Vom Nischenprodukt zum Standard im Bad
Dusch-WCs werden planbarer – und alltagstauglicher
Vor zehn Jahren brachte Vitra Bad mit dem „V-Care“ sein erstes Dusch-WC auf den Markt. Zum Jubiläum blickt der Hersteller auf die bisherigen technischen und kulturellen Entwicklungen zurück und gibt einen Ausblick auf die dritte Generation des „V-Care“, die Anfang 2026 erschienen ist. Im Interview erläutert Claudio Conigliello, Senior Customer Experience Manager Europe, welche Meilensteine das Produkt geprägt haben und welche Rolle Dusch-WCs heute im Planungs- und Handwerksalltag spielen.
Die „Vortex“-Spülung unterstützt eine effiziente und zugleich wassersparende Reinigung der Keramik.
Bild: Vitra Bad
Vitra Bad zählt sich zu einem der frühen Anbieter, die Dusch-WC-Technologie mit einer zurückhaltenden, an europäische Gestaltungsprinzipien orientierten Formensprache kombinierten. Dadurch entstand eine Lösung, die sich optisch gut in klassische Badkonzepte integrieren ließ und sowohl im privaten Wohnbau als auch in der Objektplanung Anwendung fand. Zur Grundausstattung gehörten von Beginn an Funktionen wie eine individuell einstellbare Duschfunktion, ein beheizbarer Sitz, eine Geruchsabsaugung sowie eine Fernbedienung.
Im Interview erläutert Claudio Conigliello, Senior Customer Experience Manager Europe, die Entwicklungsschritte und Marktanforderungen zum „V-Care“ Dusch-WC.
Bild: Vitra Bad
Herr Conigliello, vor zehn Jahren kam die erste Generation des „V-Care“ auf den Markt. Erzählen Sie uns von den Anfängen.
Damals war das Thema Dusch-WC in Deutschland noch eine absolute Nische. Der Markt war klein, geprägt von asiatischen Marken und vor allem: technisch gedacht, nicht nutzerzentriert. Viele erste Produkte wirkten wuchtig, erklärungsbedürftig und passten optisch kaum in die modernen Badgestaltungen des deutschen Marktes. Wir haben damals das enorme Potenzial gesehen. Unser Ziel war es, das Dusch-WC neu zu denken, nicht als Technikprodukt, sondern als vollwertiges Design-WC mit integriertem Komfort. Wir waren die Ersten, die sämtliche Technik vollständig in die Keramik integriert haben. So ist ein klassisch anmutendes WC entstanden, schlank im Design, aber mit allen Funktionen eines vollwertigen Dusch-WCs.
Was waren die größten technischen Herausforderungen in der Entwicklung?
Die Integration der kompletten Technik auf engstem Raum, das war der Knackpunkt. Wir wollten keinen Kasten mit Duschfunktion, sondern ein Produkt, das wie ein normales WC aussieht und trotzdem alle Features mitbringt. Passgenaue Aussparungen in der Keramik, verdeckte Düsen, abgedeckte Filter – all das war technisch höchst anspruchsvoll. Ein weiterer Meilenstein war die Optimierung der Reinigungsfunktion: Anfangs wurde die Düse nur beim Einfahren gesäubert. Mit einem Software-Update gelang es uns, auch die Reinigung beim Herausfahren zu automatisieren – für maximale Hygiene. Gleichzeitig war uns wichtig, das Produkt erschwinglich zu halten. Ein gutes Dusch-WC darf kein Luxusgut für wenige sein, es muss in jedes moderne Bad passen.
Funktionen wie „Micro-Bubble-Spray“, UV-Behandlung von Düse und Becken sowie „Vortex“-Spülung zielen auf Hygiene und effizienten Betrieb ab.
Bild: Vitra Bad
Die dritte Generation des „V-Care“ ist seit Januar 2026 erhältlich und orientiert sich gestalterisch wieder stärker an der ursprünglichen Formensprache.
Bild: Vitra Bad
Welche Rolle spielten damals Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz?
Eine zentrale. Pünktlich zur Markteinführung des „V-Care“ im Jahr 2015 wurde unsere Holding, die Eczacıbaşı Bauprodukte Gruppe, mit dem Europäischen Umweltpreis ausgezeichnet. Das war eine wichtige Anerkennung für unsere Nachhaltigkeitsbemühungen. Wir haben von Beginn an auf intelligentes Energiemanagement gesetzt: ein Eco-Modus (Standby) und ein innovativer Winterschlafmodus – das gab es damals in keinem anderen Dusch-WC. Der maximale Stromverbrauch liegt bei 800 W, was für die Gerätekategorie sehr niedrig ist. Mit den Kollegen aus dem Innovation Center haben wir lange an der perfekten Balance aus angenehmer Strahlintensität und Wasserverbrauch getüftelt. Auch die Langlebigkeit war uns wichtig: Während andere Hersteller komplette Geräte tauschen mussten, konnten die Komponenten des „V-Care“ von Anfang an einzeln repariert oder ersetzt werden. Das spart Ressourcen und schont den Geldbeutel.
Welche Meilensteine sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Die erste Präsentation auf der ISH 2015 war ein echtes Highlight. Kurz darauf wurden wir mit dem Iconic Award vom Rat für Formgebung ausgezeichnet, ein Ritterschlag in einem von starken internationalen Marken dominierten Feld. Danach folgte die professionelle Schulung unserer Partner im Servicebereich, unser erster TV-Spot, verschiedene Cash-Back-Aktionen. Und mit jeder Produktgeneration haben wir dazugelernt. Nicht nur technisch, mit neuen Features wie der Entkalkungsfunktion oder dem Kindermodus, sondern auch bezogen auf das Marktverständnis.
Wie hat sich das „V-Care“ in den letzten 10 Jahren weiterentwickelt?
Das V-Care war von Anfang an ein Produkt, das sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert – und diese haben sich im Laufe der vergangenen Jahre spürbar verändert. Neben den Grundfunktionen eines Dusch-WCs sind deshalb kontinuierlich neue Ausstattungen hinzugekommen, etwa Komfort-Features wie das integrierte Nachtlicht. Auch die Bedienung ist heute deutlich intuitiver, viele Nutzer steuern ihr WC per App oder Sprachsteuerung, speichern Profile oder wünschen automatisierte Software-Updates.
Die Bedienelemente und Fernbedienung sind klar strukturiert ausgeführt und greifen Oberflächen in gebürsteter Metalloptik auf.
Bild: Vitra Bad
Herr Conigliello, Anfang 2026 ist die dritte „V-Care“ Generation erschienen. Welche Neuerungen stehen dabei im Fokus?
Mit dem „V-Care 3.0“ heben wir das Thema Hygiene auf ein neues Niveau, ganz konsequent entlang der Anforderungen, die uns Endkunden und Fachpartner heute zurückspiegeln. Ein Beispiel: Die neue „Vortex“-Spülung sorgt für eine gründliche Sauberkeit im Becken – bei geringerem Wasserverbrauch. Die neue UV-Reinigung der Düse und des Innenbeckens bietet zusätzliche Sicherheit, gerade in sensiblen Bereichen wie beispielsweise dem Pflegeumfeld. Und mit der neuen „Micro-Bubble-Spray“ Funktion setzen wir auf eine Reinigung, die nicht nur besonders sanft zur Haut ist, sondern auch bei Hautempfindlichkeiten eine hygienische und gründliche Alternative bietet. Dabei wird der Düsenstrahl mit Luftblasen angereichert und der gelöste Sauerstoffanteil im Wasser erhöht. Ein großes Anliegen war uns zudem, Planungssicherheit und Zugänglichkeit weiter zu verbessern, ganz im Sinne unseres neuen „VitrA Grid“-Systems. Deshalb bieten wir „V-Care 3.0“ erstmals in drei klar differenzierten Modelllinien an: „Base“, „Core“ und „Prime“, alle im einheitlichen, runden Design, angelehnt an das Original. So lassen sich unterschiedliche Preis- und Ausstattungsniveaus nicht nur einfacher erklären, sondern auch leichter einplanen.
