Frauen im SHK-Handwerk: Neues Netzwerk stärkt Zukunftschancen junger Fachkräfte
07.01.2026Das SHK-Handwerk gilt traditionell als männlich geprägt. Der Anteil an Frauen in der Branche ist auch heute noch unterdurchschnittlich. Obwohl Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk längst moderne Technologien, digitale Berechnungstools und vielseitige Tätigkeiten umfassen, sind Frauen in der Ausbildung in Baden-Württemberg in der Minderheit. Um das zu ändern, hat der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg ein neues Netzwerk für weibliche Auszubildende ins Leben gerufen.
109 weibliche Auszubildende in allen vier SHK-Berufen zählt das Handwerk in Baden-Württemberg derzeit. Insgesamt durchlaufen mehr als 5200 Lehrlinge aktuell eine Ausbildung als Anlagenmechaniker/-in SHK, Klempner/-in, Ofen- und Luftheizungsbauer/-in oder Behälter- und Apparatebauer/-in, so die Zahlen von Handwerk Baden-Württemberg.
Das neue Netzwerk „GIRLS@SHK“ des Fachverbands SHK Baden-Württemberg richtet sich an weibliche Auszubildende der Branche und bietet eine Plattform für Austausch, gegenseitige Unterstützung und den Kontakt zu Vorbildern. Das Auftakttreffen fand am 21. November statt.
Bild: Bühner / FV SHK-BW
Warum entscheiden sich noch nicht so viele junge Frauen für den Weg ins SHK-Handwerk? Manche Mädchen haben kaum Berührungspunkte mit technischen Berufen, weil diese Tätigkeiten in Schulen oder familiären Umfeldern selten als realistische Option für die berufliche Zukunft dargestellt werden. Hinzu kommen stereotype Rollenbilder und ein Mangel an weiblichen Vorbildern.
„Frauen in der Branche und auch im Ehrenamt des Handwerks zu stärken, ist eines der erklärten Ziele des Fachverbands“, betont Wolfgang Becker, Hauptgeschäftsführer des Fachverbands SHK-BW. Genau hier setzt deshalb das neue Netzwerk „GIRLS@SHK“ an. Es richtet sich an alle weiblichen Auszubildenden der Branche und schafft einen Raum für Austausch, gegenseitige Unterstützung und die Begegnung mit Vorbildern. Beim Auftakttreffen am 21. November im Sensapolis Sindelfingen zeigte sich, wie willkommen die Unterstützung ist: Zwölf Auszubildende trafen dort erstmals auf andere junge Frauen, die ähnliche Erfahrungen machen. Die Atmosphäre war geprägt von Offenheit und gegenseitigem Verständnis. Es entstand ein intensiver Dialog der Teilnehmerinnen über ihre beruflichen Wege, über Herausforderungen und über die Momente, in denen sie persönliches Wachstum oder besondere Anerkennung erlebt haben.
Als herausfordernd beschrieben Teilnehmerinnen nicht nur die körperliche Tätigkeit, sondern auch Vorurteile von Kunden oder Kollegen. Aber: Die jungen Frauen machen diesen Job aus Überzeugung. Viele weibliche Azubis bezeichnen ihren Beruf als sinnstiftend, unabhängig machend und zukunftssicher. Sie sind stolz auf ihre Erfolge, sei es ein anspruchsvoller Auftrag, eine Auszeichnung aufgrund besonders guter Leistung oder die Anerkennung ihres Teams.
„Wir wollen normal sein – nicht die Ausnahme“
Ein zentrales Anliegen der Teilnehmerinnen war, dass Frauen im Handwerk nicht als Exotinnen gelten sollen, sondern als selbstverständlich wahrgenommen und respektiert werden. Dazu wünschen sie sich mehr Sichtbarkeit und Betriebe, die sie aktiv unterstützen. In einem Workshop entstanden zahlreiche Ideen, wie sich mehr Mädchen für das Handwerk begeistern lassen. Immer wieder fiel der Wunsch nach authentischen Einblicken in den Berufsalltag, nach der Sichtbarkeit starker Vorbilder, nach realistischen Praktika und nach einem offenen Umgang mit den tatsächlichen Herausforderungen, denen sich Frauen im Handwerk stellen müssen. Ebenso wichtig war der Wunsch nach Trainingsformaten, die auf Kommunikationssituationen, Konfliktmanagement oder den Umgang mit Vorurteilen vorbereiten. All diese Aspekte sollen dazu beitragen, Hemmschwellen abzubauen und mehr junge Frauen dazu zu ermutigen, sich für das SHK-Handwerk zu entscheiden.
Der Fachverband plant, genau diese Themen für die jungen Frauen aufzugreifen und „GIRLS@SHK“ zu einer festen Säule der Nachwuchsarbeit weiterzuentwickeln. In diesem Jahr werden sich die Auszubildenden beim Verbandstag im Europapark Rust wiedertreffen, um das Netzwerk zu festigen. Ergänzend soll ein Netzwerk für Meisterinnen und Geschäftsführerinnen eingerichtet werden.
Das SHK-Handwerk spielt eine Schlüsselrolle bei Klimaschutz und Energiewende. Um diese Aufgaben erfolgreich zu bewältigen, braucht es Menschen mit unterschiedlichen Stärken, Hintergründen und Perspektiven. Frauen sind dabei keine Randgruppe, sondern eine bedeutende Bereicherung.
