Balanceakt zwischen zwei Generationen
SHK Profi nah dran: Nachfolge ist kein Machtwechsel
Als „Handwerker von Morgen“ unterstützen Nicole Pethke und Christian Graßmann mit ihrer Ocean Akademie SHK-Handwerker darin, ihre Betriebsprozesse zu optimieren. Sie teilen ihre dabei gewonnenen Erfahrungen regelmäßig mit den Leserinnen und Lesern von SHK-Profi. Diesmal geht es um das Thema Betriebsnachfolge.
Wenn wir mit Handwerksunternehmern über Nachfolge sprechen, hören wir auf beiden Seiten ähnliche Gedanken – nur aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Die eine Generation sagt:
„Ich habe den Betrieb aufgebaut. Ich kenne jeden Fitting, jeden Kunden, jede Krise. Wie soll das ohne mich funktionieren? Das ist mein Lebenswerk.“
Die andere Generation denkt:
„Ich will Verantwortung übernehmen, das Schiff attraktiv machen. Aber wie soll ich etwas verändern, wenn mich keiner lässt und meine Ideen gegen die Wand laufen?“
Beide meinen es ernst. Und beide stehen unter Druck.
Wir erleben bei „Handwerker von morgen“ immer wieder Nachfolgen, bei denen es fachlich eigentlich passt. Die Zahlen stimmen. Die Auftragslage ist gut. Die nächste Generation ist motiviert – egal ob Familie, aus den eigenen Reihen oder von außen. Und trotz der Motivation wird es zäh.
Unsere Autoren Nicole Pethke und Christian Graßmann (Mitte) sprechen offen über den Generationenkonflikt bei der Nachfolgeregelung in SHK-Betrieben.
Bild: Ocean Akademie
Ein erlebtes Beispiel:
Zwei Geschwister steigen in den elterlichen Betrieb ein – die Schwester übernimmt den betriebswirtschaftlichen Teil, der Bruder den technischen. Sie bringen Ideen mit, neue Sichtweisen, manchmal auch den Mut, Dinge neu zu denken und anders zu machen. Doch jedes Mal oder zumindest immer wieder kommt Gegenwind: „Das ist zu riskant“, „Das wollen die Kunden nicht“, „Dann kaufen sie woanders“ oder „Das haben wir alles schon mal probiert“. Was aus Sicht der Eltern bzw. erfahrenen Unternehmer Schutz ist, fühlt sich für die Junioren wie eine Vollbremsung an. Irgendwann werden aus Ideen vorsichtige Vorschläge, aus Vorschlägen Schweigen. Nicht, weil es keine Ideen mehr gibt – sondern, weil es keinen Sinn mehr macht, sie auszusprechen. Die Motivation schwindet.
Gleichzeitig sehen wir die andere Seite sehr klar: Da ist ein Seniorchef, der jahrzehntelang für seinen Betrieb gelebt hat. Die Firma war nicht nur Arbeit, sondern Identität. Freizeit? Gab es kaum. Hobbys? Irgendwann vergessen. Wenn dieser Mensch loslassen soll, geht es nicht nur um Verantwortung – sondern um die Frage: „Wer bin ich eigentlich ohne den Betrieb?“. Kein Wunder, dass Festhalten leichter ist als Abgeben.
Und dann gibt es Konstellationen, in denen alte Rollen mitwandern. Drei Geschwister übernehmen gemeinsam. Der Jüngere ist offiziell Geschäftsführer – aber die ältere Schwester bleibt in der Mutterrolle, weil sie diese schon früher hatte. Nicht aus bösem Willen, sondern aus Gewohnheit. Manchmal finden wir uns plötzlich in einem Familien-Coaching wieder, weil es jetzt gerade gebraucht wird. Manchmal ist es wichtiger das zu klären, als strikt im Business zu bleiben. Die Konflikte entstehen nicht, weil jemand unfähig ist, sondern weil niemand gelernt hat, Rollen wirklich zu wechseln zwischen privat und Business.
Was wir dabei immer wieder beobachten:
Nachfolge scheitert nicht nur an fehlendem Wissen. Sie scheitert an unausgesprochenen Erwartungen, an Rücksicht, an Loyalität – und manchmal auch daran, dass die nächste Generation den Eltern nicht die Stirn bieten kann, obwohl es genau das bräuchte.
Und nun?
Was auch klar ist – und das sagen wir aus voller Überzeugung als Handwerker und Begleiter:
Manche Veränderungen sind notwendig, um einen Betrieb attraktiv zu halten bzw. zu machen. Attraktiv für Mitarbeiter, für Kunden und für mögliche Nachfolger – egal ob aus der Familie oder von außen. Das bedeutet nicht, alles Alte schlecht zu reden oder grundsätzlich alles neu zu machen – im Gegenteil. Es bedeutet, die Tradition, das hart erarbeitete Fundament zu respektieren und trotzdem den Mut zu haben, zu verändern, sich neu zu definieren.
Nachfolge ist deshalb kein Machtwechsel, sie ist ein Balanceakt zwischen Vertrauen und Loslassen, zwischen Respekt und Klarheit, zwischen Traditionen bewahren und verändern. Und sie funktioniert nur dann, wenn beide Generationen sich darauf einlassen und vom Anderen gesehen werden: Die eine, die Angst hat, loszulassen – und die andere, die Verantwortung übernehmen will – aber den Raum dafür braucht.
Nachfolge beginnt nicht mit Verträgen – sie beginnt mit dem ehrlichen Blick aufeinander. Genau das begleiten wir im Mentoring-Programm – bis es funktioniert.
