Dringender Handlungsbedarf

Blick auf Bäder im Pflegebereich

Der demografische Wandel schreitet voran. Die zunehmende Überalterung der Bevölkerung bringt Probleme mit sich, die in alle Lebensbereiche hineinwirken. Für kranke oder gar pflegebedürftige Menschen sind schnelle, gute Lösungen gefragt. Um deren Lebensqualität im Sanitärbereich zu erhöhen, kommt das SHK-Handwerk ins Spiel. Als Experten für barrierefreie Bäder können sie individuell und bedarfsgerecht planen und installieren.

Es herrsche „dringender Handlungsbedarf zur Schaffung barrierefreier Badezimmer“, sagt die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft e. V. (VDS) mit Sitz in Bonn. Mit 5,7 Mio. Pflegebedürftigen *1) und einem sich verschärfenden Pflegenotstand stehe Deutschland vor einer großen Herausforderung: Der Mangel an barrierefreien Badezimmern gefährde die Lebensqualität von Millionen Menschen, appelliert die Aktion Barrierefreies Bad (ABB), die von der VDS und dem Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) ins Leben gerufen wurde. „Die aktuelle Situation ist alarmierend und wird sich ohne entschiedenes Handeln in den nächsten Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung noch weiter verschärfen“, warnt Daniela Heinemann, Referentin der ABB. „In Deutschland fehlen etwa zwei Mio. barrierefreie Wohnungen und bis zum Jahr 2035 sollen es geschätzt sogar
3,7 Mio. sein *2).“ Nicht barrierefreie Badezimmer stellen beispielsweise ein erhebliches Sturzrisiko
dar – nicht nur für Pflegebedürftige, sondern auch für pflegende Angehörige und ambulante Pflegekräfte. Barrierefreiheit? Fehlanzeige! Das ist momentan Alltag in vielen deutschen Bädern. Für das SHK-Handwerk ergibt sich hier ein enormes Auftragspotential.
Bild: VDS

Barrierefreiheit? Fehlanzeige! Das ist momentan Alltag in vielen deutschen Bädern. Für das SHK-Handwerk ergibt sich hier ein enormes Auftragspotential.
Bild: VDS

Hoher Handlungsdruck

Der Mangel an Plätzen in stationären Einrichtungen und die hohe finanzielle Eigenbeteiligung von durchschnittlich 3.000 € monatlich im ersten Jahr einer Unterbringung *3) tragen dazu bei, dass immer mehr Menschen zu Hause gepflegt werden. Das Bad spielt hierbei eine bedeutende Schlüsselrolle. Denn ein
altersgerechtes, barrierefreies oder pflegegerechtes Badezimmer erleichtert die Aufgaben der täglichen Hygieneroutinen deutlich und schafft ausreichend Platz für die häusliche Pflege. Zudem bringen bodenebene Duschen, Dusch-WC & Co. auch für Personen ohne Pflegebedürftigkeit einen sofortigen Komfortgewinn. Dafür muss das bestehende Bad häufig nicht einmal groß umgebaut werden. Oftmals reicht auch eine (schrittweise) Teilsanierung, wie etwa der Austausch der Badewanne oder der hohen Duschtasse gegen eine bodenebene Dusche  oder die Anbringung von Haltegriffen oder eines klappbaren Duschsitzes.

Bewusstsein vorhanden

Das Bewusstsein für die Bedeutung barrierearmer Badgestaltung ist fast unterschiedslos in allen Altersgruppen vorhanden – das ergab eine Grundlagenstudie der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft e. V. (VDS) zusammen mit Forsa *4). Insgesamt sehen 95 % der Befragten (summiert) die Infrastruktur altersgerechter Badezimmer als wichtig oder sehr wichtig für ein selbstbestimmtes Leben im Alter an. Schon der Anteil derjenigen, die sie sogar für „sehr wichtig“ halten, stellt mit 66 % eine absolute Mehrheit dar, in der auch die jüngste Zielgruppe der 18- bis 29-Jährigen mit 60 %
vertreten ist. Diese Überzeugung ist besonders unter Frauen vorherrschend. Für die Hälfte der Befragten (50 %) wäre eine barrierearme Ausstattung des Badezimmers grundsätzlich interessant – vor allem für die über 50-Jährigen, die am ehesten ein Eigeninteresse haben, etwa zum Erhalt einer langen Selbstständigkeit im Alter. 89 % der Wohneigentümer wollen bei anstehender Renovierung vollständig oder zumindest teilweise auf eine barrierefreie Ausstattung achten.

Quellen:

*1)  Statistisches Bundesamt (Destatis)

*2)  Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft

        (IW) vom Sommer 2023

*3)  Verband der Ersatzkassen (vdek)

*4)  Grundlagenstudie Badezimmer, Vereinigung

        Deutsche Sanitärwirtschaft e. V. (VDS) und Forsa

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