3. Deutscher Fachkongress für Absturzsicherheit

Knapp 300 Teilnehmer in Bonn dabei

Im Kameha Grand Hotel Bonn fand am 6. und 7. November 2018 der 3. Deutsche Fachkongress für Absturzsicherheit statt. Bereits zum dritten Mal kamen knapp 300 Planer, Bauausführende, Handwerker und Betreiber zusammen, um sich auf Deutschlands größter Veranstaltung zum Thema Absturzsicherheit zu informieren.

Bereits in seiner Begrüßung am ersten Veranstaltungstag stellte Burkhard Fröhlich, Moderator der Veranstaltung und langjähriger Chefredakteur der DBZ Deutsche Bau Zeitschrift i.R., alarmierende Zahlen vor. 37,5 % aller Arbeitsunfälle lassen sich auf Abstürze zurückführen; alleine 2017 starben 88 Personen nach einem Absturz, viele Tausende verletzten sich schwer.

Absturzsicherheit ist gerade in der Baubranche ein essentielles Kernthema, das alle Baubeteiligten angeht, jedoch leider noch immer zu wenig Beachtung findet. Die Zahlen zu Un- und Todesfällen sind besorgniserregend und machen einen schnellen Handlungsbedarf deutlich. Burkhard Fröhlich plädierte für eine offenere Kommunikation: So sollte sich jeder, der in der Höhe arbeitet, informieren und mit Experten sprechen, um Abstürze in Zukunft zu vermeiden.

Kein Leichtsinn durch Bauboom

Prof. Dr.-Ing. Marco Einhaus, der bei der BG Bau – Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft im Bereich Prävention für den Hochbau verantwortlich ist, unterstrich in seinem folgenden Vortrag mit Nachdruck dieses Plädoyer. Auch er präsentierte aktuelle Statistiken zu Unfällen. Der gegenwärtige Bauboom sorge nicht nur für mehr Baustellen, auch die Zahl an Unfällen nehme drastisch zu. In seinen Augen sei eine schlechte betriebliche Organisation bezüglich Arbeitssicherheit und -schutz für diese Werte verantwortlich. Um dem entgegen zu wirken, helfe es nur, den Sicherheitsgedanken verstärkt nach außen zu tragen.

Bei vielen Teilnehmern stießen diese Thesen auf große Zustimmung. Für Joachim Maringer, BG Bau, bedeutet eine Veranstaltung wie der Fachkongress ein Schritt in die richtige Richtung: „Die Veranstaltung beschleunigt den Verbesserungsprozess.“ Die Teilnehmer würden die Informationen aus den Vorträgen weitertragen und die Nachfragen zu Produkten und neuen Systemen würden sich erhöhen.

Theorie und Praxis

Die zweitägige Veranstaltung beleuchtete die Thematik Absturzsicherheit unter verschiedenen Gesichtspunkten – von der Planung und Architektur, über die unterschiedlichen angebotenen Sicherheitssysteme bis zu den rechtlichen Aspekten der Absturzsicherung. Die Fachanwältin für Baurecht, Manuela Reibold-Rolinger, stellte aktuelle Fälle und Rechtsprechungen vor, um über die gesetzlichen Grundlagen zu informieren. In vier vorgestellten Justizfällen wurden die Zuhörer zu Juristen und diskutierten die Sachverhalte unter verschiedenen Gesichtspunkten. Die Anwältin nutzte die Gelegenheit, das Publikum auf die Wichtigkeit der Vorbeugung von Abstürzen hinzuweisen: Die Prävention müsse schon in der Planungsphase ernst genommen werden: Auch Auftraggeber stünden in der Pflicht und im Schadensfall im Risiko. Sicherheit beginne bereits vor dem Bauvertrag, so Manuela Reibold-Rolinger.

Blick in die Zukunft

Der Fachkongress dient nicht nur dazu, aktuelle Lösungen im Bereich Absturzsicherheit vorzustellen, sondern soll auch zukünftige Entwicklungen für Produkte und Systeme berücksichtigen.

Einen Ansatz dafür lieferte Prof. Dr.-Ing. Manfred Helmus, Leiter des Lehr- und Forschungsgebietes für Baubetrieb und Bauwirtschaft an der Bergischen Universität Wuppertal. Gemeinsam mit seinem Team untersucht Prof. Helmus als führender Spezialist den Mehrwert von BIM-Methoden (Building Information Modeling) für den Arbeits-und Gesundheitsschutz. Mit BIM lässt sich der komplette Lebenszyklus eines Gebäudes erfassen, von der Planung bis zum betrieblichen Ablauf – ebenso verhält es sich mit der Absturzsicherheit: Der Sicherheitsaspekt muss während des gesamten Lebenszyklus bedacht werden. Ein wesentlicher Vorteil der BIM-Anwendungen für die Arbeitssicherheit ist die Visualisierung von Gefahrenquellen und Darstellung von Schutzeinrichtungen, die für die Beteiligten wichtig sind.

„Fachkräfte sind wertvoll …“

Einen praktischen Lösungsansatz zur Absturzsicherung zeigte Eugen Penner, Dachdecker- und Zimmermeister des ZEP-Teams aus Bielefeld. Als Geschäftsführer sei er für die Sicherheit seiner gerade auch jungen Mitarbeiter verantwortlich und biete aus diesem Grund regelmäßige Weiterbildungen zu dieser wichtigen Thematik an. So betonte der Handwerker, dass gute Sicherheitssysteme nicht nur zum Arbeitsschutz beitragen, sondern darüber hinaus auch die Arbeitsprozesse erheblich vereinfachen würden. Er selbst wolle ein Vorbild sein: Seinen jungen Mitarbeitern möchte er einen bewussten Umgang mit den angebotenen Sicherheitssystemen vorleben. Für sie sollen die Gedanken über die eigene Sicherheit zum täglichen Geschäft gehören. Dazu zähle auch, den Mitarbeitern eine „coole“ Sicherheitsausrüstung zur Verfügung zu stellen. Eugen Penner appellierte damit an das Verantwortungsbewusstsein aller am Bau Beteiligten, für eine adäquate Sicherheitsausrüstung zu sorgen, denn „Fachkräfte sind wertvoll und müssen vor Unfällen geschützt sein“.

Video-Tipp

Das Video zum 3. Deutscher Fachkongress für Absturzsicherheit finden Sie im Youtube-Kanal bauverlag events:

https://www.youtube.com/watch?v=u5KE928LzUA

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