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Betrieb | Betriebsführung | 29.08.2018

Wenn der Senior-Chef
Abschied nimmt …

Interview mit Petra Fischer zur Unternehmensnachfolge

Die Übergabe der eigenen Firma: Hunderttausendfach kommt das in deutschen Handwerksbetrieben vor. Petra Fischer arbeitet bei der Unternehmensberatung K.E.R.N. Im SHK Profi-Interview erklärt die diplomierte Betriebswirtin, wie komplex diese Problematik ist und was beachtet werden sollte. Auch auf der RIFA, am 25. und 26. Oktober in Nürnberg, wird über das Thema Unternehmensnachfolge intensiv informiert. Petra Fischer konnte als Moderatorin für eine hochkarätig besetzte Expertenrunde gewonnen werden, die über das Thema „Werterhalt durch erfolgreiche Unternehmensnachfolge“ sprechen wird.

  • Petra Fischer, K.E.R.N – die Nachfolgespezialisten. Als dipl. Betriebswirtin hat Petra Fischer jahrelange Führungserfahrung als Geschäftsführerin von Familienunternehmen. Sie berät Unternehmer sowohl bei innerfamiliären Nachfolgeprozessen, als auch bei Unternehmensverkäufen und -käufen.

  • #### ZUM KASTEN ###

SHK Profi: Frau Fischer, wenn der Chef für seine Firma einen neuen Chef sucht – Stichwort Unternehmensnachfolge – dann steht er vor Problemen und braucht guten Rat. Sie helfen in diesen Fällen. Ist denn die Angelegenheit wirklich so kompliziert?

Petra Fischer: Ja! Die eigene Firma abgeben – so etwas tut man in der Regel nur einmal im Leben. Und häufig haben sich die Inhaber damit noch niemals auseinandergesetzt. Ein ganz neuer Bereich mit vielen Fragen muss plötzlich bewältigt werden. Wo finde ich einen geeigneten Nachfolger? Welche Anforderungen sollte er erfüllen? Was ist beim Kaufpreis zu beachten? Wann ziehe ich die Mitarbeiter ins Vertrauen? Zahlen, Daten, Fakten des Unternehmens müssen transparent gemacht werden. Betriebliches und privates Vermögen sind meist nicht sauber getrennt worden. Finanzielle, juristische und steuerliche Aspekte kommen hinzu – eine Fülle an Fachwissen muss beherrscht werden. In den kommenden fünf bis sechs Jahren wird dieses Thema übrigens bundesweit rund 200.000 Handwerksbetriebe betreffen.

SHK Profi: Nun ist der erwünschte Ruhestand mit 60, 65 oder 70 Jahren ja nicht plötzlich da. Man kann sich vorbereiten. Wie viel Zeit, wie viel Vorlaufzeit muss man für die Firmenübergabe einkalkulieren?

Petra Fischer: Wir gehen von mindestens zwei Jahren aus. Mehr Zeit ist aber fast immer besser. Bis zu fünf Jahren sind oft optimal. Es ist ein langwieriger Prozess, mit dem sich der Firmeninhaber erst vertraut machen muss. Es muss ein Check durchgeführt werden, ob der Betrieb überhaupt übergabefähig ist. Vielleicht müssen auch steuerliche und bilanztechnische Maßnahmen im Vorfeld getroffen werden. Wer zu lange gewartet hat, wer in den letzten Jahren nicht investiert hat und nicht mehr auf der Höhe der Zeit arbeitet, macht dieses Unterfangen nahezu unmöglich. Man muss handeln, bevor Alter, Krankheit oder gar Tod den Wechsel erzwingen. Wenn sich erst Familienangehörige ohne jede Vorbereitung damit auseinandersetzen müssen, geht das mit ziemlicher Sicherheit auf Kosten des Unternehmens.

SHK Profi: Die Familie kann aber auch ein Rückhalt sein, wenn z.B. das eigene Kind Nachfolger werden soll. Was sollte dennoch im Umgang mit engen Angehörigen beachtet werden?

Petra Fischer: Das Wichtigste dabei ist miteinander zu reden, das Thema nicht unter den Tisch zu kehren, sondern offen und ehrlich anzusprechen. Ob bei den Familienangehörigen wirklich der Wille und die nötige Qualifikation vorhanden sind, das sollte sehr sorgfältig geprüft werden. Was die finanzielle Seite anbelangt, so gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Der Übergeber sollte in jedem Fall für eine lebenslange Rente gesorgt haben.

SHK Profi: Oft möchte der Senior dem Junior noch in den ersten Monaten nach der Übergabe helfen – eine sinnvolle Idee?

Petra Fischer: Eine Tandemlösung, also eine sanfte Übergabe, ist in jedem Fall vernünftig. Auch die Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten fühlen sich dann sicherer. Wir empfehlen die Erstellung einer sogenannten Road-Map, in der Schritte und Zeitpunkte für die Ablösung vorgegeben sind und eingehalten werden müssen. Wenn der Senior nicht bereit ist, Abschied zu nehmen, kommt es über kurz oder lang zu Problemen im Betrieb. Und zwischenmenschliche Spannungen sind immer schlecht fürs Geschäft.

SHK Profi: Wenn man an außenstehende Interessenten verkaufen will, stellt sich mit großer Schärfe die Frage nach dem Wert der Firma. Wie sollte der Inhaber hier vorgehen?

Petra Fischer: Zunächst muss man ganz klar unterscheiden zwischen Unternehmenswert und dem Preis, den ein Externer zu bezahlen gewillt ist. Eine unabhängige Unternehmensbewertung kann zur Orientierung herangezogen werden. Am Ende entscheidet jedoch die individuelle Vereinbarung zwischen den beiden Parteien. Der Preis sollte fair sein, den Verkäufer absichern, aber auch das Überleben der Firma nicht gefährden.

SHK Profi: Neben dem Finanziellen kommt es auch auf die Eignung des Nachfolgers an, wenn die Firma erfolgreich weitergeführt werden soll.

Petra Fischer: Richtig. Die innerfamiliäre Nachfolge stand deshalb bislang an erster Stelle. Doch dies gestaltet sich zunehmend schwierig. Oft wollen die Kinder etwas ganz anderes machen oder haben bereits einen Beruf. Auch überholte Rollenklischees gibt es. Viel mehr Frauen im Handwerk sollten sich eine Unternehmensführung zutrauen. Das würde einen Teil der Nachfolgeproblematik schnell lösen.

SHK Profi: Welche Vorteile bietet die Übernahme einer bestehenden Firma – vielleicht im Gegensatz zur Neugründung?

Petra Fischer: Es gibt einen soliden Kundenstamm, gewachsene Lieferantenbeziehungen, bestehenden Cashflow – alles Vorteile gegenüber riskanten Unternehmensgründungen und mühsamen Startups. Man findet deshalb auch in der Regel Interessenten. Manchmal ist es sogar der Meister im Betrieb, der das Unternehmen weiterführen möchte. Oder ein Wettbewerber will sich vergrößern. Solange man noch ganz am Anfang des Prozesses steht, ist es ratsam, eine Vertrauensperson aus dem persönlichen Umfeld einzuweihen. Das Thema ist vielschichtig, äußerst sensibel und erfordert in der ersten Phase Verschwiegenheit gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten. Hier bietet sich die Unterstützung externer Berater an, die die Vertraulichkeit und Anonymität des Betriebes wahren. Sie verfügen zudem über das nötige Fachwissen, können die Prozesse steuern und auf Fallen aufmerksam machen.

SHK Profi: Klare Absprachen und vertragliche Sicherheiten, darauf kommt es beim Verkauf vermutlich besonders an, oder?

Petra Fischer: Selbstverständlich. Beim Vertragsabschluss müssen sowohl ein Steuerberater als auch ein Anwalt hinzugezogen werden, und auch die Bank muss miteinbezogen sein.

SHK Profi: Und wie gibt man die Unternehmensnachfolge dann schlussendlich bekannt?

Petra Fischer: Das Umfeld macht sich meist schon früher Gedanken. Wie geht es mit dem Betrieb weiter? Diese Frage steht oft im Raum, lange bevor sich der Inhaber offen damit auseinandersetzt. Vor allem Lieferanten haben ein großes Interesse an einer geordneten Übergabe und können als Tippgeber und Vertraute herangezogen werden, wenn der geeignete Zeitpunkt gekommen ist. Im Sinne einer vertrauensvollen Zusammenarbeit müssen Mitarbeiter und Kunden dann zeitnah informiert werden, wenn es um die konkrete Umsetzung geht.

RIFA 2018: Spannende Foren und aktuelle Fachvorträge

Vorträge, Fragerunden, Präsentationen, Kontakte – darum dreht sich die RIFA, die alle zwei Jahre in Nürnberg stattfindet. Am 25. und 26. Oktober zeigen wieder Top-Aussteller aus allen Bereichen ihre Produkte und Neuerungen.  Auch hochkarätige Redner sind geladen. Darunter auch Petra Fischer, die als Moderatorin das Forum „Werterhalt durch erfolgreiche Unternehmensnachfolge“ leiten wird. Aber auch in weiteren Foren und Fachreferaten wird über die wichtigsten SHK-Trends informiert. Mehr Details unter www.rifa-messe.de.

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