Änderungen der EU-Richtlinie

Trinkwasser-Installation zukünftig stärker unter Beobachtung

Wasser ist das zentrale Element für das Leben. Daher wird es vielfach kontrolliert, damit es eine hohe Qualität aufweist. In der vor einem Jahr in Kraft getretenen neuen EU-Trinkwasserrichtlinie werden veränderte Vorgaben gemacht. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen, insbesondere hinsichtlich der Werkstoffe und Materialien sowie der Risikobewertungen.

Alle wesentlichen Regeln und Faktoren rund um das Trinkwasser zum menschlichen Gebrauch werden in der Trinkwasserverordnung zusammengefasst. Die derzeit gültige Fassung der TrinkwV wurde zuletzt mit der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am 30. Dez. 2019 verändert und gilt auf nationaler Ebene. Die neue europäische Trinkwasserrichtlinie, in Kraft getreten am 12. Jan. 2021, harmonisiert erstmals europaweit die Vorgaben für Werkstoffe und Materialien, die in Kontakt mit Trinkwasser kommen. Ziel ist es u.a., einheitliche Prüfkriterien zu schaffen und die mehrfache Zertifizierung in verschiedenen Ländern durch einen EU-weit gültigen Standard zu ersetzen. Die Richtlinie muss bis zum 12. Jan. 2023 in nationales Recht überführt werden – eine neue Trinkwasserverordnung ist derzeit in Arbeit.

Neu: der risikobasierte Ansatz

Ein Faktor, der bislang in der Norm eine untergeordnete Rolle spielte, ist der sogenannte risikobasierte Ansatz. Er bedeutet, dass die EU-Staaten sämtliche Bereiche der Wasserversorgung berücksichtigen müssen, von der eigentlichen Wassererfassung und -bereitstellung bis zu den Entnahmestellen. Dies entspricht dem generellen Ziel der Richtlinie, die Gesundheit zu schützen und die Umwelt zu entlasten. Daher wird auch das Vorkommen von Legionellen verstärkt beobachtet, zusätzlich zu den Materialien und Werkstoffen. Risikobewertungen entsprechend der neuen Richtlinie – ohne konkreten Anlass – sind ab 12. Jan. 2023 und spätestens bis zum 12. Jan. 2029 zum ersten Mal durchzuführen. Der weitere Turnus beträgt dann sechs Jahre.

Jeder Mitgliedsstaat, also auch Deutschland, muss die Rahmenbedingungen für die Risikobewertung schaffen. Klar ist, dass hier sowohl Fachleute wie Planer und Installateure, aber auch Eigentümer/Betreiber und Verbraucher einzubeziehen sind. Dieser neue Ansatz ist nicht zu vergleichen mit der Gefährdungsanalyse, die bislang laut TrinkwV umgesetzt wurde, denn sie erfolgte stets als Reaktion und nur auf Legionellen bezogen. Mit der Neuerung wird ohne einen konkreten Grund ein Blick auf die Trinkwasser-Installation geworfen. Hier sei kurz auf den Wassersicherheitsplan verwiesen, der vom Umweltbundesamt im Oktober 2020 in überarbeiteter Fassung vorgelegt wurde. Auf diesen Plan wird die Risikobewertung Bezug nehmen.

Grenzwert Blei sinkt

Eine Änderung wird sich massiv auf die Materialien und die Werkstoffe auswirken: Der Grenzwert für Blei im Trinkwasser sinkt von 0,01 auf 0,005 mg/l und wird damit halbiert. Dabei ist weiterhin zu beachten, dass sich der mögliche Bleieintrag nochmals je zur Hälfte auf den Wasserversorger und die häusliche Installation splittet. Letztere darf demnach nahezu kein Blei mehr abgeben. Damit soll eine Gesundheitsgefährdung, vor allem bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern, ausgeschlossen werden. Die Verschärfung wird sich in den Positivlisten niederschlagen, die europaweit einheitlich sein sollen – vergleichbar den jetzigen UBA-Positivlisten.

Anforderungen an Baubeteiligte

Allerdings ist der Parameterwert für Blei erst ab dem 12. Jan. 2036 einzuhalten. Jetzt könnten sich alle entspannt zurücklehnen – bis dahin gehen noch viele Jahre ins Land. Fakt ist aber, dass Trinkwasserinstallationen für eine Lebensdauer von bis zu 50 Jahren vorgesehen sind. Fachhandwerker, Planer und andere Entscheider tun also gut daran, schon vor der Überführung der Richtlinie in nationales Recht auf die Qualität zu achten. Denn wenn im späteren Betrieb der Anlagen ein zu hoher Bleigehalt im Wasser festgestellt wird, muss in jedem Fall gehandelt werden. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn Armaturen aus nicht zugelassenen bleihaltigen Legierungen bestehen oder bei langen Stagnationszeiten. Selbst bei kurzzeitiger Überschreitung wird ein zu hoher Bleigehalt mit einem mittleren Schadensausmaß eingestuft.

Die gute Nachricht: Hinsichtlich des Bleigehaltes gibt es bereits seit Jahren Lösungen am Markt, etwa bleifreie Systeme wie die Serien aus Siliziumbronze (CuSi) von Sanha. Damit werden die Ansprüche automatisch erfüllt, denn das Material enthält kein Blei und kann demzufolge auch nichts an das Trinkwasser abgeben. Eine Gefährdung ist durch die Materialwahl faktisch ausgeschlossen. Gleiches gilt für Fittings aus Edelstahl, die bereits aufgrund des hochwertigen Werkstoffs 1.4404 ideal für eine hygienische, bleifreie Trinkwasserinstallation geeignet sind.

Hochwertige Systeme einsetzen

Zahlreiche Press-, Übergangs- und Gewindefittings aus bleifreier Siliziumbronze (CuSi) aus verschiedenen Serien stehen heute zur Verfügung. Neben dem Aspekt „bleifrei“ spielt zusätzlich die Materialqualität eine Rolle. Siliziumbronze ist außerordentlich beständig gegen Entzinkungs- und Spannungsrisskorrosion. Durch die äußerst reine Oberfläche und Entzinkungsbeständigkeit stellt beispielsweise die Fitting-Serie „Purapress“ von Sanha eine hygienische Lösung dar. Dank hoher Werkstoffdichte entsteht zudem keine Gussporosität. Werden die Komponenten fachgerecht installiert, ergibt sich eine hochwertige Trinkwasseranlage.

Neben der Bleifreiheit bieten weitere Serien zusätzliche Vorteile. Ein Beispiel ist das „NiroSan“-System. Sanha kann die Dimensionen von 15 mm für die kleinen Anschlüsse bis zu 168,3 mm für Steigleitungen in Großprojekten liefern. Darunter sind auch die Dimensionen 64 mm und 139,7 mm. Sie runden das Sortiment ab, auch für internationale Anforderungen im mittleren und im XXL-Bereich. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass sich eine Installation „aus einem Guss“ umsetzen lässt. Auch bei der XXL-Größe sind Rohre in 6 m Länge sowie verschiedene Standardprodukte erhältlich. Dazu zählen u.a. 45°- und 90°-Bögen, ­T-Stücke und Muffen. Die Pressfittings werden aus dem Werkstoff 1.4404 für die Formteile gefertigt. Dieser enthält mindestens 2,3 % Molybdän und weist einen geringeren Kohlenstoffanteil als der konventionelle Werkstoff 1.4401 auf. Somit besitzt das Material eine höhere Korrosionsresistenz. In der Regel kommen schwarze Formteildichtungen aus EPDM zum Einsatz, die eine Betriebstemperatur zwischen -30 und 120 °C erlauben. Als maximaler Betriebsdruck werden 16 bar genannt. Für andere Nutzungen stellt der Hersteller entsprechende Dichtringe zur Verfügung.

Sichere Verarbeitung – weniger Fehler

Bei Einsatz der bleifreien Systeme kommen zudem die Vorteile von „combipress“ zum Tragen: Die Verarbeitung der Rohre und Fittings wird durch die Eigenschaften Werkzeugkompatibilität, Gleithaftung und „Unverpresst undicht“ wesentlich vereinfacht, die Verarbeitungssicherheit wird gesteigert. Vorhandene Werkzeuge mit unterschiedlichen Original-Presskonturen (V, M und SA) lassen sich bis einschließlich 54 mm verwenden. Für größere Dimensionen können die Originalkonturen SA und M genutzt werden. Für den Handwerker bedeutet dies beim Verpressen eine leichtere Handhabung und mehr Sicherheit, denn durch die Werkzeugkompatibilität sind Schaden verursachende Verwechslungen von Pressbacken auf der Baustelle faktisch ausgeschlossen.

Fazit

Durch die EU-Trinkwasserrichtlinie werden sich die Anforderungen an Planer und Installateure verändern. Der Blick auf die verwendeten Materialien und Werkstoffe wird noch wichtiger, auch im Hinblick auf den risikolosen Ansatz und die Bewertungen. Trotz der Übergangsfristen ist es mehr als sinnvoll, heute schon bleifreie Trinkwasserinstallationen zu konzipieren und einzubauen. Aufgrund der langen Nutzungsdauer solcher Anlagen wird die Sicherheit für Betreiber und Verbraucher deutlich erhöht.

Um eine sichere, dauerhaft funktionierende Trinkwasseranlage zu erhalten, ist eine fundierte Planung erforderlich. In diesem Zusammenhang sei kurz auf die Aspekte der Schleifen- oder Ringinstallation, Temperaturen in Warm- und Kaltwassersystemen und auf die möglichen Folgen von Stagnation hingewiesen. Für ihre Objekte erhalten Planer und Installateure bei Bedarf Unterstützung von renommierten Unternehmen, etwa wenn die Auslastung gerade sehr hoch ist.

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