Im Gespräch mit Designer Christian Werner

Der Kick der Masse

Badmöbel-Design

 Christian Werner gehört zu den erfolgreichsten Möbeldesignern der letzten Jahre und hat sich u.a. durch seine Kastenmöbelprogramme für ligne roset oder seine Sofa-Entwürfe für Rolf Benz einen Namen gemacht. Über das Möbeldesign hinaus ist der gebürtige Berliner auch als Innenarchitekt für die Gestaltung von Läden, Restaurants und Messestände tätig. Jetzt arbeitet er als erster lupenreiner Möbeldesigner mit dem Badhersteller Duravit zusammen.

? Herr Werner, woran liegt der besondere Reiz, sich einmal nicht um das Wohnzimmer zu kümmern, sondern um das Bad?


Noch vor einigen Jahren hat man so wenig Zeit wie möglich im Bad verbracht. Körperpflege wurde von vielen als notwendige Funktion angesehen, die man so schnell und so unbemerkt wie möglich hinter sich gebracht hat. Heute haben wir kein so verklemmtes Verhältnis mehr. Körperpflege ist in den genussvollen Fokus gerutscht und damit auch das Bad als Raum dafür. Es ist zu einem Sinnes- und Erholungsraum geworden, in dem wir gerne Zeit verbringen. Dementsprechend steigen auch die Ansprüche an diesen Raum. Zeit also, die Möbel mal so richtig ins Bad zu denken. Als Stilmittel haben hier Möbel eine enorme Bedeutung. Sie sind „Öffner“ in jeder Hinsicht.


? Hat die Auseinandersetzung mit dem Bad Ihr Verständnis von Design verändert?


Es hat mich insofern verändert, als es mich in meiner Auffassung von Design bestärkt hat. Das liegt daran, dass mein Selbstverständnis nicht das eines Künstlers ist. Kunst ist zweckfrei, Design dagegen dient einem Zweck – auch Schönheit ist übrigens ein Zweck. Als Designer ist man integraler Bestandteil einer ganzen Produktionskette; da gilt es dann auch Dinge mitzubeachten wie Materialgrenzen oder Fertigungstechniken. Das Positive bei der Arbeit für die Industrie ist ja, dass man sich nicht so im Vakuum befindet. Methodisch bekommt man von der Industrie gleichsam einen Windkanal, in den man sich als Designer hineindenkt. Das empfinde ich für meine Arbeit als positiv und spannend. Ich folge damit insgesamt mehr dem klassisch-akademischen Begriff von Design als Schnittstelle zwischen Kunden und Industrie.

 

? Und dennoch halten Sie an etwas Künstlerischem fest: Sie zeichnen immer noch alles per Hand?


Das ist richtig. Ich liebe es einfach, den Stift in der Hand zu halten und so lange zu feilen, bis es irgendwann im Bauch anfängt zu kribbeln. Daran merke ich, jetzt fügt sich auf einmal alles zusammen – etwas Neues entsteht. Das ist ein energetischer Vorgang und kein rational-planerischer. Im besten Fall ist dieses Design dann identitätsstiftend. Wir geben alltägliche Dinge an die Hand, die über reine Gebrauchsformen hinausgehen. Sie sollen Freude machen und helfen, Identifikationsformen zu finden, und das in relativ breitem Stil. Ich bin stolz darauf, immer wieder einen anspruchsvollen Designstil zu finden, der so gut ankommt, dass viele Menschen sagen: „Ja, damit kann ich mich identifizieren.“ Wir stehen als Designer nicht auf Bühnen, wir füllen keine Konzertsäle, sondern unser Applaus ist die Stückzahl. Ich nenne das manchmal auch den „Kick der Masse“. Die industrielle Vervielfältigung ist Bestandteil unseres Designs. Auch das neue Programm „Ketho“ trägt nicht nur der aktuellen Entwicklung des Bades Rechnung, sondern verfügt über eine hohe Allgemeingültigkeit.

 

? Funktioniert Allgemeingültigkeit auch weltweit?


Meiner Meinung nach gibt es heute sehr wohl durch die weltweit vernetzten Medien so etwas wie ein globales „agreement“ über das, was schön ist. Trotzdem schätzen wir es, wenn auch immer noch ein lokaler „Touch“ dabei ist. Interessanter als die globale Achse erscheint mir aber die temporäre Achse. Unsere Aufgabe als Designer ist es, Innovationen zu finden, die unsere Zeit interpretieren. Menschen Ausdrucksmöglichkeit ihrer Zeit zu geben, ist in meinen Augen ein wesentlicher Reiz unserer Arbeit. Das impliziert auch, dass man als Designer keine Angst haben sollte, konsumig zu sein.


? Wie lässt sich „konsumig“ mit „Design“ verbinden?


Es gibt viele Menschen, die Angst vor zu viel Design haben. Sie wollen letztendlich doch ein Stück Normalität, und das zu einem vernünftigen Preis. Das impliziert, dass man als Designer auch zurückrudern können muss. Wir brauchen Produkte, die nicht permanent „hallo hier“ schreien, damit diese Menschen sich damit identifizieren können. Der Verzicht auf extreme Formalismen und Ondulierungen fördert die Identifizierung mit dem Produkt. Irgendwann werden die Dinge dann aber auch zu einfach, irgendwann kann man nichts mehr wegnehmen, ohne in eine schnöde Ingenieursarbeit zu verfallen. Man bewegt sich als Designer dann in einem Spannungsfeld zwischen Banalität und Feinheit. Die Kunst ist also, Formen zwar einzudampfen, sie aber in ihrer Feinheit zu verdichten und so auf den Punkt bringen, dass sie wie „Ketho“ mit fein austarierten Proportionen und unaufdringlicher Schönheit bestechen – sich perfekt in die Gesamtharmonie eines Raumes einfügen.

 

? Wie lange kann man sich mit einem Produkt identifizieren?


Da das Bad über eine durchschnittliche Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren verfügt, ist hier die Haltbarkeit der formalen Aussage noch sehr viel bedeutsamer als in den anderen Räumen. Ein Sofa können sie vergleichweise einfach austauschen. Wenn sich das Auge aber an einer Badeinrichtung abgenutzt hat, ist das nicht so schnell erledigt. Der Aufwand ist sehr viel größer. Das führt bei der Badeinrichtung zu einem ganz anderen Grad von Vordergründigkeit. Das Sicherheitsbedürfnis ist enorm. Deshalb war für mich die Halbwertszeit der Formen bei „Ketho“ ein ganz entscheidender Faktor.  

 

? Und wie sieht das mit der Halbwertszeit bei Schuhen aus? Sie haben jüngst die Modehäuser mit einem sexy-sinnlichen Design für „ZOE“-Plateau-Schuhe begeistert?

Für einen Designer, der sich im Feld von Möbeln einen Namen gemacht hat, ist ein Ausflug in die „fashion“ natürlich eine aufregende Geschichte, die allerdings eher zufällig beim Einkaufen in einem Amsterdamer Schuhgeschäft entstanden ist. Letztendlich ist diese Geschichte aber ein Plädoyer für das geworden, was meine Leidenschaft ist: Mit offenen Augen durch das Leben zu gehen und Alltagshelfer zu gestalten. Design ist damit eine Frage der Haltung!

 

Das „Ketho“-Badmöbelprogramm

Bei „Ketho“ von Duravit (www.duravit.de) handelt es sich um ein komplettes Möbelprogramm mit 44 kompakten Elementen. Charakteristik des Programms sind klare rechtwinklige Formen, die durch einen filigranen Rahmen von nur 1,6 cm eine besondere Feinheit gewinnen. Dank einer speziellen Aluminium-Aussteifung gelingen die Rahmen sogar bis zu einer Breite von 140 cm. Zweites Charakteristikum des Programms ist eine quer durchlaufende Griffleiste aus Aluminium, die die Fronten gliedert und die Elemente schlanker und eleganter werden lässt. Zwischen den Hölzern eingelassen, ermöglichen sie zugleich ergonomisches Öffnen: Der Badbenutzer kann bequem von oben oder unten greifen. Bei den Hochschränken verläuft die Leiste entsprechend senkrecht. Unterschiedliche Dekore sind möglich: Weiß, Basalt und Graphit sorgen für zarte Optik; einen kräftigen Farbakzent setzt dagegen Granatrot.

Im Detail reicht das Programm vom kleinen Wandboard über Rollcontainer bis zu praktischen Hoch- und Unterschränken. Eine besondere Vielfalt legen die Waschtischunterbauten an den Tag: Für die Kombination mit den Möbelwaschtischen „Starck 3“ stehen fünf verschiedene Unterbauten in Breiten zwischen 40 und 120 cm zur Verfügung. Weitere zwei Varianten, 80 und 100 cm breit, hält das Programm für die Möbelwaschtische „D-Code“ bereit. Sind Aufsatz- und Einbaubecken gewünscht, kommt ein neuer Möbeltyp zum „Tragen“: Unterbauten mit komplett integrierter Konsole. In dieser Doppelfunktion bilden sie die Plattform für die Gestaltung individueller Waschplätze mit Waschschalen, Aufsatzbecken oder Einbauwaschtischen. Komplett wird das Möbelprogramm schließlich durch Spiegel und Spiegelschränke in passenden Breiten.

Alle Möbel verfügen über einen Melaminharzschutz und sind an den Kanten wasserfest verleimt. Dank Soft-close-Funktion mit Silikondämpfern schließen die Türen stets sanft. Die beleuchteten Spiegel- und Spiegelschränke sind nach IP 44 geprüft und zertifiziert, d.h. sie sind spritzwassergeschützt und können näher an Badewanne und Dusche montiert werden. Per Infrarot-Sensor werden sie bedient. Eine integrierte Wechselschaltung macht auch die Bedienung durch andere Schalter möglich.


Maße & Größen:


Unterbauten für Möbelwaschtische "Starck 3"
Breiten: 44/65/80/100 cm; Höhe: 41 cm; Tiefe: 46,5 cm
Breiten: 65/80/100 cm; Höhe 48 cm; Tiefe 46,5 cm
 
Unterbauten für Möbelwaschtische D-Code
Breiten: 80/100cm; Höhen: 41/48 cm; Tiefe: 45,5 cm
 
Waschtischunterbauten mit integrierter Konsole (Aufsatzbecken)
Breiten: 80/100/120/140 cm; Höhen: 42,6/49,6 cm; Tiefe: 55 cm
 
Waschtischunterbauten mit integrierter Konsole (Einbaubecken)
Breiten: 80/100/120/140 cm; Höhen: 42,6/49,6 cm; Tiefe: 55cm
 
Spiegel
Breiten: 45/65/80/100/120 cm; Höhe: 75 cm; Tiefe: 4,1 cm
 
Spiegelschränke
Breiten: 65/80/100/120 cm; Höhe: 75 cm; Tiefe: 18 cm
 
Unterschrank
Breite: 50cm; Höhe: 55 cm; Tiefe: 36 cm
 
Wandboard
Breite: 50 cm; Höhe; 24 cm; Tiefe: 13,5 cm
 
Hochschränke
Breite: 50 cm; Höhen: 88/132/180 cm; Tiefe: 36 cm
 
Rollcontainer
Breite: 50 cm; Höhe: 67 cm; Tiefe: 36 cm

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