Systemwasser als Schlüssel

Warum Wasserqualität über die Lebensdauer von Wärmepumpen entscheidet

Der Boom der Wärmepumpe bringt neue Herausforderungen mit sich: Trotz fachgerechter Installation verlieren viele Anlagen bereits nach kurzer Zeit an Effizienz oder fallen aus. Ein häufig unterschätzter Grund ist die Qualität des Systemwassers. Im Interview erklärt Christian Breul, Heizungsbaumeister und Experte für Wasserqualität bei Spirotech, warum Korrosion, Luft und Ablagerungen insbesondere bei Wärmepumpen zu Schäden führen können. Er zeigt auf, welche Folgen dies für Effizienz und Lebensdauer hat und welche Maßnahmen SHK-Betriebe bei Planung, Installation und Wartung ergreifen sollten, um Ausfälle zu vermeiden und den langfristigen Betrieb der Anlagen zu sichern.

Herr Breul, die Wasserqualität spielt im Heizsystem eine wichtige Rolle. Warum ist sie gerade bei Wärmepumpen so entscheidend?

Die Wasserqualität beeinflusst direkt die Lebensdauer und Effizienz einer Wärmepumpe. Eine schlechte Wasserqualität führt zu Korrosion, Rost und magnetischen Ablagerungen im Plattenwärmeübertrager. Insbesondere der Kompressor und der Plattenwärmeübertrager des Verdampfers reagieren empfindlich auf Verunreinigungen. Dadurch wird die Wärmeübertragung stark beeinträchtigt und es entsteht ein deutlicher Effizienzverlust. Christian Breul, Experte für Wasserqualität in Anlagen bei Spirotech, klärt über unterschätzte Risikofaktoren für Wärmepumpen auf.
Bild: Spirotech

Christian Breul, Experte für Wasserqualität in Anlagen bei Spirotech, klärt über unterschätzte Risikofaktoren für Wärmepumpen auf.
Bild: Spirotech

Auch der Luftgehalt im Systemwasser ist entscheidend. Sammelt sich zu viel Luft im Plattenwärmeübertrager an, wird dieser verstopft. Die Leistung der Wärmepumpe verschlechtert sich drastisch, ablesbar an der geringeren Jahresarbeitszahl – kurz: JAZ. Für einen langfristig störungsfreien Betrieb ist es daher unerlässlich, auf eine optimale Systemwasserqualität zu achten.

Welche typischen Schäden oder Leistungseinbußen beobachten Sie bei Wärmepumpen, wenn das Systemwasser nicht korrekt aufbereitet oder überwacht wird? Können Sie Beispiele aus der Praxis nennen?

Ein frühzeitig defekter Kompressor – bereits nach drei bis fünf Jahren – ist ein klares Zeichen für mangelhafte Systemwasserqualität. Denn das bedeutet, dass die Wärmepumpe ihre Energie
nicht mehr effizient aus der Umgebung zieht, sondern sie verstärkt über den Kompressor bereitstellen muss. Dazu benötigt sie mehr Strom und fordert den Kompressor verstärkt. Im schlimmsten Fall fällt die Heizung ganz aus und es werden teure Reparaturen fällig. In jedem Fall entstehen hohe Kosten. Weitere typische Probleme sind defekte Pumpen, fehlerhafte Wärmemengenzähler oder verstopfte Ventile. Das alles sind bekannte Schäden aus dem klassischen Heizungsbau, die bei Wärmepumpen besonders gravierende Folgen für die Effizienz und Zuverlässigkeit des Systems haben.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher klingt „Systemwasserqualität“ oft abstrakt. Wie können SHK-Profis ihren Kundinnen und Kunden leicht erklären, warum Korrosion, Kalk und Sauerstoffeintrag die Effizienz einer Wärmepumpe drastisch verschlechtern können?

Hierfür gibt es anschauliche Beispiele. Kalk und Korrosionsprodukte wirken wie eine Isolierschicht: Sie lagern sich im Heizkörper oder im Plattenwärmeübertrager einer Wärmepumpe ab und verhindern, dass die Wärme effizient übertragen wird. Korrosionsprodukte entstehen, wenn Eisenbauteile im System mit Wasser und Sauerstoff reagieren, sich auflösen und an wichtigen Stellen absetzen. Kalk gelangt vor allem über besonders kalkhaltiges Wasser ins Heizsystem. Er lagert sich in Wärmeübertragern ab und kann bereits ab einer Dicke von nur 0,1 mm die Wirksamkeit der Wärmepumpe um etwa 15 % reduzieren. Bei stärkeren Ablagerungen kann der Effizienzverlust bis zu 80 % betragen. Das verdeutlicht, wie wichtig eine gute Wasseraufbereitung für die Leistung und die Lebensdauer der Wärmepumpe ist. Trotz fachgerechter Installation verlieren viele Anlagen bereits nach kurzer Zeit an Effizienz oder fallen aus.
Bild: ZVSHK

Trotz fachgerechter Installation verlieren viele Anlagen bereits nach kurzer Zeit an Effizienz oder fallen aus.
Bild: ZVSHK

Welche Maßnahmen sollten SHK-Profis ihren Kundinnen und Kunden bereits bei der Erstinstallation empfehlen, um spätere Schäden zu vermeiden? Und wie können sie dies als sinnvolle Investition vermitteln?

Schon bei der Planung sollten SHK-Profis mit ihren Kundinnen und Kunden zentrale Aspekte der Wasserqualität besprechen. Erstens ist die Druckhaltung insbesondere mit Membran-Ausdehnungsgefäßen (MAG) entscheidend für die Systemwasserqualität. Zweitens muss Luft effektiv aus dem System entfernt werden, zum Beispiel durch Vakuumentgasung oder Mikroblasenabscheider. Drittens sollten Schmutzpartikel zuverlässig über einen Schlammabscheider entfernt werden –
idealerweise in Kombination mit Magnetitabscheidern, um ferromagnetische Partikel herauszufiltern. Nicht zuletzt ist die chemische Einstellung des Wassers nach VDI 2035 unerlässlich. Die Richtlinie setzt nicht nur klare Vorgaben zum Druckhalten, Entgasen, etc., sondern auch zur Aufbereitung und Kontrolle des Heizungswassers, um Kalk und Korrosion zu vermeiden.

Durch diese Maßnahmen werden von Anfang an Ablagerungen und Schäden vermieden. Sie verlängern die Lebensdauer der Wärmepumpe, verhindern teure Reparaturen und sichern dauerhaft die Effizienz der Anlage. Außerdem sollte darauf hingewiesen werden, dass regelmäßige Kontrolle und Wartung unverzichtbar sind, um Schäden und ihre Ursachen frühzeitig zu erkennen.

Die Druckhaltung mit Membran-Ausdehnungsgefäß ist ein elementarer Bestandteil des Heizsystems. Was müssen Handwerker hier besonders beachten – und wie lassen sich Fehler mit professionellen Systemen vermeiden?

Bereits bei der Planung muss ein MAG in der richtigen Größe ausgewählt werden. Lieber ein wenig zu groß als zu klein, denn ein zu kleines Gefäß kann gravierende Folgen für die Anlage haben, wie zum Beispiel das Eindringen von Luftsauerstoff oder ein ständiger Wasserverlust. Ersteres führt zu den bekannten Korrosionserscheinungen, bei Zweiterem muss immer frisches sauerstoffhaltiges Wasser nachgespeist werden. Auch die Qualität des Gefäßes spielt eine große Rolle: Es lohnt sich, etwa 150–300 € in ein hochwertiges Ausdehnungsgefäß zu investieren. Denn günstige Modelle verursachen im Schadensfall erhebliche Kosten, wenn sie die gesamte Anlage beeinträchtigen.

Besonders wichtig ist zudem die korrekte Einstellung des Vordrucks im MAG, die in der Praxis leider oft vernachlässigt wird. Falsche Einstellungen führen zu Luft- oder Sauerstoffeintrag und Korrosion. Wenn wir als Sachverständige wegen erheblicher Schäden am Heizsystem gerufen werden, liegt es meiner Erfahrung nach häufig an der defekten Druckhaltung. „SHK-Betriebe sollten vor allem auf gezielte Schulungen und standardisierte Wartungsprozesse setzen, um ihre Kunden langfristig optimal zu betreuen“, sagt Christian Breul.
Bild: Spirotech

„SHK-Betriebe sollten vor allem auf gezielte Schulungen und standardisierte Wartungsprozesse setzen, um ihre Kunden langfristig optimal zu betreuen“, sagt Christian Breul.
Bild: Spirotech

Schließlich ist die regelmäßige Wartung des MAG mindestens alle ein bis anderthalb Jahre essenziell. Dabei wird kontrolliert, ob die Gummimembran intakt ist und der Vordruck stimmt. Da über die Zeit immer etwas Gas durch die Membran in das Heizungswasser entweichen kann, sichert diese Kontrolle die langfristige Betriebssicherheit der Heizungsanlage.

Wie können sich SHK-Betriebe organisatorisch und technisch so aufstellen, dass sie den langfristigen Anlagenbetrieb ihrer Wärmepumpenkunden kompetent begleiten?

SHK-Betriebe sollten vor allem auf gezielte Schulungen und standardisierte Wartungsprozesse setzen, um ihre Kunden langfristig optimal zu betreuen. Die Schulung von Mitarbeitenden – wie sie beispielsweise von Spirotech angeboten wird – ist unerlässlich, um einen fehlerhaften Umgang mit dem MAG oder anderen Komponenten von Wärmepumpen nachhaltig zu vermeiden. Solche Weiterbildungsangebote stärken das Bewusstsein für die fachgerechte Einstellung und Entgasung von Heizungsanlagen. Fundierte und regelmäßig aufgefrischte Fachkenntnisse gewährleisten die Betriebssicherheit.

Betriebe sollten außerdem branchenweite Standards beachten. 2013 wurde zum Beispiel der Einsatz von Schlammabscheidern mit einem Magnetitabscheider etabliert. Diese Maßnahme trägt wesentlich zur Systempflege bei, da Ablagerungen und magnetische Partikel zuverlässig aus dem Heizwasser entfernt werden.

Wenn die Mitarbeitenden eines Heizungsunternehmens regelmäßig geschult werden und bewährte Arbeitsabläufe konsequent eingehalten werden, sinkt das Risiko für Schäden. Gleichzeitig erhöht sich die Lebensdauer und Effizienz der Heizungsanlagen bei den Kunden des Unternehmens.

Das Interview führte Manja Dietz / Redaktion SHK Profi
x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 06/2025

Tipps für die optimale Heizungswasseraufbereitung

SHK-Profi-Wissen für den sicheren Betrieb von Heizsystemen

Typische Schadensbilder wie Steinbildung, Korrosion oder Magnetit entstehen häufig durch ungeeignetes Heizungswasser. Die Normen VDI 2035, ÖNORM H 5195-1 und SWKI BT 102-01 definieren daher klare...

mehr
Ausgabe 03/2009

Sauberes Wasser

Betriebssicherheit sicherstellen und Energie sparen

Mit der geforderten Modernisierung von Heizungsanlagen rückt auch die Wasseraufbereitung in den Fokus“, erklärt Lutz Jedzig, Leiter Gebäudetechnik bei Berkefeld (www.berkefeld.de), und ergänzt,...

mehr
Ausgabe 01/2020

Heizungsanlagen vor Korrosion und Steinbildung schützen

Heizungswasser muss in heutigen Anlagen genau festgelegte Eigenschaften aufweisen, will man nicht die Effizienz einbüßen oder gar einen Ausfall riskieren. Grundlage dafür sind Blatt 1 und Blatt 2...

mehr
Ausgabe 09/2013

Wasserqualität ist das A und O

Anforderungen der VDI 2035 Heizungswasser prüfen & aufbereiten

Reinigung oder Spülung Die fachgerechte Reinigung und Spülung ist Voraussetzung für optimalen Schutz – aber auch das Stiefkind der VDI 2035, denn diese empfiehlt nur allgemein und ungenau, neue...

mehr
Ausgabe 06/2009

Heizungswasser

Richtige Aufbereitung

Wasser ist nicht gleich Wasser Seit einiger Zeit kommt es immer häufiger zu Fragen nach der erforderlichen Wasserquali­tät in Heizungsanlagen. Eine vereinfachte Möglichkeit ist es, die natürlich...

mehr