Gute Aussichten für SHK Profis

Geschäftsfeld „Barrierefreies Bad“ kommt weiter in Schwung

Der demografische Wandel hin zu einer immer älter werdenden Bevölkerung ist in Deutschland längst im Gange. Zugleich wächst das Bedürfnis vieler Menschen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können. Dazu müssen geeignete häusliche Strukturen geschaffen werden. Das SHK-Handwerk nimmt hier eine Schlüsselrolle ein und sorgt für den altersgerechten bzw. barrierefreien Umbau. Die SHK Profi-Redaktion sprach über das Thema ausführlich mit Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer des ZVSHK.

Herr Föst, wie schätzen Sie das Marktpotential für barrierefreie und pflegegerechte Bäder konkret ein?

Laut repräsentativen Befragungen über Forsa existieren über 7 Mio. Bäder, die dringend renovierungsbedürftig bzw. älter als 35 Jahre sind. Ferner steigt in den nächsten 15 Jahren die Pflegbedürftigkeit in Deutschland auf rund 8 Mio. Menschen an. Laut der VDS-Grundlagenstudie „Badezimmer 2024“, die durch eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durch Forsa erstellt wurde, sind über 7 Mio. Bäder in Deutschland dringend renovierungsbedürftig. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass 95 % der Endverbraucher ein altersgerechtes, barrierearmes Badezimmer für ein selbstbestimmtes Leben im Alter für wichtig halten. Vor diesem Hintergrund besteht schon jetzt ein enorm großes Marktpotential im Lichte des demografischen Wandels für die „präventive“ barrierefreie Gestaltung des Bades für das lange selbstbestimmte Leben in den eigenen vier Wänden. Aber auch für pflegebedürftigen Menschen kann der präventive Ansatz die ambulante Versorgung zuhause sichern. „Eine Spezialisierung in diesem Segment bringt zukünftig gute Geschäfte“, ist sich Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer des ZVSHK, sicher.
Bild: ZVSHK

„Eine Spezialisierung in diesem Segment bringt zukünftig gute Geschäfte“, ist sich Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer des ZVSHK, sicher.
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Das Marktpotential in den nächsten 10 Jahren sichert dem SHK-Handwerk gute Geschäfte. Es sind sicherlich Badsanierungen im zweistelligen Millionenbereich bei Einfamilienhäusern und Mietwohnungen zu planen und auszuführen, insbesondere bei Schlauchbädern.

Viele Endverbraucher wünschen sich familiengerechte Generationenbäder und verbinden dies zugleich mit Barrierefreiheit. Wo liegt hier der Unterschied zum Pflegebad.

Grundsätzlich sollte der Handwerker einen generationsübergreifenden Ansatz beim Bad verfolgen, der Komfort für Alle bietet und nicht stigmatisiert. Bei Eintritt einer Pflegebedürftigkeit benötigen Betroffene eine Assistenz bei der Körperpflege, meist sind es die pflegenden Angehörigen, die unterstützen. Bei der Badplanung muss also die Assistenz neben den Betroffenen bei der Pflege mitgedacht werden; es sind also zwei Personen, die sich im Bad bewegen. SHK-Handwerker müssen diese Pflegeabläufe beachten. Es braucht also mehr Fläche, als wenn man noch selbstbestimmt alleine agieren kann. Die DIN 18040 Teil 2 befasst sich ausschließlich mit der Selbstbestimmtheit einer Person im Bad und die Pflege – also zwei Personen – wird gegenwärtig noch nicht mitgedacht. 

Was können SHK-Profis tun, um sich in der barrierefreien und pflegegerechten Badgestaltung einen Namen zu machen?

Eine Spezialisierung in diesem Segment bringt zukünftig gute Geschäfte. Wir bieten in Kooperation mit Richter + Frenzel eine eintägige Weiterbildung „Pflegegerechte Badgestaltung“ an.

Sie sollten sich zudem in der Region mit den Wohn- und Pflegeberatungen, dem Medizinischen Dienst sowie Sanitätshäusern vernetzen. Auch eine Vernetzung mit Reha-Kliniken und mit Badausstellungen des Großhandels, die eine pflegegerechte Badkoje implementiert haben, ist sinnvoll. Entsprechende Marketingbroschüren halten wir für Innungsbetriebe vor. 

Im Pflegefall muss ein Umbau zur Barrierefreiheit schnell gehen. Ist das SHK-Handwerk für solche Fälle gerüstet?

Wir führen gegenwärtig ein Forschungsprojekt durch, in dem wir die effiziente Prozessvernetzung mit den Akteuren aus der Pflegewirtschaft, also Medizinischer Dienst, Pflegeberatung, Pflegekassen, Sanitätshäuser, Rehakliniken etc., voranbringen wollen. Dies wird mit dem Akutfall „Oberschenkelhalsbruch“ durchgespielt: Der Patient wird aus dem Krankenhaus entlassen. Was passiert dann? Wie kann ein Handwerker auf Basis der Bedarfe des Betroffenen schnell einen Kostenvoranschlag erstellen, damit die Pflegekasse schneller über die Zuschussförderung der Anpassung des Bades entscheiden kann. In dieses Projekt werden wir auch den Großhandel mit seinen Bäderstores einbinden.

Barrierefreien bzw. pflegegerechten Bädern haftet in den Köpfen vieler Menschen ein „verstaubtes Krankenhausimage“ an. Was können Industrie, Großhandel und Handwerk tun, um davon wegzukommen?

Ende 2025 hatten wir die Sanitärindustrie zum Innovationsdialog „Barrierefreie und pflegegerechte Badgestaltung“ nach Berlin eingeladen, um die Entwicklung von generationsübergreifenden Badkonzepten voranzubringen. Wir brauchen ästhetische Badprodukte mit einer barrierefreien Nutzerfreundlichkeit, die unser Handwerk planen und einbauen kann. Barrierefreie und pflegegerechte Badprodukte gehören aus der Schmuddelecke. Mit unserem Award „Badkomfort für Generationen“ setzen wir dafür bereits seit der ISH 2013 ein deutliches Zeichen. „Wir werden weiterhin alle Hebel nutzen, um eine angemessene und vor allem auch nachhaltige Förderung sicherzustellen, die dem Bedarf gerecht wird und zugleich Handwerksunternehmen Planungssicherheit bietet“, sagt Daniel Föst.
Bild: ZVSHK

„Wir werden weiterhin alle Hebel nutzen, um eine angemessene und vor allem auch nachhaltige Förderung sicherzustellen, die dem Bedarf gerecht wird und zugleich Handwerksunternehmen Planungssicherheit bietet“, sagt Daniel Föst.
Bild: ZVSHK

Es gibt es auf dem Markt durchaus gute Produkte, die praktisch sind, ohne zugleich auf den ersten Blick als ein Produkt für ein Pflegebad erkennbar zu sein. Was zeichnet sie aus?

Sie sehen schön aus und fördern die Selbständigkeit, solange es geht. Gute Beispiele finden sich u.a. bei schwellenlosen Duschen oder Dusch-WC’s. Ein Produkt sollte niemals nur auf die Schwäche bzw. körperliche Einschränkung eines Nutzes hinweisen, sondern eher multifunktionalen Charakter haben, beispielsweise einen Griff, der auch als Leuchtquelle genutzt werden kann. 

Auf welche Weise engagiert sich der ZVSHK, um in diesem Bereich weiter voranzukommen? Können Sie Beispiele nennen?

Wir haben attraktive pflegegerechte Bäderkonzepte mit Pflegekräften und Handwerkern entwickelt und geplant, die wunderschön aussehen und trotzdem für die Pflege gut nutzbar sind. Die Innungshandwerker können diese inkl. Maßskizzen und Badplandaten unter www.badkomfort-fuer-generationen.defür die Handwerkspraxis direkt abrufen und einsetzen. Einige dieser Konzepte wurden bereits in den Bäderstores von Großhändlern physisch realisiert und wir haben bereits mit den Innungen vor Ort erste Veranstaltungen durchgeführt. Und wie bereits erwähnt: Gemeinsam mit Hochschulen, der Industrie, dem Handwerk und der Pflegewirtschaft führen wir eine Denkfabrik „Badkomfort für Generationen“, in der wir im Forschungs-Quadrolog neue attraktive Bäderkonzepte entwickeln, mit der unser Handwerk gute Geschäfte machen kann. Außerdem ist der interdisziplinäre fachliche Ansatz sehr wichtig, ansonsten greifen diese Konzepte nicht erfolgreich im Markt. Unsere bisherigen Forschungsergebnisse stehen bereit unter: zvshk.de/themen/badkomfort-fuer-alle.    

Stichwort Förderung: Der Bund stellt im Haushalt 2026 wieder Mittel für den alters- und barrierefreien Umbau aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) bereit. Für das KfW-Förderprogramm „Barrierereduzierung – Investitionszuschuss“ (455-B) sind 50 Mio. € vorgesehen. Wird das den Bau barrierefreier Bäder weiter voranbringen?

Wir haben uns mit Verbänden aus der Gesundheits- und Seniorenwirtschaft für die Wiedereinführung des KfW-Investitionszuschusses Barrierereduzierung stark gemacht. Wir begrüßen ausdrücklich, dass das Thema barrierefreies Umbauen wieder stärker im Fokus des Bundes liegt, nachdem der ZVSHK sich über einen langen Zeitraum intensiv für die Fortführung und Stärkung dieses Programms in Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten und den Ministerien eingesetzt hat.

Gleichzeitig müssen wir deutlich betonen, dass die bereitgestellten 50 Mio. € nicht ausreichen. Zur Erinnerung: In früheren Programmjahren waren 75 Mio. € jährlich für das Programm „Altersgerecht Umbauen“ vorgesehen, die regelmäßig schon Mitte der Jahre ausgeschöpft waren. Wir werden weiterhin alle Hebel nutzen, um eine angemessene und vor allem auch nachhaltige Förderung sicherzustellen, die dem Bedarf gerecht wird und zugleich Handwerksunternehmen Planungssicherheit bietet.

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