Grundlagenwissen Kleinhebeanlagen
Lösungen für die Entwässerung richtig auswählen und installieren
Der Wunsch nach einem zusätzlichen Bad im Bestand stößt oft auf bauliche Hürden bei der Entwässerung. Betroffen sind insbesondere Räume unterhalb der Rückstauebene, etwa Keller oder Sanitärbereiche, die weit entfernt vom Fallrohr liegen. Hier fehlt oft das nötige Gefälle für den Anschluss an die bestehende Entwässerung. In solchen Fällen können Kleinhebeanlagen das Mittel der Wahl sein. Was SHK-Profis beachten müssen, damit Einsatzbereich, Anschlusssituation und Einbauvorgaben in einer stimmigen technischen Lösung vereint werden, beschreibt SFA Sanibroy-Produktmanager Daniel Schneider.
Relevante Normen
Installateure klären zuerst: Handelt es sich um fäkalienhaltiges oder fäkalienfreies Abwasser? Welche Sanitärobjekte sollen angeschlossen werden? Reicht eine Kleinhebeanlage aus? Bei nachträglich eingebauten Bädern mit WC, Waschtisch und Dusche ist oft die DIN EN 12050-3 entscheidend. Sie regelt Hebeanlagen für die begrenzte Nutzung und deckt viele typische Fälle ab. Für fäkalienfreies Abwasser ohne WC-Anschluss, etwa aus Duschen oder Waschtischen, ist die DIN EN 12050-2 relevant. Bei größeren Anlagen für fäkalienhaltiges Abwasser gilt die DIN EN 12050-1. Unabhängig davon sind die Vorgaben zur Gebäudeentwässerung nach DIN EN 12056 und zum Rückstauschutz nach DIN 1986 100 zu beachten. Sie betreffen unter anderem Leitungsführung, Rückstauebene und die Einbindung der Entwässerung in das Gebäude.
Integrierte Vorwandlösung für wandhängende WC, Waschtisch und Dusche: „Saniwall Pro UP Evo“ besteht aus einer Kleinhebeanlage von SFA Sanibroy und einem Montagerahmen und Spültechnik von Geberit.
Bild: SFA Deutschland
Einsatzgrenzen von Kleinhebeanlagen
Hebeanlagen zur begrenzten Verwendung sind für einen kleinen Benutzerkreis gedacht. Zudem muss ein schwerkraftentwässertes WC oberhalb der Rückstauebene vorhanden sein. Maximal dürfen ein WC sowie Waschtisch und Dusche oder Bidet angeschlossen werden. Waschmaschine, Badewanne, Geschirrspüler, Küchenspüle oder Kondensate dürfen nicht über eine solche Fäkalienhebeanlage entwässert werden. Wichtig ist auch, dass die Anlage im selben Raum wie die Entwässerungsgegenstände steht, um Störungen sofort zu erkennen.
Das komplette Bad als typischer Anwendungsfall
Ein vollständig ausgestattetes Bad mit wandhängendem WC, Waschtisch und Dusche verdeutlicht die typischen Anforderungen. Bei nachträglichem Einbau werden zunächst die Leitungswege geprüft. Zwischen Sanitärobjekten und Hebeanlage ist ein ausreichendes Gefälle nötig. Auch die Zuläufe, Druckleitung und Wartungszugänglichkeit müssen abgestimmt sein.
Die Kleinhebeanlage (oben) arbeitet mit „Mono-Klingen“-Schneidwerk und ist mit „Silence“-Technologie ausgestattet. Sie bildet mit dem Montagerahmen von Geberit (unten) eine Einheit.
Bild: SFA Deutschland
Bild: SFA Deutschland
Rückstauschutz und Druckleitung korrekt ausführen
Die Rückstauebene markiert die Höhe, bis zu der Abwasser bei Rückstau aus der Kanalisation ansteigen kann. Liegen Entwässerungsgegenstände darunter, ist ein wirksamer Rückstauschutz nötig. Die Druckleitung einer Hebeanlage muss deshalb über die Rückstauebene geführt werden. Bei direktem Abfluss nach unten ist eine Rückstauschleife erforderlich. Auch bei waagerechter Förderung sollte die Druckleitung zuerst nach oben führen. Ab dem höchsten Punkt ist ein Gefälle von mindestens 1 % nötig.
Druckleitungen sind druckbeständig auszuführen und mit wenigen Umlenkungen zu verlegen. Zwei 45°-Bögen sind einem 90°-Winkel vorzuziehen. Sanitärgegenstände dürfen nicht an die Druckleitung der Hebeanlage angeschlossen werden.
Kleinhebeanlagen nach DIN EN 12050-3 besitzen in der Regel eine eigenständige Be- und Entlüftung mit Aktivkohlefilter in den Aufstellraum.
Wartungszugänglichkeit einplanen
Wird die Anlage in einer Vorwand installiert, muss die Wartungszugänglichkeit von Anfang an bedacht werden. Revisionsmöglichkeiten sind wichtig für Inspektion, Reinigung und Service. Bei der Planung des Badezimmers sind nicht nur WC-Position und Leitungsführung zu betrachten, sondern auch die spätere Erreichbarkeit von Schneidwerk, Elektrik und Anschlüssen.
Praxisbeispiel 1: integrierte Vorwandlösung
Die „Saniwall Pro UP Evo“ von SFA Sanibroy ist ein Beispiel für eine integrierte Vorwandlösung für wandhängendes WC, Waschtisch und Dusche. Das System kombiniert eine Kleinhebeanlage von SFA mit Montagerahmen und Spültechnik von Geberit in einer Einheit.Sie erreicht eine Förderhöhe von bis zu 5 m und eine Förderweite von bis zu 100 m. Die Anlage arbeitet mit „Mono-Klingen“-Schneidwerk und ist mit „Silence“-Technologie ausgestattet. Der Geräuschpegel liegt bei 47 dB(A). Für die Montage relevant sind die doppelte Revisionsöffnung, zusätzliche Befestigungspunkte und ausziehbare Stützfüße mit größerem Verstellbereich.
Schmutzwasserhebeanlage für die Entsorgung von Abwässern eines kompletten Bades in Kombination mit einem wandhängenden WC. Extra schmale Abmessungen ermöglichen eine unsichtbare Installation in der Vorwand.
Bild: SFA Deutschland
Praxisbeispiel 2: unsichtbar in der Vorwand
Soll die Technik verdeckt in der Vorwand untergebracht werden, ohne ein komplettes Vorwandsystem einzusetzen, ist die „Sanipack Pro UP“ von SFA Sanibroy ein Beispiel für eine entsprechend ausgelegte Hebeanlage. Sie ist für wandhängende WCs konzipiert und kann zusätzlich das Abwasser von Waschtisch und Dusche aufnehmen. Ihre extra schmale Bauweise erleichtert die Integration in beengten Einbausituationen. Die Anlage erreicht ebenfalls bis zu 5 m Förderhöhe und 100 m Förderweite. Auch hier sind Druckleitungsdurchmesser von 22, 28 und 32 mm möglich. Der Geräuschpegel liegt bei 47 dB(A). Die doppelte Revisionsöffnung verbessert die Wartungszugänglichkeit, die Mindestaufbauhöhe der Duschwanne beträgt 130 mm.
Praxisbeispiel 3: bodengleiche Dusche
Eine besondere Einbausituation entsteht bei bodengleichen Duschen, beispielsweise in modernisierten oder barrierearmen Bädern. Hier steht oft nur wenig Aufbauhöhe zur Verfügung. Mit „Sanifloor+“ lässt sich diese Situation lösen. Das System aus Saugpumpe und Ablauf ist für bodentiefe Duschen ausgelegt und arbeitet mit Sensor sowie Funkansteuerung. Es erreicht eine Förderhöhe von bis zu 3 m und eine Förderweite von bis zu 30 m. Der Druckleitungsdurchmesser beträgt 32 mm. Für die Praxis sind die geringe Aufbauhöhe, die abgestimmte Funktion von Ablauf und Pumpe sowie die Wartungsfreundlichkeit über ein abnehmbares Sieb vorteilhaft. Damit eignet sich das System besonders für Duschbereiche, in denen ein klassischer Ablauf mit natürlichem Gefälle nicht realisierbar oder eine barrierearme Lösung gefragt ist.
Die Saugpumpe „Sanifloor+“ erlaubt die Umsetzung einer bodengleichen Duschlösung nahezu überall im Gebäude.
Bild: SFA Deutschland
Planung vor Produktauswahl
Für das SHK-Fachhandwerk ergibt sich eine klare Reihenfolge: Zuerst sind Normvorgaben, Abwasserart, Nutzerkreis und Rückstausituation zu prüfen. Danach folgen Leitungsführung, Druckleitung sowie Wartungszugänglichkeit. Erst auf dieser Grundlage sollte die Produktauswahl erfolgen. Werden diese Punkte beachtet, lassen sich zusätzliche Bäder im Bestand technisch sicher und mit überschaubarem Aufwand realisieren.
