Kürzere Wege,
weniger Risiken

Trinkwasserhygiene durch Frischwasser- oder Wohnungsstationen steigern

Früher waren Warmwasseranlagen mit Trinkwarmwasserspeicher in Mehrfamilienhäusern die Regel. Mittlerweile haben sich, wegen der Energieeffizienz und der höheren Hygiene, zunehmend Frischwasserstationen für die Warmwasserbereitung durchgesetzt. Dank Erwärmung des Wassers im Durchflussprinzip und des Verzichts auf einen Trinkwarmwasserspeicher, mindern sie das Legionellen-Risiko. Noch wirkungsvoller ist die Warmwasserbereitstellung über Wohnungsstationen. Sie erfreuen sich in Mehrfamilienhäusern immer größerer Beliebtheit.

Nach wie vor stellen Legionellen im Trinkwasser eine Gefahr dar. So wurden dem RKI im Jahr 2019 insgesamt 1559 Fälle der Legionärskrankheit gemeldet (Epidemiologisches Bulletin des RKI vom 29.10.2020). Die tatsächliche Anzahl der in Deutschland auftretenden Fälle könnte jedoch höher liegen. Das liegt daran, dass nicht bei allen Lungenentzündungen nach der Ursache geforscht wird. Um der Legionärskrankheit vorzubeugen, ist eine hohe Trinkwasserhygiene unbedingt erforderlich. Nicht zuletzt, da jedes Jahr einige der Erkrankten sterben.

Bei Wassertemperaturen unter 25 °C vermehren sich Legionellen kaum. Darum ist bei Kaltwasserleitungen u.a. auf ausreichenden Abstand zu Warmwasserleitungen und Heizungsrohren zu achten. Diese könnten ansonsten die Wärme in das Kaltwassernetz abgeben. Mehr Aufwand erfordert das Warmwassersystem, da sich die Keime zwischen 25 und
50 °C leicht vermehren. Insbesondere bei Vorhandensein von Ablagerungen und Mikrofilmen und bei zeitweise oder überwiegend stehendem Wasser. Um das Vermehren der Keime zu bremsen oder sie zu töten, sind Wassertemperaturen von 60 bzw. über 65 °C erforderlich.

Trinkwarmwasser – hygienischer mit Durchlauferhitzern

Trinkwarmwasserspeicher, wie sie früher verwendet wurden und in vielen Bestandsobjekten existieren, sind daher sowohl aus hygienischer als auch aus energetischer Sicht zu vermeiden. Ihr Reservoir bietet – vor allem bei geringer Zapfleistung in den Nachtstunden – eine gute Umgebung für die Legionellenvermehrung. Die mögliche Gegenmaßnahme – ein Erhitzen des Warmwassers auf mindestens 65 °C – ist aufgrund der Wassermenge ineffizient. Frischwasserstationen hingegen ermöglichen eine hygienische Art der Trinkwarmwasserbereitung. Das warme Wasser wird nicht in einem Speicher bevorratet. Stattdessen wird bedarfsgerecht frisches, kühles Trinkwasser im Durchflussprinzip erwärmt. Dadurch ist das Warmwasser in Bewegung, was eine wichtige Voraussetzung zur Legionellenvermeidung darstellt.

Weniger Systeminhalt = geringeres ­­Verkeimungs­risiko

Bei Frischwasserstationen dient, unabhängig von der Wärmequelle, Heizungswasser als Heizmittel. Bei der Wärmeübertragung auf das Trinkwasser sind das Heizwasser und das Trinkwasser vollständig getrennt. Da das Wasservolumen in der Station gering ist, ergibt sich gegenüber einer Anlage mit Trinkwarmwasserspeicher eine deutlich geringere Warmwassermenge im Gesamtsystem. Das sorgt für eine kurze Verweilzeit des Trinkwarmwassers im System. Bei Anlagen mit Frischwasserstationen, bei denen das Leitungsvolumen zwischen Trinkwassererwärmer und Zapfstelle weniger als 3 l beträgt, kann die Warmwassertemperatur sogar abgesenkt werden. Das spart Energie, erlaubt eine gute Nutzung von Niedertemperaturquellen, wie der Solarthermie, und bietet einen systembedingten Verbrühungsschutz.

Mehr Komfort und Hygiene durch Warmwasserzirkulation

Für Mehrfamilienhäuser und Objekte mit sehr hoher Warmwasserleistung lassen sich mehrere Frischwassererwärmer in einem leistungsfähigen Verbund zusammenfassen. Bei diesen Objekten ist eine Warmwasserzirkulation einzuplanen. Da das Warmwasser hierbei im Kreis gepumpt wird, steht bei einer Zapfung schnell Warmwasser an der Zapfstelle zur Verfügung. Zudem sorgt die Zirkulation für hygienische Bedingungen, da sie das Warmwasser in Bewegung und auf Temperatur hält und somit einer Keimvermehrung entgegenwirkt.

Auch bei großen Systemen, die mit 60 °C Warmwassertemperatur und Zirkulation betrieben werden, ist die Frischwassertechnik Anlagen mit Trinkwarmwasserspeicher überlegen. Um dieselben hygienischen Bedingungen im Leitungsnetz zu schaffen, muss bei der Frischwassertechnik kein zentraler Warmwasserspeicher erhitzt werden. Das spart ebenfalls Energie.

Näher am Verbraucher für mehr Hygiene

Für eine ähnliche Hygiene sorgen Wohnungsstationen. Ihr Einsatz bietet sich vor allem in großen Objekten an oder wenn Wohneinheiten nur temporär genutzt werden – etwa in einem Appartementhaus, dessen Einheiten wochen- oder monatsweise vermietet werden. Wohnungsstationen versorgen einzelne Wohnungen mit Trinkkaltwasser, Trinkwarmwasser und ggf. Heiz­wärme. Im Grunde enthalten Wohnungsstationen zur Warmwasserbereitstellung ihren eigenen kleinen Frischwassererwärmer. Da das im Haus zirkulierende Medium Heizungswasser ist (und nicht wie häufig das Trinkwarmwasser), ist der Legionellenproblematik entgegengewirkt.

Entkoppeln schützt vor Systemverkeimung

Diese wohnungsindividuelle Warmwasserbereitung in der Wohnungsstation bietet den Vorteil, dass jede Wohneinheit durch einen Wärmetauscher von dem zirkulierenden Heizkreis ent­koppelt ist. Somit wird ausgeschlossen, dass sich in Stichleitungen ungenutzter Wohneinheiten Legionellen vermehren und das gesamte Warmwassersystem kontaminieren. Eine Wohnungsstation kann zudem einen Komfort- und Effizienzvorteil eröffnen: das Anpassen der Warmwassertemperatur an die Bedürfnisse der jeweiligen Bewohner inklusive eines Zeitplans. Bei Anlagen mit zentralen Frischwassererwärmern kann die Regelung hingegen nur den Gesamtbedarf aller Bewohner berücksichtigen.

Überwachung der Wassertemperatur

Für Hausbesitzer oder Verwalter bieten Wohnungsstationen bei entsprechender Zähler-Ausstattung zudem den Vorteil, dass eine verursachergerechte Abrechnung von Trinkwasser, Heizwärme und Warmwasser erfolgen kann. Moderne Wohnungsstationen, die über geeignete Kommunikationsschnittstellen verfügen, erlauben außerdem das Überwachen und Parametrieren der Anlagen aus der Ferne. Auch dies kann aus Komfort- und ­Hygienegründen sinnvoll sein, etwa die Überwachung der Warmwassertemperatur für jede einzelne Wohnung, die über 45 °C betragen sollte.

Die Wohnungsstation punktet daher bei Objekten mit hohem Komfortanspruch, bei Gebäuden mit vielen Stockwerken oder mehreren zig Wohneinheiten. Sie ist unter Hygieneaspekten eine gute Wahl, wenn bei einzelnen Wohneinheiten mit häufig ausbleibenden Zapfungen zu rechnen ist. Von den selten genutzten Wohnungen geht in der Regel keine Legionellengefahr für andere Hausbewohner aus.

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