Mit den richtigen Ideen zum Azubi

Digitale Wege und die gezielte Ansprache machen den Unterschied

Viele erfolgreiche SHK-Betriebe haben keinen Azubimangel, sondern mehr potenzielle Azubis als sie anlernen können. Die Frage ist: Was machen sie anders? Die Antwort ist einfacher als man denkt: Sie investieren unternehmerische Energie in das Thema Nachwuchsgewinnung.

Immer wieder klagen Handwerksbetriebe, insbesondere in der SHK-Branche, über anhaltenden Mangel an geeigneten Auszubildenden. Das Problem wird häufig den Schulen und dem Staat zugeschoben. Aber auch mit staatlichen Förderungen und intensiverer Schulbildung wird sich das Problem des vermeintlichen Azubimangels nicht lösen, denn es gibt sehr viele junge Menschen, die sich für eine Ausbildung im Handwerk interessieren. Sie wissen es nur noch nicht. Genau hier kann man als Unternehmer ansetzen und sehr viel beeinflussen, indem man das Thema aktiv angeht. Dafür sind drei Dinge notwendig: unternehmerische Energie, die Fähigkeit, die jungen Menschen in ihrer digitalen Welt zu erreichen und von der Tätigkeit und Ausbildung zu begeistern.

Unternehmerische Energie und unkonventionelle Lösungsansätze

Die grundlegende Frage, die ein Geschäftsführer sich im Fall des Azubimangels stellen sollte, ist: Wie viel unternehmerische Energie wird in das Thema Azubi­gewinnung und Ausbildung gesteckt? Die Antwort lautet in der Regel: zu wenig. Diejenigen Betriebe, die sich mit dem Thema aktiv auseinandersetzen und unternehmerische Energie in diesen Bereich fließen lassen, haben keine Probleme Nachwuchs zu finden und auch langfristig zu binden. Sie gehen teils unkonventionelle Wege und machen sich die Bedürfnisse und Wünsche der jüngeren Generation bewusst.

Ein inspirierendes Beispiel für einen solch unkonventionellen Lösungsansatz zur Nachwuchsgewinnung ist ein Inhaber eines SHK-Betriebs, der keine Lust und Kraft mehr hatte, um für erfahrene Fachkräfte zu kämpfen. Er entschloss sich, seine gesamte Energie in die Gewinnung von Nachwuchskräften zu investieren. Oberstes Ziel des Inhabers war es, einen Ort und ein Umfeld zu schaffen, indem sich die jungen Auszubildenden wohl fühlen. Zu dem Zweck baute er – mit Beteiligung seiner Auszubildenden und Mitarbeiter – ein Azubihaus in der Nähe seines Betriebs. Die Auszubildenden seines Unternehmens können dort in einer 6er-WG gemeinsam wohnen – und das rundum sorglos. Neben zahlreichen Benefits (PlayStation, Kicker, Reinigungsservice etc.) dürfen die Auszubildenden Ideen am Azubihaus selbstständig umsetzen und verbauen. So fördert die Azubihaus-Idee nebenher die fachlichen Fähigkeiten der Auszubildenden. Zudem werden sie dadurch aus weiter entfernten Regionen angelockt – denn die Geschichten aus dem WG-Leben und den Möglichkeiten bei diesem Arbeitgeber sprechen sich herum.

Natürlich hat nicht jeder Betrieb die Möglichkeit, ein Haus für seine Auszubildenden zu bauen. Aber der Gedanke hinter dem Projekt war die Wertschätzung – und diese sollte jeder Betriebsinhaber gegenüber allen seinen Mitarbeitern ausleben. Wertschätzung – unabhängig von der Form – ist ausschlaggebend für die erfolgreiche Gewinnung und Bindung von Auszubildenden. Die saubere Ausbildung, das Aufzeigen von Möglichkeiten und die Förderung der jungen Auszubildenden macht den Unterschied zwischen Betrieben, die mehr als genug Auszubildende bekommen und denjenigen, die permanent unter Azubimangel leiden.

Auszubildende so ausbilden, dass sie auch bleiben

Neben fehlender unternehmerischer Energie seitens der Geschäftsführung ist einer der größten Fehler, in Auszubildende zu wenig Zeit zu investieren. Leider sehen wir das viel zu häufig mit der Begründung: „Ich habe keinen, der sich aktiv um das Thema bei uns im Betrieb kümmert”. Wer frühzeitig in die strukturierte Ausbildung und kontinuierliche Förderung seiner Azubis investiert, wird diese nicht aufgrund leichter Gehaltsunterschiede an die Industrie verlieren. Das merken wir immer, wenn wir mit Betrieben arbeiten, die viel Energie in die Azubis stecken. Dort bleiben ca. 50 bis 70 % der Azubis noch viele Jahre lange im Betrieb.

Gezielte, digitale Ansprache von potenziellen Auszubildenden

In die Ausbildung eigener Azubis Zeit und Energie zu stecken, lohnt sich allenfalls. Die Frage, wo man nun als Inhaber geeignete Auszubildende findet, ist leicht zu beantworten. Wenn es in der Nähe eine Schule gibt, dann sind auch ausreichend potenzielle Auszubildende dort. Inhaber von SHK-Betrieben müssen sich bewusst machen, dass es nicht ausreicht darauf zu hoffen, dass der passende Nachwuchs allein zum Unternehmen findet. Junge Menschen müssen aktiv angesprochen werden und das über Kanäle, auf denen sie sich in ihrem Alltag bewegen – die digitalen Medien. Insbesondere soziale Medien wie Instagram müssen zur Nachwuchsgewinnung eingesetzt werden. Zusätzlich muss die sinnstiftende Tätigkeit des Handwerks gezeigt werden. Das Tätigkeitsfeld Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bietet zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten und ist keinesfalls eine rein körperliche Betätigung. ­Dieses Bewusstsein muss beim Nachwuchs gestärkt werden. Erst wenn junge Menschen digital sowie analog erleben, wie viele Möglichkeiten, Chancen und Abwechslung im Handwerk besteht, können sie sich aktiv dafür entscheiden. Ansonsten bleibt es leider bei dem längst überholten Rat der Mutti: „Junge, mach ein Studium, damit du mal später einen gescheiten Bürojob hast und gutes Geld verdienen kannst.”

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