochwasser sein: Schon längere Starkregenereignisse können die Kanalisation an ihre Belastungsgrenze bringen und zur Überflutung von Kellerräumen führen. Hausbesitzer und Bauherren müssen sich daher gezielt vor Rückstau schützen – denn im Falle einer Überflutung haften die Versicherungen nur bei vorhandener Rückstau-Sicherung.

Forscher beobachten bereits seit Mitte der 1970er Jahre „eine Zunahme von Hochwasserereignissen“, so das Max-Planck-Institut für Meteorologie. In der Tat waren die durch Überflutungen und Rückstau verursachten Schäden noch nie so hoch wie jüngst. Was viele nicht wissen: Überschwemmungen bedrohen nicht nur flussnahe Städte und Dörfer; und es bedarf keines wochenlangen Dauerregens, um Tiefgeschoße von Häusern zu überfluten.

Überlastung der Kanalisation

Schutzvorrichtungen reichen häufig nicht aus, um Überflutungen zu verhindern. Oft genügt ein kräftiger Regen und schon dringt rückgestautes Wasser aus der überlasteten Kanalisation in das Gebäude ein. Vor allem im Sommer und Herbst muss mit Starkregenereignissen gerechnet werden. Die Kanalnetze sind aus wirtschaftlichen Gründen und zur Sicherstellung der Selbstreinigungsfähigkeit nur für mittlere Regenereignisse ausgelegt. Wenn die Kapazität der Kanalschächte überschritten ist, folgt das Abwasser dem Naturgesetz der kommunizierenden Röhren: Es fließt zurück in das Gebäude.

Hausbesitzer in der Pflicht

Zwar müssen die Gemeinden für den sicheren Betrieb der Kanalisation sorgen und im Normalfall auch für verursachte Schäden haften; das gilt aber nicht bei einem „ganz ungewöhnlichen und seltenen Katastrophenregen“, urteilte der BGH. Die Verantwortung zum Schutz gegen Rückstau liegt damit beim Hausbesitzer.

Aber nicht nur Starkregenereignisse, sondern auch Querschnittsverengungen durch Ablagerungen oder Verstopfungen, Rohrbrüche, Pumpenausfälle im öffentlichen Kanalsystem oder Hochwasser führen dazu, dass das Abwasser nicht mehr so schnell wie nötig abfließen kann und sich dadurch in das Gebäude zurückstaut.

Rückstauschutz

Gefährdete Gebäude lassen sich durch einen aktiven oder passiven Rückstauschutz vor Rückstau aus der Kanalisation bewahren. Aktiver Rückstauschutz erfolgt über Abwasserhebeanlagen, die Entwässerungsgegenstände unterhalb der Rückstauebene gegen Rückstau sichern. Passiver Rückstauschutz funktioniert durch den Einsatz von Rückstauverschlüssen, die in modernen Bodenabläufen integriert sind. Bei der Wahl der richtigen Rückstausicherung gibt es drei grundsätzliche Fragen zu beantworten:

Besteht ein Gefälle von der Entwässerungsebene zum Kanal oder liegt die Ebene unterhalb der Kanalisation?

Kann auf die Ablaufstelle während eines Rückstaus verzichtet werden oder muss die Abwasserableitung durchgängig gewährleistet sein?

Fließt in dem zu sichernden Rohrbereich fäkalienfreies oder fäkalienhaltiges Wasser, d.h. befinden sich im Keller nur Waschmaschine und Waschbecken oder auch eine Toilette?

Rückstauverschluss

Wenn der Keller oberhalb der Kanalisation liegt, erfolgt die Rückstausicherung mit einem Rückstauverschluss. ACO Haustechnik verfügt über drei Lösungen für unterschiedliche Anforderungen: Der Kellerablauf „ACO Junior“ mit Rückstauverschluss entspricht Typ 5 nach DIN EN 13564. Er ist aufgrund seiner kompakten Abmessungen besonders für die Sanierung von Kellerräumen geeignet, in denen nachträglich eine Ablaufstelle gegen Rückstau gesichert werden soll. Auch der Doppelrückstauverschluss „ACO Triplex-K-2 Typ 2“ entspricht der DIN EN 13564. Er ist für den Einbau in eine freiliegende, durchgehende Abwasserleitung konzipiert. Durch seine geringen Ausmaße eignet er sich auch zum nachträglichen Einbau in vorhandene Schächte. Beide Modelle sind nur für fäkalienfreies Abwasser geeignet. Wenn unterhalb der Rückstauebene eine Toilette liegt, kommt der Rückstauautomat „ACO Quatrix-K Typ 3F“ zum Einsatz. Er ist speziell für den Einbau in die Bodenplatte geeignet und entspricht ebenfalls der DIN EN 13564.

Hebeanlagen

Für den Schutz von Räumen unterhalb der Rückstauebene bzw. der Kanalisation dienen Abwasser-Hebeanlagen mit integriertem Rückflussstop. Für fäkalienfreies Abwasser empfiehlt sich die Hebeanlage „ACO Sinkamat-K“. Sie steht als Unterflur- und Überflur-Variante zur Verfügung. Die kraftvolle Pumpe lässt sich mittels einer Schnellkupplung ohne Werkzeug installieren und demontieren. Sie kann bis zu 8 m3 pro Stunde fördern, wobei eine Flachwasserabsaugung von 10 mm möglich ist. Die maximale Förderhöhe (= maximaler Abstand zur Rückstauebene) beträgt 6,5 m. Die Hebeanlage „ACO Muli-Mini“ ist in den Ausführungen mono und duo d.h. mit einer bzw. zwei Schmutzwassertauchpumpen erhältlich. Sie eignet sich zur Freiaufstellung in frostgeschützten Räumen unterhalb der Rückstauebene. Die Lösung für fäkalienhaltiges Abwasser unterhalb der Rückstauebene sind die Hebeanlagen der Baureihe „ACO Muli-Star“. Sie sind kompakt, leistungsstark und auch für schwierigste Einbausituationen geeignet. Ihr Einsatzort sind vor allem Kellerräume von Einfamilienhäusern, die unterhalb der Rückstauebene ohne Gefälle zum Kanal liegen. Die Doppelhebeanlage „Muli-Star DDP“ ist immer dann die richtige Wahl, wenn der Abwasserabfluss nicht unterbrochen werden darf, wie z.B. in Mehrfamilienhäusern. Sie verbindet die deutlich höhere Betriebssicherheit durch zwei Pumpen mit kompakten Maßen, geringem Gewicht und einfacher Montage.

Externe Pumpstationen

Für Bausituationen, in denen eine Installation der Abwasserhebeanlage direkt im Gebäude entweder mit Nachteilen verbunden oder gar unmöglich ist, stellen Fertigpumpstationen für die Installation im Erdreich außerhalb des Gebäudes eine gute Lösung dar. Sie sammeln das Abwasser unterirdisch neben dem Gebäude und befördern es von dort ins Kanalsystem. Die Auswahlkriterien für externe Pumpstationen lauten Nutzvolumen des Behälters, Art des Schmutzwasserzuflusses, Pumpenleistung sowie Flexibilität (Einbauoptionen und Zubehörumfang). Mit den zwei neuen Fertigpumpstationen „ACO Muli-Max-F“ und „ACO Powerlift-P“ deckt ACO Haustechnik nahezu alle denkbaren Anwendungserfordernisse ab: Entwickelt nach dem Baukastenprinzip, lassen sich Behälter, Steuerung, Belastungsklassen und Pumpe(n) je nach Bausituation wählen.

Das Einsatzgebiet der kleineren der beiden Fertigpumpstationen von ACO Haustechnik mit Druckleitungsanschlüssen DN 50 reicht von der Entwässerung von Einfamilienhäusern über gewerbliche Einrichtungen bis zu Industrieanlagen (Fettabscheider bis NS4). „ACO Muli-Max-F“ mit Überwasser-Pumpenankoppelung ist in den Ausführungen mono und duo d.h. als Einzelpumpstation oder Doppelpumpstation sowie in den Belastungsklassen A 15, B 125 und D 400 erhältlich. Die „ACO Muli-Max-F“ Fertigpumpstation ist auftriebssicher, grundwasserdicht und mit einer pneumatischen Niveauschaltung für hohe Betriebssicherheit ausgestattet. Sie kann bis zu einer Gesamteinbautiefe von 3 m installiert werden.

Mit zwei Pumpen, ihrem großen Nutzvolumen von 550 l, Anschlüssen DN 50, DN 65 und DN 85 sowie lieferbar in den Belastungsklassen B 125 und D 400 erstreckt sich das Einsatzgebiet der neuen Fertigpumpstation „ACO Powerlift-P“ über Mehrfamilienhäuser inklusive großer Oberflächen (wie z.B. Innenhöfe, Parkflächen) bis hin zu Industrieanlagen. Die Pumpenankoppelung der „ACO Powerlift-P“ erfolgt Unterwasser. Sie eignet sich für fäkalienhaltiges und fäkalienfreies Abwasser. Die Behälter aus Polyethylen, Rohre aus PVC-U und Kugelrückschlagsventile aus Gusseisen sorgen für eine lange Lebensdauer.

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