Der Betrieb allein taugt nicht zur Altersvorsorge

Handwerker sollten ihre Rente im Blick haben

Handwerker bekommen vom Staat zu wenig Rente. Eine Studie des Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh) bestätigt, dass Handwerkern das nicht reicht, was sie über die gesetzliche Pflichtversicherung am Ende ihres Berufslebens bekommen. Experten raten deshalb dazu, privat vorzusorgen. Und das unabhängig vom eigenen Betrieb.

Altersvorsorge geht uns alle an. „Als SHK-Fachmann mit eigenem Betrieb haben Sie vom Staat im Alter nichts zu erwarten. Jedenfalls, wenn Sie nicht freiwillig eingezahlt haben“, konstatiert Dieter Homburg. Der Autor des Buchs „Altersvorsorge für Dummies“ glaubt aber, dass das letztlich sogar ein Vorteil werden kann. Schließlich müssen auch Angestellte ziemlich alt werden, damit sie ihre Rentenkassenbeiträge am Ende wieder heraushaben. „Als Unternehmer haben Sie den Vorteil, dass Sie Ihre Altersvorsorge komplett eigenständig organisieren können“, argumentiert der Finanzfachmann. Rentabel angelegt, kann sich so jeder Cent lohnen.

Risikoabsicherung als Basis

Beginnen sollten Selbständige zunächst mit der Risikoabsicherung. „Das ist sozusagen das Fundament, auf dem Ihr Altersvorsorge-Haus steht“, vergleicht Homburg. Denn die staatliche Berufsunfähigkeit greift beim selbständigen Handwerker ebenfalls nicht. Überhaupt seien kleinere Selbständige laut Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) zu schlecht für das Alter abgesichert. Der Sozialrat der Bundesregierung schätzt, dass im vergangenen Jahr „bis zu drei Millionen Selbständige ohne obligatorische Alterssicherung“ waren.

Experten empfehlen deshalb, in eine Versicherung zu investieren, die die Berufsunfähigkeit abdeckt und ein ausreichend hohes Krankentagegeld zahlt, wenn Installateure oder Heizungsbauer längerfristig krank oder sogar berufsunfähig sind. Wer gut vergleicht, kann solche Absicherungen oft schon für überschaubare Monatsbeiträge bekommen. Bestehende Verträge gehören von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand. Denn diese sind als Investition in sich selbst und die Familie zu sehen. „Meist sind die finanziellen Folgen eines Ernstfalls weitaus gravierender als der Konsumverzicht, um die Beiträge zu zahlen“, so der Autor mit dem Abschluss Masterconsultant in Finance. Verbraucherschützer raten zu einer Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits-, Risikolebens- und Krankenzusatzversicherung. Insgesamt belaufen sich hier die Beiträge auf 75 bis 150 € pro Monat, je nach Eintrittsalter und Risiko.

 

Altersvorsorge

Zweitens sollten Betriebsinhaber oder Ein-Mann-Unternehmer die Altersvorsorge zur Chefsache machen. „Schieben Sie das Thema nicht länger auf. Wenn Sie sich nicht um Ihre Absicherung kümmern, tut es kein anderer“, fordert Homburg. Auch, wenn der Betrieb (noch) nicht viel abwirft, sollten etwa 20 % des Einkommens dafür verwendet werden. Eine unabhängige Beratung, beispielsweise bei der Handwerkskammer, kann außerdem ein erster Ansatz sein, um sich einen Überblick zu verschaffen. Alles, was Sie für die Rentenvorsorge zurücklegen, sollte auf ein separates Konto fließen. „Am besten werfen Sie dann alle PINs, TANs und EC-Karten aus dem Fenster“, überspitzt es der Buchautor. Was Selbständige zurücklegen, sollte langfristig angespart werden und nicht auf dem Geschäftskonto liegen. Diese Rücklage sollte nicht als Notgroschen missbraucht werden, wenn die Firma mal in Schieflage gerät. „Es ist Ihr ganz privates Geld, das einmal Ihren Ruhestand sichert und ausdrücklich nicht das Geld der Firma.“ Auch der Betriebswirtschaftlicher Berater Stefan Maier von der Handwerkskammer Region Stuttgart glaubt, dass die Altersvorsorge vom Betrieb unabhängig organisiert sein sollte.

Staatliche Rente vs. selbst anlegen

Von der gesetzlichen Rentenversicherung rät Homburg Selbständigen meist ab. Mit der freiwilligen Einzahlung in den Staatstopf tun Unternehmer zwar der Gesellschaft etwas Gutes, längst aber nicht immer sich selbst. „Sie müssen in der Regel sehr alt werden, um die eingezahlten Beiträge ohne Zinsen zurückzubekommen“, so der Autor. Besser also selber anlegen. Bei guter Anlage konnte man auch in den letzten 20 Jahren dafür gute Zinsen erhalten. So haben langfristige ausgelegte Vermögensverwalter im Schnitt 6 bis 7 % Zinsen erwirtschaftet. Und das trotz aller Krisen. Wer schon einige Jahre in die staatliche Rente eingezahlt hat und nur noch die Pflichtjahre braucht, sollte diese auch vollmachen. Außerdem ist es besser beim Staat freiwillig einzuzahlen als gar nicht vorzusorgen. Generell raten beide Experten SHK-lern aber dazu, sich bei der Altersvorsorge auf mehrere Beine zu stellen.

 

Betriebe sind keine Vorsorge

Der Betrieb selbst ist keine Altersvorsorge. Denn auch wenn Handwerker Teilhaber bleiben, Verpachten oder den Laden verkaufen, muss nicht das herauskommen, was ein Selbständiger für ein gutes Leben im Ruhestand benötigt. „Wer einen gut laufenden, modernisierten Betrieb veräußert, kann auf diese Weise auf seine Kosten kommen“, weiß Maier. Sicher sei das aber nicht. Schließlich kämpfen heute viele Inhaber um die Nachfolge oder können, wenn es so weit ist, nur sehr günstig verkaufen. Verquickungen mit dem Privaten, beispielsweise bei Immobilienbesitz, der nach der Rente vom Betriebsvermögen ins Private übergehen soll, kosten außerdem Steuern und können den Wert des Betriebes mindern. „Das Polster für später sollte vom Betrieb unabhängig sein“, sagt Finanzberater Homburg.

 

Fazit

Leider ist es nach einmaligem Aufstellen nicht getan. „SHK-Profis sollten ihre Strategie nach jedem größeren Ereignis in ihrem Leben auf Tragfähigkeit prüfen. Kinder, Scheidung und Krankheit ändern die Bedürfnisse genauso wie neue Geschäftsfelder und gestiegene Mitarbeiterzahl“, so der Buchautor. „Haben Sie sich gut mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigt und sind solide abgesichert, sollten Sie unbedingt auf sich selbst achten. Damit Sie das Angesparte im Alter auch genießen können“, schließt Homburg.

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