Abwasser-Hebeanlagen im Doppelpack
Praxis-Tipps zu Anwendung und Einbau
Wenn eine Abwasser-Doppelanlage nicht steckerfertig geliefert wird, müssen viele Teile bauseits montiert und
angeschlossen werden. Genau dabei passieren in der Praxis immer wieder Einbaufehler. In diesem Beitrag geht es darum, wann eine Doppelanlage vorgeschrieben ist, wie man sie richtig installiert und welche typischen Fehler
vermieden werden sollten.
Einzel- oder Doppelanlage: Was sagen die Normen?
In Fällen, in denen der Zufluss zur Hebeanlage während des normalen Betriebs nicht unterbrochen werden darf, muss die Hebeanlage mit einer zweiten Fördereinrichtung mit gleicher Leistungsfähigkeit ausgerüstet werden, die sich, wenn nötig, selbsttätig einschaltet. Dies gilt z. B. für den Einsatz in Gewerbebetrieben, Gastronomie, Wäschereien oder Gebäuden mit mehreren Nutzungseinheiten.
Relevante Regelwerke:
DIN EN 12056 – Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden, Teil 4: Abwasserhebeanlagen – Planung und Bemessung
DIN 1986 100 – Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056
DIN EN 12050 – Abwasserhebeanlagen für die Gebäude- und Grundstücksentwässerung,
Teil 1: Fäkalienhebeanlagen
Teil 2: Abwasserhebeanlagen für fäkalienfreies Abwasser
Kommentar zur DIN EN 12056-4
DIN-Normen gelten als anerkannte Regeln der Technik. Sie sind zwar nicht automatisch „Gesetz“, sondern eher Handlungsempfehlungen, spielen aber bei Gewährleistung und Haftung eine große Rolle. Wer nach Norm arbeitet, kann damit in der Regel nachweisen, dass fachgerecht installiert wurde. Für den Fachbetrieb empfiehlt sich daher, nur nach Norm zugelassene Anlagen zu verwenden und nach Herstellerangaben und Norm zu installieren.
Doppelpumpenanlage: So muss sie aufgebaut sein
Wird eine Doppelanlage gefordert, muss sie auch als „echte“ Doppelanlage umgesetzt werden. Beide Pumpen sollen gleich leistungsfähig sein und jede Pumpe muss allein die anfallende Menge schaffen. Gesteuert wird üblicherweise im Wechselbetrieb, damit beide Pumpen ähnliche Laufzeiten haben und sich eine Pumpe nicht „tot steht“ (Kommentar zur DIN EN 12056-4).
Wechselbetrieb statt Reserve
Eine fachgerecht ausgeführte Doppelpumpenanlage besteht aus zwei baugleichen Pumpen (gleiche Leistung) und einer passenden Steuerung. Jede einzelne Pumpe muss allein die komplette anfallende Abwassermenge fördern können. Nur so bleibt die Anlage bei Ausfall einer Pumpe weiter voll funktionsfähig. Die Steuerung sorgt dafür, dass die Pumpen im Wechselbetrieb arbeiten, damit beide ähnliche Laufzeiten haben und sich keine Pumpe „tot steht“. Es reicht nicht, einfach eine zweite Pumpe „in Reserve“ hinzustellen (oft auf einem Stein erhöht im Schacht) ohne dass eine Steuerung den Wechselbetrieb beider Pumpen regelt. Ein Parallelbetrieb (beide Pumpen gleichzeitig) ist nur für Spitzenlast gedacht – also als „Joker“, wenn kurzzeitig besonders viel Zulauf ansteht. Die Spitzenlast wird deshalb immer nur in Verbindung mit einem Alarm aktiviert, denn eigentlich soll dieser Fall nie eintreten.
Rohrreibungsverluste beachten
Zwei Pumpen zusammen fördern nicht automatisch die doppelte Menge. Der Grund ist, dass beide Förderströme meist in eine gemeinsame Druckleitung eingeleitet werden. In diesem gemeinsamen Leitungsabschnitt steigt dann die Fließgeschwindigkeit deutlich an. Mit höherer Geschwindigkeit nehmen aber auch die Rohrreibungsverluste stark zu. Bei zwei getrennten Druckleitungen wäre das anders. Wichtig ist daher die Auswahl der passenden Pumpen mit der notwendigen Förderleistung sowie der richtig dimensionierten Druckrohrleitung.
Steuerungstechnik richtig einstellen
Bei Behälteranlagen
Bei einer „echten“ Doppelanlage übernimmt die Steuerung die Schaltpunkte Ein, Aus, Alarm und Spitzenlast. Die Anlage läuft im Wechselbetrieb, damit beide Pumpen gleichmäßig genutzt werden. Bei vielen Behälteranlagen ist die Steuerung bereits steckerfertig angeschlossen. Bei einer Störung bzw. einem Ausfall einer Pumpe kommt zunächst die Alarmmeldung, danach schaltet die Steuerung automatisch auf die zweite Pumpe um. Eine frühzeitige Alarmierung ermöglicht es, auf den Defekt zu reagieren, bevor es zum Totalausfall kommt. Bei besonders hohem Zulauf (Spitzenlast) laufen beide Pumpen parallel, um außergewöhnlich hohe Abwassermengen sicher abzuführen. Dazu müssen beide Pumpen betriebsbereit sein.
Bei Tauchmotorpumpen
Bei der Nassaufstellung von Tauchmotorpumpen werden Doppelanlagen häufig bauseits mit separaten Kugeltauchschaltern aufgebaut, die per Schelle am Druckrohr befestigt werden. Üblich sind drei Schwimmerschalter: Grundlast, Alarm und Spitzenlast, die in der richtigen Reihenfolge, in der passenden Höhe und mit der passenden Kabellänge für die erforderliche Schalthysterese montiert werden. Der Alarm darf nicht als „oberster Schalter“ erst ganz am Ende kommen, denn dann würde die Alarmmeldung erst beim Defekt beider Pumpen erfolgen. Das ist ein häufiger Montagefehler und macht den Sicherheitsvorteil der Doppelanlage zunichte. Für den Fachhandwerker stellt dies einen erheblichen Aufwand dar, zumal zusätzlich die Druckleitungsteile mit den entsprechenden Formstücken passend montiert, geklebt oder geschweißt werden müssen – abhängig vom verwendeten Druckleitungsmaterial.
Vormontierte Sets als Lösung
Als Lösungsmöglichkeit für die Entwässerung von Grauwasser gibt es vormontierte Einbausets (z. B. aus der Jung Pumpen-Reihe „Easyfix“). Diese Sets sind auf einer Kunststoffplatte vormontiert und beschleunigen den Einbau von Doppelanlagen. Alle Komponenten wie Gleitrohrsystem, Druckleitung mit Rückschlagklappe, Gleitrohrklaue, elastische Verbindung und Schellen sind bis zur Anbindung an die Druckleitung auf einer Platte vormontiert. Nur die entsprechenden Pumpen müssen noch eingehängt werden. Bei Doppelanlagen („Easyfix Duo“) ist eine steckerfertige Steuerung für Wechselbetrieb, Alarmmeldungen und Spitzenlast
inklusive. Externe Niveaugeber sind nicht erforderlich.
Typische Anwendungsfehler aus der Praxis
Einleitung von Abwasser
von oberhalb der Rückstauebene
Besonders kritisch wird es in Gebäuden, wenn normwidrig auch Entwässerungsgegenstände oberhalb der Rückstauebene über eine gemeinsame Fallleitung in eine Hebeanlage im Gebäude entwässern. Nach dem Grundprinzip aus DIN EN 12056 sollen Ablaufstellen oberhalb der Rückstauebene im freien Gefälle entwässert und nicht in die Hebeanlage im Keller geleitet werden. Eine solche Installation bedeutet nicht nur eine unnötige Energieverschwendung (mehr Fördermenge bedeutet mehr Stromverbrauch), sondern birgt auch ein Risiko. Kommt es zur Störung oder zum Rückstau, wird die Hebeanlage zum Engpass, dann läuft das Abwasser aus oberen Geschossen ab und staut bis in die tieferliegenden Leitungen bzw. in den Keller zurück. Im schlimmsten Fall tritt es über die an die Hebeanlage angeschlossenen Entwässerungsgegenstände (Dusche, WC, Waschtisch) im Keller aus. Das kommt in der Sanierung leider immer wieder vor. Eine Doppelanlage reduziert in diesen Fällen zumindest das Risiko – auch wenn es bei normwidrigem Einsatz bleibt.
Bei Einleitung von Regenwasser in die Hebeanlage
im Gebäude
Ein deutlich erhöhtes Schadensrisiko besteht auch, wenn neben dem häuslichen Abwasser zusätzlich Regenwasser von außen in Pumpensümpfe oder Behälter-Hebeanlagen im Gebäude eingeleitet wird. Nach DIN 1986-100 (Schutz gegen Rückstau, u. a. Abschnitt 13.1.3) sind Ablaufstellen für Niederschlagswasser unterhalb der Rückstauebene getrennt vom häuslichen Abwasser und in der Regel über automatisch arbeitende Hebeanlagen außerhalb des Gebäudes anzuschließen. Ausnahmen bilden sog. kleine Flächen – also Flächen die </= 5 m² groß sind oder Flächen von Grenzbebauungen. Hintergrund: Regenwasser bringt bei Starkregen schlagartig große Zulaufmengen – läuft das alles über eine Anlage im Gebäude, steigt bei Rückstau oder Pumpenausfall das Überflutungsrisiko im Keller deutlich. Solche Fehlanschlüsse findet man vor allem in Bestandsgebäuden mit „historisch gewachsenen“ Leitungswegen. Eine saubere Korrektur ist oft nur mit größerem baulichem Aufwand möglich. Die Lösung wäre hier eine außenliegende Pumpstation.
Fazit
Richtig geplant, fachgerecht eingebaut und regelmäßig geprüft bieten Doppelpumpenanlagen eine hohe Betriebssicherheit. Insbesondere bei Objekten mit geringer Ausfalltoleranz oder erhöhter Schadensanfälligkeit stellt die Doppelanlage eine technisch und wirtschaftlich sinnvolle Investition dar. Ob eine Einzel- oder Doppelanlage umgesetzt wird, entscheidet am Ende der Betreiber – der Fachbetrieb sollte dafür die Anforderungen aus Norm und Herstellerangaben klar erläutern und damit seiner Beratungspflicht nachkommen. Wichtig: Beratung und Ausführung kurz dokumentieren, um im Gewährleistungs- und Haftungsfall auf der sicheren Seite zu sein.
Autor: Marco Koch, Leiter Seminarwesen, Jung Pumpen, Steinhagen