Individuelles Energieprojekt für Münsteraner Hotel

Wärme- und Trinkwarmwassertechnik umfangreich saniert

„Wenn schon, denn schon“ dachte sich das Ehepaar Münnich, als es um die Sanierung der Wärme- und Trinkwarmwasseranlagen ihres Hotels ging. Ziel war es, die Versorgung auf den neuesten Stand der Technik zu bringen: effizient, hygienisch und zukunftssicher.

Das Hotel Münnich in Münster besteht aus einem Hauptgebäude mit u. a. Rezeption, Tagungsräumen, 20 Zimmern und einem Nebengebäude mit weiteren 40 Zimmern.
Bild: Malotech

Das Hotel Münnich in Münster besteht aus einem Hauptgebäude mit u. a. Rezeption, Tagungsräumen, 20 Zimmern und einem Nebengebäude mit weiteren 40 Zimmern.
Bild: Malotech
Insgesamt 255 Module auf Haupt- und Nebengebäude umfasst die PV-Anlage. Sie liefert einen Jahresertrag von rund 140.000 kWh/a.
Bild: Malotech
Insgesamt 255 Module auf Haupt- und Nebengebäude umfasst die PV-Anlage. Sie liefert einen Jahresertrag von rund 140.000 kWh/a.
Bild: Malotech
Das Hotel Münnich in Münster hat eine lange Geschichte: Im ehemals privat genutzten Herrenhaus wurden 1913 erstmals Gäste empfangen. Inzwischen umfasst das in vierter Generation geführte Haus 60 Hotelzimmer, sechs variable Veranstaltungs- und Tagungsräume sowie das im Stammhaus gelegene Restaurant. Doch nicht nur die Grundmauern des Hotels haben eine lange Geschichte, sondern auch die Technik. Knapp 30 Jahre liefen die Heizungsanlagen und mussten dringend erneuert werden. Gleichzeitig bot sich die Chance, die gesamte Wärmeversorgung neu zu denken und insbesondere die Trinkwarmwassertechnik auf ein zukunftssicheres, effizientes Niveau zu bringen.

Anspruchsvolles Konzept

Im Fokus der Planung stand die Herausforderung, dauerhaft stabile Warmwassertemperaturen und hohe Zapfleistungen für bis zu 60 Duschen bereitzustellen. Das galt für den gesamten gewachsenen Gebäudekomplex, bestehend aus Hauptgebäude, Nebentrakt und einem vermieteten Zweifamilienhaus. Dabei waren die strengen Vorgaben der Trinkwasserverordnung einzuhalten.

Gemeinsam mit Cordes & Graefe Osnabrück (GC-Gruppe) und dem langjährigen Haustechnikpartner Heitstummann-Mittrop entschied sich die Familie Münnich für eine grundlegende Modernisierung. Mit Passion und ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, gingen Thomas Münnich, Planer Peter Banicki, Technischer Außendienst Cordes & Graefe Osnabrück, und die Installateure von Heitstummann-Mittrop aus Münster an das moderne Energieprojekt heran. Denn eine einfache Lösung war nicht möglich: Eine Erdwärmepumpe schied aus, da das Hotel in einer „orangenen Zone“ liegt – einem Gebiet mit Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg. Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe wäre zu laut gewesen und hätte den hohen Wärmebedarf nicht wirtschaftlich decken können. Die Idee, Wärme und Strom aus Gas zu erzeugen, führte schließlich zur Entscheidung für zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) und eine komplett neue Wärme- und Trinkwarmwasserversorgung. Das Ergebnis: Die bisher dezentralen Anlagen, eine Heizung für das Hauptgebäude und drei weitere für die Nebengebäude, wurden durch ein neues
Gesamtsystem ersetzt. Es umfasst zwei BHKW (jeweils 43 kW thermische und 20 kW elektrische Leistung) und zwei Gas-Brennwertgeräte mit jeweils 60 kW Leistung, ein mehrstufiges Pufferspeicherkonzept und mehrere Frischwasserstationen von Malotech. Diese bilden heute das Herzstück der Trinkwarmwasserbereitung. Zum Einsatz kamen drei Geräte: „malotech fresh classic 86/73“ für das Hauptgebäude mit seinen 20 Duschen, „malotech fresh classic 171/129“ für das Nebengebäude für 40 Duschen sowie „malotech fresh classic 23/17“ für das vermietete Zweifamilienhaus. Die Frischwasserstation „fresh classic 86/73“ von Malotech ohne Abdeckung.
Bild: Malotech

Die Frischwasserstation „fresh classic 86/73“ von Malotech ohne Abdeckung.
Bild: Malotech
Das Herzstück des Energieprojekts: zwei BHKW mit jeweils 43 kW thermischer und 20 kW elektrischer Leistung.
Bild: Malotech
Das Herzstück des Energieprojekts: zwei BHKW mit jeweils 43 kW thermischer und 20 kW elektrischer Leistung.
Bild: Malotech

Energiezentrale mit System

Im Zuge des Küchenumbaus wurde ein neuer Gebäudeteil mit Keller geschaffen, der Platz für die Energiezentrale bot. Die Anlagenleistung umfasst heute insgesamt 206 kW und eine Trinkwarmwasserleistung von 684 kW. Die BHKW übernehmen die kombinierte Wärme- und Stromerzeugung. Bei Spitzenlasten wird zusätzlich Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen. Um die Stromversorgung aber so autark wie möglich zu gestalten, wurde zusätzlich eine Photovoltaikanlage mit 255 Modulen auf den Dächern ergänzt, die einen Jahresertrag von rund 140.000 kWh/a liefert – der Verbrauch des Hotels liegt bei etwa 240.000 kWh/a (nur Strombedarf). Durch diese Kombination aus Blockheizkraftwerken und Photovoltaikanlage wird ein Autarkiegrad von 80 % für das Hotel erreicht.

Technische Herausforderungen

Auch wenn das gesamte System auf links gedreht wurde, hielten sich die Baumaßnahmen in Grenzen. Neben dem neuen Keller unter der Küche für die BHKW konnten bestehende Strukturen übernommen werden. Der ehemalige Heizungskeller im Hauptgebäude etwa wurde zum „Stellplatz“ für die vier Pufferspeicher à 850 l – einer davon für das Heizwasser, die anderen drei bedienen die Malotech-Frischwasserstation „fresh classic 86/73“ (210 kW Leistung). In einem anderen Kellerraum befinden sich weitere sechs Pufferspeicher, jeweils mit einem Fassungsvermögen von 850 l. Sie dienen als „Energiezentrale“, damit die Anlage auch bei Spitzenlasten zuverlässig arbeitet. Diese Speicher übernehmen die Aufgabe, die zusätzliche Leistung von rund 217 kW bereitzustellen, die im Vergleich zur alten Heizungsanlage fehlen. Durch ihre intelligente Verschaltung und die integrierte Schichttechnik können sie Wärme optimal speichern und bedarfsgerecht abgeben. So wird sichergestellt, dass jederzeit genügend Energie für die Warmwasserbereitung und die Heizkreise zur Verfügung steht.

Auch das Heizungswasser profitierte von der Modernisierung: Im Haupt- und Nebengebäude wurden bereits je ein „Efidirt“ eingebaut. Das Anti-Schlamm-System von Drag’eau ersetzt die chemische oder hydromechanische Schlammabscheidung in den Heizungsleitungen. Das führte dazu, dass Heizkörper, die seit Jahren nicht mehr warm wurden, wieder ihre volle Leistung erbrachten. Als dann eines der beiden BHKW aufgrund von Schlammablagerungen im Wärmeübertrager überprüft werden musste, da hier nur noch 50 % der BHWK-Leistung vorhanden waren, entschied sich Thomas Münnich dazu, auch in diesem Heizungskreis einen „Efidirt“ installieren zu lassen. Hier hat man nach kurzer Zeit festgestellt, dass der Wärmeübertrager frei von Schlammablagerungen war und das BHWK wieder seine volle Leistung erbrachte.

Die neuen BHKW und die vorhandenen Gas-Brennwertgeräte versorgen nun durch ein kleines Nahwärmenetz das Haupthaus, das Nebengebäude und ein Zweifamilienhaus, das auf dem Grundstück des Hotels steht. Die Wärmeleitungen mussten im Haupthaus neu gelegt werden und verlaufen durch den gesamten Keller des Gebäudes. Zum Nebengebäude wurde das Fernleitungsrohr unterirdisch verlegt. Dort wurde einer der ausgedienten Heizungskeller zum „Pufferspeicherlager“: Die alte Heizungsanlage wurde entfernt und acht Pufferspeicher installiert.

Sonderlösung umgesetzt

Der Grund für diese Pufferspeicher liegt am hohen Leistungsbedarf der Frischwasserstation mit 418 kW, um die 40 Duschen des Nebengebäudes mit Trinkwarmwasser zu versorgen. Die Übertragungsleistung aus dem Haupthaus beträgt nur 134 kW – die fehlende thermische Leistung übernehmen im Nebengebäude Pufferspeicher. Deshalb wurde dort ein eigenes Pufferspeicherkonzept realisiert: Ein Pufferspeicher mit 1.000 l übernimmt die hydraulische Entkopplung und versorgt die Heizung sowie die Warmwasserbereitung. Weitere sieben Sonderpufferspeicher der Firma Juratherm mit jeweils 753 l bedienen die Frischwasserstation vom Typ „malotech fresh classic 171/129“ mit 418 kW Leistung.

Die Frischwasserstationen arbeiten nach dem Durchflussprinzip: Warmwasser wird bedarfsgerecht über einen Plattenwärmeübertrager erzeugt, wodurch stehendes Wasser vermieden und das Legionellenrisiko minimiert wird. Die Geräte sind mit einer Antilegionellenfunktion, einem integrierten Zirkulationsmodul und einem Primärmischerkreis ausgestattet. Weitere optionale Funktionen wie das Speicherlademanagement bewirken eine intelligente Regelung der Pufferbeladung. Die Kaskadenfunktion ermöglicht den Betrieb von bis zu vier Geräten und gewährleistet eine gleichmäßige Nutzung aller Module. Über eine Fernüberwachung via Browser oder App können sämtliche
Betriebsdaten eingesehen und ausgewertet werden. Die Wärmeübertrager bestehen aus Volledelstahl, was die Geräte wartungsarm und beständig gegen aggressives Wasser macht. Um Verzögerungen durch die lange Leitung zu vermeiden, übernimmt ein 1.000-l-Pufferspeicher die hydraulische Entkopplung, während 7 weitere Pufferspeicher à 753 l die Frischwasserstation versorgen.
Bild: Malotech

Um Verzögerungen durch die lange Leitung zu vermeiden, übernimmt ein 1.000-l-Pufferspeicher die hydraulische Entkopplung, während 7 weitere Pufferspeicher à 753 l die Frischwasserstation versorgen.
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Das Team hinter dem Energieprojekt für das Hotel Münnich: Peter Banicki, Cordes & Graefe Osnabrück KG (GC-Gruppe), Thomas Münnich und Ralf Heitstummann-Mittrop vom gleichnamigen Installationsunternehmen (v. l.).
Bild: Malotech
Das Team hinter dem Energieprojekt für das Hotel Münnich: Peter Banicki, Cordes & Graefe Osnabrück KG (GC-Gruppe), Thomas Münnich und Ralf Heitstummann-Mittrop vom gleichnamigen Installationsunternehmen (v. l.).
Bild: Malotech

Die Pufferspeicher sind Sonderanfertigungen, bei denen die komplette Hydraulik, inklusive Schichtladeeinrichtung, und Anschlüsse für die Frischwasserstation direkt im Speicher vorgesehen werden. Diese Lösung reduziert den Platzbedarf und vereinfacht die Installation. Durch die Schichttechnik wird die Wärme optimal verteilt, sodass jederzeit die benötigte Temperatur für die Frischwasserstation zur Verfügung steht. Diese Kombination aus Pufferspeichern und Frischwasserstation ermöglicht eine schnelle Reaktion auf Leistungsspitzen.

Positive Erfahrungen

Die Sanierung brachte spürbare Verbesserungen für den Hotelbetrieb. Trotz der Entscheidung gegen eine zusätzliche Gebäudedämmung konnten die Energiekosten deutlich gesenkt werden. Die Frischwasserstationen arbeiten schnell und effizient, der Wasserdruck ist stabil und an allen Zapfstellen steht sofort warmes Wasser zur Verfügung. Auch die Legionellenprüfung verläuft entspannter: Der Prüfer lobte die schnelle Reaktionszeit der Frischwasserstationen, da das Erreichen der Spitzentemperatur jetzt nur noch eine Minute und zwölf Sekunden benötigt – anstatt wie früher über fünf Minuten.

Die Vor- und Rücklauftemperaturen wurden von ursprünglich 85/55 °C auf 70/50 °C abgesenkt, was den Energieverbrauch reduziert und dennoch den Legionellenschutz gewährleistet. Zwar liegt der Gasverbrauch etwa 10 % höher als zuvor, doch deckt er nun sowohl die Wärme- als auch einen Teil der Stromerzeugung ab.

Für Thomas Münnich bedeutet die neue Technik eine „stressfreie“ Trinkwarmwasserversorgung. „Von jetzt an gibt es nur noch positiven Stress“, betont er. „Denn ich bin immer offen für neue Techniken.“

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