Influencer im SHK Profi-Gespräch

Sandra Hunke und Madita Brauer setzen das Handwerk in Scene

Auf der IFH/Intherm fanden sich nicht nur Hersteller. Auch die Influencer des Handwerks waren zu finden. Spontan hat der Chefredakteur des SHK Profis, Fabian Blockus, sich zwei von ihnen geschnappt und auf den Zahn gefühlt. Was Sandra Hunke und Madita Brauer zu sagen hatten, das findet sich im Nachgang in unserem SHK Profi-Gespräch.

Fabian Blockus: Hallo und Danke, dass ihr so spontan zur Verfügung steht. Erzählt doch mal. Wie wird man Influencer?

Sandra Hunke: Ach, kein Problem. Wir stehen immer gerne für ein Gespräch zur Verfügung. Ich habe mit Instagram angefangen, da ich gemerkt habe, dass für die meisten eine Frau auf der Baustelle erst einmal komisch klingt. Ich wollte mit den Klischees aufräumen.

Madita Brauer: Ich würde fast sagen, man rutscht da auch so ein wenig rein. Ich hatte anfangs nicht das Ziel, irgendwann Vollzeit zu posten. Ich hatte einfach Spaß daran, meine Tätigkeit zu zeigen, und fast nebenher entwickelte sich die Fangemeinde. Bei mir war es also ein schleichender Prozess. Angefangen hat es bei mir beispielsweise Ende 2018. Am Anfang des Jahres habe ich mit meiner Lehre angefangen und mit dem posten. Mittlerweile bin ich Meisterin und die Follower sind gestiegen. Eine schöne Entwicklung.

Sandra Hunke: Bei mir fing es ebenfalls mit Beginn der Lehre an. Das war 2012. Letztlich haben die Posts die Gemeinschaft interessiert. Somit wurde es immer mehr und alles ist gewachsen. Letztlich konnte ich damit auch beweisen, dass eine Frau durchaus auf der Baustelle zu gebrauchen ist. Und mal ehrlich, wenn wir Frauen nicht selbst den Hinweis dafür liefern, dann macht es wohl niemand.

Fabian Blockus: Nun kennt jeder von uns auch die Kritiker. Wie wurde das alles bei euch wahrgenommen? Manche zeigen sich doch sicherlich auch schon mal genervt?

Madita Brauer: Ich heiße nicht ohne Grund „Frau im Handwerk“. Anfangs habe ich alles Anonym gemacht. Genau wegen solchen Äußerungen war ich etwas scheu. Recht schnell sind dann die Monteure in unserem Betrieb aufmerksam geworden und fanden es ansprechend. Letztlich sprang dann auch der elterliche Betrieb mit ins Boot und wollte genannt werden. Ab da wurden auch konkrete Wünsche geäußert. Zudem konnten parallel manche Bilder auch für die Homepage genutzt werden. Immerhin war ich eh am Fotografieren.

Sandra Hunke: Bei mir verlief es ähnlich. Es gab keine negativen Kommentare. Zumindest habe ich keine mitbekommen. Ich bin einfach den Weg gegangen, den ich für richtig hielt.

Fabian Blockus: Ich kann mich noch sehr gut an meine aktive Zeit im SHK-Handwerk, so will ich sie mal nennen, erinnern. Handys waren da noch nicht gern gesehen. Wie ist das heute? Hinterlässt die permanente Nutzung bei den Kollegen nicht einen faden Beigeschmack? Immerhin gehört das Filmen und Fotografieren nicht zum Tätigkeitsfeld eines SHK-Anlagenmechanikers bzw. einer -mechanikerin.

Sandra Hunke: Eines ist klar und sollte jedem klar sein: Die aufgetragene Arbeit muss erledigt werden und das in vernünftiger Qualität. Ich denke, allgemein ist etwas Kommunikation gefragt. Wenn man sein Konzept erklären kann und damit klar wird, dass die reguläre Arbeit nicht leidet, sollte kaum ein Betrieb etwas dagegen haben. Immerhin betreibt man neben seinem Job noch ein gewisses Marketing – für seine Person, für das Handwerk, aber auch für den Betrieb. Ich denke mal, vielen ist gar nicht bewusst, wie eine solche Story oder ein Post abläuft. Im Grunde stelle ich mein Handy in die Werkzeugkiste und lasse es aufnehmen. Die wirkliche Arbeit beginnt erst nach dem Feierabend. Dann schneide ich alles zusammen und füge den nötigen Feinschliff hinzu. Daher liegen die Veröffentlichungen der Storys meist im späteren Abend. Sicher gibt es auch Schnappschüsse, die tagsüber laufen. Aber die nehmen kaum Zeit in Anspruch und laufen quasi nebenher.

Madita Brauer: Bei mir läuft es ähnlich ab. Wie Sandra schon sagte: Die hauptsächliche Arbeit liegt im Freizeitbereich. Die Schnappschüsse in der Arbeitszeit sind ebenfalls kein Problem. Mittlerweile machen da auch die Kollegen mit. Ich gebe dann eine kurze Regieanweisung, schieße das Foto und weiter geht es mit der Arbeit. Für solche Szenen sind die jüngeren etwas empfänglicher. Wir sind immerhin damit aufgewachsen. Die ältere Generation hält sich da immer etwas zurück.

Fabian Blockus: Ein interessanter Punkt. Es ist also eine Generationenfrage?

Madita Brauer: Es kommt auf die Situation drauf an. Daher ist die Kommunikation so wichtig. Ein Beispiel: Es wird zu einem Termin für ein Gruppenfoto eingeladen. Da sind unsere älteren Mitarbeiter sofort mit dabei, weil sie wissen, worum es geht. Zucke ich hingegen mein Handy und schieße einfach so ein Foto, hält sich die Begeisterung hingegen in Grenzen. Logisch, denn mein älterer Kollege ist mit dieser öffentlichen Welt nicht aufgewachsen und weiß nicht, wofür ich das Bild verwende – den rechtlichen Rahmen mal ausgeklammert. Wenn ich ihm aber erkläre, was ich mache und was ich damit bezwecken möchte, sind sie meist direkt Feuer und Flamme.

Sandra Hunke: Natürlich gibt es immer Kollegen, die das Ganze so gar nicht wollen. Das respektiere ich aber auch. Nicht jeder fühlt sich vor der Kamera wohl. Aber in der Regel machen die meisten mit und freuen sich dann auch über den Post und über die Verlinkung. Auch ein Repost kommt häufig vor. So etwas freut mich dann natürlich auch.

Fabian Blockus: Nun finden sich in euren Veröffentlichungen nicht nur eure Arbeit und die Kollegen, sondern auch die Hersteller tauchen auf. Kooperationen sind hier recht eindeutig. Wie entstehen diese? Werden die Unternehmen auf euch aufmerksam oder rührt ihr die Werbetrommel?

Sandra Hunke: Die einzelnen Marketingabteilungen der Hersteller haben schon ein geschultes Auge auf den Markt, dass muss man sagen. Sie durchstöbern die Social Media und achten dann auch darauf, was man so einbaut. Bei mir waren es neben den anderen häufig Grünbeck-Produkte. So kam das Unternehmen auf mich zu. Man hat erkannt, dass das Mädchen gute Arbeit macht und so war ich recht schnell die Botschafterin. Auch bei Kaldewei und Hansa war es so.

Madita Brauer: Also bei Vigour war es andersherum. Ich habe ein Bad umgestaltet und bei dem Unternehmen angefragt, ob wir da etwas machen können. Allerdings bin ich bei solchen Geschichten immer Vorsichtig. Ich möchte mich nicht als Werbeikone verkaufen und mich nicht verstellen müssen. Ich bin in erster Linie Handwerkerin und mache meine Arbeit fachgerecht und authentisch. Das soll auch immer so bleiben. Wie bei Sandra auch, müssen sich die Kooperationspartner auf mich einstellen und nicht andersherum. Weitblick oder Atlas beispielsweise sind auf mich zugekommen. Das sollte der Regelfall sein. Außerdem schafft man so eine längere Bindung und nicht eine einmalige Geschichte.

Fabian Blockus: Nun möchte ich euch auch gar nicht länger aufhalten. Was möchtet ihr abschließend dem potenziellen Nachwuchs noch sagen?

Sandra Hunke: Wie Madita immer so schön sagt, probieren geht über studieren. Also probiert das Handwerk einfach mal aus. Auch die Mädels sind angesprochen. Viele wissen gar nicht, dass das Handwerk etwas für sie ist, weil sie es gar nicht auf dem Schirm haben. Dabei ist Handwerk etwas tolles, systemrelevant und zukunftssicher. Probiert es mal aus.

Madita Brauer: Ich habe ein Appell an die Schulen. Genau wie ein Sozialpraktikum, sollte auch ein handwerkliches Praktikum Pflicht sein. Einfach damit das Handwerk wieder in die Köpfe des Nachwuchs dringt. Wie Sandra schon sagte, viele wissen gar nicht, dass das Handwerk etwas für sie ist, weil sie es erst gar nicht probieren. Dabei bietet es so viele Chancen und macht einfach Spaß.

Fabian Blockus: Vielen Dank ihr zwei, für das sehr angenehme Gespräch. Viel Erfolg euch weiterhin.

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