Systemlösung zur Kombination verschiedener Wärmequellen
Effiziente Hybridtechnik für Ein- und Zweifamilienhäuser
Für hybride Heizsysteme hat Hargassner ein neues Systempaket entwickelt, das Wärmepumpe, Pufferspeicher und Steuerung kombiniert. Das Konzept ermöglicht die Einbindung mehrerer Wärmequellen wie Photovoltaik oder Biomasse und zielt auf eine hohe Effizienz im Betrieb. Für diesen systemischen Ansatz wurde das Unternehmen bereits vor Serienstart mit dem „EnergieGenie 2026“, dem österreichischen Innovationspreis, ausgezeichnet.
Mit dem neuen Hybrid-Paket aus der Propan-Wärmepumpe „AirPro“, dem Pufferspeicher „HSS600 WP“ und der Regelung „TouchPro“ stellt Hargassner ein System für die Kombination verschiedener Wärmequellen vor. Ziel der Lösung ist es, Wärmepumpentechnik effizient mit weiteren Energiequellen wie Photovoltaik oder Biomasse zu verbinden.
Der Pufferspeicher „HSS600 WP“ arbeitet mit Schichtladelanzen und einer speziellen Dämmung, um eine stabile Temperaturschichtung im Speicher zu erhalten. Dadurch kann die Wärmepumpe „AirPro“ mit niedrigen Rücklauftemperaturen betrieben werden, was sich positiv auf die Arbeitszahl auswirkt. Gleichzeitig fungiert der Speicher als hydraulische Schnittstelle für weitere Wärmeerzeuger, etwa Pellet- oder Stückholzheizungen.
Die Regelung „TouchPro“ übernimmt die Koordination der einzelnen Komponenten und ermöglicht die abgestimmte Einbindung der verschiedenen Energiequellen. Das System ist für Niedrigenergiehäuser sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser im Neubau oder in der Sanierung ausgelegt.
SHK Profi fragt nach
Welcher Entwicklungsgedanke steckt genau hinter dem neuen Hybrid-Paket? Die SHK Profi Redaktion sprach darüber mit Markus Zeilinger, Produktmanager von Hargassner.
Herr Zeilinger, wie ist das Hybrid-Paket hydraulisch und regelungstechnisch aufgebaut und welche Rolle übernehmen die neue Wärmepumpe, Schichtspeicher und Steuerung jeweils im Gesamtsystem?
Das Gesamtsystem ist ein ausgeklügeltes Zusammenspiel aus mehreren Komponenten. Dazu gehört eine intelligente Regelung, die nicht nur den momentanen Wärmebedarf des Gebäudes im Auge hat, sondern durch eine aktive Wetterdatei-Einbindung die Leistung der Wärmepumpe vorausschauend und bedarfsgerecht anpasst. Eine weitere Komponente ist der Schichtspeicher, der geringste Standby-Verluste aufweist. Und nicht zuletzt wurde im Gesamtkonzept die Einbindung alternativer Energiequellen wie eines wassergeführten Kaminofens, einer PV-Anlage oder eines Pelletkessels bereits mitgedacht. Zusätzlich besteht volle Kompatibilität zum Hargassner-Zubehör sowie die Möglichkeit einer einfachen Montage von Frischwasserstation, Heizkreisgruppen usw. direkt am Speicher. Die Kombination mit der hocheffizienten Wärmepumpe mit dem natürlichen Kältemittel R290, die zu den leisesten Geräten am Markt gehört, rundet dieses Hybridpaket ab.
Was unterscheidet den „HSS600 WP“ mit Schichtladelanzen konstruktiv von einem klassischen Pufferspeicher? Welchen konkreten Einfluss hat das auf Effizienz und Rücklauftemperaturen?
Durch die verbauten Schichtladelanzen wird der Speicher im reinen Wärmepumpenbetrieb direkt durchströmt. Der Speicher dient dabei lediglich als Lastausgleich bei schwankender Leistungsabnahme im Gebäude oder bei einem gegebenenfalls notwendigen Abtauvorgang der Wärmepumpe. Dadurch ist es möglich, trotz Pufferspeichers den Rücklauf der Heizkreise nahezu ohne Vermischung mit dem Speichervolumen direkt zur Wärmepumpe zu führen – ebenso wie den Vorlauf der Wärmepumpe direkt zu den Verbrauchern. So kann die Energie mit sehr geringen Verlusten unmittelbar von der Wärmepumpe in das Heizsystem übertragen werden. Gleichzeitig kann der Speicher in Kombination mit einer Frischwasserstation nahtlos als Warmwasserspeicher genutzt werden. Die Schichtung der Warmwasserzone bleibt im Heizbetrieb durch die Schichtladelanzen nahezu unberührt. In Kombination mit den äußerst geringen Speicherverlusten ergibt sich somit eine sehr lange Warmwasserbevorratung.
Viele Wärmepumpen verlieren im Zusammenspiel mit weiteren Wärmeerzeugern an Effizienz. Wie stellt Ihr System sicher, dass hohe COP- bzw. SCOP-Werte auch im Multi-Source-Betrieb erhalten bleiben?
Vorlauf und Rücklauf alternativer Erzeuger werden über zusätzliche Anschlüsse eingebunden. Ist ausreichend Energie im Speicher vorhanden, bleibt die Wärmepumpe ausgeschaltet. Reicht diese nicht mehr aus, gewährleisten die Schichtladelanzen eine hocheffiziente Durchströmung des Speichers.
Wie gestaltet sich die Einbindung des Hybrid-Pakets in bestehende Heizsysteme konkret auf der Baustelle – etwa bei der Kombination mit vorhandenen Pellet- oder Stückholzkesseln? Welche hydraulischen Anpassungen sind typischerweise erforderlich und wie hoch ist der Installationsaufwand für den SHK-Fachbetrieb?
Einfacher und schneller ist es kaum möglich: Vorlauf und Rücklauf der bestehenden Heizung werden an die dafür vorgesehenen Anschlüsse angeschlossen, die Wärmepumpe an die Schichtladelanze – und schon ist das Hybrid-System betriebsbereit.
Welche konkreten Vorteile bietet die „TouchPro“-Steuerung im Alltag eines SHK-Betriebs – etwa bei Inbetriebnahme, Parametrierung oder Service?
Ein Inbetriebnahme-Assistent erleichtert die Inbetriebnahme durch den SHK-Betrieb erheblich. OnBoard-WLAN sorgt für eine schnelle Internetanbindung der Anlage beim Kunden. Sollte im Zuge der Inbetriebnahme Unterstützung durch den Kundendienst erforderlich und noch kein Kundeninternet vorhanden sein, kann die Verbindung alternativ über einen Handy-Hotspot hergestellt werden. Das Bedienerlebnis ist besonders einfach gehalten, bei gewohnter Hargassner-Umgebung – selbsterklärend für unsere Heizhelden im SHK-Bereich.
Wie können SHK-Handwerker das Hybrid-Paket gegenüber Endkunden argumentativ positionieren?
Hocheffizient (Speicher und Wärmepumpe), leise (Wärmepumpe), schnelle und einfache Installation (Speicher, Wärmepumpe, Regelung) – und das bei einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Das bedeutet Zukunftssicherheit für Jahrzehnte.
Für welche Gebäudetypen und Anwendungsfälle ist das System besonders geeignet – und wo liegen ggf. technische oder wirtschaftliche Grenzen?
Vom anspruchsvollen Neubau bis zum Sanierungsgebäude setzt Hargassner hier keine Grenzen. Die Grenze der Wirtschaftlichkeit liegt erst ab einem Vorlauf von ca. 60 °C im Heizungsbetrieb. Genaue Berechnungen und Auslegungen sind jedoch nach wie vor unerlässlich und bilden die Grundlage jeder Sanierung.
Das Interview führte Manja Dietz / Redaktion SHK Profi
