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Ein Leben lang Feuer und Flamme

Das Junkers-Museum in Wernau

Wenn jemand über 40 Jahre bei einen Unternehmen angestellt war, dann hat er gewiss etwas zu erzählen. Doch Michele Strippoli war nicht nur einfach Angestellter bei Junkers. So vielseitig seine Tätigkeiten für das Unternehmen waren, so viele Geschichten hat er auch parat. Mit seiner Begeisterung für die Menschen und Produkte des Unternehmens ist er ein Glücksfall für Junkers. Denn Strippoli leitet jetzt das kleine Firmen-Museum bei Bosch-Thermotechnik in Wernau, das durch die Leidenschaft des Pensionärs zum Höhepunkt jeder Betriebsführung gehört.

In den typischen Emaille-Farben weiß, gelb und grün hängen sie an der Wand, stehen auf dem Boden oder schmücken als Fotografien die Wände: uralte Gasheizgeräte, Gas-Badeöfen und Duschvorrichtungen aus einer anderen Zeit. „Jedes Gerät hat seine eigene Geschichte“, sagt Michele Strippoli und grinst. Soll so viel heißen wie: Er kennt sie alle, die Geschichten, die sich um die Geräte ranken.

 
Gerettete Exponate

Und tatsächlich: Michele Strippoli kennt nicht nur jeden Winkel des Junkers-Museums in Wernau – schließlich ist er hier der Chef – der Mann mit den kurzen, grauen Haaren kann zu jedem der 41 Exponate etwas erzählen. Die Ausstellungsstücke hat er von Installateuren aus ganz Europa geschenkt bekommen oder aus Schrottcontainern gerettet. „Sie glauben gar nicht, was die Leute alles wegschmeißen“, sagt der Mann mit dem sympathischen Akzent. „Hier, hier oder hier“, sagt er und bewegt sich flink von einer Ecke in die nächste, auf die Exponate zeigend. „Das wäre alles im Abfall gelandet.“

 
Ein Job ist nicht genug

Der gebürtige Italiener aus Bari kam 1957 nach Deutschland, in Berlin besuchte er eine Sprachschule. Dort wurde ein Verkaufsleiter von Junkers auf ihn aufmerksam. „Der suchte händeringend nach einem Dolmetscher und ich war sein Mann“, sagt Strippoli und klatscht zufrieden die Hände zusammen. Ab 1961 war Strippoli fest angestellt, zog in die Firmenzentrale nach Wernau, übersetzte Broschüren und Anleitungen für Junkers und half bei Verhandlungen ins Italienische. Der ehrgeizige Mann gab sich damit aber nicht zufrieden. „Ich wollte mehr, ich wollte wissen, wie die Geräte funktionieren“, erzählt er. Er schuftete am Band, dann in der Montage und setzte noch den Gas/Wasser-Installateur und Heizungsbauer oben drauf. Als wenn das noch nicht genug wäre, lernte er noch Schaufenstergestalter und machte eine Fotografen-Ausbildung.

 
Mit dem Info-Mobil durch die Lande

Mit diesem beruflichen Rüstzeug war er prädestiniert für sein bis dahin größtes Projekt und wenn er davon erzählt, beginnen seine Augen zu glänzen: Ein umgebauten Ford Transit wurde zum Junkers-Info-Mobil, mit dem er ab 1969 ganz Europa besuchte. Mit der fahrenden Ausstellung ging es täglich an einen anderer Ort auf den Marktplatz zu neuen Menschen: „Das war die spannendste Zeit meines Lebens“, sagt Strippoli, der sich – als redegewandter Mensch und glänzender Verkäufer – einer großen Beliebtheit sicher sein konnte. „Die Idee war, den Installateuren die neuen Produkte von Junkers vor Ort vorzuführen und zu zeigen.“ Und jedes Mal, wenn Strippoli auf Tour war, kam er mit alten Gasthermen von Installateuren aus allen Herren Ländern wieder zurück. „Ich habe es nicht übers Herz gebracht, die schönen Öfen wegzuschmeißen.“ Gelagert hat er die wertvollen Schätze in einer Garage und in einem Schuppen. Zuletzt im Archiv von Bosch in Feuerbach – schließlich wurde das Junkers-Gasgeräte-Werk 1932 von Bosch übernommen und damit der Geschäftsbereich Bosch-Thermotechnik (www.bosch-thermotechnik.de) gegründet.

 
Ein Museum in drei Monaten

„Ich hatte immer das Ziel, die gesammelten Dinge ins Museum zu bringen, bevor ich bei Junkers aufhöre“, sagt der heute 69-Jährige. Strippoli gab keine Ruhe, informierte die Geschäftsführung über seine Pläne und im Jahr 2002 war es dann soweit. „Ein Jahr hätte ich Zeit gehabt, aber in drei Monaten war alles fertig“, sagt der Museumsbetreiber stolz. Und stolz sein darf er auch, denn Strippoli hat die Ausstellung selbst projektiert und betreut sie bis heute. In der Halle 111/0, dort wo Tag für Tag Gas-Brennwert-Geräte montiert werden, gibt es auf 155 m² all das zu sehen, was der Forscher und Pionier Hugo Junkers im 19. und 20. Jahrhundert geschaffen hat.

Auf sein Konto gingen über 380 Patentanmeldungen. Nur wenige wissen, dass Junkers auch eng mit der Dessauer Bauhausschule in Verbindung stand – Design war immer ein hoher Anspruch des Wissenschaftlers. In Dessau entstand auch das erste Werk von Junkers, in dem die Gasbadeöfen produziert wurden, die für eine Revolution in den Badezimmern sorgten: Zum ersten Mal war fließend warmes Wasser für die breite Masse erschwinglich.

 
„Tante Ju“ darf nicht fehlen

Natürlich schmückt auch der Klassiker und Vorgänger aller großen Verkehrsflugzeuge – die berühmte JU 52 (JU steht dabei für Junkers) – das Museum. An Metallseilen befestigt schwebt ein Modell des Propellerflugzeuges im Raum. Strippoli startet mit einer Fernsteuerung die Motoren und ein lautes Knattern erfüllt den Raum. „Sie glauben gar nicht, was hier los ist, wenn Schulklassen da sind“ – doch, man kann es sich lebhaft vorstellen. Mit dem Elan, den Strippoli versprüht, werden die Kinder an seinem Mund kleben – und sicher auch alle anderen Besucher. „Gestern hatte ich eine Gruppe Professoren da, die waren total begeistert“, erzählt der rüstige Rentner.
Dabei ist sein Museum bei einer Werksführung der krönende Abschluss.

Ans Aufhören denkt Strippoli selbst noch nicht: „Ich weiß nicht, wie lange ich das noch mache“. Dass es ihm noch immer riesigen Spaß bereitet, den Besuchern „seine“ Ausstellungsstücke zu präsentieren, sieht man an der Begeisterung, mit der er erzählt. Und solange es auch den Museumsbesuchern gefällt, wird er bestimmt noch manche Anekdote und Geschichte zu den Exponaten zum Besten geben. 

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