Eins vorweg ...

Legionellen in Warstein

Was sind nun die Folgen?

Zwei Tote und über 160 Erkrankte durch Legionelleninfektionen in Warstein – das Thema schaffte es trotz Wahlkampf regelmäßig in die überregionale Berichterstattung. Nach den fünf Toten und 60 Erkrankten bei einem ähnlichen Fall vor über drei Jahren in Ulm steht wieder einmal ein Rückkühlwerk am Pranger.

Soweit bislang bekannt, hat es sowohl in einem Rückkühlwerk als auch in einer Kläranlage der Brauerei Warsteiner Legionellenbefunde gegeben. Das Klärwasser der Brauerei hat dann wohl auch im Flüsschen Wester und in einer örtlichen Kläranlage zu hohen Legionellenwerten geführt. Ebenfalls betroffen und anscheinend Hauptauslöser der Erkrankungen war dann das Rückkühlwerk des Rohrherstellers Esser-Werke, in dem Wasser aus der Wester eingesetzt wurde. Die mit Legionellen kontaminierten Schwaden aus dem Rückkühler sind dann über das Stadtgebiet gezogen und haben die Erkrankungen ausgelöst. Wie die Legionellen in das Klärbecken der Brauerei gelangt sind, ist noch ungeklärt – Vogelkot ist eine Vermutung. In der warmen Hefebrühe haben die Erreger jedenfalls beste Wachstumsbedingungen vorgefunden. „Die Kette zwischen Klärwerk, Brauerei, Kühlanlage und Fluss kann aber noch weitergehen. Was die ursprüngliche Quelle ist, ist weiter unklar“, sagte ein Umweltbundesamtssprecher.

Was sind nun die Folgen dieses Desasters? Zuallererst gilt es die Toten und Erkrankten zu beklagen. Sie sind die am schlimmsten Betroffenen. Aber die ganze Region hat es aufgrund einer Reisewarnung für Warstein gebeutelt. Die Folge: Umsatzeinbrüche in Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie, nicht zu vergessen der Imageverlust für die Region und die betroffenen Betriebe („Ich trinke erst mal Kölsch statt Warsteiner“, war in einem Internet-Blog zu lesen.). Auch die Auswirkungen auf die Kälte- und Klimatechnik sind immens. Dass nur von Schwaden bildenden Verdunstungsrückkühlanlagen oder Kühltürmen eine Legionellengefahr ausgehen kann (natürlich nicht muss), weil nur dann lungengängige Aerosole eingeatmet werden können, werden die wenigsten Bürger wissen. Hier wird in mancher Berichterstattung gleich die komplette Klimatechnik im negativen Sinne über einen Kamm geschoren. Nicht zu leugnen ist jedoch, dass es nun mal ein Rückkühler war, der als Sündenbock herhalten muss. Insofern muss sich unsere Branche mit dem Thema auseinandersetzen. Das Thema könnte und muss uns noch eine Weile verfolgen. Es wird auf tragische Weise deutlich, dass die Betreiberverantwortung im Zusammenhang mit der VDI 6022 nicht ausreicht, da deren Vorgaben an die Wartung, Inspektion und Reinigung nicht eingehalten – da nicht kontrolliert – werden. Hier ist eine schärfere Sanktionierung dringend erforderlich, sonst wird auch Warstein nur als tragischer Einzelfall bewertet werden. Ein anderer Ansatzpunkt wäre eine Meldepflicht für Rückkühlwerke, wie sie in Warstein kurzfristig auch umgesetzt wurde. In Frankreich und Großbritannien z.B. gibt es ein „Kühlturmkataster“ – Anlagen sind meldepflichtig und deren Betreiber werden streng kontrolliert, ob sie die gesetzlichen Auflagen erfüllen. Einen ähnlichen Gesundheitsschutz gibt es in Deutschland nicht – Zeit hier etwas zu ändern, denn neben dem Schutz von Leib und Leben erzielt eine sachgerecht gewartete Lüftungs- und Klimaanlage auch noch bessere Leistungswerte und damit verbunden niedrigere Betriebskosten und CO2-Emissionen.

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