Nachhaltigkeit in der
Lüftungstechnik
Welche Rolle Materialien, Energieeffizienz und Wiederverwendung spielen
Lüftungstechnik
Nachhaltigkeit in der Gebäudetechnik umfasst weit mehr als einen geringen Energieverbrauch. Zunehmend rücken auch Materialeinsatz, CO2-Emissionen bei der Herstellung, Kreislaufwirtschaft und die Lebensdauer von Produkten in den Fokus. Welche Rolle recycelte Werkstoffe, Environmental Product Declarations (EPDs) und energieeffiziente Anlagentechnik speziell im Lüftungsbereich spielen, erläutert Andreas Oehlerking von Swegon im SHK Profi-Interview.
Herr Oehlerking, Nachhaltigkeit wird zunehmend ganzheitlich
betrachtet. Welche Aspekte gehören aus Ihrer Sicht dazu und in welcher Weise greift Swegon diese Aspekte bei seinen
Produktentwicklungen auf?
Nachhaltigkeit umfasst heute deutlich mehr als nur einen niedrigen Energieverbrauch im Betrieb. Entscheidend ist die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Produkts – von der Materialauswahl über die Produktion und Nutzung bis hin zu Modernisierung, Wiederverwendung und Recycling. Swegon verfolgt dabei drei zentrale Schwerpunkte: die Reduzierung des gebundenen CO2 in den eingesetzten Materialien, höchste Energieeffizienz im Betrieb sowie die Förderung von Kreislaufwirtschaft und Sanierungsfähigkeit.
Ein wichtiger Baustein sind EPDs, die eine transparente Bewertung der Umweltwirkungen ermöglichen. Gleichzeitig setzt Swegon verstärkt auf alternative und recycelte Materialien. Im Betrieb sorgen energieeffiziente Komponenten, intelligente
Regelungstechnik und ganzheitliche Systemlösungen für einen möglichst niedrigen Energieverbrauch über die gesamte Nutzungsdauer hinweg. Darüber hinaus werden Produkte zunehmend so entwickelt, dass sie sich einfach demontieren, modernisieren und langfristig weiter nutzen lassen.
Die neuen „GOLD“-Lüftungsgeräte der „Generation G“ nutzen einen hohen Anteil recycelter Materialien. Welche sind das und welche konkreten Auswirkungen hat das auf die Umwelt?
Die Geräte der neuen „GOLD-Generation G“ bestehen innen wie außen überwiegend aus recyceltem Stahl, der mit erneuerbarer Energie hergestellt wird. Damit unterscheidet sich das Material deutlich von konventionellem Stahl, dessen Produktion in der Regel stärker auf fossilen Energieträgern basiert und geringere Recyclinganteile nutzt.
Durch den Einsatz des recycelten Stahls lässt sich der CO2-Fußabdruck der Geräte deutlich reduzieren. Im Vergleich zu früheren Gerätegenerationen konnte das Treibhauspotenzial - Global Warming Potential - um rund 30 % gesenkt werden. Gerade bei technischen Anlagen mit langen Betriebszeiten gewinnt dieser Ansatz zunehmend an Bedeutung, weil nicht nur der Energieverbrauch im Betrieb zählt, sondern auch die Emissionen, die bereits bei Herstellung und Materialeinsatz entstehen.
Der Einsatz von recyceltem Stahl reduziert den CO2-Fußabdruck. Lässt sich dieser Vorteil auch in Förderprogrammen, Zertifizierungen oder bei der Gebäudebewertung konkret nutzen?
Ja, die Verwendung emissionsärmerer Materialien kann sich direkt auf Gebäudezertifizierungen und Nachhaltigkeitsbewertungen auswirken. Insbesondere im Rahmen von DGNB-, LEED- oder BREEAM-Zertifizierungen gewinnen transparente Umweltkennzahlen zunehmend an Bedeutung. Grundlage dafür sind unter anderem EPDs, die die Umweltauswirkungen eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus nachvollziehbar
dokumentieren und die von unabhängigen Institutionen jährlich geprüft und zertifiziert werden.
Darüber hinaus rückt mit den aktuellen regulatorischen Entwicklungen – etwa durch die europäische Gebäuderichtlinie EPBD – die Betrachtung des gesamten Gebäudelebenszyklus stärker in den Fokus. Neben der Betriebsenergie werden damit auch die sogenannten grauen Emissionen relevanter. Produkte mit reduziertem CO2-Fußabdruck können daher einen wichtigen Beitrag zur Erreichung von Nachhaltigkeits- und Förderzielen leisten.
Neben den Materialien ist auch die Energieeffizienz im Betrieb entscheidend. Welche technischen Entwicklungen tragen hier zur Nachhaltigkeit bei?
Ein wesentlicher Faktor ist die kontinuierliche Optimierung der Energieeffizienz von Lüftungsgeräten. Bei der aktuellen „GOLD-Generation“ tragen unter anderem die weiterentwickelte Luftführung „Optiflow“, besonders dichte Gehäusekonstruktionen sowie hocheffiziente EC-Ventilatoren dazu bei, Energieverluste zu minimieren und den Stromverbrauch zu senken.
Hinzu kommt eine intelligente integrierte Regelungstechnik, die den Betrieb bedarfsgerecht anpasst und eine kontinuierliche Überwachung der Anlagen ermöglicht. Dadurch lassen sich nicht nur Betriebskosten reduzieren, sondern auch die Lebensdauer der Systeme verlängern. Gerade bei Lüftungsanlagen, die viele Jahre oder Jahrzehnte betrieben werden, haben solche Effizienzsteigerungen einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtbilanz.
In welchen Bereichen bzw. für welche Einsatzgebiete werden nachhaltige Lösungen besonders nachgefragt?
Nachhaltige Gebäudetechnik wird heute in nahezu allen Bereichen stärker nachgefragt. Besonders hoch ist der Bedarf im Neubau sowie bei energetischen Sanierungen von Bestandsgebäuden. Hintergrund sind unter anderem gesetzliche Vorgaben und Klimaziele auf europäischer und nationaler Ebene, etwa im Zusammenhang mit der EPBD oder den geplanten Sanierungszielen bis 2030.
Zudem legen Investoren, Handwerker, Planer und Betreiber zunehmend Wert auf energieeffiziente und zukunftssichere Gebäudekonzepte. Besonders relevant ist dies bei Bürogebäuden, Bildungseinrichtungen, Gesundheitsbauten oder gewerblichen Immobilien, bei denen Energieverbrauch, Betriebskosten und Nachhaltigkeitsbewertungen eine wichtige Rolle spielen.
Welche Argumente können Fachhandwerker gegenüber ihren Kunden anführen, wenn es um die Entscheidung für nachhaltigere Lüftungsgeräte geht? Wie können sie das Thema greifbar machen – jenseits von CO2-Zahlen und technischen Kennwerten?
Für viele Betreiber stehen neben Nachhaltigkeitsaspekten vor allem Wirtschaftlichkeit, Zukunftssicherheit und Komfort im Vordergrund. Energieeffiziente Lüftungsgeräte helfen dabei, Betriebskosten dauerhaft zu senken und steigende Energiepreise besser abzufedern. Gleichzeitig erfüllen sie aktuelle und zukünftige gesetzliche Anforderungen und bieten damit eine höhere Investitionssicherheit.
Darüber hinaus profitieren Nutzer von einer hohen Raumluftqualität, einem angenehmen Innenraumklima und einer zuverlässigen Anlagenfunktion über viele Jahre hinweg. Nachhaltigkeit wird damit im Alltag konkret erlebbar – etwa durch geringere
Energiekosten, mehr Komfort und eine langfristig sichere
Gebäudenutzung. Auch die zunehmende CO2-Bepreisung macht energieeffiziente Lösungen wirtschaftlich immer attraktiver.
Woran erkennen Planer und Installateure sowie deren
Kunden, ob ein Lüftungsgerät tatsächlich nachhaltig ist?
Ein wichtiger Indikator sind transparente und nachvollziehbare
Produktdaten. Environmental Product Declarations liefern
belastbare Informationen über Umweltwirkungen und den CO2-Fußabdruck eines Produkts über dessen Lebenszyklus hinweg. Sie schaffen damit eine wichtige Grundlage für Vergleiche und Gebäudezertifizierungen.
Ebenso relevant sind verlässliche Leistungsdaten zur Energie-effizienz. Zertifizierungen unabhängiger Organisationen wie Eurovent helfen dabei, die angegebenen Leistungswerte objektiv zu überprüfen. Darüber hinaus spielen Kriterien wie Langlebigkeit, Modernisierbarkeit, Wartungsfreundlichkeit und der Einsatz
recycelter Materialien eine zunehmend wichtige Rolle bei der Bewertung nachhaltiger Gebäudetechnik.
Kreislauffähigkeit wird im Bauwesen immer wichtiger. Welche Ansätze verfolgt Swegon, um Materialien und Komponenten künftig noch besser in geschlossene Stoffkreisläufe zu inte-
grieren?
Mit dem Nachhaltigkeitsansatz „RE:3“ verfolgt Swegon das Ziel, Ressourcenverbrauch und Umweltauswirkungen über den
gesamten Produktlebenszyklus hinweg zu reduzieren. Dabei
basieren die drei Konzepte „RE:duce“, „RE:use“ und „RE:vitalise“ auf den Grundprinzipien der Kreislaufwirtschaft.
Konkret bedeutet das unter anderem den verstärkten Einsatz recycelter Materialien, die Entwicklung langlebiger Produkte sowie Konzepte zur Modernisierung und Wiederaufbereitung bestehender Anlagen. Geräte werden zunehmend so konstruiert, dass einzelne Komponenten einfacher ausgetauscht oder modernisiert werden können, anstatt komplette Systeme zu ersetzen. Dadurch lassen sich Ressourcen schonen, Abfallmengen reduzieren und Produkte länger im Einsatz halten. Tatsächlich haben wir in Schweden gerade das erste Projekt abgeschlossen, bei dem Lüftungsgeräte vollständig neu aufgearbeitet und in der gleichen Anwendung wieder eingesetzt wurden. Das bedeutete
im Vergleich zu einem herkömmlichen Geräteaustausch eine Verringerung des verkörperten Kohlenstoffs um 75 %.
Die neue Generation „GOLD“-
Lüftungsgeräte
Mit der neuen Generation ihrer „GOLD“-Lüftungsgeräte stellt Swegon eine Baureihe vor, bei der Nachhaltigkeitsaspekte bereits in der Produktentwicklung berücksichtigt wurden. Die Geräte bestehen zu mehr als 70 % des Stahlgewichts aus recyceltem Stahl. Insgesamt liegt der Anteil recycelter Materialien bei nahezu 60 % des Gesamtgewichts. Dadurch soll sich der CO2-Fußabdruck gegenüber einer Ausführung mit konventionellem Stahl um rund 30 % reduzieren.
Neben der Materialauswahl wurden auch technische Komponenten weiterentwickelt. Die neue „OptiFlow“-Technologie optimiert den Luftstrom und soll so die Energieeffizienz verbessern. Ein erweiterter Größenbereich bietet zusätzliche Flexibilität bei der Planung. Zudem erleichtert eine geteilte Konstruktion der Gegenstrom-Plattenwärmeübertrager Transport und Installation, insbesondere bei beengten Einbausituationen in Neu- und Bestandsgebäuden.
Die Geräte sind in das digitale Energiemanagementkonzept „Energy360“ integrierbar. Dieses ermöglicht die Überwachung von Energieverbrauch und Betriebszustand über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
