Fünf-Punkte-Plan für ein
besseres Online-Image

Fachkräftesuche im Netz

Viele Handwerksbetriebe haben mittlerweile verstanden, dass man über die sozialen Netzwerke potenzielle Bewerber erreichen kann. Das Problem: Die Präsentation im Netz muss stimmen– ansonsten verfliegt das anfängliche Interesse kurze Zeit später wieder. Christian Keller, Recruiting-Experte, erklärt, welche fünf Fehler die Betriebe auf jeden Fall vermeiden sollten.

1. Das Fundament hat Mängel

Eine Sache, die laut Christian Keller immer wieder auffällt, seien nicht funktionierende Links. Das betrifft sowohl die Firmenprofile auf Facebook oder Instagram als auch die Webseiten der Betriebe und deren Unterseiten, auf denen man sich für eine Stelle bewirbt. „Es klingt trivial, doch leider sind nicht funktionierende Links keine Seltenheit. Ich habe sogar bezahlte Werbeanzeigen gesehen, bei denen der Link ins Leere führt“, erklärt Christian Keller.

Ein ähnliches Problem liegt vor, wenn der Link zwar funktioniert, aber zu einem privaten Social-Media-Profil führt. Der am Unternehmen interessierte Besucher ist sicherlich unangenehm überrascht, wenn er auf der Facebook-Seite des Geschäftsführers oder des Mitarbeiters, der für die Webseite verantwortlich ist, landet. Schlimmer wird es noch, wenn die verlinkten Profile seit längerer Zeit nicht mehr gepflegt wurden. Das gilt selbstverständlich auch für verwaiste Facebook-Seiten, die unter dem Namen der Firma laufen. Hat man ein Profil angelegt, muss man sich auch regelmäßig darum kümmern.

Weiterhin fällt häufig auf, dass bei Facebook, Instagram und der eigenen Webseite verschiedene Schreibweisen des Firmennamens oder unterschiedliche Logos verwendet werden. „Ich kenne sogar ein Beispiel, bei dem der Name des Unternehmens an den verschiedenen Stellen nicht identisch war“, so Keller. Einheitlichkeit in Schrift, Bild und Symbol sei ein wesentlicher Punkt, wenn man einen professionellen Eindruck hinterlassen möchte.

„Wenn technische Mängel und grobe Fehler bei der Außendarstellung vorliegen, wird der Besucher den Eindruck gewinnen, dass bei dem Unternehmen einiges schiefläuft. Ein ordentliches Fundament erfordert größte Sorgfalt“, führt der Recruiting-Experte aus.

2. Die Karriere-Webseite fehlt

Unternehmen machen einen schweren Fehler, indem sie ihre offenen Stellen ausschließlich auf ihrer Webseite präsentieren. Es ist aber auch nicht hilfreich, wenn man eine Social-Media-Kampagne für eine offene Stelle startet, ohne die Stelle auf der eigenen Webseite zu beschreiben.

Für Keller sollte die die Webseite des Unternehmens nicht die erste Wahl für eine Stellenbeschreibung sein. Besser wäre es, eine gesonderte Karriereseite oder eine Landingpage für den jeweiligen Job zu haben. „Ich sehe oft Stellenausschreibungen, die ein Besucher nur schwer findet, weil sie versteckt auf einer Unterseite der Webseite, die den Namen ‚Jobs‘ oder ‚Karriere‘ trägt, abgelegt sind. Auf dieser Unterseite sieht man dann fünf Stellen, die mit jeweils fünf Zeilen beschrieben werden. Diese Art der Stellenausschreibung ist nichtssagend und schadet dem Ruf des Unternehmens. Bewerbungen wird man so gewiss nicht generieren“, erklärt Keller.

Eine gesonderte Karriereseite kann für die Mitarbeitergewinnung dagegen von großem Vorteil sein. Sie ist von der „normalen“ Unternehmenswebseite komplett getrennt, weil man mit den beiden Webseiten unterschiedliche Zielgruppen anspricht: Zum einen die potenziellen Bewerber und zum anderen die potenziellen Kunden. Für einen Bewerber sind eben andere Inhalte interessant als für einen Unternehmenskunden.

3. Die Außendarstellung richtet sich nicht an Bewerber

Ein weiterer Fehler, den Christian Keller immer wieder wahrnimmt, ist die Außendarstellung bei den Social-Media-Profilen. Dabei ist nicht die Rede von Schrifttypen, Bilder und Logos: Keller meint die inhaltliche Ausrichtung. Die Unternehmen konzentrieren sich auf Facebook und Instagram beinah ausschließlich auf ihre Kunden oder wollen neue Zielgruppen für ihr Angebot auf sich aufmerksam machen. Das ist zwar nachvollziehbar, aber sicherlich keine gute Strategie, um den Mitarbeitermangel zu bekämpfen. Seltsam wird es allerdings, wenn sich die Ausrichtung auf den Kunden bis in die Stellenbeschreibungen hineinschleicht. „Ich habe Beschreibungen gelesen, in denen die schnelle Durchführung der Reparaturen und die Zuverlässigkeit der Firma angepriesen wurden. Da läuft die Kommunikation dann leider komplett falsch, denn einen Bewerber wird man mit diesen Inhalten nicht hinter dem Ofen hervorlocken“, zeigt Christian Keller auf.

Die Handwerksbetriebe müssen unbedingt lernen, sich als Arbeitgeber zu präsentieren, so der Recruiting-Experte. Sie müssen auf potenzielle Bewerber attraktiv wirken. „Im Mittelpunkt der Außendarstellung sollten also das Arbeitsklima, die Möglichkeiten im Unternehmen und das Gemeinschaftsgefühl stehen – möglicherweise sogar etwas wie eine Firmenphilosophie. Auf diese Weise spricht man Fachkräfte an und gewinnt sie für sein Unternehmen“, führt der Experte weiter aus.

4. Die Bilder fehlen

Handwerker können ihre Arbeit aufzeigen, denn sie schreiben keine Berichte, erstellen keine Studien und machen auch sonst nichts, das lediglich die Aktenschränke füllt. Wenn ein Handwerker mit seiner Arbeit fertig ist, gibt es etwas zu sehen: Ziegelgedeckte Dächer, abgeschliffene Dielen, Fliesen an der Badezimmerwand. Es geht eigentlich immer um interessante Projekte – besonders wenn man im Privatkundenbereich unterwegs ist. Solche Projekte lassen sich leicht fotografieren. Bessere Referenzen kann man sich kaum vorstellen.

„Trotzdem sehe ich ständig Webseiten und Social-Media-Profile von Handwerksbetrieben, die ganz ohne Bilder auskommen und allein auf den Text vertrauen. Finde ich doch mal ein Bild, stellt sich meist schnell heraus, dass es ein häufig verwendetes Stockfoto ist. Das stimmt mich traurig, denn es kann doch nicht sein, dass die Handwerker davor zurückschrecken, ihre Wintergärten, Toranlagen, Terrassenüberdachungen, Kachelöfen, Gartenteiche, Bücherregale oder Schlafzimmerschränke zu zeigen. Die Handwerker sind zweifellos stolz auf ihre Arbeit – vom Schreiner über den Heizungsbauer bis zum Ofensetzer. Echte Fotos des handwerklichen Könnens sieht man in der Außendarstellung aber viel zu selten. Dabei tun sich in dieser Hinsicht zahlreiche Möglichkeiten auf: Vorher-nachher-Bilder, Fotos der glücklichen Kunden – wenn sie es denn erlauben – oder Fotos der Katze, die den neuen Wintergarten sofort okkupiert hat“, verdeutlicht Keller.

Solche oder ähnliche Bilder gehören auf eine Karriere-Webseite. Sie sagen dem potenziellen Bewerber: So könnte dein Arbeitsplatz aussehen. Diese netten Leute sind unsere Kunden. Und das sind die Werke, die du verrichten wirst, wenn du zu uns kommst. Einen Handwerker überzeugt man am besten mit etwas Konkretem.

Die Realität sieht aber leider anders aus. Meist gibt es auf den Webseiten und Social-Media-Profilen nur öde Texte, die bestimmt niemand liest. Der Besucher ahnt bestenfalls, was der Handwerksbetrieb macht. Wenn man dann den Geschäftsführer nach den fehlenden Bildern fragt, erklärt er, die Bewerber würden schon wissen, was das Unternehmen macht, sie wären schließlich auch Heizungsbauer oder Dachdecker. Aber die Handwerksbetriebe ähneln sich gar nicht so sehr und ein Heizungsbauer macht nicht überall das Gleiche.

5. Man sieht Stockfotos von Fake-Mitarbeitern

Der letzte Generalfehler bezieht sich laut Christian Keller auch auf Fotos, wobei es nun um Bilder nicht existierender Mitarbeiter geht. Wenn man die dritte Stellenanzeige mit den gleichen lächelnden Menschen sieht, die den Eindruck erwecken, sie würden sich bei der Arbeit niemals schmutzig machen, dann weiß man, dass es sich um Stockfotos handelt. Sie haben eigentlich nur Nachteile, denn sie wirken äußerst unpersönlich und sind als Fotos von Fake-Mitarbeitern leicht zu erkennen. Schlimmer könnte man es lediglich machen, wenn man das alte Bild von Uncle Sam herausholt, der mit dem Finger auf den Betrachter zeigt und „I Want You!“ ruft. „Stockfotos schrecken potenzielle Mitarbeiter ganz sicher ab“, so das Urteil von Recruiting-Experte Keller.

„Es gibt im Übrigen keinen Grund, den echten Geschäftsführer zu verbergen. Die Kollegen sind bestimmt auch nett – man kann sie bei der Arbeit und beim Grillabend ablichten“, führt Keller weiter aus. Die Fotos müssen zudem nicht hochprofessionell erscheinen. Ein Schnappschuss genügt meist schon, um dem potenziellen Bewerber zu sagen: Wir lachen hier nicht den ganzen Tag bei der Arbeit, aber wenn es darauf ankommt, sind wir füreinander da.

Christian Keller

ist Recruiting-Experte bei Kellerdigital
(www.kellerdigital.de) und hat bereits über 100 Handwerksbetrieben dabei geholfen, eine neue Attraktivität für Fachkräfte zu entwickeln.

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