Mobile Business im Handwerk (Teil 2/2)

Entlastungspotentiale von mobilen Lösungen Studie zeigt Umfrageergebnisse Mobile Officeanwendungen

Das mobile Arbeiten von jedem Ort aus und zu jedem Zeitpunkt mit einem Vollzugriff auf alle relevanten Unternehmensdaten gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Geschäftsdaten können über mobile Anwendungen, auch Apps genannt, auf mobilen Endgeräten genutzt werden. Dieser letzte Teil des zweiteiligen Beitrags informiert über die Potentiale von „Mobilen Officeanwendungen“ für das Handwerk.

Mobile Officeanwendungen

Mobile Endgeräte unterstützen die grundlegenden mobilen Officeanwendungen. Diese Dienste umfassen den Abruf von Informationen aus dem Kalender oder den Kontakten sowie die Abfrage und das Bearbeiten von E-Mails. Diese mobilen Office-Anwendungen haben in der Praxis eine große Bedeutung erlangt (vgl. Euler et al., 2012, S. 113). Der Abruf, das Lesen und die Bearbeitung von E-Mails mit einem mobilen Endgerät unterstützt die schnelle und direkte Bearbeitung von Aktivitäten im Arbeitsumfeld. Der Zugriff auf das Internet erfolgt unabhängig von einem Büro und einem stationären Arbeitsplatz. Er fördert den Zugang zu verschiedenen Angeboten und Diensten für den erforderlichen Einsatz. Über einen gesicherten Zugang zum Firmenserver kann der Mitarbeiter schnell, mit geringem Zeitaufwand und komfortabel auf die relevanten Informationen im Unternehmen zugreifen. Der orts- und zeitunabhängige Zugriff auf verschiedene Informationen fördert eine schnelle und reibungslose Bearbeitung von Aktivitäten und Abwicklung von Geschäftsprozessen (vgl. GS1 / IWKoeln, 2011, S. 9; Büllingen et. al, 2010, S. 40).

Eine Einschränkung bei der Nutzung ergibt sich durch die verfügbare Bildschirmdiagonale und damit letztendlich die Größe des mobilen Endgerätes. Somit machen die meisten Office-Anwendungen erst ab der Geräteklasse „Tablet PC“ oder „Netbook“ einen Sinn.

Studie zum Mobile Business

Im Fokus dieser Studie stehen die Handwerksbranchen aus dem zulassungspflichtigen Handwerk der Anlage A aus dem Bau- und Ausbaugewerbe, Elektro- und Metallgewerbe sowie Holzgewerbe in Deutschland, die der Unternehmensgröße der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Anlehnung an die Einstufungskriterien laut Definition der Europäischen Gemeinschaft zugeordnet werden können (vgl. BMWI, 2012a, ZDH e.V., 2012a; ZDH e.V., 2012b).

Ziel dieser Studie war, einen Überblick zum aktuellen Stand von Mobile Business im Handwerk zu geben. Dabei lagen die Schwerpunkte auf den mobilen Anwendungen sowie den mobilen Endgeräten, den möglichen Nutzen sowie der Hemmnisse und dem ungedeckten Bedarf aus Sicht der Handwerksunternehmen. Aufgrund der nicht ausreichend zur Verfügung stehenden Daten zum Thema der Studie wurde mithilfe eines selbstentwickelten Fragebogens eine Umfrage in ausgewählten Handwerksbetrieben vorgenommen. Für die Auswahl der Handwerksbetriebe spielte das Kriterium eines hohen Anteils an Außendiensttätigkeit eine besondere Rolle, da dort ein hoher Bedarf an mobilen Anwendungen zu erwarten war.

An dieser Evaluierung haben 224 von insgesamt 3310 angeschrieben Handwerksunternehmen teilgenommen. Da bei der Versendung der Fragebögen die Branchen unterschiedlich stark vertreten waren, wurde bei der Auswertung eine Beantwortungsquote pro Branche eingeführt. Dabei stellte sich heraus, dass die nicht technikorientierten Handwerke (Dachdecker, Maler / Lackierer, Tischler / Zimmerer) deutlich stärkere Rücklaufquoten aufzeigen, obwohl sie bei der Aussendung nicht in einem gleichen Maße berücksichtigt wurden. Weiterhin stellte sich heraus, dass nur etwas mehr als 21 % der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen, entweder gar keine oder aber keine internetfähigen mobilen Endgeräte in der Praxis einsetzen. Im Umkehrschluss heißt das, dass fast 79 % der teilnehmenden Handwerksbetriebe internetfähige mobile Endgeräte einsetzen (vgl. Abb. 3). Dabei sind annähernd 2/3 Smartphones und 1/3 der verwendeten Geräte Tablets.

Die transportablen PCs spielen eine verschwindend geringe Rolle im Mobile Business (vgl. Abb. 4). Zudem zeigte sich, dass 83 % der Umfrageteilnehmer das eingesetzte Betriebsystem ihres mobilen Endgerätes nennen konnten. Über das mobile Betriebssystem kann auf das eingesetzte mobile Endgerät geschlossen werden. 60 % der Umfrageteilnehmer aus dem Handwerk setzen iOS als mobiles Betriebssystem ein. Somit zeigt sich, dass ein Großteil der eingesetzten mobilen Endgeräte Produkte aus dem Haus Apple sind. Bei der Hinzunahme der Ergebnisse aus der Frage nach dem Grund für die Auswahl des Betriebssystems zeigte sich, dass der Leistungs- / Funktionsumfang und die Benutzerfreundlichkeit die häufigsten Gründe sind (vgl. Abb. 5). Eine Kombination der beiden Erkenntnisse impliziert, dass iOS-Geräte bei den Umfrageteilnehmern im Handwerk als besonders benutzerfreundlich und leistungsfähig angesehen werden.

Die Frage nach den Triebfedern für den Einsatz von mobilen Anwendungen beantworteten die Umfrageteilnehmer überwiegend mit Zeitersparnis in der Kommunikation, Verbesserung von Kundenservice, schnellere Auftragsabwicklung sowie Kostensenkung durch schlankere Arbeitsabläufe. Oder kurzgefasst in der Reduzierung von Zeit und Kosten sowie in der Erhöhung der Qualität. Die Relevanz für die Zeitersparnis in der Kommunikation zeigt sich auch in den Einsatzbereichen von mobilen Anwendungen im Handwerk. Hier führen die Umfrageteilnehmer zu 40 % die E-Mail-Kommunikation als Einsatzbereich auf. Am zweithäufigsten mit über 27 % werden Informationsdienste genutzt.

Die Umfrageteilnehmer (20 %), die bisher keine mobilen internetfähigen Endgeräte einsetzen, sehen entweder keinen Handlungsbedarf, haben keine Zeit oder haben keinen Bedarf nach Informationen. Diejenigen Umfrageteilnehmer, die bereits mobile internetfähige Endgeräte einsetzen, aber keine mobilen Anwendungen nutzen, gaben als Hemmnisse mangelnde Informationen zu potentiellen Anwendungen und den Zeitbedarf für die Einführung an. Somit zeigt sich, dass sowohl ein Informationsbedarf besteht als auch die Zeit für die Einführung eine Rolle spielt. Weiterhin lässt sich festhalten, dass bei fast allen Umfrageteilnehmern Sicherheitsbedenken beim Einsatz von mobilen Anwendungen bestehen. Auffällig ist hierbei, dass nur 2 % keine Sicherheitsbedenken haben. Der größte Anteil der Umfrageteilnehmer sieht Sicherheitsbedenken im Fremdzugriff auf sensible Unternehmensdaten sowie im Verlust der Daten auf dem mobilen Endgerät. Weitere genannte Sicherheitsbedenken sind der Datendiebstahl, die Datenmanipulation sowie die Unveränderbarkeit bzw. Beständigkeit der Daten auf mobilen Endgeräten (vgl. Abb. 8).

Bislang ohne Datenaustausch

Die Frage nach der Art der eingesetzten Anwendungen zeigt, dass plattformübergreifende (sprich generische) Anwendungen unter den Umfrageteilnehmern häufig genutzt werden. Zum Einsatz kommen hauptsächlich Anwendungen, die keinen Datenaustausch bzw. keine Schnittstellen zu anderen Anwendungen anbieten (vgl. Abb. 9). Dabei handelt es sich um sogenannte mobile Insellösungen. Im Gegensatz dazu werden mobile, in die Handwerkersoftware integrierte, Anwendungen als Branchenlösung kaum eingesetzt. Die Nutzung privater mobiler Endgeräte in Handwerksbetrieben erfolgt zurzeit bei nahezu der Hälfte aller Umfrageteilnehmer. Dieser vom Unternehmen tolerierte Einsatz privater mobiler Geräte für Zwecke des Unternehmens wird auch als „Bring your own device“ (BYOD) bezeichnet. Ob es sich dabei um einen Trend oder ein kurzfristiges Phänomen handelt, kann aufgrund von fehlenden Vergleichsdaten im Handwerk nicht festgestellt werden. Ebenso ist ein Zusammenhang zwischen den Unternehmensgrößenklassen und BYOD nicht ersichtlich. Alternativ zu BYOD stellt das Handwerksunternehmen mobile Geräte zur geschäftlichen Nutzung zur Verfügung.

Im Handwerk gibt es weiterhin Bedarf nach mobilen Anwendungen, der noch nicht gedeckt ist. Dabei handelt es sich zum größten Teil um integrierte Branchenlösungen (46,4 %). Aus Sicht der Umfrageteilnehmer besteht somit weiterhin Potential, Geschäftsprozesse im Handwerk zu optimieren. Daneben besteht auch Bedarf an Anwendungen für mobiles Aufmaß, mobiler Service und mobile Zeiterfassung (vgl. Abb. 10).

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Mobile Business im Handwerk nicht unbekannt ist. Die Nutzung von mobilen Anwendungen und damit einhergehend die Mobilisierung von Geschäftsprozessen ist in allen teilgenommenen Handwerksbranchen vertreten. Der größte Nutzen mobiler Anwendungen ist Zeitersparnis. Im Vordergrund stehen Kommunikation (E-Mail) und Informationsabruf als wichtigste mobile Anwendungen.

Zukünftig werden vor allem mobile Branchenlösungen angestrebt. Für den weiteren Ausbau von Mobile Business im Handwerk müssen allerdings die Sicherheitsbedenken der Nutzer zu Datendiebstahl bzw. -manipulation ausgeräumt werden.

Literatur- und Quellenangaben

BMWI (2012a) - Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: BMWi Existenzgründungsportal | Gründer- und Unternehmerlexikon, URL <http://www.existenzgruender.de/gruendungswerkstatt/lexikon/ index.php?l=k&a=KMU+-+Kleine+und+mittlere+Unternehmen+(EU- Definition)>, (22.07.2012).

BMWI (2012b): BMWi - Digitale Infrastrukturen, URL <http://www.bmwi.de/DE/Themen/Digitale-Welt/ digitale-infrastrukturen,did=386554.html>, (22.07.2012).

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Euler M. / Hacke M. / Hartherz C. / Steiner S. / Verclas S. (2012): Herausforderung bei der Mobilisierung von Business Applikationen und erste Lösungsansätze. In Verclas S. / Linnhoff-Popien C. (Hrsg.): Smart Mobile Apps - Mit Business Apps ins Zeitalter mobiler Geschäftsprozesse, Heidelberg / Dordrecht / London / New York, S. 107-125.

GS1 (Hrsg.) / IWKoeln (Hrsg.) (2011): PROZEUS - MOBILE BUSINESS - Neue Geschäftsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen, Stand September 2011,URL<http://www.prozeus.de/imperia/md/content/ prozeus/broschueren/prozeus_broschuere_mobilebusiness_rz_web.pdf>, (17.07.2012).

Jarosch J. / Mayer C. (2010): Mobile Services im Handwerkssektor. In: Spath D. (Hrsg.) / Hofmann J. (Hrsg.) / Günther J. (Hrsg.): MAREMBA - Mobile Assistenz für dass Ressourcenmanagement in der Bau-Auftragsabwicklung - Gestaltung mobiler Service im Handwerk, Stuttgart, S. 17-45., URL <http://wiki.iao.fraunhofer.de/images/studien/ maremba_mobile-services-im-handwerk.pdf>, (23.07.2012).

Moser (2012): Moser GmbH & Co. KG - Mobiler Service, Würselen.

Speier N. / MÜKE (Hrsg) (2011): Münsterländer Kompetenzzentrum für den elektronischen Geschäftsverkehr - Mit Hammer, Säge und Smartphone, Mobiles Arbeiten im Handwerk, Stand April 2011, URL <http://www2.ec-kom.de/ec-net/20110418_Handwerk-arbeiten- mobil.pdf>, (16.07.2012).

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Online Service

Teil 1 dieses Beitrags finden Sie unter diesem Direktlink:

http://www.shk-profi.com/artikel/shk_Mobile_Business_im_Handwerk_Teil_1_2__1745211.html

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