„Dauernd stört mich wer!“
Und am Ende warst Du überall. Nur nicht bei Dir
Als „Handwerker von Morgen“ unterstützen Nicole Pethke und Christian Graßmann mit ihrer Ocean Akademie SHK-Handwerker darin, ihre Betriebsprozesse zu optimieren. Sie teilen ihre dabei gewonnenen Erfahrungen regelmäßig mit den Leserinnen und Lesern von SHK-Profi. Diesmal greifen sie ein typisches Problem in Handwerksbetrieben auf: Viele Chefs arbeiten zu viel – aber am falschen Ort.
Unsere Autoren Nicole Pethke und Christian Graßmann haben auf ihren aktuellen Vortrag „Dauernd stört mich wer“ viele positive Rückmeldungen erhalten und die Inhalte für SHK Profi zusammengefasst.
Bild: Ocean Akademie
Du kommst morgens in den Betrieb. Eigentlich hast Du Dir vorgenommen, heute mal in Ruhe an ein Angebot zu gehen oder ein paar Dinge fürs Unternehmen zu klären – mal wieder am Unternehmen zu arbeiten. Und kaum bist Du da, hat der Plan sich erledigt. Ein Mitarbeiter braucht „nur schnell“ eine Entscheidung, ein Kunde will „nur mal kurz“ mit Dir sprechen. Dazwischen Rückfragen, die – wenn wir ehrlich sind – eigentlich jemand anders klären könnte. Am Ende des Tages warst Du überall – nur nicht bei dem, was Du Dir vorgenommen hast. Wir kennen diese Tage gut. Nicht aus Erzählungen, sondern aus dem eigenen Handwerksbetrieb, dem Sanitär & Heizungsdrachen und aus der Begleitung vieler Betriebe bei „Handwerker von Morgen“. Und wir wissen auch: Das hat nichts mit fehlendem Fleiß zu tun. Im Gegenteil. Viele Chefs arbeiten zu viel – aber am falschen Ort.
Wenn alles bei Dir als Chef landet, bist Du der Flaschenhals!
In vielen Betrieben läuft es nach einem unausgesprochenen Prinzip: Wenn es wichtig ist, landet es beim Chef. Wenn es unsicher ist, landet es beim Chef. Wenn der Kunde es wünscht, landet es beim Chef. Wenn jemand auf Nummer sicher gehen will, landet es beim Chef.
Das fühlt sich im ersten Schritt richtig an. Schließlich hast Du den Betrieb aufgebaut, kennst die Kunden, kennst die Technik, kennst die Abläufe und auch Deine Mitarbeiter. Kontrolle gibt Sicherheit – zumindest auf den ersten Blick.
Der Haken: Wenn alles über Deinen Tisch läuft, wirst Du zum Flaschenhals. Nicht, weil Dein Team unfähig ist, sondern weil z. B. der Rahmen fehlt, in dem andere wirklich entscheiden dürfen. Und genau hier beginnt ein Thema, das heute wichtiger ist als früher: Führung und Zukunftsfähigkeit. Führung heißt nicht überall dabei sein, Führung heißt Zusammenarbeit organisieren.
Wir erleben gerade einen Spagat in vielen SHK-Betrieben: Auf der einen Seite stehen erfahrene Unternehmer, die Verantwortung tragen und ihren Betrieb schützen wollen. Auf der anderen Seite steht ein Team– und oft auch Nachfolger –, die Verantwortung übernehmen sollen, aber dafür Raum brauchen.
Wenn Entscheidungen immer „nach oben“ gezogen oder gegeben werden, lernen Teams nicht, selbst zu tragen – und Betriebe werden abhängig – von einer Person, von Deiner Präsenz, von Deiner ständigen Erreichbarkeit. Das funktioniert – solange Du da bist. Aber es kostet Kraft und es macht einen Betrieb auf Dauer nicht attraktiver, sondern anfälliger.
Entlastung entsteht nicht durch mehr Einsatz, sondern durch Klarheit.
Was wir immer wieder sehen: Es braucht Klarheit, Klarheit, Klarheit! Klarheit darüber:
wer wofür verantwortlich ist,
wann Du wirklich gebraucht wirst,
wie die Abläufe im Unternehmen sind und welchen Handlungsrahmen es gibt,
und wann etwas warten oder vorbereitet werden darf.
In Betrieben, die diesen Schritt gehen, verändert sich der Alltag spürbar: Rückfragen werden gebündelt, Entscheidungen werden vorbereitet und Gespräche werden strukturierter. Manchmal unterstützen dabei auch digitale Helfer. Nicht als großes Projekt, sondern ganz bodenständig: Informationen ordnen, Gedanken sortieren, Inhalte dokumentieren, Entscheidungen vorbereiten. Technik ersetzt keine Führung – sie unterstützt sie dort, wo Zeit verloren geht oder sich Abläufe wiederholen. Der eigentliche Hebel bleibt menschlich: Vertrauen, Verantwortung und klare Regeln.
Ein anderer Blick auf Deinen Tag
Vielleicht ist das der Perspektivwechsel, der Dir gerade guttut: Nicht jede Unterbrechung ist ein Problem, aber jede ungeklärte Zuständigkeit wird zu einem Problem. Wenn Du weniger reagieren willst und wieder mehr führen, planen und gestalten möchtest, dann lohnt es sich, genau dort hinzuschauen – mit ehrlichen Fragen an Dich selbst:
Wo blockiere ich unbewusst?
Wo halte ich Dinge fest, die andere längst tragen könnten?
Und was würde passieren, wenn ich mir bewusst Raum verschaffe?
Handwerk bleibt Handwerk, aber Führung darf leichter werden – und stärkenorientierter Einsatz gilt für alle – auch für den Chef.
Persönliche Hilfe nötig?
Wer den Eindruck hat, dass ihn dieses Thema gerade betrifft, wird von den „Handwerkern von Morgen“ kostenlos zu zwei Formaten eingeladen, die hier unterstützen können:
Klarheitsgespräch
Ein persönliches Gespräch auf Augenhöhe, um miteinander zu sortieren: Wo stehst Du gerade? Was entlastet wirklich? Und was kannst Du Dir sparen? Einfach eine Mail mit dem Betreff „Klarheit“ an senden – wir melden uns.
Handwerker-Frühstück
Jede Woche kostenfreier Input zu wechselnden Themen und ein regelmäßiger Austausch unter Chefs aus dem Handwerk – praxisnah, ehrlich, mit echtem Blick hinter die Kulissen. Für alle, die merken: Ich bin mit diesen Themen nicht allein. Einfach den Link anklicken & anmelden. Das Wochenthema und Link zum Zoom-Raum kommt per Mail.
