„Ich hab’s doch schon gesagt!“
Warum viele Mitarbeitergespräche im Handwerk keine Wirkung haben
„Nett geredet ist noch nicht geführt“, davon sind Nicole Pethke und Christian Graßmann überzeugt. Als „Handwerker von Morgen“ unterstützen sie mit ihrer Ocean Akademie SHK-Handwerkerkollegen darin, ihre Betriebsprozesse zu optimieren. Sie teilen ihre dabei gewonnenen Erfahrungen regelmäßig mit den Leserinnen und Lesern von SHK Profi. Diesmal geht es um die richtige Kommunikation.
Uns begegnen immer wieder SHK-Unternehmer, die sagen: „Ich hab ihm das doch schon tausendmal gesagt.“
Und ganz ehrlich: Das glauben wir ihnen sofort. Denn natürlich gibt es die Fälle, in denen ein Gespräch immer wieder verschoben wird … weil keine Zeit ist, weil der Mitarbeiter gerade nicht da ist, weil am nächsten Tag schon wieder etwas anderes brennt –
oder weil dieser Gedanke im Hinterkopf sitzt: „Wenn ich jetzt Klartext rede, dann ist er morgen krank oder geht am Ende noch.“
Das gibt es, keine Frage. Noch häufiger erleben wir aber etwas anderes: Der Unternehmer ist überzeugt, dass das Gespräch längst stattgefunden hat: Nicht einmal, nicht zweimal, sondern gefühlt in Dauerschleife.
Er hat es gesagt.
Er hat es angesprochen.
Er hat es erklärt.
Er hat es angemahnt.
Und trotzdem ändert sich – nichts.
Genau an dieser Stelle liegt ein Missverständnis vor, das uns in der Zusammenarbeit mit SHK-Unternehmern immer wieder begegnet: Viele setzen „Ich habe es gesagt“ mit „Wir haben das vereinbart“ gleich. Das ist jedoch nicht dasselbe.
Gesagt ist noch nicht geklärt
Nur weil etwas mitgeteilt wurde, heißt das noch lange nicht, dass es beim anderen auch so angekommen ist, wie es gemeint war. Und nur weil der Mitarbeiter auf die Frage „Hast Du verstanden?“ mit „Ja“ antwortet, heißt das noch lange nicht, dass wirklich Klarheit entstanden ist. Was soll er auch sonst sagen? „Nee, Chef, ehrlicherweise hab ich gerade nur die Hälfte mitbekommen, weil ich noch beim Kunden von eben hänge und gleichzeitig hoffe, dass Du jetzt fertig bist“? Eben.
Gerade im Handwerk laufen viele Dinge schnell, direkt und zwischen Tür und Angel. Da wird morgens etwas gesagt, auf dem Hof hinterhergerufen, auf der Baustelle noch angemerkt und abends im Büro ein bisschen genervt nachgeschoben. Das fühlt sich für den Chef oft so an, als wäre das Thema längst ausführlich besprochen worden. Aus Sicht des Mitarbeiters war es oft eher ein Hinweis mit erhöhter Lautstärke.
Das Problem ist nicht das Reden –
sondern die fehlende Wirkung
Viele Unternehmer senden viel. Aber sie prüfen zu wenig, was tatsächlich angekommen ist.
Dann wird etwas erklärt, der Mitarbeiter nickt, der Chef geht davon aus, dass jetzt alles klar ist – und wenn es dann wieder nicht funktioniert, beginnt die nächste Runde.
Beim zweiten Mal klingt es schärfer.
Beim dritten Mal genervter.
Beim fünften Mal wird innerlich schon das Kündigungsgespräch geprobt.
Dabei fehlt oft etwas ganz anderes: Verbindlichkeit fehlt. Konsequenz fehlt. Das Dranbleiben fehlt.
Denn ein Mitarbeitergespräch wird nicht dadurch wirksam, dass etwas gesagt wurde. Es wird wirksam, wenn am Ende klar ist, was genau das Problem war, was künftig anders laufen soll – und dass beide dasselbe darunter verstehen.
Zwischen Ansage und Vereinbarung liegt Führung
Viele Chefs meinen mit Gespräch in Wahrheit eine Ansage. Das ist auch verständlich. Im Alltag ist wenig Zeit, es klingelt irgendwo, auf der Baustelle läuft etwas schief, im Büro fehlt wieder irgendeine Info und eigentlich wollte man gerade etwas ganz anderes machen. Dann wird eben schnell gesagt, was Sache ist. Aber Führung beginnt nicht da, wo ich etwas sage. Führung beginnt da, wo ich sicherstelle, dass daraus echte Klarheit entsteht.
Nicht über die Frage:
„Hast Du verstanden?“
Sondern eher über Fragen wie:
„Was genau hast Du verstanden?“
„Was machst Du ab jetzt anders?“
„Was haben wir jetzt konkret vereinbart?“
Das dauert manchmal zwei Minuten länger. Spart aber oft zwei Wochen Ärger.
Der eine denkt: „Wie oft soll ich das noch sagen?“
Der andere denkt: „Hab ich doch so gemacht.“
Und genau da kracht es im Alltag.
Der Chef ist innerlich schon genervt, weil er wirklich das Gefühl hat, alles mehrfach angesprochen zu haben. Der Mitarbeiter wiederum ist oft überzeugt, dass er es doch genau so gemacht hat, wie er es verstanden hat. Beide meinen es nicht unbedingt böse. Beide erleben dieselbe Situation völlig unterschiedlich. Und beide sind überzeugt, der jeweils andere müsste es doch längst kapiert haben. Das eigentliche Problem liegt dann oft gar nicht im Wollen, sondern in der fehlenden gemeinsamen
Klarheit.
Nett reicht nicht. Laut aber auch nicht.
Was wir ebenfalls oft sehen: Viele pendeln in Mitarbeitergesprächen zwischen zwei Extremen. Die einen reden so weich, dass am Ende keiner mehr genau weiß, worum es eigentlich ging. Da wird vorsichtig eingeleitet, relativiert, nett verpackt und am Ende klingt selbst ein ernstes Thema wie ein Verbesserungsvorschlag bei leichter Bewölkung. Die anderen gehen so hart rein, dass der Mitarbeiter innerlich sofort dichtmacht.
Dann ist die Botschaft zwar deutlich, aber das Gespräch vorbei, bevor es richtig angefangen hat. Beides hilft nicht. Denn gute Führung ist weder Kuschelmodus noch Kasernenhof. Sie ist klar in der Sache, sauber im Ton und eindeutig in der Erwartung.
Mitarbeitergespräche sind kein Resteeimer
Ein weiterer Klassiker: Das Gespräch kommt erst dann, wenn schon viel zu viel aufgelaufen ist. Dann werden nicht ein oder zwei konkrete Situationen besprochen, sondern gefühlt die letzten sechs Wochen einmal komplett ausgeschüttet. Zu spät gekommen. Kunden nicht zurückgerufen. Auto nicht sauber. Rückmeldung vergessen. Azubi nicht ordentlich eingebunden. Stimmung im Team auch schwierig. Und überhaupt.
Das Problem dabei: Je mehr Themen gleichzeitig auf dem Tisch liegen, desto geringer ist am Ende die Wirkung.
Ein gutes Gespräch braucht Fokus.
Ein Thema.
Ein klarer Punkt.
Sonst gehst Du mit einem vollen Kopf rein – und mit noch mehr Unklarheit wieder raus.
Ein gutes Gespräch endet nicht mit
„Dann achte mal drauf“
Auch das kennen viele. Das Gespräch läuft eigentlich ordentlich, beide bleiben ruhig, man trennt sich vernünftig – und zwei
Wochen später ist alles wieder wie vorher. Warum? Weil das
Gespräch zwar stattgefunden hat, aber keine echte Verbindlichkeit erzeugt hat. Dann endet das Ganze irgendwo bei:
„Ja, okay.“
„Mach ich.“
„Dann achte ich mal drauf.“
Klingt friedlich. Ist aber oft zu wenig.
Ein Gespräch wird erst dann wirksam, wenn am Ende klar ist, was jetzt konkret gilt. Nicht übertrieben bürokratisch. Aber so klar, dass beide wissen, was vereinbart wurde.
Und dann braucht es genau das, was im Alltag oft fehlt: dran bleiben.
Was den Unterschied macht
Ein gutes Mitarbeitergespräch ist nicht laut.
Nicht weichgespült.
Und auch kein Führungstheater.
Es ist ehrlich, konkret und klar.
Es trennt zwischen „Ich habe etwas gesagt“ und „Wir haben
etwas vereinbart“.
Es prüft, was wirklich angekommen ist.
Und es sorgt dafür, dass Verbindlichkeit nicht im Gespräch
endet, sondern im Alltag sichtbar wird.
Genau dann wird aus Reden Führung.
Autoren: Nicole Pethke & Christian Graßmann,Ocean Akademie, Idstein
Persönliche Hilfe nötig?
Wer den Eindruck hat, dass ihn dieses Thema gerade betrifft, wird von den
„Handwerkern von Morgen“ kostenlos zu zwei Formaten eingeladen, die hier unterstützen können:
Klarheitsgespräch
Ein persönliches Gespräch auf Augenhöhe, um miteinander zu sortieren: Wo stehst Du gerade? Was entlastet wirklich? Und was kannst Du Dir sparen?
Einfach eine Mail mit dem Betreff „Klarheit“ an post@handwerker-von-morgen.de senden – Nicole Pethke und
Christian Graßmann melden sich.
Chef-Zeit am Dienstag
Jeden Dienstag ein fester Termin für Handwerkschefs mit klarem Praxisbezug statt nettem Geplauder. Die Themen kommen direkt aus der Gruppe: Was drückt gerade, wo wird Input gebraucht, was soll konkret besprochen werden? Genau daran orientieren sich die Inhalte. Dazu gibt es Austausch mit anderen Handwerkschefs, alle wichtigen Infos per Mail und immer wieder auch Sonderkonditionen für Workshops und andere Formate.
Anmeldung: www.handwerker-von-morgen.de/handwerkerfruehstueck/
