KI im Blaumann
SHK Profi nah dran: ChatGPT, Einsatzplanung & Materialdispo in der Praxis
Nicole Pethke und Christian Graßmann unterstützen als „Handwerker von Morgen“ mit ihrer Ocean Akademie SHK-Handwerker darin, ihre Betriebsprozesse zu optimieren. Dabei können sie auf Erfahrungen aus dem eigenen SHK-Betrieb, dem Sanitär- & Heizungsdrachen, zurückgreifen und teilen diese nun auch regelmäßig mit den Leserinnen und Lesern des SHK Profi. Los geht es mit dem Thema Künstliche Intelligenz.
Nicole Pethke und Christian Graßmann berichten für Praktiker aus dem SHK-Alltag.
Bild: Ocean Akademie
Künstliche Intelligenz – für viele klingt das nach Hightech aus dem Silicon Valley. Für uns Handwerker bedeutet sie vor allem eins: Entlastung im Alltag. Wir beim Sanitär- & Heizungsdrachen und in unserem Mentoring-Programm „Handwerker von morgen“, setzen KI seit über zwei Jahren bewusst ein. Seit gut einem Jahr ist auch unsere Telefon-KI im Einsatz. Und wir merken: Die KI ist längst ein Werkzeug wie Rohrzange oder Laptop – nur eben für den Kopf.
Wie alles begann
Als wir uns erstmals mit KI beschäftigt haben, war besonders für mich, Nicole, die Faszination sofort da. Durch meinen Hintergrund in der Digitalisierung war für mich schnell klar: Im Kern geht es darum, Daten einzugeben, diese verarbeiten zu lassen und ein Ergebnis zu erhalten. Ich habe verstanden, wie KI „denkt“, was sie braucht und wie sie funktioniert.
Die größte Herausforderung war…
… das Thema in unser Handwerksunternehmen zu bringen. Die Akzeptanz im Team war anfangs verhalten. Also starteten wir mit einfachen Textaufgaben: E-Mails formulieren, Schreiben vereinfachen. Schrittweise wurde sichtbar, wie viel schneller die Ergebnisse fertig waren – und wie viel leichter der Alltag dadurch wurde. Mit jeder guten Erfahrung wuchs auch die Akzeptanz, Stück für Stück.
Vom Gespräch zum Angebot – in Minuten statt Stunden
Heute laufen Beratungsgespräche bei uns anders: Wir nehmen sie meist als Tonaufnahme auf und die KI fasst die wichtigsten Punkte zusammen. Damit liefert sie die Basis für ein individuelles Angebot mit auf den Kunden zugeschnittenen Texten. Dazu gibt es eine Zusammenfassung für den Kunden und Projektnotizen fürs Team. So geht kein Detail verloren, der Kunde fühlt sich verstanden – und wir sparen wertvolle Zeit. Auch Diskussionen, die wir früher hatten, wie „Das hatten wir aber anders besprochen“, oder interne Rückfragen wie „Der Kunde sagt, es war etwas anderes vereinbart“, fallen in den meisten Fällen weg, weil wir Transparenz und Klarheit für alle Seiten geschaffen haben.
24/7 erreichbar dank Telefon-KI
Unsere Telefon-KI ist seit einem Jahr im Einsatz. Sie ist mit unserer Kundendatenbank verbunden und erkennt Anrufer anhand der Telefonnummer. Sie spricht Kunden mit Namen an, prüft Adressdaten, fragt nach E-Mail oder Telefonnummer und nimmt Anliegen strukturiert auf. Sie stellt sogar die Vorqualifizierungsfragen, die wir im Büro auch stellen würden – etwa, wenn es um eine neue Heizung geht. So wird direkt an den zuständigen Kollegen weitergeleitet.
Das Ergebnis: Wir sind rund um die Uhr erreichbar, kein Anruf geht verloren, und Kundenservice bedeutet für uns: Jeder Anrufer bekommt eine Antwort – sofort.
Förderanträge ohne Sucherei
Wer Fördermittel beantragt, kennt den Dschungel aus Richtlinien und Programmen. Früher haben wir stundenlang recherchiert. Heute übernimmt die KI diese Arbeit: Sie filtert die relevanten Programme heraus und zeigt uns, was passt. Wir prüfen und ergänzen die Ergebnisse – und können sofort mit dem Antrag starten. So gewinnen wir Klarheit und Geschwindigkeit – ohne unnötige Recherchezeiten.
KI in Verbindung mit Branchensoftware
Eine große Erleichterung ist auch die Anbindung an unsere Branchensoftware. Die KI kann die eingegebenen Texte bearbeiten und Leistungen vorschlagen. Ein Beispiel: Wir geben ein, dass eine Wartung an einem bestimmten Heizkessel durchgeführt wurde. Die KI ergänzt automatisch die passenden Bestandteile dieser Wartung. So werden Leistungen korrekt und vollständig erfasst.
Für unsere Monteure bedeutet das weniger Schreibarbeit. Sie können einfach einen kurzen Text diktieren – die KI formt daraus die vollständige Leistungserfassung. Das spart Zeit und reduziert Fehler.
Geht doch prima: KI-generiert ist auch dieses Bild von Nicole Pethke und Christian Graßmann.
Bild: Ocean Akademie
Büro & Baustelle – zwei Welten
Im Büro war die Integration schnell erfolgreich. Weniger Schreibarbeit, weniger Routineaufgaben, mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge.
Auf der Baustelle ist es differenzierter: Erfahrene Monteure brauchen KI selten, weil sie die Lösung meist sofort parat haben. Aber für jüngere Kollegen ist es ein Gamechanger. Ein Beispiel: Ein junger Mitarbeiter fotografierte einen unbekannten Fehlercode, ließ sich von der KI eine Schritt-für-Schritt-Anleitung geben und konnte die Störung sicher beheben. Damit glich er fehlende Erfahrung aus und konnte fast auf Augenhöhe mit den versierten Kollegen arbeiten.
Einsatzplanung & Materialdispo
Auch in der Organisation hilft KI. Bei der Routenplanung haben wir erstmals erlebt, wie schnell Optimierungen möglich sind: weniger Fahrzeit, weniger Leerlauf, mehr Effizienz. Gerade in Zeiten von knappen Fachkräften ist das ein echter Gewinn.
Unsere wichtigste Erfahrung: Erst selbst ausprobieren und verstehen, bevor man es dem Team abverlangt. „Mal ein bisschen probieren“ bringt nur Frust. Deshalb gilt für uns: testen, lernen – und dann Profis hinzuziehen. Nur so lassen sich die wirklich passenden Einsatzfelder finden.
Und klar ist auch: KI ist Helfer, aber kein Ersatz für Fachwissen. Sie kann unterstützen, ordnen und vorbereiten. Entscheidend bleibt der Mensch, der beurteilt und entscheidet.
Ausblick: Automatisierung & Robotik
Die nächsten Schritte sind für uns klar: Prozesse automatisieren, die sich ständig wiederholen, und dadurch Bürokratie spürbar reduzieren. Schon heute stellen natürlich auch wir fest, dass der bürokratische Mehraufwand rund um Förderungen und Dokumentation erheblich gestiegen ist. Hier wollen wir unser Team entlasten, damit Energie frei wird für das, was Kunden begeistert.
Und wir denken weiter: Robotik wird ins Handwerk kommen – physische KI, die nicht nur Informationen liefert, sondern auch Tätigkeiten übernimmt. Dafür braucht es vorbereitete Prozesse und saubere Dokumentation. Genau das setzen wir mit unseren Kunden im Mentoring um. Nur wer vorbereitet ist, kann später den größtmöglichen Nutzen ziehen.
Unsere Tipps für unsere Berufskollegen
Fangt klein an – am besten mit Textaufgaben, etwa bei Angeboten oder Kundeninfos.
Nutzt die Erleichterung spürbar im Alltag, dann überzeugt Ihr auch das Team.
Holt Euch Unterstützung von Profis, damit Ihr nicht Wochen mit Ausprobieren verliert.
Behaltet im Kopf: KI ersetzt nicht den Fachmann, sie verstärkt ihn.
Eure Chris & Nicole
