Wasser auffangen leicht gemacht

Einfaches, schnelles und sauberes Auffangen und Abpumpen

Ein Allgäuer Start-up, bestehend aus den beiden Gründern und Erfindern Marvin Kiesel und Michael Schmidt, löst das lästige Problem des Wasserauffangens bei Heizungsbauern auf eine clevere, neue Art und Weise. Eine formbare und formstabile Auffangwanne mit einer oberseitig angebrachten Dichtlippe und einer speziell abgestimmten Akku-Tauchpumpe wird als System angeboten und ermöglicht ein nahezu freihändiges Auffangen von bis zu 3.000 l Wasser in einem Schwung – ohne, dass eine Kabeltrommel oder sonstige Hilfsmittel benötigt werden. In einer Berufsschule setzte die Geis Sanitär + Heizung GmbH das System nun ein.

Die Berufsschule hatte öffentlich ausgeschrieben, ihre Anlage mit einem hydraulischen Abgleich zu versehen. Den Zuschlag für diesen Auftrag erhielt die Fa. Geis Inh. Markus Freundorfer aus Memmingen. Kurz zuvor war Markus Freundorfer auf einen Beitrag in den sozialen Medien aufmerksam geworden: Ein junges Allgäuer Start-up hat ein System entwickelt, mit dem schnell, sauber und komfortabel Wasser aufgefangen werden kann und suchte den Heizungsbauer mit den meisten zu entleerenden Heizkörpern in Deutschland. Wenn das nicht genau das System ist um den Auftrag abzuwickeln, ­dachte sich Markus Freundorfer und bewarb sich für den Test. Er erhielt prompt die Zusage von Michael Schmidt, denn 400 zu entleerende Heizkörper war die größte Anzahl an Heizkörpern unter allen Bewerbern.

„Der Blaue“ im Einsatz

Den „Blauen“ brachte Michael Schmidt an einem Freitagnachmittag selbst vorbei und nutzte die Gelegenheit, um eine Baustellen-Reportage aufzuzeichnen. Der Baustellenbericht ist auch als Video über die Website zu sehen. Gerade angekommen, erspähte Michael Schmidt die Zusammenstellung der angetretenen Mitbewerber. Bei einem solch großen Auftrag, bei dem vier Monteure über Wochen damit beschäftigt sind, Wasser aus dem Heizsystem zu lassen, wird tatsächlich mit abgeschnittenen Eimern, Tetra Paks und Gummischüsseln gearbeitet.

Relativ schnell schnappte sich der Obermonteur die Wanne vom „Blauen“, bog sie etwas vorsichtig hin und her und platzierte sie schließlich passend unter einem stattlichen Heizkörper. Er öffnete die Verschraubung und beobachtete gespannt, was nun passierte. Die Wanne hielt exakt die Form, in die er sie vorher um die Zuleitungen gebogen hatte: Die von Hand eingebauten, biegsamen Metallelemente hielten ihr Versprechen. Die Pumpe setzte er in der speziell vorgesehenen Lasche intuitiv ein.

Nachdem die ersten kleinen Mengen an Wasser sicher in die Wanne geleitet waren, nahm er den Akku in Betrieb und die Wanne war schneller leer, als er schauen konnte. Über einen mitgelieferten Schlauch mit einem Halteclip, um den Schlauch sauber am Eimer zu halten, wurde das Wasser rasch in einen großen Eimer gepumpt. Dies ging so gut, dass der Obermonteur die komplette Verschraubung öffnete und der Heizkörper mit voller Geschwindigkeit sein Wasser in die Wanne leitete. Die anfangs unterschätzte Pumpe mit 10 l Fördermenge pro Minute saugte das Wasser schneller heraus, als Wasser vom Heizkörper nachlaufen konnte. Mit dieser Geschwindigkeit hatte er nicht gerechnet und hatte seine Mühe damit, im Tempo der Pumpe genug große Eimer herbei zu bringen.

Dieses Problem war noch nie aufgetreten: Meistens waren dem Obermonteur die Beine eingeschlafen, weil er eine gefühlte Ewigkeit damit beschäftigt war, die Verschraubung immer wieder zu schließen, ein paar hundert Milliliter Wasser aufzufangen, den Behälter zu entleeren, den Behälter wieder darunter zu stellen, festzuhalten und dann die Verschraubung wieder neu zu öffnen. Dieses Prozedere mit kleinen abgeschnittenen Behältern wurde dann immer unzählige Male bei diesem einen Heizkörper wiederholt.

Schneller als erwartet

Mit dem „Blauen“ sieht das Arbeiten ganz anders aus: Die Wanne anpassen, einen großen Eimer, Abfluss oder ein sonstiges großes Behältnis bereit stellen, die Pumpe mit dem Schlauch platzieren und das Wasser aufdrehen, Akku einschalten und dann nur daneben stehen und warten, bis das Wasser in einem Zug völlig entleert ist.

Ganz verwundert war der Obermonteur, als er feststellte, dass die Gummilippe in dieser Situation so gut wie perfekt das Wasser in die Wanne leitete und auf der Rosette kaum ein Tropfen Wasser zu sehen war. Somit war er mit dem „Blauen“ nicht nur viel schneller als zuvor, sondern konnte auch sauberer als erwartet arbeiten. Was es bedeutet, kein Heizungswasser mehr herumspritzen zu haben und ein genial passendes System zum Wasser auffangen dabei zu haben, kann sich jeder ausmalen, der täglich mit diesem Thema zu tun hat.

Einsatz im Musikzimmer

Weiter ging es an einem großen Heizkörper im Musikzimmer. Dieser war im Boden eingelassen und stellte den tiefsten Heizkörper im Erdgeschoss dar. Fängt man an, einen solchen Heizkörper Freitagnachmittag gegen 16:00 Uhr zu entleeren? Normalerweise nicht – wenn man aber weiß, dass es noch sehr, sehr viele Heizkörper zu entleeren gibt und die Schulferien bald vorbei sind, tut man es.

Zuerst wollte Michael Schmidt wissen, wie man an einem so verwinkelt eingebauten Heizkörper das Wasser entleert. Normalerweise wird dort ein Nasssauger verwendet, um das in einem abgeschnittenen Tetra Pak aufgefangene Wasser zu entnehmen. Meistens ist dieser jedoch zu klein und das Wasser spritzt überall hin. Mit Nasssaugern wird das umhersprizende Wasser aufgefangen sowie das Wasser aus dem Tetra Pak gesaugt, während ein Monteur zusätzlich damit beschäftigt ist, die Verschraubung ständig zu öffnen und zu schließen. Außer dem Tetra Pak passte nichts unter den Heizkörper, kein abgeschnittener Eimer und keine Gummischüssel.

Somit hätte dieser Heizkörper schon einen sehr hohen Aufwand bedeutet, zumal auch noch Strom für die Sauger notwendig wäre und diese zusätzlich entleert werden müssten. Mit dem „Blauen“ war es in dieser Situation komplett anders. Die Wanne ließ sich ideal unter den Heizkörper zwängen und war von der Grundfläche her so groß, dass ein ausreichend großer Bereich abgedeckt war, um das Wasser in einem Rutsch entleeren zu können. Einfach die leeren Eimer bereit gestellt, die Pumpe angeschlossen und den Schlauch an den Eimer geclippt und Wasser marsch. Das Wasser landete sauber in der Wanne und wurde kräftig von der Tauchpumpe abgepumpt. Der Obermonteur saß kopfschüttelnd daneben und konnte seinen Augen nicht trauen: Er musste bei diesem sehr großen Heizkörper die Verschraubung nur einmal öffnen, sich hinsetzten und bis zum Schluss nur darauf achten, dass genug ausgeleerte Eimer vorhanden waren.

Enorme Zeitersparnis

Alleine bei diesem einen Heizkörper, bei dem etwa 60-80 l Wasser in einer unmöglichen Einbausituation entleert wurden, ist bares Geld verdient worden. Normalerweise braucht man für einen solchen Heizkörper zwei Mann und vier Arbeitsstunden. Bei einem öffentlichen Auftrag kann man dies aber nicht so kalkulieren und hätte somit gnadenlos draufgezahlt. Bei den anderen Heizkörpern hätte die Zeit wieder herausgeholt werden müssen. Auch das hat sich mit dem Einsatz vom „Blauen“ ganz anders dargestellt. Der Heizkörper war in knapp 20 Minuten geleert, und das ohne jegliche Anstrengung, Ärger oder Frust.

Die Zeitersparnis lag bei diesem Heizkörper bei etwa dem zwanzigfachen Wert gegenüber der normalen Methode, wobei dieser Heizkörper wirklich besonders gut für geeignet war, um zu zeigen, was mit dem „Blauen“ möglich ist. Laut Hochrechnung von Markus Freundorfer braucht es etwa fünf normale Heizkörper, damit sich der „Blaue“ mit seinem empfohlenen Verkaufspreis von 239 € amortisiert – ab dann wird damit nur noch verdient.

Den Testbetrieben wurde natürlich der „Blaue“ kostenfrei zur Verfügung gestellt. Aber genau hier hat sich am darauffolgenden Samstag ein Problem eingestellt: Es waren drei Mitarbeiter auf der Baustelle, um den riesen Auftrag zu bewältigen. Einer war strahlend mit dem „Blauen“ unterwegs und hat einen Heizkörper nach dem anderen entleert und war dabei viel ­schneller als die anderen Mitarbeiter, die Tröpfchen für Tröpfchen sammeln mussten.

Mit dem „Blauen“ war der Obermonteur auf der Überholspur unterwegs und konnte nur über die anderen lachen. Das konnte Markus Freundorfer natürlich nicht auf sich sitzen lassen und kaufte den Bestand der übrigen Testgeräte auf. So tat er nicht nur seinen Mitarbeitern einen Gefallen: Auch seine Nachkalkulation sah bei diesem Auftrag viel besser als erwartet aus.

„Der Blaue“ wird Mitte des Jahres 2020 auf den Markt kommen. Über welche Händler der Blaue zu erwerben ist, erfahren Interes­sierte auf der Website: www.derblaue.com.

Wollen Sie auch demnächst mit einem dicken Grinsen über die Baustelle laufen? Dann schauen Sie doch mal in den aktuellen SHK Profi-Newsletter (Anmeldung unter //ogy.de/vv2m:https://ogy.de/vv2m) oder melden Sie sich direkt unter marlene.klocke@bauverlag.de (Betreff: Gewinnspiel Der Blaue). Zu gewinnen gibt es einen von drei „Blauen“. Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt. Einsendeschluss ist der 26. Juni 2020. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.

Entstehungsgeschichte des „Blauen“

Als in Marvin Kiesels Büro ein Heizkörper ausgetauscht wurde, traute er seinen Augen nicht, als der Heizungsbauer das Wasser mit einem abgeschnittenen Eimer auffing. Nachdem er erfuhr, dass dieser Arbeitsschritt immer umständlich und mit selbst gebastelten Lösungen erledigt wird, war für den Wirtschaftsingenieur und Produktentwickler Kiesel der Startschuss für den „Blauen“ gefallen.

Nach kurzer Recherche im Internet war klar, dass hier Potenzial für ein komplett neues Produkt bestand: Keine der auf dem Markt erhältlichen Lösungen war rundum praxis­kompatibel. Die Aufgabenstellung war eindeutig: Heizungsmonteure sollten in der praktischen Arbeit beim ersten Einsatz den positiven Nutzen erkennen. Im Anschluss an die Entwicklung des Prototyps und einigen Testphasen ging Kiesel auf seinen Bekannten Michael Schmidt zu und stellte ihm das System der Auffangwanne vor, um diesen als Geschäftspartner zu gewinnen. Die gemeinsame Firma wurde gegründet. Kiesel kümmert sich nun um Produktentwicklung und Finanzen, während Schmidt Marketing und Vertrieb verantwortet.

Da beide keine gelernten Heizungsbauer sind, haben sie sich entschieden, über die größten deutschsprachigen Fachgruppen auf Facebook, „Heizungsbauer aus Leidenschaft“ und „SHK Fachgruppe Kundendienstler“, eine Testgruppe für die Entwicklungsphase und den Optimierungsprozess zu erstellen. Das Ergebnis: Den „Blauen“ wird es in drei verschiedenen Ausführungen geben. Eine Variante ohne Akku und zwei Versionen mit unterschiedlich leistungsstarken Akkus. Das System kommt Mitte 2020 auf den Markt.

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