Lüftung im Holz-Haus

Lüftungskanäle als Designelement

In Staufen wurden in einem nachhaltig konzipierten Neubaugebiet vier Punkthäuser komplett aus Holz errichtet. Die ressourcenschonende Bauweise ist durch die dichte Gebäudehülle besonders nachhaltig: Der Energiestandard liegt fast auf Passivhaus-Niveau. Für das behagliche Wohlgefühl sorgen Wohnungslüftungsgeräte des Typs „SAVE“ von Systemair – mit sichtbar installierten Lüftungskanälen als innenarchitektonischem Designstatement.

Eigentlich müsste das Neubaugebiet Rundacker in Staufen im Breisgau, dessen zweiter Bauabschnitt vor kurzem abgeschlossen wurde, unter dem Titel „Für eine nachhaltige Zukunft“– stehen: Das Quartier ist für eine durchmischte Mieter- und Eigentümerklientel angelegt. Der Energiestandard der rund zwei Dutzend Wohngebäude liegt mindestens auf KfW-Effizienzhaus-55-Niveau. Breite Grüngürtel durchziehen die weitgehend verkehrsberuhigt konzipierte Siedlung, und die Energieversorgung erfolgt in Verbindung mit thermischen Solaranlagen über Fernwärme aus dem Hackschnitzelheizwerk im Nachbarwohngebiet. Hinzu kommt die bevorzugte Lage zwischen Rheinebene und Vogesen im Westen, dem Schwarzwald im Osten und der Öffnung zum Markgräfler Land Richtung Süden. Das neue Viertel bedient damit alle zentralen Anforderungen, die an die zeitgemäße Erschließung neuer Quartiere gestellt werden. „Oder zumindest fast alle“, schränkt Investor Jörg Vonalt ein. Als gelernter Architekt mit ausgeprägtem Faible für das Bauingenieurwesen hat er zusammen mit einem Partner in dem Neubaugebiet vier dreigeschossige Mehrfamilienhäuser mit jeweils sechs Wohneinheiten entwickelt – und wollte sich dabei nicht damit zufrieden geben, dass diese wie die Übrigen in der Nachbarschaft konventionell Stein auf Stein, oder noch schlimmer: aus Beton, errichtet werden: „Wenn ein solches, zukunftsweisendes Quartier aufgesetzt wird, müssen wir uns meiner Meinung nach auch Gedanken darüber machen, wie ressourcenschonendes Bauen auszusehen hat.“

Dazu gehört vor allem die CO2-Last von Baustoffen. Nachwachsende Rohstoffe haben beispielsweise ein deutlich niedrigeres Treibhauspotenzial als konventionelle Baustoffe, wenn man den gesamten Lebenszyklus betrachtet. Bei konsequent umgesetztem Holzbau ist es etwa 30-mal geringer als das von Stahlbeton. Allerdings räumt auch der Staufener Bauherr ein: „Gerade im Geschosswohnungsbau fehlt es an Erfahrungen, wenn qualitativ hochwertig aus Holz gebaut werden soll.“ Das hat hierzulande nicht zuletzt seine Ursache in der Beschränkung von Geschossbauten aus Holz gemäß Muster-Bauordnung (MBO), die erst 2002 für die Gebäudeklasse 4 geöffnet wurde.

Wesentliche Grundsatzfragen gelöst

Entsprechend akribisch gingen Jörg Vonalt und sein Partner, ein Zimmermeister aus der Nachbarschaft, die Projektierung der vier Punkthäuser an. Eine zentrale Aufgabenstellung war dabei das Stichwort Feuchtigkeit, zum Beispiel beim Aufsetzen des Holztragwerks auf die Tiefgarage, die sich unter allen vier Bauten erstreckt. Eine weitere betraf den Schallschutz, denn die spezifische Dichte von Schichtholz liegt nur bei etwa 760 kg/m³, bei Beton sind es hingegen etwa 2.000 bis 2.600 kg/m³. Und Masse bringt bekanntlich Ruhe …

Errichtet wurden die vier Objekte letztlich aus 10 bis 12 cm starkem Brettschichtholz nach dem Massivholz-Bausystem der Firma Binderholz. Auf diesen Wänden befindet sich eine 18 cm starke Mineralwoll-Schicht als Wärmedämmung plus mineralischer Kratzputz bzw. Lärchenschalung. Die Zwischendecken sind aus 22er Brettschichtholz mit einer Plattenbreite von 1,25 m. Von unten blieb das lasierte Holz sichtbar und gibt den Wohnungen so eine bemerkenswert warme Atmosphäre. Von oben kam auf die Platten zusätzlich eine 10 cm starke, gebundene Schüttung plus mineralischer Trittschalldämmung. Dieser Aufbau ist aufwändig, hat sich aber beim Schallschutz ausgezahlt. Nachmessungen ergaben, dass die geforderten Werte zur Luftschalldämmung und zur Trittschalldämmung zwischen fremden Nutzungseinheiten nach DIN 4109 sogar um 2 bis 3 dB unterschritten wurden. Für den freiberuflichen Business-Coach Franz-Josef Kaul war das ein wesentliches Kriterium, eine der Wohnungen in den Holzbau-Objekten anzumieten: „Ich arbeite oft von daheim aus und muss mich entsprechend konzentrieren. Der bauliche Schallschutz ist aus meiner Sicht hier aber trotz Holzbauweise auf dem gleichen hohen Niveau, wie ich es von Neubauten mit den schweren Betondecken kenne.“

Behaglichkeit und Feuchteschutz abgesichert

Gerade in hoch gedämmten Gebäuden spielen darüber hinaus die Themen Feuchteregulierung und damit Luftaustausch, aber auch thermische Behaglichkeit eine mindestens genauso große Rolle, und zwar für das Wohlbefinden der Bewohner wie für den Schutz der Bausubstanz. Als Lösung wurden in den Staufener Neubauten feuchtegesteuerte Anlagen zur kontrollierten Lüftung der Typenreihe „SAVE“ mit integrierter Wärmerückgewinnung von Systemair (www.systemair.de) installiert. Diese Anlagen sind mit Rotationswärmetauschern ausgestattet. Die aus der Wohnung aufgenommene Luftfeuchte kann dadurch über die Zuluft wieder rückgeführt werden. Es entsteht also kein aufwändig abzuleitendes Kondensat.

Die Feuchtesteuerung verhindert nicht nur Schimmelbildung, sondern beugt zugleich einer zu niedrigen Luftfeuchtigkeit in den Wohnungen vor. Dipl.-Ing. Carsten Dittmar, System & Application Manager bei Systemair: „Gerade in gut gedämmten Objekten ist das häufig ein Beschwerdegrund, weil sich zu trockene Raumluft im Winter schnell auf die Atemwege niederschlägt. Durch die Feuchteregelung der Systemair-Anlagen wird das aber trotz des hohen Wärmerückgewinnungsgrades von über 80 % zuverlässig vermieden.“

Die Reinheit der zugeführten Frischluft ist über F7-Zuluftfilter gewährleistet, die Abluft wird über Filter der Klasse G3 geführt. „Bei Bedarf könnten aber genauso Zuluftfilter der Klasse F7 eingesetzt werden, wenn einzelne Nutzer das wünschen sollten“, so Jörg Vonalt.

Lüftungskanäle als Designelement

Bei der Auslegung selbst spielten weniger die Volumenströme oder die Platzierung der Zuluftdüsen und Abluftventile eine Rolle. „Das ist durch die wohnungsweise arbeitenden Anlagen mit Bad und Küche als Abluftzonen sowie Wohnräume und Flure für die Frischluftzufuhr Standard“, so Dipl.-Ing. Dittmar: „Viel spannender war die Frage, wo wir bei diesen Wand- und Bodenkonstruktionen das kompakte `SAVE´-Lüftungsgerät mit integrierter Wärmerückgewinnungsanlage sowie die 125er Kanäle unterbringen!“

Als ausgesprochen technikaffiner Architekt bewies Jörg Vonalt hier jedoch Mut – und die Mieter und Käufer seiner Wohnungen zogen mit. Die flach bauenden Lüftungsgeräte wurden in die abgehängte Decke der Gäste-WCs integriert. Dort sind sie durch eine Klappe in voller Größe leicht zu erreichen und zu warten, aber selbst unter Volllast in den Wohnungen nicht zu hören. Carsten Dittmar: „Entgegen der ursprünglichen Auslegung konnte sogar auf den Einbau zusätzlicher Schalldämpfer zwischen den Räumen verzichtet werden.“ Die Lüftungskanäle aus Wickelfalzrohr wiederum verzweigen als Designstatement in ganzer Schönheit sichtbar unter der Flurdecke verlaufend in die einzelnen Räume. „Das ist auf den ersten Blick zwar ungewöhnlich“, so der Investor, „hat sich aber in der Praxis bestens bewährt. Die Nutzer der Wohnungen sind fast ausnahmslos von den Lüftungskanälen als bewusst gesetztes Stilelement im Kontrast zu der warmen Anmutung der Holzdecken begeistert.“ Vor allem, weil dadurch gleichzeitig auf abgehängte Decken oder Abkofferungen in den Fluren verzichtet werden konnte. Das gibt vor allem optisch zusätzlichen Raum, der die Wohnungen noch großzügiger erscheinen lässt.

Kontrollierte Wohnungslüftung „SAVE“

Die Geräteserie „SAVE“ von Systemair ist für die klassische Wohnraumlüftung konzipiert, die Geräteleistung auf Wohnungsgrößen zwischen 80 und 500 m² abgestimmt. Die bedarfsgesteuerte Regelung mit einem Einrichtungsassistenten für die einfache Inbetriebnahme, der hohe Wärmerückgewinnungsgrad von über 80 % und der automatische Wechsel in den Sommerbetrieb (ohne Wärmerückgewinnung) sind einige der wesentlichen Leistungsmerkmale.

Durch die kompakte Bauweise können die „SAVE“-Geräte problemlos über Einbauküchen oder in Zwischen- bzw. abgehängten Decken montiert werden. Je nach Ausführung ist auch der direkte Anschluss einer Dunstabzugshaube möglich, so dass nur noch eine Wanddurchführung notwendig wird.

Die „SAVE“-Lüftungsgeräte sind wahlweise mit einem Plattenwärmetauscher oder Rotationswärmeübertragern ausgestattet. Da ein behagliches Raumklima und damit die Feuchterückgewinnung eine immer größere Rolle spielen, geht die Tendenz aber klar in Richtung Rotationswärmeübertragern: Liegt die Außentemperatur unter der Raumtemperatur, wird aus der Abluft die Wärme direkt auf die Zuluft übertragen. Bei hohen Außentemperaturen hingegen wird die Zuluft durch die Abluft heruntergekühlt. Außerdem gewinnt der Rotationswärmeübertrager die Luftfeuchtigkeit aus der Abluft zurück, verhindert aber zugleich eine Überfeuchtung der Räume.

Die zugehörige Regelung „SAVE“ ist intuitiv bedienbar. Optional ist es möglich, die Anlagen im Geschosswohnungsbau auf eine Gebäudeleittechnik (GLT) aufzuschalten und beispielsweise über das zentrale „Aus“ Brandschutzkonzepte zu unterstützen.

„SAVE control“ – die „mitfühlende“ Regelungstechnik

Eine kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung ist in energieeffizienten Gebäuden ein Muss. Doch für Bewohner ist eine Wohnungslüftung mehr als eine Position in der Energiebilanz ihres Hauses: Erwartet wird ein behagliches Komfortklima in allen Wohnräumen.

Wie effektiv eine Wohnungslüftung den Nutzungsansprüchen gerecht wird und zur Energieersparnis beiträgt, hängt zum großen Teil von der Regelungstechnik ab. Zwar ist das Empfinden eines angenehmen Raumklimas individuell verschieden. Es lässt sich jedoch an messbaren Größen festmachen wie der Temperatur, der relativen Luftfeuchtigkeit, dem CO2-Gehalt der Raumluft bis hin zur Belastung mit Schadstoffen wie VOC (Total Volatile Organic Compounds). Darüber hinaus sind die Luftwechselrate und die Zulufttemperatur entscheidende Parameter für das Wohlgefühl der Nutzer.

Für die Wohnungslüftungsgeräte der Baureihe „SAVE“ hat Systemair daher die neue Regelungstechnik „SAVE control“ entwickelt. Daran können Sensoren zur Erfassung der genannten Raumklimaparameter angeschlossen werden. „SAVE control“ regelt anhand der verschiedenen Werte das Lüftungsgerät so, dass eine ideale IAQ (Indoor Air Quality) erreicht wird. Um dem persönlichen Empfinden gerecht zu werden, können die Bewohner dabei per App zwischen verschiedenen Betriebsmodi wählen, beispielsweise einer CO2- oder feuchtegeführten Regelung. Innerhalb dieser Modi wird die Wohnungslüftung optimal energiesparend betrieben. Die Funktionen „Abwesend“ oder „Nachtauskühlung“ erhöhen zusätzlich die Energieeffizienz der Wohnungslüftung.

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