Heizung & Energie | Wärmeerzeuger | 24.04.2019

Vom Stillstand in der Sanierung

Erneuerungsquote bei Heizungen stagniert

Politik und Wirtschaft müssen den Energiewandel in engerer Abstimmung als bisher begleiten, um die Klimaschutzziele von Paris zu verwirklichen. Das wurde bei einem Pressegespräch des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) auf der ISH 2019 deutlich. Diese gemeinschaftliche Herausforderung müssen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammen stemmen.

  • Quelle: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Petra Welzel

  • Quelle: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Jochen Günther

  • Uwe Glock, Präsident des Bundesver- band der Deutschen Heizungsindustrie e. V. (BDH)

Dabei zeigt sich die Komplexität der Technologien derzeit als Stolperstein der Energiewende. Denn wer kann diese Komplexität auf Seiten von Industrie, Herstellern, Planern und Verarbeitern noch beherrschen? Und auch neue Technologien haben so ihre Fallstricke. Denn von Kundenseite erreichen Briefe besorgter Bürger das Bundeswirtschaftsministerium, wie Thorsten Herdan mahnend mitteilte: „Wenn Wartungskosten höher sind, als die erzielten Einsparungen durch neue Technologien, führt dies zu einem inakzeptalen Rebound-Effekt.“ Dennoch müssen gerade im Bestand Anreize geboten werden, in neue und effizientere Anlagen zu investieren. Hier setzte Uwe Glock, Präsident des BDH, an: „Das Wachstum beim Markt für Wärmeerzeuger kommt durch den Neubau. Der Bestand ist stagnierend.“ Hier bieten jedoch auf Seite der Verarbeiter vorkonfigurierte Lösungen die Möglichkeit, noch schneller und noch fehlerfreier – und damit auch kostengünstig – zu installieren. Denn durch die Vorfertigung in den Werken im industriellen Maßstab würden viele Fehlerursachen bei der Montage reduziert.

Dennoch darf auf die Wartung nicht verzichtet werden. Denn „wir haben viele alte Geräte, die nicht optimal laufen“, wie Uwe Glock berichtete. Hier gilt es eine Balance aus Kosten und Nutzeneffekt für den Kunden zu erzielen, der sich auch finanziell auf beiden Seiten positiv bemerkbar machen muss.

Das GEG kommt, nur wann?

Dafür fehlen jedoch auch die rechtlichen Rahmenbedingungen. Denn in der Politik herrscht vor allem eines – Stillstand. Thorsten Herdan sieht die Verzögerungen bei der Einführung des Gebäudeenergiegesetztes (GEG) durchaus kritisch, hofft jedoch: „Das GEG kommt im ersten Halbjahr 2019.“ Allerdings lassen die bereits erfolgten mehrfachen Verschiebungen bei der Zusammenführung von Energieeinsparungsgesetz (EnEG), Energieeinsparverordnung (EnEV) und dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zum GEG durchaus auch andere Schlüsse zu.

Und wie sieht es mit der Besteuerung von CO2 aus?

Immer deutlicher wird ein Preis auf den CO2-Ausstoß von Anlagen gefordert. Es gibt jedoch auch nach wie vor viele Skeptiker. So wird eine zusätzliche CO2-Steuer wenig hilfreich sein und keine Akzeptanz finden, wenn nicht Entlastungen an anderer Stelle geboten werden. Doch dass eine Energiewende zum Nulltarif gelingt, ist mehr als fraglich. Daher gilt es, wie Thorsten Herdan, fordert, „in Gesellschaft, Wirtschaft und Europa den Boden dafür zu bereiten, dass wir bepreisen werden, was wir nicht haben wollen“. Gemeint ist ganz klar CO2. Letztlich ist jeder Einwohner Deutschlands gefordert, den Weg der Energiewende mitzugehen. Thorsten Herdan sieht nur einen Weg dafür, einen gesamtgesellschaftlichen Konsens herbeizuführen: „Die Forderung einer CO2-Steuer muss in den Wahlprogrammen aller Parteien Eingang finden.“ Nur so kann sichergestellt werden, dass egal welche Parteien in den nächsten Wahlen Erfolge verbuchen können, die Ziele einer Energiewende mit einer deutlichen Reduzierung des CO2-Aussstoßes verbunden werden können.

Wie geht es weiter mit der Heizung?

Auch wenn derzeit einiges dafür spricht, dass Elektro- und Gas-Wärmepumpen eine größere Verbreitung als bislang finden werden, wird kurz- bis mittelfristig weiterhin ein Mix aus verschiedenen Energieträgern in den Heizungssystemen Bestand haben. Hierfür bieten sich beispielsweise Hybridgeräte, wie sie zunehmend angeboten werden, an. Doch auch Power-to-X-Lösungen, sprich die Wandlung von Strom in gasförmige und flüssige Energieträger wird ein Weg sein, um eine Speicherung von zeitweise überflüssig anfallendem Strom ermöglichen. Thorsten Herdan formuliert dies so: „Insbesondere der größte Energieverbrauchssektor Europas und Deutschlands, der Wärmemarkt, benötigt eine Strategie, bestehend aus ,efficiency first‘ und einer diversifizierten Energieversorgung, in der nicht nur erneuerbarer Strom, sondern auch „green gases“ und „green fuels“ eine zentrale Rolle spielen.“

Wärmeerzeugermarkt 2018

In Deutschland wurde 2018 732.000 Wärmeerzeuger verkauft und damit 3 % mehr als im Vorjahr. Davon waren 492.500 Gas-Brennwertgeräte, 84.000 Wärmepumpen und 58.500 Öl-Brennwertgeräte. Daneben wurden 24.000 Geräte auf Basis der Biomassenutzung verkauft.

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