SHK-Handwerk hat großen Nachwuchsbedarf

Aktuelle Zahlen belegen anhaltenden Bildungsirrtum

Was ist los mit den künftigen „Machern der Wärmewende“? Warum gibt es so wenig Nachwuchs im SHK-Handwerk? An der Zukunftsfähigkeit, abwechslungsreichen Arbeiten oder guten Karrierechancen kann es eigentlich nicht liegen. Aber woran dann? Unser Autor Dieter Last, Handwerksmeister, Fachjournalist und Mitglied im Arbeitskreis Baufachpresse e. V. ist für SHK Profi auf Spurensuche gegangen.

Im Wintersemester 2025/26 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt 2,87 Mio. Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Das entspricht einem leichten Anstieg von 0,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dem gegenüber sieht es im Handwerk vergleichsweise bescheiden aus. Hier waren 2025 nach Angaben des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) 346.388 Auszubildende beschäftigt; was einem Zuwachs von 1,3 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zudem wurden 2025 103.638 Neuverträge abgeschlossen (nach 101.846 in 2024). Um dem Fachkräftemangel im Handwerk wirkungsvoll zu begegnen, reicht dies jedoch bei weitem nicht aus. Der sogenannte Bildungsirrtum manifestiert sich damit zusehends. Schließlich gibt es etwa 8-mal so viel Studierende wie Auszubildende im deutschen Handwerk.

Besonders prekär stellt sich die Mangellage in der Nachwuchsfindung beim SHK-Handwerk dar. Insgesamt 40.770 Auszubildende streben seit dem Jahr 2025 den Abschluss als Anlagenmechaniker SHK an. Nach insgesamt 40.454 SHK-Azubis in 2024 sind das etwa 0,8 % mehr als im Vorjahr. Das ist im Trend zwar positiv, aber es ist auch noch reichlich „Luft nach oben“. Immerhin konnten die Kollegen aus dem berufsverwandten E-Handwerk im vergleichbaren Zeitraum die Anzahl ihrer Auszubildenden (Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik) um 1,8 % auf 41.339 erhöhen. Noch besser sieht es im Schornsteinfegerhandwerk mit 7,4 % mehr Lehrlimngen 2025 aus. Auch Zimmerleute (+ 2,8 %) und Dachdecker (+ 4 %) stehen aktuell wesentlich besser da als das SHK-Fachhandwerk. 

Birgit Jünger verantwortet im Zentralverband Sanitär, Heizung und Klima (ZVSHK) das Referat Marketing. Sie hat u. a. die Kampagne „Zeit zu starten“ mit initiiert. „Mit der bundeseinheitlichen Nachwuchswerbung legen wir die kommunikative Basis, auf der SHK-Innungsbetriebe bei ihrem Recruiting aufbauen können. Im Idealfall haben junge Menschen schon mal etwas von den vier Berufen gehört und der SHK-Unternehmer kann daran anknüpfen. So packen wir die Fachkräftesicherung gemeinsam an,“ sagt sie. Koordiniert wird die Kampagne vom ZVSHK, während die Landesverbände sie mit regionalen Maßnahmen, Kooperationen und gemeinsamen Kommunikationsanlässen mitgestalten. Auch Innungen und SHK-Betrieben
bietet sie Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen – von Social Media bis zu lokalen Veranstaltungen. Neu hinzu kommt die Kampagne „#echtSHK“.

Zu wenig Frauenpower

Vor diesem Hintergrund ist es kaum nachvollziehbar, dass sich das SHK-Handwerk mit der Rekrutierung von weiblichen Auszubildenden so schwertut. Nur 953 der insgesamt 40.770 Ausbildungsverhältnisse wurden bis Ende 2025 mit Frauen besetzt. Ein Anteil von gerade mal 2,3 %. Nochmal zum Vergleich: Nicht nur das Schornsteinfeger-Handwerk kann mit etwa 17 % (361 von 2.101 Azubis) einen wesentlich höheren Frauenanteil in der Berufsausbildung aufweisen; auch Dachdecker (4,7 %) und
Zimmerer (6,9 %) stehen hier deutlich besser dar.

Frauen sind in technischen Berufen keine Ausnahme mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wer den Fachkräftebedarf in der heutigen Zeit decken will, muss Geschlechterklischees in der Berufswahl endlich hinter sich lassen. Hinzu kommt die Tatsache, dass angesichts der technischen Entwicklungen im SHK-Handwerk zukünftig mehr Kopfarbeit als Muskelkraft gefragt sein wird. Innovative Smart-Home-Technologie und klimaschonende Heizkonzepte wollen schließlich verstanden, bedient, gemessen sowie erläutert werden. Moderne Hebehilfen und Exoskelette machen es zudem möglich, auch schwere Wärmeerzeuger rückenschonend zu bewegen.

Darüber hinaus geht es nicht immer nur um Technik, sondern auch um den guten Geschmack. In diesem Zusammenhang gilt es die weibliche Kompetenz in Sachen Stil und Designberatung zu nutzen – ein Aspekt, der speziell im Sanitärbereich beachtet werden sollte. Anspruchsvolle Bäder entstehen schließlich durch das Arrangement funktionaler Ablagen, schöner Armaturen sowie stimmungsvollen Lichtkonzepten in Kombination mit pflegeleichten Oberflächen. Zudem sind es häufig Frauen, die hier entscheiden und damit letztlich das Budget verantworten. Sie akzeptieren die weibliche Kompetenz gern.

Umdenken ist angesagt

Unabhängig vom angestrebten Schulabschluss müssen junge Menschen gleichwertig über akademische und berufliche Bildung informiert werden, damit die Berufsorientierung den Interessen und Talenten wirklich gerecht wird. Nur wenn für Jugendliche greifbar wird, dass sie ihre Karriere auf dem beruflichen Bildungspfad genauso selbstbestimmt, frei und individuell gestalten können wie mit einem Studium, werden sie sich auch für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden. Diese Gleichwertigkeit muss für junge Menschen aber auch nach der Entscheidung für eine Ausbildung spürbar bleiben.

Genauso wie Studierende brauchen auch Auszubildende bezahlbare Wohnraumangebote. Wichtige Programme wie „Junges Wohnen“ müssen daher die Ausbildungsförderung noch deutlich besser einschließen. Vor allem Länder und Kommunen sind gefordert, Auszubildende stärker in den Blick zu nehmen und zusätzliche Angebote für das Azubi-Wohnen zu schaffen. Darüber hinaus muss es auch eine Gleichbehandlung im ÖPNV geben. Während Studierende häufig ein verbilligtes Semesterticket nutzen können, müssen derzeit Auszubildende ihre Reisen zur Berufsschule oder der überbetrieblichen Ausbildungsstätte komplett ohne Vergünstigung selbst finanzieren. 

Vielleicht müssen sich auch die Verantwortlichen in den Verbänden und Innungen verstärkt fragen, ob sie jungen Menschen ausreichend attraktive Bildungswege aufzeigen. Gibt es genügend spannende Studienangebote im Handwerk? Oder lassen wir diesen Bereich hauptsächlich von universitären Strukturen prägen, die mit der praktischen Umsetzung nur wenig Berührung haben? Seit vielen Jahren gibt es positive Beispiele dafür, den Zugang zwischen Handwerk und Studium zu verbessern – und zwar in beide Richtungen. Ein Modell ist der duale Bachelorstudiengang Energie- und Gebäudetechnik an der TH Köln. Dieses Studium kombiniert ein Hochschulstudium mit einer Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK.

Fazit

Um den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu sichern, ist es essenziell, die handwerklichen Ausbildungszahlen mittel- bis langfristig zu steigern. Die vorliegenden Daten zeigen, dass das Handwerk trotz anhaltender Herausforderungen – insbesondere bei unbesetzten Ausbildungsplätzen – mit einem Plus von 1,8 % eine stabile Entwicklung bei den Neuverträgen verzeichnet. Die leichte Zunahme des Frauenanteils und die konstanten Ausbildungszahlen sind in diesem Zusammenhang sicherlich positive Signale. Dennoch ist es wichtig, weitere Maßnahmen zur Fachkräftesicherung zu ergreifen.

Autor: Dieter Last, Handwerksmeister, Fachjournalist und
Mitglied im Arbeitskreis Baufachpresse e. V., Lemförde

Neue Kampagne: „#echtSHK“

Diese Kampagne ergänzt den bestehenden Auftritt von „Zeit zu starten“, vertieft die Ansprache junger Menschen entlang ihrer Berufsorientierung und verstärkt die Sichtbarkeit von SHK-Betrieben als attraktive Ausbildungsorte. Sie verbindet die bestehenden Initiativen – von der mobilen Info- und Montagewand für SHK-Betriebe zum Einsatz bei Berufsorientierungsmessen über die Lehreransprache mit „Handwerk macht Schule“ bis hin zur Website www.zeitzustarten.de
und den Social-Media-Kanälen – zu einer schlüssigen Gesamtkommunikation. Es werden
eigene Landingpages, Social Media, Influencer-Collabs, Events und weitere Maßnahmen
genutzt, um gezielt junge Menschen zu erreichen. Auch Eltern, Lehrkräfte und Betriebe werden eingebunden. Weitere Infos für Betriebe auch unter: www.zvshk.de/themen/nachwuchs

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 07/2021

Für das SHK-Handwerk begeistern

Marketingstrategien entwickeln und umsetzen

Die Suche nach guten SHK-lern ist nicht immer leicht. Oftmals fehlen die gewünschten Qualifikationen oder es steht schlichtweg niemand zur Verfügung. Ähnlich sieht es bei dem Nachwuchs aus....

mehr
Ausgabe 09/2012

Fachkräftemangel

Handwerksmeister beklagen den fehlenden Nachwuchs an qualifizierten Fachkräften. Diese sind jedoch notwendig für die Zukunftsfähigkeit eines Betrie­bes. Um diesen Missständen entgegenzuwirken,...

mehr

Schornsteinfeger- & Kälteanlagenbauerhandwerk unterschreiben Verbändevereinbarung

Am 27. März 2024 unterzeichneten Präsident Alexis Gula stellvertretend für den Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV, www.schornsteinfeger.de) und Heribert Baumeister,...

mehr

Frauen im SHK-Handwerk: Neues Netzwerk stärkt Zukunftschancen junger Fachkräfte

Das SHK-Handwerk gilt traditionell als männlich geprägt. Der Anteil an Frauen in der Branche ist auch heute noch unterdurchschnittlich. Obwohl Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk längst moderne...

mehr
Ausgabe 08/2025

„Schlüssel gegen Mangel an Fachkräften im Handwerk“

Standpunkt zur KI-Assistenz im Büro

Der Fachkräftemangel im Handwerk ist längst kein Szenario mehr, das nur am Horizont droht – er ist Realität. Schon heute melden zahlreiche Betriebe, dass Aufträge liegen bleiben, weil schlichtweg...

mehr