Von der Handbrause zur Designlösung fürs Bad

SHK Profi-Interview zum 125. Firmenjubiläum von Hansgrohe

Hansgrohe feiert in diesem Jahr sein 125. Jubiläum. Das Unternehmen erlebte und prägte die Entwicklung moderner Bad- und Duschkultur – von den ersten Metallbrausen bis hin zu designorientierten Komplettlösungen für das Badezimmer. Im SHK Profi-Interview spricht Stefan Stark, Geschäftsführer der Hansgrohe Deutschland GmbH, darüber, wie sich das Bad vom funktionalen Raum zum Ort des Wohlbefindens und der individuellen Gestaltung entwickelt hat.

Herr Stark, Hansgrohe blickt auf 125 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Welche Meilensteine in der Produktentwicklung haben das Bad nachhaltig geprägt?

Hansgrohe hat die Entwicklung des modernen Bades über ikonische Produkte maßgeblich beeinflusst. Bereits 1901 brachte Hans Grohe eine der ersten Metallbrausen auf den Markt und legte damit den Grundstein für die industrielle Brausenfertigung. Ein zentraler Meilenstein folgte 1953 mit der „UNICA“-Duschstange. Sie machte die Brause höhenverstellbar und veränderte die Nutzung der Dusche grundlegend – ein bis heute gültiger Standard im Bad. 1968 setzte Hansgrohe mit der „Selecta“-Handbrause erneut Maßstäbe: Erstmals konnten Nutzer zwischen verschiedenen Strahlarten wechseln. In den 1990er-Jahren erweiterte Hansgrohe den Blick auf Design und Architektur – unter anderem mit der Gründung der Designmarke „AXOR“ (1993), die das Bad als ganzheitlichen Gestaltungsraum etablierte. Einen weiteren prägenden Akzent setzte 2003 die „Raindance“-Kopfbrause, die großflächigen Duschkomfort neu definierte und weltweit zum Referenzprodukt wurde.

 

Welche Rolle spielte die Innovationskraft historisch für die Entwicklung des Unternehmens Hansgrohe?

Innovationskraft war von Anfang an ein zentraler Treiber der Unternehmensentwicklung. Hansgrohe erkannte früh gesellschaftliche Trends wie das private Badezimmer und entwickelte dafür serienreife, komfortorientierte Lösungen. Produktinnovationen entstanden stets marktnah und adressierten neue Nutzungsgewohnheiten – von verbesserter Hygiene über höheren Komfort bis zur industriellen Skalierbarkeit. Diese konsequente, praxisorientierte Innovationshaltung legte die Basis für nachhaltiges Wachstum und langfristige Partnerschaften mit Handwerk, Handel und Planungsbüros.

 

Seit wann ist das Thema Nachhaltigkeit bei Hansgrohe
verankert und wie wird es technologisch übersetzt?

Nachhaltigkeit ist bei uns kein neues Thema, sondern seit Jahrzehnten fest in der Produktentwicklung verankert. Schon früh lag der Fokus auf langlebigen, reparierbaren Produkten und einem effizienten Umgang mit Wasser und Energie. Entscheidend ist dabei der Ansatz „weniger Ressourcen bei gleichem Komfort“ – ein zentraler Mehrwert für Handel, Handwerk und Endkunden. Heute ist Nachhaltigkeit integraler Bestandteil aller Entwicklungsprozesse und ein wesentliches Kriterium für langfristige Markt- und Zukunftsfähigkeit.

 

Welche konkreten Entwicklungen zeigen, wie sich Nachhaltigkeit und Komfort verbinden lassen?

Diese Verbindung zeigt sich bei Hansgrohe besonders deutlich in der Weiterentwicklung von Strahlarten, Armaturentechnologien und Wassersparlösungen. Ein Beispiel sind innovative Brausestrahlen wie „PowderRain“: Durch mikrofeine Wassertropfen wird ein intensives, gleichmäßiges Duscherlebnis ermöglicht – bei gleichzeitig reduziertem Wasserverbrauch. Auch bei Armaturen wird Effizienz direkt mit Benutzerkomfort kombiniert. Technologien wie „EcoSmart“ senken den Wasserverbrauch signifikant, ohne dass Nutzer Einschränkungen spüren. „CoolStart“ reduziert den Energiebedarf, indem Warmwasser erst dann fließt, wenn es aktiv benötigt wird. Ergänzend dazu sorgen intuitive Bedienkonzepte wie „Select“ für einfache, sichere Nutzung und unterstützen einen bewussteren Umgang mit Wasser im Alltag.

 

Wie profitieren SHK-Profis von diesen technologischen Weiterentwicklungen?

Durch vereinfachte Installation, höhere Planungssicherheit und bessere Argumente in der Beratung. Montagefreundliche Systemlösungen, standardisierte Anschlüsse und durchdachte Baugruppen reduzieren den Installationsaufwand und sparen Zeit auf der Baustelle. Bei der Auslegung unterstützen klar definierte Durchflusswerte, wassersparende Technologien sowie systemkompatible Produktfamilien eine sichere Planung – insbesondere bei Sanierungen und im Objektgeschäft. In der Kundenberatung erleichtern intuitive Bedienkonzepte und sichtbarer Komfortgewinn, etwa durch moderne Strahlarten oder einfache Steuerung, die Erklärung effizienter Technologien.
Nachhaltigkeit wird damit verständlich, erlebbar und verkaufsrelevant.

 

Welche Rolle spielt Design in der Produktentwicklung?

Design ist heute ein integraler Bestandteil der Produktentwicklung und kein nachgelagerter Schritt. Innerhalb beider Marken entstehen Produkte aus dem Zusammenspiel von Funktion, Technik und Gestaltung – gestaltet wird also, was technisch sinnvoll und nutzerorientiert ist. In diesem Sinne gilt nicht „Form follows Function“ oder umgekehrt, sondern ein bewusstes Miteinander von Form und Funktion. Gestaltung übernimmt dabei mehrere Aufgaben: Sie macht technologische Innovationen intuitiv verständlich, unterstützt Ergonomie und Bedienbarkeit und sorgt für eine klare gestalterische Einordnung im Raum.

 

Welche Designtrends beobachten Sie aktuell im deutschen Badmarkt und was bedeutet das für SHK-Profis?

Wir beobachten eine klare Fokussierung auf Reduktion, zeitlose Gestaltung und architektonische Klarheit. Gefragt sind ruhige Formen, klare Linien, matte Oberflächen sowie harmonisch integrierte Produkte, die sich zurücknehmend in den Raum einfügen. Armaturen und Brausen werden zunehmend als Teil eines ganzheitlichen Raumkonzepts verstanden – nicht als Einzelobjekte. Parallel gewinnt die Individualisierung an Bedeutung: Unterschiedliche Oberflächen, Farben und modulare Systeme ermöglichen passgenaue Lösungen für private und projektbezogene Anwendungen. Auch unterputzbasierte Installationen sowie minimalistische Bedienelemente prägen das Bild moderner Bäder. Für SHK‑Profis bedeutet das höhere Anforderungen an Planungstiefe, Abstimmung mit Architektur und Vorwandtechnik sowie präzise Ausführung. Gleichzeitig erleichtern durchdachte Systemlösungen und klar strukturierte Produktfamilien die Umsetzung komplexer Designs.

 

Wie sieht das Hansgrohe-Bad der Zukunft aus?

Wir arbeiten an drei zentralen Feldern: Ressourcen-
effizienz, Nutzererlebnis und Systemintegration. Ein Schwerpunkt liegt auf neuen Technologien, die Wasser- und Energieeinsparung ohne Komfortverluste weiter verbessern. Parallel rücken Materialinnovationen in den Fokus. Ziel sind langlebige, recyclingfähige Materialien sowie Oberflächen, die sowohl ästhetisch als auch besonders robust und pflegeleicht sind. Auch die Nutzungskonzepte entwickeln sich weiter: Das Bad wird zunehmend als ganzheitlicher Lebens-
raum gedacht, der sich flexibel an unterschiedliche Bedürfnisse und Lebensphasen anpassen lässt. Modulare
Systeme, intuitive Bedienlogiken und digitale Services
unterstützen Planer und Fachhandwerker dabei, individuelle, zukunftsfähige Lösungen umzusetzen.

Das Interview führte Manja Dietz / Redaktion SHK Profi
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