1. VDI-Fachkonferenz Trinkwasserhygiene und -installation

Am 19. und 20. November diskutierten in Würzburg Planer, Betreiber und ausführende Unternehmen von Trinkwasseranlagen im Rahmen der Fachkonferenz über aktuelle Schwerpunkte der Trinkwasserhygiene. Moderiert durch Dipl.-Ing. Dipl.-Chem. Rainer Kryschi und Arnd Bürschgens widmete sich die Veranstaltung Themen wie Energieeffizienz und Trinkwassertemperaturen, Materialien und Werkstoffe von Installationen, Probennahme und Gefährdungsanalyse sowie relevante Neuregelungen und Erfahrungsberichte aus der Praxis. Möglichkeiten zum weiterführenden Austausch und Networking boten Round Tables sowie ein Get-togehter. Im Rahmen eines Spezialtages am 18. November konnten sich die Teilnehmer darüber hinaus über Auslegungsverfahren bei der Trinkwassererwärmung informieren.

Trinkwassertemperaturen

Besonders vor dem Hintergrund wiederkehrender Schlagzeilen über Legionellen-Kontaminationen in öffentlichen, aber auch Wohngebäuden lag der Fokus des ersten Veranstaltungstages vor allem auf zuverlässigen Trinkwassertemperaturen und Legionellen-Prophylaxe. So ging Dr.-Ing. Karin Rühling von der TU Dresden auf die Wirkungen einer Absenkung der Trinkwarmwassertemperatur auf bis zu 45 °C zur Energieeinsparung ein und stellte Thesen sowie Ausblick des BMWi-Verbundvorhabens „Ultra-F“ vor. Dabei wird unter anderem untersucht, ob sich das Verfahren der Ultrafiltration in Zusammenhang mit einer Temperaturabsenkung zur Einhaltung der hygienischen Anforderungen bei Trinkwasser warm eignet. Auch Dr. Roland Suchenwirth vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt widmete sich in seinem Vortrag den Chancen und Risiken der Ultrafiltration zur Legionellen-Vorsorge – mit dem Fazit, dass die Energiespar-Diskussion unausweichlich sei, entsprechende Forschungsprojekte jedoch noch wissenschaftlich gesicherte Erfahrungen bringen müssen. 

Dr. rer. nat. Christian Schauer, Viega Technology, machte auf immer wiederkehrende technische Auffälligkeiten im Bestand aufmerksam, die zur Überschreitung von Legionellen-Grenzwerten beitragen können: Häufige Probleme seien die Überdimensionierung der Leitungen, kein bestimmungsgemäßer Betrieb, Stagnation, ungeeignete Materialien und Bauteile, defekte Anlagenteile sowie ein unzureichender hydraulischer Ausgleich. Als zunehmendes Problem bei den Kaltwassertemperaturen nannten mehrere Referenten steigende Temperaturen schon am Hausanschluss durch verdichtete Innenstädte sowie eine abnehmende Verlegetiefe von Leitungen. Innerhalb von Gebäuden ist der Verzicht auf ausreichende Dämmung in Vorwandinstallationen ein wiederkehrendes Problem.

Probeentnahme und Gefährdungsanalyse

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die qualifizierte Trinkwasseruntersuchung. Gesetzliche Vorgaben, Planung und Durchführung sowie Fehlerquellen stellte Dipl.-Biol. Carola Schröder, Inhaberin und Laborleiterin eines mikrobiologischen Labors, vor. Darüber hinaus thematisierte Dr. Christian Epp, Laborleiter Mikrobiologie bei der Laborgesellschaft für Bauanalytik Hockenheim, die Vorgaben und Abläufe bei der Untersuchung auf Legionellen im Detail. Neben den Anforderungen an die Untersuchungsstelle standen dabei auch die Anforderungen an einen geeigneten Probenehmer im Fokus: So betonte er, dass Labore immer für die Unparteilichkeit der Probenehmer verantwortlich sind und diese in keinerlei Verhältnis zum Auftraggeber stehen dürfen.

Round Tables

Den Abschluss des ersten Veranstaltungstages bildeten Round Tables, bei denen die Teilnehmer in kleineren Gruppen verschiedene Fragestellungen wie beispielsweise Maßnahmen zur Einhaltung der richtigen Kaltwassertemperatur, weiteres Vorgehen nach der Hygiene-Erstinspektion oder Anforderungen an die Gefährdungsanalyse diskutierten. Dabei tauschten sich die Teilnehmer über grundsätzliche Fragen wie „Wer beauftragt die Hygiene-Erstinspektion?“ aus, gingen aber auch auf Probleme wie Stagnation durch zu viele Entnahmestellen ein. Im direkten Gespräch mit Fachexperten konnten zahlreiche Fragen geklärt und Handlungstipps ausgetauscht werden.

Installationssysteme in medizinischen Einrichtungen

Ein wesentlicher Fokus des zweiten Konferenztages lag zum einen auf Besonderheiten der Trinkwasserinstalltion in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen oder sonstigen medizinischen Einrichtungen. Zu den Rahmenbedingungen solcher Gebäude zählen meist komplexe Anlagen mit einer großen Zahl von Entnahmestellen sowie ein besonders gefährdeter Kreis von Nutzern (immungeschwächte Personen). Diskussionsthema waren daher nicht nur die rechtlichen Anforderungen nach Infektionsschutzgesetz, Hygieneverordnungen und RKI, sondern auch die Einhaltung von Erreger-Zielwerten in Hochrisikobereichen. Ebenso standen Praxisberichte zu Installationsvarianten im Mittelpunkt.

Einen praktischen Bezug erhielt die Konferenz durch mehrere Erfahrungsberichte zur Trinkwasserhygiene in Industrieliegenschaften und öffentlichen Gebäuden. So lieferte Dipl.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. Thilo Drein von der Stadt Wuppertal eine praxisnahe Einschätzung zur Umsetzung der Trinkwasserverordnung im kommunalen Praxisalltag. Zur Sicherstellung der Trinkwasserqualität in der historisch gewachsenen Industrieliegenschaft der BASF in Ludwigshafen sprach zum Abschluss Dipl.-Ing. Martin Staudt. Zu den Besonderheiten des etwa 135 km langen Werksnetzes gehören beispielsweise große, flächenmäßig ausgedehnte Anlagen, Produktionsanlagen mit hohen Umgebungstemperaturen sowie eine Gefahr der Verunreinigung des Wassers durch Produkte.

Fazit

Mit der Kombination aus Statusberichten zu derzeitigen Richtlinien, Forschungsberichten und Erfahrungsberichten aus der Praxis bot die Konferenz einen umfassenden Überblick sowie praktische Tipps rund um Hygiene in Trinkwasserinstallationen. Referenten aus verschiedenen Institutionen, Hochschulen, Laboren und Unternehmen lieferten geeignete Inhalte sowohl für Fachhandwerker als auch für Planer und Betreiber.

Info

Die nächste VDI-Konferenz „Trinkwasserhygiene & -installationen: Vermeidung von Legionellen“ findet vom 10. bis 11. November 2020 im Maritim Hotel Düsseldorf statt.

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